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Catena Aurea · Evangelium secundum Lucam
190 Kommentare der Kirchenväter · 10 Versabschnitte
Lukasevangelium 10 in der Bibel lesen1 Danach bezeichnete der Herr noch zweiundsiebzig andere und sandte sie zu zweien vor sich her in jede Stadt und Ortschaft, in die er selbst kommen wollte. 2 Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter; bittet daher den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sendet.
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Catena Aurea · Lk 10
Gott hatte durch die Propheten bekannt gemacht, dass die Verkündigung des Evangeliums des Heils nicht nur Israel, sondern auch die heidnischen Völker umfassen sollte; und daher wurden nach den zwölf Aposteln auch andere zweiundsiebzig (Vulg. septuaginta duos.) von Christus eingesetzt, wie es heißt: Danach setzte der Herr auch andere zweiundsiebzig ein.
Catena Aurea · Lk 10
Mit Recht werden zweiundsiebzig gesandt, denn so vielen Völkern der Welt sollte das Evangelium gepredigt werden, dass, wie zuerst zwölf eingesetzt wurden wegen der zwölf Stämme Israels, so auch diese als Lehrer zur Unterweisung der fremden Völker bestellt wurden.

Catena Aurea · Lk 10
(de Quæst. Ev. 1. ii. q. 14.) Wie auch in vierundzwanzig Stunden die ganze Welt sich dreht und Licht empfängt, so wird das Geheimnis der Erleuchtung der Welt durch das Evangelium der Dreifaltigkeit in den zweiundsiebzig Jüngern angedeutet. Denn dreimal vierundzwanzig ergibt zweiundsiebzig. Nun, wie niemand bezweifelt, dass die zwölf Apostel die Ordnung der Bischöfe vorausbildeten, so müssen wir auch wissen, dass diese zweiundsiebzig das Presbyterium (das heißt die zweite Ordnung der Priester) darstellten. Dennoch wurden in den frühesten Zeiten der Kirche, wie die apostolischen Schriften bezeugen, beide Presbyter genannt, beide auch Bischöfe, wobei das Erstere „Reife der Weisheit“, das Letztere „Eifer in der pastoralen Sorge“ bedeutet.

Catena Aurea · Lk 10
Ein Umriss dieser Anordnung wurde auch in den Worten des Mose dargelegt, der auf Gottes Befehl siebzig auswählte, über die Gott seinen Geist ausgoss. Auch im Buch Numeri wurde über die Kinder Israel geschrieben, dass sie nach Elim kamen, was „Aufstieg“ bedeutet, und dort waren zwölf Wasserquellen und siebzig Palmbäume. (Num. 33:9.) Denn wenn wir zur geistlichen Erquickung fliehen, werden wir zwölf Quellen finden, nämlich die heiligen Apostel, von denen wir die Erkenntnis des Heils wie aus den Quellen des Erlösers schöpfen; (Jes. 12:3.) und siebzig Palmen, das heißt jene, die nun von Christus eingesetzt wurden. Denn die Palme ist ein Baum mit gesundem Kern, der tief wurzelt und fruchtbar ist, immer am Wasser wächst und zugleich seine Blätter nach oben treibt.

Catena Aurea · Lk 10
(Hom. 17. in Ev.) Er sendet die Jünger zu zwei und zwei zum Predigen, weil es zwei Gebote der Liebe gibt, die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten; (und die Liebe kann nicht ohne mindestens zwei bestehen;) damit deutet er uns stillschweigend an, dass derjenige, der keine Liebe zum anderen hat, das Amt des Predigens nicht übernehmen sollte.
Catena Aurea · Lk 10
Ebenso wurden auch die zwölf zu zwei und zwei gezählt, wie Matthäus in seiner Aufzählung zeigt. (Mt. 10:2.) Denn dass zwei im Dienst verbunden werden, scheint nach dem Wort Gottes ein alter Brauch zu sein. Denn Gott führte Israel aus Ägypten durch die Hände des Mose und Aaron. Auch Josua und Kaleb, vereint, besänftigten das Volk, das von den zwölf Kundschaftern aufgebracht worden war. (Num. 13, 14. Ex. 12.) Daher heißt es: Ein Bruder, dem ein Bruder hilft, ist wie eine befestigte Stadt. (Spr. 18:19. Vulg.)

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Zugleich wird dadurch angedeutet, dass, wenn jemand in geistlichen Gaben gleich ist, sie nicht zulassen sollten, dass eine Vorliebe für die eigene Meinung die Oberhand gewinnt.

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(ubi sup.) Mit Recht wird hinzugefügt: vor seinem Angesicht in jede Stadt und jeden Ort, wohin er selbst kommen würde. Denn der Herr folgt seinen Predigern, da die Predigt zuerst kommt und dann der Herr in das Zelt unseres Herzens eintritt; da durch die vorausgehenden Worte der Ermahnung die Wahrheit in den Sinn aufgenommen wird. Daher sagt Jesaja zu den Predigern: Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade eine Straße für unseren Gott. (Jes. 40:3.)
Catena Aurea · Lk 10
Der Herr hatte die Jünger wegen der Menge eingesetzt, die an Lehrern Mangel litt. Denn wie unsere Kornfelder viele Schnitter brauchen, so bedarf die unzählige Schar derer, die glauben sollen, vieler Lehrer, wie es folgt: Die Ernte ist wahrlich groß.

Catena Aurea · Lk 10
Aber wie nennt Er ein Werk, das erst jetzt beginnt, eine Ernte? Der Pflug ist noch nicht niedergelegt, noch die Furchen gezogen, und doch spricht Er von Ernten, denn seine Jünger könnten schwanken und sagen: Wie können wir, so wenige, die ganze Welt bekehren, wie können törichte Menschen die Weisen reformieren, nackte die Bewaffneten, Untertanen ihre Herrscher? Damit sie durch solche Gedanken nicht beunruhigt werden, nennt Er das Evangelium eine Ernte; als ob Er sagt: Alles ist bereit, ich sende euch zur Sammlung bereits vorbereiteter Früchte. Ihr könnt am selben Tag säen und ernten. Wie der Landmann also freudig zur Ernte hinausgeht, so müsst ihr noch viel mehr und mit größerer Freudigkeit in die Welt hinausgehen. Denn dies ist die wahre Ernte, die die Felder zeigt, alle für euch vorbereitet.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Aber nicht ohne tiefen Schmerz können wir hinzufügen: aber der Arbeiter sind wenige. Denn obwohl es solche gibt, die Gutes hören würden, fehlen die, die es verbreiten sollten. Siehe, die Welt ist voll von Priestern, aber selten findet sich ein Arbeiter in Gottes Ernte, weil wir zwar das priesterliche Amt übernehmen, aber seine Werke nicht vollbringen.
Catena Aurea · Lk 10
Nun, wie die große Ernte diese ganze Menge der Gläubigen ist, so sind die wenigen Arbeiter die Apostel und ihre Nachfolger, die zu dieser Ernte gesandt werden.

