
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 11
5 Dann sagte er zu ihnen: Wer von euch hat wohl einen Freund und geht mitten in der Nacht zu ihm und sagt: Freund, leihe mir drei Brote; 6 denn einer meiner Freunde ist auf der Reise zu mir gekommen und ich habe ihm nichts vorzusetzen -- 7 würde jener von drinnen antworten: Belästige mich nicht! Die Tür ist bereits geschlossen und meine Kinder und ich sind zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir (etwas) geben? 8 Ich sage euch: Wenn er auch nicht deswegen aufsteht und ihm gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.
(Serm. 105) Was aber sind diese drei Brote anderes als die Speise des himmlischen Geheimnisses? Denn es kann sein, dass einer einen Freund hatte, der ihn um etwas bat, was er ihm nicht geben konnte, und dann feststellt, dass er nicht hat, was er geben muss. Ein Freund kommt also zu dir auf seiner Reise, das heißt in diesem gegenwärtigen Leben, in dem alle als Fremde dahinziehen und niemand Besitzer bleibt, sondern jedem gesagt wird: Zieh weiter, o Fremder, gib dem Platz, der kommt. (Sir 29,27.) Oder vielleicht kommt ein Freund von dir von einem schlechten Weg (das heißt von einem bösen Leben), ermüdet und die Wahrheit nicht findend, durch deren Hören und Annehmen er glücklich werden kann. Er kommt zu dir wie zu einem Christen und sagt: „Gib mir einen Grund“, und fragt vielleicht nach dem, was du aus der Einfalt deines Glaubens nicht weißt, und da du nichts hast, womit du seinen Hunger stillen kannst, bist du gezwungen, es in den Büchern des Herrn zu suchen. Denn vielleicht ist das, was er fragte, im Buch enthalten, aber dunkel. Es ist dir nicht erlaubt, Paulus selbst oder Petrus oder einen Propheten zu fragen, denn jene ganze Familie ruht jetzt bei ihrem Herrn, und die Unwissenheit der Welt ist sehr groß, das heißt, es ist Mitternacht, und dein Freund, der vom Hunger bedrängt wird, drängt darauf, nicht zufrieden mit einem einfachen Glauben; soll er also verlassen werden? Geh daher zum Herrn selbst, bei dem die Familie schläft, klopfe an und bete; von dem hinzugefügt wird: Und er wird von innen antworten und sagen: Mühe mich nicht. Er zögert zu geben, weil er wünscht, dass du das Verzögerte umso eifriger begehrst, damit es nicht, sogleich gegeben, gemein werde.