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(non occ. v. Tit. Bost.) Wie die großen Felder viele Schnitter brauchen, so auch die Menge der Gläubigen in Christus. Daher fügt Er hinzu: Bittet also den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende. Nun beachtet, dass, als Er sagte: Bittet also den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in die Ernte sende, Er es später selbst vollbrachte. Er ist also der Herr der Ernte, und durch Ihn und mit Ihm herrscht Gott der Vater über alles.

Catena Aurea · Lk 10
(Hom. 32. in Matt.) Aber später vermehrte Er sie sehr, nicht indem Er ihre Zahl erhöhte, sondern indem Er ihnen Macht verlieh. Er deutet an, dass es eine große Gabe ist, Arbeiter in die göttliche Ernte zu senden, indem Er sagt, dass der Herr der Ernte deswegen gebeten werden muss.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Dadurch muss auch das Volk dazu gebracht werden, für seine Hirten zu beten, damit sie fähig sind, das zu wirken, was gut für sie ist, und damit ihre Zunge in der Ermahnung nicht leblos wird. Denn oft ist wegen ihrer eigenen Schlechtigkeit ihre Zunge gebunden. Aber oft geschieht es wegen der Schuld des Volkes, dass das Wort der Predigt ihren Herrschern entzogen wird.
3 Geht! Ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe. 4 Nehmt weder Sack noch Tasche noch Schuhe mit. Grüßt niemand unterwegs!
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Catena Aurea · Lk 10
Lukas erzählt als Nächstes, dass die siebzig Jünger von Christus apostolische Gelehrsamkeit, Demut, Unschuld, Gerechtigkeit erlangten und dass sie keine weltlichen Dinge den heiligen Predigten vorzogen, sondern nach solcher Stärke des Geistes strebten, dass sie keine Schrecken fürchteten, nicht einmal den Tod selbst. Er fügt daher hinzu: Geht.

Catena Aurea · Lk 10
(Hom. 33. in Matt.) Denn ihr Trost in jeder Gefahr war die Macht dessen, der sie sandte. Und daher sagt Er: Siehe, ich sende euch; als ob er sagte: Dies wird für euren Trost genügen, dies wird genug sein, um euch hoffen zu lassen, statt die kommenden Übel zu fürchten, die Er ankündigt, indem Er hinzufügt: wie Lämmer unter Wölfen.
Catena Aurea · Lk 10
(l. i. ep. 438.) Er bezeichnet die Einfalt und Unschuld in seinen Jüngern. Denn diejenigen, die ausschweifend waren und durch ihre Ungeheuerlichkeiten ihrer Natur Hohn sprachen, nennt Er nicht Lämmer, sondern Böcke.

Catena Aurea · Lk 10
Nun sind diese Tiere untereinander im Streit, so dass das eine vom anderen verschlungen wird, die Lämmer von den Wölfen; aber der gute Hirte fürchtet die Wölfe nicht für seine Herde. Und daher werden die Jünger nicht eingesetzt, um Beute zu machen, sondern um Gnade mitzuteilen. Denn die Wachsamkeit des guten Hirten bewirkt, dass die Wölfe nichts gegen die Lämmer unternehmen; Er sendet sie als Lämmer unter Wölfen, damit die Prophezeiung erfüllt werde: Der Wolf und das Lamm werden zusammen weiden. (Jesaja 65:25.)

Catena Aurea · Lk 10
(Hom. 33 in Matt.) Denn dies war eine klare Ankündigung des glorreichen Triumphes, dass die Jünger Christi, wenn sie von ihren Feinden wie Lämmer unter Wölfen umgeben sind, sie dennoch bekehren sollten.
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Oder Er gibt den Namen Wölfe besonders den Schriftgelehrten und Pharisäern, die der jüdische Klerus sind.

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Oder die Häretiker werden mit Wölfen verglichen. Denn Wölfe sind Tiere, die in der Nähe der Schafhürden auflauern und um die Hütten der Hirten streifen. Sie wagen nicht, die Wohnstätten der Menschen zu betreten, sie spähen schlafende Hunde aus, abwesende oder träge Hirten; sie packen die Schafe an der Kehle, um sie schnell zu erwürgen; reißende Tiere, mit so steifen Körpern, dass sie sich nicht leicht umdrehen können, sondern von ihrem eigenen Ungestüm fortgerissen werden und so oft getäuscht werden. Wenn sie einen Menschen zuerst sehen, heißt es, reißen sie ihm durch einen gewissen natürlichen Impuls die Stimme aus; wenn aber ein Mensch sie zuerst sieht, zittern sie vor Furcht. In ähnlicher Weise lauern die Häretiker um die Schafhürden Christi, heulen zur Nachtzeit in der Nähe der Hütten. Denn die Nacht ist die Zeit für die Verräter, die das Licht Christi mit den Nebeln falscher Auslegung verdunkeln. Die Herbergen Christi aber wagen sie nicht zu betreten, und deshalb werden sie nicht geheilt, wie jener in einer Herberge geheilt wurde, der unter die Räuber fiel. Sie halten Ausschau nach der Abwesenheit der Hirten, denn sie können die Schafe nicht angreifen, wenn die Hirten anwesend sind. Auch wegen der Unbeugsamkeit eines harten und hartnäckigen Geistes wenden sie sich selten oder nie von ihrem Irrtum ab, während Christus, der wahre Ausleger der Schrift, sie verspottet, so dass sie ihre Gewalt vergeblich ausstoßen und nicht schaden können; und wenn sie jemanden durch die subtile Täuschung ihrer Disputationen überwältigen, machen sie ihn stumm. Denn der ist stumm, der das Wort Gottes nicht mit dem ihm gebührenden Ruhm bekennt. Hüte dich also, dass der Häretiker dich nicht deiner Stimme beraubt, und dass du ihn nicht zuerst entdeckst. Denn er schleicht heran, während seine Tücke verborgen ist. Aber wenn du seine unheiligen Begierden entdeckt hast, kannst du nicht den Verlust einer heiligen Stimme fürchten. Sie greifen die Kehle an, sie verwunden die Eingeweide, während sie die Seele suchen. Wenn du auch hörst, dass jemand Priester genannt wird, und du kennst seine Räubereien, so ist er äußerlich ein Schaf, innerlich ein Wolf, der danach verlangt, seine Wut mit der unersättlichen Grausamkeit des Menschenmordes zu befriedigen.

Catena Aurea · Lk 10
(Hom. 17. in Ev.) Denn viele, wenn sie das Recht der Herrschaft empfangen, sind heftig in der Verfolgung ihrer Untergebenen und offenbaren die Schrecken ihrer Macht. Und da sie kein Erbarmen haben, ist ihr Verlangen, Herren zu scheinen, wobei sie ganz vergessen, dass sie Väter sind, und einen Anlass zur Demut in eine Erhöhung der Macht verwandeln. Wir müssen andererseits bedenken, dass wir als Lämmer unter die Wölfe gesandt werden, damit wir das Gefühl der Unschuld bewahren und so keine bösartigen Angriffe machen. Denn wer das Amt des Predigers übernimmt, soll nicht Übel über andere bringen, sondern sie ertragen; wer, obwohl zuweilen ein aufrechter Eifer verlangt, dass er hart mit seinen Untergebenen umgeht, dennoch innerlich in seinem Herzen mit väterlichem Gefühl die lieben soll, die er äußerlich mit Tadel heimsucht. Und jener Herrscher gibt ein gutes Beispiel dafür, der niemals den Nacken seiner Seele dem Joch irdischen Verlangens unterwirft. Daher heißt es weiter: Tragt weder Beutel noch Tasche.

Catena Aurea · Lk 10
(Orat. 2.) Die Summe davon ist, dass die Menschen so tugendhaft sein sollen, dass das Evangelium durch ihren Lebenswandel nicht weniger Fortschritte macht als durch ihre Predigt.

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(Hom. 17. in Ev.) Denn der Prediger (des Evangeliums) soll solches Vertrauen auf Gott haben, dass er, obwohl er nicht für die Ausgaben dieses gegenwärtigen Lebens sorgt, dennoch ganz sicher überzeugt ist, dass ihm diese nicht fehlen werden; damit er nicht, während sein Geist mit seinen zeitlichen Dingen beschäftigt ist, weniger für die geistlichen Dinge anderer besorgt sei.

Catena Aurea · Lk 10
So hatte Er ihnen bereits geboten, keine Sorge für diese Dinge zu haben, als Er sagte: Ich sende euch wie Lämmer unter die Wölfe. Und Er verbot auch alle Sorge um das, was außerhalb des Leibes ist, indem Er sagte: Nehmt weder Beutel noch Tasche. Noch erlaubte Er den Menschen, etwas von dem mitzunehmen, was nicht am Leib befestigt war. Daher fügt Er hinzu: Noch Schuhe. Er verbot ihnen nicht nur, Beutel und Tasche zu nehmen, sondern Er erlaubte ihnen nicht, irgendeine Ablenkung in ihrer Arbeit zu haben, wie etwa Unterbrechung durch Grüße auf ihrem Weg. Daher fügt Er hinzu: Grüßt niemanden auf dem Weg. Was schon längst von Elisa gesagt worden war. (2 Kön. 4,29.) Als ob Er sagte: Geht geradeaus zu eurem Werk, ohne mit anderen Segenswünsche auszutauschen. Denn es ist ein Verlust, die Zeit, die für die Predigt geeigneter ist, mit unnötigen Dingen zu verschwenden.

Catena Aurea · Lk 10
Unser Herr verbot diese Dinge damals nicht, weil die Ausübung von Wohltätigkeit Ihm missfiel, sondern weil das Motiv, der Hingabe nachzufolgen, Ihm mehr gefiel.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Der Herr gab ihnen diese Gebote auch zur Ehre des Wortes, damit es nicht scheinen sollte, dass Lockungen mehr über sie vermögen könnten. Er wollte auch, dass sie nicht ängstlich danach trachten, mit anderen zu sprechen.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Wenn jemand diese Worte auch allegorisch verstehen will, so ist das im Beutel verschlossene Geld die verborgene Weisheit. Wer also das Wort der Weisheit hat und es vernachlässigt, es für seinen Nächsten einzusetzen, ist wie einer, der sein Geld im Beutel verschlossen hält. Mit der Tasche aber sind die Mühen der Welt gemeint, mit den Schuhen (aus den Häuten toter Tiere) sind die Beispiele toter Werke bezeichnet. Wer also das Amt des Predigers übernimmt, soll nicht die Last der Geschäfte tragen, damit er nicht, während diese seinen Nacken niederdrückt, nicht zur Predigt der himmlischen Dinge aufsteigt; noch soll er das Beispiel törichten Handelns betrachten, damit er nicht meint, seine eigenen Werke gleichsam durch tote Häute schützen zu können, das heißt, damit er nicht, weil er beobachtet, dass andere diese Dinge getan haben, sich einbildet, dass auch ihm erlaubt sei, dasselbe zu tun.

Catena Aurea · Lk 10
Unser Herr wollte auch nichts Menschliches in uns. Denn Mose wird befohlen, das menschliche und irdische Schuhwerk abzulegen, als er gesandt wurde, das Volk zu befreien. (Exod. 3,5) Wenn aber jemand verwirrt ist, warum wir in Ägypten angewiesen werden, das Lamm mit Schuhen zu essen, (Exod. 12,11.) die Apostel aber ohne Schuhe das Evangelium predigen sollen: so muss er bedenken, dass man in Ägypten noch den Biss der Schlange fürchten muss, denn es gab viele giftige Kreaturen in Ägypten. Und wer das Pascha im Vorbild feiert, mag der Wunde ausgesetzt sein, aber der Diener der Wahrheit fürchtet kein Gift.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Nun grüßt jeder auf dem Weg aus dem Zufall der Reise, nicht um Gesundheit zu wünschen. Wer also nicht aus Liebe zum himmlischen Vaterland, sondern aus Verlangen nach Belohnung den Hörern das Heil predigt, der grüßt gleichsam auf der Reise, da er zufällig, nicht aus festem Vorsatz, das Heil der Hörer wünscht.
5 Wenn ihr in ein Haus eintretet, so sprecht zuerst: Friede diesem Haus! 6 Ist dort ein Sohn des Friedens, so wird euer Friede auf ihm ruhen. Wenn aber nicht, wird er zu euch zurückkehren. 7 Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was euch vorgesetzt wird; denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Geht nicht von Haus zu Haus! 8 Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was euch angeboten wird. 9 Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes hat sich euch genaht! 10 Wenn ihr aber in eine Stadt kommt und man euch nicht aufnimmt, so geht hinaus auf ihre Straßen und ruft: 11 Selbst den Staub, der von euerer Stadt an unseren Füßen haftet, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe! 12 Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag erträglicher gehen als dieser Stadt.
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(Hom. 35. in Matt.) Der Friede ist die Mutter aller guten Dinge, ohne ihn sind alle anderen Dinge vergeblich. Unser Herr befahl daher seinen Jüngern, beim Betreten eines Hauses zuerst den Frieden als Zeichen der guten Dinge zu verkünden, indem Er sagte: In welches Haus ihr auch eintretet, sagt zuerst: Friede sei diesem Haus.

Catena Aurea · Lk 10
Dass wir in Wahrheit die Botschaft des Friedens überbringen und dass unser allererster Eintritt vom Segen des Friedens begleitet sei.

Catena Aurea · Lk 10
(Hom. 32. in Matt. Orat. cont. Jud. 3.) Und daher gibt der, welcher der Kirche vorsteht, ihn, indem er sagt: Friede sei allen. Nun erbitten heilige Männer den Frieden, nicht nur den, der unter den Menschen im gegenseitigen Verkehr wohnt, sondern den, der uns selbst gehört. Denn oft führen wir Krieg in unseren Herzen und sind beunruhigt, selbst wenn niemand uns stört; auch schlechte Begierden erheben sich häufig gegen uns.
Catena Aurea · Lk 10
Aber es wird gesagt: Friede sei diesem Haus, das heißt denen, die im Haus wohnen. Als ob er sagte: Ich spreche zu allen, sowohl den Größeren als auch den Kleineren, doch soll euer Gruß nicht an die gerichtet werden, die seiner unwürdig sind. Daher wird hinzugefügt: Und wenn dort ein Sohn des Friedens ist, wird euer Friede auf ihm ruhen. Als ob er sagte: Ihr werdet zwar das Wort aussprechen, aber der Segen des Friedens wird dort angewandt werden, wo ich die Menschen für würdig erachte. Wenn aber jemand nicht würdig ist, werdet ihr nicht verspottet, die Gnade eures Wortes ist nicht verloren, sondern ist zu euch zurückgekehrt. Und das ist es, was hinzugefügt wird: Wenn aber nicht, wird es wieder zu euch zurückkehren.

Catena Aurea · Lk 10
(Hom. 17. in Ev.) Denn der Friede, der durch den Mund des Predigers angeboten wird, wird entweder auf dem Haus ruhen, wenn jemand darin zum Leben vorherbestimmt ist, der dem himmlischen Wort folgt, das er hört; oder wenn niemand bereit ist zu hören, wird der Prediger selbst nicht ohne Frucht sein, denn der Friede kehrt zu ihm zurück, während der Herr ihm den Lohn für die Mühe seiner Arbeit gibt. Wenn aber unser Friede angenommen wird, ist es angemessen, dass wir irdische Versorgung von denen erhalten, denen wir die Belohnungen eines himmlischen Vaterlandes anbieten. Daher folgt: Und in demselben Haus bleibt, esst und trinkt, was sie geben. Beachte, dass Er, der ihnen verbot, Beutel und Tasche zu tragen, ihnen erlaubt, anderen zur Last zu fallen und Unterhalt von der Predigt zu empfangen.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Aber damit niemand sage: Ich gebe mein eigenes Eigentum aus, um Fremden einen Tisch zu bereiten, lässt Er sie zuerst die Gabe des Friedens anbieten, dem nichts gleichkommt, damit du weißt, dass du Größeres empfängst als du gibst.
Catena Aurea · Lk 10
Oder sonst: Da ihr nicht als Richter eingesetzt seid, wer würdig und wer unwürdig ist, esst und trinkt, was sie euch anbieten. Aber überlasst mir die Prüfung derer, die euch aufnehmen, es sei denn, ihr erfahrt auch, dass der Sohn des Friedens nicht dort ist, denn vielleicht solltet ihr in diesem Fall fortgehen.
Catena Aurea · Lk 10
Siehe also, wie Er seine Jünger lehrte zu bitten, und wünschte, dass sie ihre Nahrung als Lohn empfangen. Denn es wird hinzugefügt: Denn der Arbeiter ist seines Lohnes würdig.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Denn nun ist die Nahrung selbst, die ihn unterstützt, Teil des Lohnes des Arbeiters, wie in diesem Leben der Lohn mit der Arbeit der Predigt beginnt, die im nächsten mit dem Anschauen der Wahrheit vollendet wird. Und hier müssen wir bedenken, dass zwei Belohnungen für ein Werk von uns fällig sind, eine auf der Reise, die uns in der Arbeit unterstützt, die andere in unserer Heimat, die uns bei der Auferstehung vergilt. Daher soll die Belohnung, die wir jetzt empfangen, so in uns wirken, dass wir uns umso eifriger bemühen, die nachfolgende Belohnung zu erlangen. Jeder wahre Prediger soll also nicht so predigen, dass er zu der gegenwärtigen Zeit eine Belohnung empfängt, sondern so eine Belohnung empfangen, dass er Kraft hat zu predigen. Denn wer so predigt, dass er hier den Lohn des Lobes oder Reichtums empfängt, beraubt sich selbst einer ewigen Belohnung.

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Eine weitere Tugend wird hinzugefügt, dass wir nicht leicht umhergehen und von Haus zu Haus wechseln. Denn es folgt: Geht nicht von Haus zu Haus; das heißt, dass wir eine Beständigkeit in unserer Liebe zu unseren Gastgebern bewahren und nicht leichtfertig irgendein Band der Freundschaft lösen.
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Nachdem er nun die Aufnahme in den verschiedenen Häusern beschrieben hat, lehrt er sie, was sie in den Städten tun sollen; nämlich mit den Guten in allem Umgang zu haben, aber sich von der Gesellschaft der Bösen in jeder Sache fernzuhalten; wie es folgt: In welche Stadt ihr aber eintretet und sie nehmen euch auf, da esset, was euch vorgesetzt wird.
Catena Aurea · Lk 10
Obwohl sie wenige und arm sind, verlangt nichts weiter; Er sagt ihnen auch, sie sollen Wunder wirken, und ihr Wort soll die Menschen zu ihrer Predigt ziehen. Daher fügt er hinzu: Und heilet die Kranken, die darin sind, und sprechet zu ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen. Denn wenn ihr zuerst heilet und dann lehret, wird das Wort gedeihen, und die Menschen werden glauben, dass das Reich Gottes nahe gekommen ist. Denn sie würden nicht geheilt werden, außer durch die Wirkung einer göttlichen Kraft. Aber auch wenn sie in ihrer Seele geheilt werden, kommt das Reich Gottes nahe zu ihnen, denn es ist fern von dem, über den die Sünde die Herrschaft hat.

Catena Aurea · Lk 10
(Hom. 32. in Matt.) Nun beachte die Vortrefflichkeit der Apostel. Ihnen wird geboten, nichts über sinnliche Dinge zu äußern, wie Mose und die Propheten sprachen, nämlich über irdische Güter, sondern über gewisse neue und wunderbare Dinge, nämlich das Reich Gottes.

Catena Aurea · Lk 10
(Cap. Theol. 191.) Von dem gesagt wird, es sei nahe gekommen, nicht um die Kürze der Zeit anzuzeigen, denn das Reich Gottes kommt nicht mit Beobachtung, sondern um die Haltung der Menschen gegenüber dem Reich Gottes zu kennzeichnen, das zwar der Möglichkeit nach in allen Gläubigen ist, tatsächlich aber in denen, die das Leben des Leibes verwerfen und nur das geistliche Leben wählen; die sagen können: Nun aber lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. (Gal. 2,20.)

Catena Aurea · Lk 10
Als Nächstes lehrt er sie, den Staub von ihren Füßen abzuschütteln, wenn die Männer einer Stadt sich weigern, sie aufzunehmen, indem er sagt: In welche Stadt ihr auch eintretet und sie nehmen euch nicht auf, schüttelt den Staub ab.
Catena Aurea · Lk 10
Entweder als Zeugnis für die irdische Mühe, die sie vergeblich für sie auf sich genommen hatten, oder um zu zeigen, dass sie, weit davon entfernt, etwas Irdisches von ihnen zu suchen, nicht einmal den Staub ihres Landes an sich haften lassen. Oder mit den Füßen ist die eigentliche Arbeit und das Hin- und Hergehen der Predigt gemeint; aber der Staub, mit dem sie besprengt werden, ist die Leichtigkeit weltlicher Gedanken, von der selbst die größten Lehrer nicht frei sein können. Diejenigen also, die die Lehre verachtet haben, verwandeln die Mühen und Gefahren der Lehrer in ein Zeugnis für ihre Verdammung.
Catena Aurea · Lk 10
Indem sie den Staub von ihren Füßen gegen sie abwischen, sagen sie gewissermaßen: Der Staub eurer Sünden soll verdientermaßen auf euch kommen. Und beachte, dass die Städte, die die Apostel und die gesunde Lehre nicht aufnehmen, Straßen haben, nach Matthäus: Breit ist der Weg, der zum Verderben führt. (Mt. 7,13.)
Catena Aurea · Lk 10
Und wie von denen, die die Apostel aufnehmen, gesagt wird, dass das Reich Gottes als ein Segen nahe zu ihnen gekommen ist, so wird von denen, die sie nicht aufnehmen, gesagt, dass es als ein Fluch nahe zu ihnen gekommen ist. Daher fügt er hinzu: Doch seid dessen gewiss, dass das Reich Gottes nahe zu euch gekommen ist, wie das Kommen eines Königs für einige zur Strafe, für andere zur Ehre ist. Daher wird bezüglich ihrer Strafe hinzugefügt: Aber ich sage euch: Es wird Sodom erträglicher ergehen, usw.
Catena Aurea · Lk 10
Denn in der Stadt Sodom waren die Engel nicht ohne Bewirtung, sondern Lot wurde für würdig befunden, sie in sein Haus aufzunehmen. (Gen. 19.) Wenn also bei der Ankunft der Jünger in einer Stadt sich nicht einer findet, der sie aufnimmt, wird jene Stadt nicht schlimmer sein als Sodom? Diese Worte überzeugten sie, kühn die Regel der Armut zu wagen. Denn es konnte keine Stadt oder kein Dorf ohne einige Einwohner geben, die Gott wohlgefällig waren. Denn Sodom konnte nicht existieren, ohne dass ein Lot darin gefunden wurde, bei dessen Weggang das Ganze plötzlich zerstört wurde.
Catena Aurea · Lk 10
Die Männer von Sodom waren zwar inmitten all ihrer Bosheit an Seele und Leib gastfreundlich, doch wurden unter ihnen keine solchen Gäste gefunden wie die Apostel. Lot war zwar gerecht im Sehen und Hören, doch wird nicht gesagt, dass er gelehrt oder Wunder gewirkt hätte.
13 Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn in Tyrus und Sidon die Machttaten geschehen wären, die bei euch geschehen sind, längst schon hätten sie sich, in Sack und Asche sitzend, bekehrt. 14 Doch Tyrus und Sidon wird es im Gericht erträglicher ergehen als euch. 15 Und du, Kafarnaum: Wirst du wohl bis zum Himmel erhoben werden? Bis zur Unterwelt wirst du hinabfahren! 16 Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verachtet, verachtet mich; wer aber mich verachtet, verachtet den, der mich gesandt hat.
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Catena Aurea · Lk 10
Unser Herr warnt uns, dass diejenigen eine schwerere Strafe erleiden werden, die sich geweigert haben, dem Evangelium zu folgen, als diejenigen, die das Gesetz übertreten haben; indem er sagt: Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida!
Catena Aurea · Lk 10
Chorazin, Bethsaida und Kapernaum, auch Tiberias, das Johannes erwähnt, sind Städte Galiläas am Ufer des Sees von Gennesaret, der von den Evangelisten das Galiläische Meer oder das Meer von Tiberias genannt wird. Unser Herr trauert thus über diese Städte, die nach so großen Wundern und Zeichen nicht Buße taten und schlimmer sind als die Heiden, die nur das Naturgesetz übertreten, da sie nach Verachtung des geschriebenen Gesetzes sich nicht scheuten, auch den Sohn Gottes und seine Herrlichkeit zu verachten. Daher folgt: Denn wenn die Machttaten in Tyrus und Sidon geschehen wären, die in euch geschehen sind, sie hätten längst in Sack und Asche Buße getan, usw. Mit Sack, der aus Ziegenhaaren gewebt ist, bezeichnet er ein scharfes Gedenken an frühere Sünde. Mit Asche aber deutet er die Betrachtung des Todes an, durch die wir zu Staub werden. Wiederum durch das Sitzen deutet er die Niedrigkeit unseres Gewissens an. Nun haben wir an diesem Tag das Wort des Erlösers erfüllt gesehen, da Chorazin und Bethsaida, obwohl unser Herr unter ihnen gegenwärtig war, nicht glaubten, und Tyrus und Sidon sowohl David als auch Salomo freundlich gesinnt waren, (1 Kön. 5.) und später an die Jünger Christi glaubten, die dort das Evangelium predigten.

Catena Aurea · Lk 10
(Hom. 38. in Matt.) Unser Herr trauert über diese Städte zu unserem Beispiel, weil das Vergießen von Tränen und bitteren Klagen über die, die für den Schmerz unempfindlich sind, kein geringes Gegenmittel ist, das sowohl zur Besserung der Unempfindlichen als auch zum Heilmittel und Trost derer dient, die über sie trauern. Wiederum zieht er sie zum Guten, nicht nur indem er über sie klagt, sondern auch indem er sie erschreckt. Daher folgt: Doch es wird Tyrus und Sidon erträglicher ergehen, usw. Darauf sollten auch wir hören. Denn nicht nur über sie, sondern auch über uns hat er das Urteil gesprochen, wenn wir die Gäste nicht aufnehmen, die zu uns kommen, da er ihnen gebot, sogar den Staub von ihren Füßen abzuschütteln. Und an einer anderen Stelle: Als nun unser Herr viele Machttaten in Kapernaum getan hatte und selbst dort wohnte, schien es über die anderen Städte erhoben zu sein, aber durch Unglauben fiel es ins Verderben. Daher folgt: Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhoben bist, wirst bis zur Hölle hinabgestoßen werden; damit nämlich das Gericht im Verhältnis zur Ehre stehe.
Catena Aurea · Lk 10
Dieser Satz lässt zwei Bedeutungen zu: Entweder wirst du aus diesem Grund bis zur Hölle hinabgestoßen werden, weil du stolz meiner Predigt widerstandest; damit sie in Wahrheit verstanden werde, sich durch ihren Stolz bis zum Himmel erhoben zu haben. Oder weil du durch meine Wohnung in dir und durch meine Wunder bis zum Himmel erhoben bist, wirst du mit mehr Streichen geschlagen werden, da du auch diese nicht glauben wolltest. Und damit niemand annehme, diese Auslegung gelte nur für die Städte oder Personen, die unseren Herrn im Fleische sahen und ihn verachteten, und nicht auch für alle, die jetzt das Wort des Evangeliums verachten, fährt er fort, diese Worte hinzuzufügen: Wer euch hört, hört mich.

Catena Aurea · Lk 10
Wodurch er lehrt, dass alles, was von den heiligen Aposteln gesagt wird, angenommen werden muss, da, wer sie hört, Christus hört, und daher eine unvermeidliche Strafe über die Häretiker hängt, die die Worte der Apostel vernachlässigen; denn es folgt: und wer euch verachtet, verachtet mich.
Catena Aurea · Lk 10
Das heißt, dass jeder beim Hören oder Verachten der Predigt des Evangeliums lernen möge, dass er nicht den bloßen einzelnen Prediger verachtet oder hört, sondern unseren Herrn und Erlöser, ja den Vater selbst; denn es folgt: Und wer mich verachtet, verachtet den, der mich gesandt hat. Denn der Meister wird in seinem Jünger gehört, der Vater in seinem Sohn geehrt.

Catena Aurea · Lk 10
(Serm. 102.) Aber wenn das Wort Gottes auch zu uns gelangt und uns an die Stelle der Apostel setzt, hüte dich, uns zu verachten, damit nicht das zu ihm gelange, was du uns angetan hast.
Catena Aurea · Lk 10
Es kann auch wie folgt verstanden werden: Wer euch verachtet, verachtet mich, das heißt, wer einem der Geringsten meiner Brüder keine Barmherzigkeit erweist, erweist sie auch mir nicht. Aber wer mich verachtet, (indem er sich weigert, an den Sohn Gottes zu glauben,) verachtet den, der mich gesandt hat. (Mt. 25,40.) Denn ich und der Vater sind eins. (Joh. 10,30.)
Catena Aurea · Lk 10
Zugleich aber tröstet er hierin seine Jünger, als ob er sagte: Sagt nicht, warum werden wir Schmach erleiden. Eure Rede sei mit Mäßigung. Ich gebe euch Gnade, auf mich fallen eure Schmähungen.
17 Die Zweiundsiebzig kehrten voll Freude zurück und sagten: Herr, selbst die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen. 18 Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. 19 Seht, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und (Macht) über alle Gewalt des Feindes; nichts wird euch schaden können. 20 Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister unterworfen sind; freut euch vielmehr, dass euere Namen im Himmel eingeschrieben sind.
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Catena Aurea · Lk 10
Oben wurde gesagt, dass unser Herr seine Jünger aussandte, versiegelt mit der Gnade des Heiligen Geistes, und dass sie, zu Dienern der Predigt gemacht, Macht über die unreinen Geister empfingen. Als sie nun zurückkehrten, bekennen sie die Macht dessen, der sie geehrt hatte, wie es heißt: Und die Siebzig kehrten mit Freude zurück und sagten: Herr, sogar die Dämonen sind uns untertan, usw. Sie schienen sich eher darüber zu freuen, dass sie zu Wundertätern gemacht wurden, als dass sie Diener der Predigt geworden waren. Aber sie hätten sich besser über die freuen sollen, die sie gewonnen hatten, wie der heilige Paulus zu denen sagt, die durch ihn berufen wurden: Meine Freude und meine Krone. (Phil. 4,1.)

Catena Aurea · Lk 10
(23. Mor. c. 4.) Nun erzählte unser Herr in bemerkenswerter Weise, um die hohen Gedanken in den Herzen seiner Jünger niederzuwerfen, selbst den Bericht über den Fall, den der Lehrer des Hochmuts erlitt; damit sie aus dem Beispiel des Urhebers des Hochmuts lernten, was sie von der Sünde des Hochmuts zu fürchten hätten. Daher folgt: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.

Catena Aurea · Lk 10
(Hom. Quod Deus non est auctor mali.) Er wird Satan genannt, weil er ein Feind Gottes ist (denn das bedeutet das hebräische Wort), aber er wird Teufel genannt, weil er uns beim Bösen hilft und ein Ankläger ist. Seine Natur ist unkörperlich, sein Aufenthalt in der Luft.
Catena Aurea · Lk 10
Er sagt nicht: ‚Ich sehe jetzt‘, sondern indem er auf die vergangene Zeit verweist: Ich sah, als er fiel. Mit den Worten wie ein Blitz aber bezeichnet er entweder einen Sturz kopfüber von den Höhen zu den Tiefen, oder dass er, nun niedergestürzt, sich in einen Engel des Lichts verwandelt. (2 Kor. 11,14.)
Catena Aurea · Lk 10
Nun sagt er, dass er es sah, als Richter, denn er kannte die Leiden der Geister. Oder er sagt wie ein Blitz, weil Satan von Natur aus wie ein Blitz leuchtete, aber durch seine Neigungen Finsternis wurde, da er, was Gott gut gemacht hatte, in sich selbst zum Bösen veränderte.

Catena Aurea · Lk 10
(adv. Eunom. l. 3.) Denn die himmlischen Mächte sind nicht von Natur aus heilig, sondern gemäß der Analogie der göttlichen Liebe empfangen sie ihr Maß an Heiligung. Und wie Eisen, in das Feuer gelegt, nicht aufhört, Eisen zu sein, obwohl es durch die gewaltsame Einwirkung der Flamme sowohl der Wirkung als auch dem Aussehen nach in Feuer übergeht; so haben auch die Mächte droben aus ihrer Teilhabe an dem, was von Natur aus heilig ist, eine ihnen eingepflanzte Heiligkeit. Denn Satan wäre nicht gefallen, wenn er von Natur aus für das Böse unempfänglich gewesen wäre.

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Oder anders: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen, das heißt, von der höchsten Macht zur tiefsten Ohnmacht. Denn vor der Ankunft unseres Erlösers hatte er die Welt sich unterworfen, und wurde von allen Menschen angebetet. Als aber das eingeborene Wort Gottes vom Himmel herabkam, fiel er wie ein Blitz, da er von denen, die Christus anbeten, mit Füßen getreten wird. Wie folgt: Und siehe, ich gebe euch Macht, auf Schlangen zu treten, usw.
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Schlangen wurden zwar einst bildlich dazu gebracht, die Juden zu beißen und sie wegen ihres Unglaubens zu töten. Aber es kam einer, der jene Schlangen vernichten sollte; sogar die eherne Schlange, (Num. 21,8.) der Gekreuzigte, so dass, wenn jemand auf ihn schaute und glaubte, er von seinen Wunden geheilt und gerettet würde.

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Damit wir aber nicht annähmen, dies sei von wilden Tieren gesagt, fügte er hinzu: Und über alle Macht des Feindes.
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Das heißt: Ich gebe euch die Macht, jede Art von unreinem Geist aus den besessenen Körpern auszutreiben. Und was sie selbst betrifft, fügt er hinzu: Und nichts wird euch schaden. Obwohl es auch wörtlich verstanden werden könnte. Denn Paulus erlitt keinen Schaden, als er von einer Viper angegriffen wurde. (Apg. 28,5.) Johannes, der Gift getrunken hatte, wird von ihm nicht verletzt. Aber ich denke, es gibt diesen Unterschied zwischen Schlangen, die mit den Zähnen beißen, und Skorpionen, die mit dem Schwanz stechen, dass die Schlangen Menschen oder Geister bezeichnen, die offen wüten, Skorpione solche, die im Verborgenen planen. Oder Schlangen sind die, welche das Gift böser Überredung auf gerade erst beginnende Tugenden ausgießen, Skorpione die, welche zuletzt Tugenden, die zur Vollkommenheit gebracht wurden, zu verderben suchen.
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Oder Schlangen sind die, welche sichtbar schaden, wie der böse Geist des Ehebruchs und Mordes. Skorpione aber werden die genannt, welche unsichtbar schaden, wie bei den Sünden des Geistes.
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(Hom. in Cant.) Denn die Lust wird in der Schrift eine Schlange genannt, die von Natur aus so beschaffen ist, dass, wenn ihr Kopf eine Wand erreicht hat, um sich daran zu drücken, sie ihren ganzen Körper nachzieht. So hat die Natur dem Menschen die für ihn notwendige Wohnung gegeben. Aber durch diese Notwendigkeit greift die Lust das Herz an und verkehrt es zur Hingabe an unmäßigen Schmuck; zusätzlich dazu bringt sie die Habsucht mit sich, der die Begierde folgt, das heißt das letzte Glied oder der Schwanz des Tieres. Aber wie es nicht möglich ist, die Schlange am Schwanz zurückzuziehen, so dürfen wir, um die Lust zu beseitigen, nicht beim Letzten beginnen, es sei denn, man hat den ersten Eingang zum Bösen verschlossen.

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(Orat. in Pass. et cruce Domini.) Nun aber spotten durch die Kraft Christi Knaben der Lust, die einst die Alten verführte, und Jungfrauen treten standhaft auf die Begierden schlangenartiger Lust. Manche treten auch auf den Stachel des Skorpions, das heißt des Teufels, nämlich den Tod, und fürchten nicht die Zerstörung, sondern werden Zeugen des Wortes. Viele aber geben Irdisches auf und wandeln mit freiem Schritt im Himmel, ohne den Fürsten der Luft zu fürchten.
Catena Aurea · Lk 10
Aber weil die Freude, mit der er sie sich freuen sah, nach eitler Ruhmsucht schmeckte, denn sie freuten sich, dass sie gleichsam erhöht und ein Schrecken für Menschen und böse Geister waren, fügt unser Herr daher hinzu: Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind, usw.
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Ihnen wird verboten, sich über die Unterwerfung der Geister unter Gott zu freuen, da sie Fleisch waren; denn Geister auszutreiben und andere Kräfte auszuüben geschieht manchmal nicht wegen des Verdienstes dessen, der wirkt, sondern wird durch die Anrufung des Namens Christi bewirkt zur Verdammnis derer, die ihn verspotten, oder zum Nutzen derer, die sehen und hören.

Catena Aurea · Lk 10
Warum, o Herr, erlaubst du den Menschen nicht, sich über die Ehren zu freuen, die von dir verliehen werden, da doch geschrieben steht: In deinem Namen werden sie sich freuen den ganzen Tag? (Ps. 89,16.) Aber der Herr richtet sie durch größere Freuden auf. Daher fügt er hinzu: Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.
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Als ob er sagte: Es ziemt sich für euch, sich nicht über die Niederwerfung der bösen Geister zu freuen, sondern über eure eigene Erhöhung. Aber es wäre gut für uns zu verstehen, dass, ob ein Mensch himmlische oder irdische Werke getan hat, er dadurch, gleichsam mit einem Buchstaben vermerkt, für immer im Gedächtnis Gottes festgehalten wird.
Catena Aurea · Lk 10
Denn die Namen der Heiligen sind im Buch des Lebens nicht mit Tinte geschrieben, sondern im Gedächtnis und in der Gnade Gottes. Und der Teufel fiel zwar von oben; die Menschen aber, die unten sind, haben ihre Namen oben im Himmel eingeschrieben.

Catena Aurea · Lk 10
(in Esai. 4.) Es gibt einige, die zwar nicht ins Leben, sondern nach Jeremia in die Erde geschrieben sind, (Jer. 17,13.) so dass es gewissermaßen eine doppelte Einschreibung gäbe, der einen nämlich zum Leben, der anderen aber zum Verderben. Da aber gesagt wird: Sie sollen aus dem Buch der Lebenden ausgelöscht werden, (Ps. 69,28.) so ist dies von denen gesagt, die für würdig erachtet wurden, in das Buch Gottes geschrieben zu werden. Und auf diese Weise wird ein Name als schriftlich festgehalten oder ausgelöscht bezeichnet, wenn wir uns von der Tugend zur Sünde wenden oder umgekehrt.
21 In derselben Stunde rief er voll Freude, vom Heiligen Geist erfüllt: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Klugen verborgen, Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. 22 Alles ist mir von meinem Vater übergeben. Niemand weiß, wer der Sohn ist, als nur der Vater, und niemand, wer der Vater ist, als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
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Wie ein liebender Vater sich freut, seine Söhne das Rechte tun zu sehen, so freut sich auch Christus, dass seine Apostel solcher Güter für würdig erachtet wurden. Daher folgt: In jener Stunde, usw.

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Er sah in Wahrheit, dass durch die Wirkung des Heiligen Geistes, den er den heiligen Aposteln gab, der Erwerb vieler geschehen würde (oder dass viele zum Glauben gebracht würden). Er wird daher gesagt, sich im Heiligen Geist gefreut zu haben, das heißt über die Ergebnisse, die durch den Heiligen Geist hervorgebracht wurden. Denn als einer, der die Menschen liebte, betrachtete er die Bekehrung der Sünder als einen Grund zur Freude, wofür er Dank sagt. Wie folgt: Ich danke dir, o Vater.
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Bekennen (confiteor) bedeutet nicht immer Buße, sondern auch Danksagung, wie häufig in den Psalmen zu finden ist. (Ps. 18,49; 30,12; 52,9.)

Catena Aurea · Lk 10
Nun sagen hier diejenigen, deren Herzen verkehrt sind, der Sohn danke dem Vater als ein Untergeordneter. Aber was sollte den Sohn, der mit dem Vater desselben Wesens ist, daran hindern, seinen eigenen Vater zu preisen, der die Welt durch ihn rettet? Wenn du aber meinst, dass er sich wegen seiner Danksagung als untergeordnet erweist, so beachte, dass er ihn seinen Vater und den Herrn des Himmels und der Erde nennt.
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(non occ.) Denn alle anderen Dinge sind von Christus aus dem Nichts geschaffen worden, er allein aber wurde unbegreiflich von seinem Vater gezeugt; der daher allein vom Eingeborenen als dem wahren Sohn von Natur der Vater ist. Daher sagt er allein zu seinem Vater: Ich danke dir, Vater, Herr usw., das heißt: Ich verherrliche dich. Wundere dich nicht, dass der Sohn den Vater verherrlicht. Denn die ganze Substanz des Eingeborenen ist die Herrlichkeit des Vaters. Denn sowohl die geschaffenen Dinge als auch die Engel sind die Herrlichkeit des Schöpfers. Da diese aber im Hinblick auf seine Würde zu niedrig stehen, verherrlicht der Sohn allein, da er vollkommener Gott wie sein Vater ist, seinen Vater vollkommen.

Catena Aurea · Lk 10
(con. Greg. Sabell. 3. con. gentes 6.) Wir wissen auch, dass der Heiland oft als Mensch spricht. Denn seiner göttlichen Natur ist die menschliche Natur verbunden, doch würdest du wegen seiner Bekleidung mit einem Leib nicht verkennen, dass er Gott war. Was aber antworten darauf diejenigen, die eine Substanz des Bösen erdichten, sich aber einen anderen Gott bilden, verschieden vom wahren Vater Christi? Und sie sagen, er sei ungezeugt, der Schöpfer des Bösen und Fürst der Ungerechtigkeit sowie der Urheber des Weltgefüges. (Gen. 1,1.) Nun bestätigt unser Herr das Wort des Mose und sagt: Ich danke dir, Vater, Herr des Himmels und der Erde.
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(adv. Hær. 42.) Ein von Marcion verfasstes Evangelium aber hat: „Ich danke dir, Herr“, wobei es die Worte „des Himmels und der Erde“ und das Wort „Vater“ verschweigt, damit nicht angenommen werde, er nenne den Vater den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Catena Aurea · Lk 10
Schließlich enthüllt er das himmlische Geheimnis, durch das es Gott gefiel, seine Gnade eher den Kleinen als den Weisen der Welt zu offenbaren. Daher folgt: Dass du diese Dinge vor den Weisen und Klugen verborgen hast.
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Der Unterschied kann darin bestehen, dass mit „den Weisen“ die Pharisäer und Schriftgelehrten gemeint sind, die das Gesetz auslegen, und mit „den Klugen“ diejenigen, die von den Schriftgelehrten unterrichtet wurden; denn der Weise ist der, der lehrt, der Kluge aber der, der belehrt wird; der Herr aber nennt seine Jünger Unmündige, die er nicht aus den Lehrern des Gesetzes, sondern aus der Menge erwählte und durch Berufung zu Fischern machte; Unmündige, das heißt, frei von Bosheit.

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Oder unter einem Unmündigen sollten wir hier einen verstehen, der nichts davon wusste, sich selbst zu erheben und sich in stolzen Worten der Vortrefflichkeit seiner Weisheit zu rühmen, wie es die Pharisäer oft tun.
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Er dankt also dafür, dass er den Aposteln wie Unmündigen die Sakramente seines Kommens offenbart hatte, von denen die Schriftgelehrten und Pharisäer nichts wussten, die sich für weise halten und in ihren eigenen Augen klug sind.
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Die Geheimnisse waren also denen verborgen, die sich für weise halten und es nicht sind; denn wenn sie es wären, wären sie ihnen offenbart worden.
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Den Weisen und Klugen stellte er also nicht die Stumpfen und Törichten gegenüber, sondern die Unmündigen, das heißt die Demütigen, um zu zeigen, dass er den Stolz verurteilte, nicht die Schnelligkeit des Geistes.
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Denn das Gefühl des Mangels ist die Vorbereitung auf die kommende Vollkommenheit. Denn wer durch die Gegenwart des scheinbaren Guten nicht erkennt, dass ihm das wahre Gut fehlt, wird des wahren Gutes beraubt.

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(Hom. 38. in Matt.) Nun freut er sich und dankt nicht deshalb, weil die Geheimnisse Gottes vor den Schriftgelehrten und Pharisäern verborgen wurden (denn das wäre kein Grund zur Freude, sondern zur Klage), sondern aus diesem Grund dankt er, dass, was die Weisen nicht wussten, die Unmündigen wussten. Aber darüber hinaus dankt er dem Vater, mit dem er selbst dies tut, um die große Liebe zu zeigen, mit der er uns liebt. Er erklärt als Nächstes, dass die Ursache dieser Sache zuerst sein eigener Wille und der des Vaters war, der dies aus eigenem Willen tat. Wie folgt: Ja, Vater; denn so hat es dir gefallen.

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(25. Moral. c. 14.) Wir nehmen diese Worte als ein Beispiel der Demut, damit wir nicht voreilig den himmlischen Ratschluss zu ergründen wagen hinsichtlich der Berufung der einen und der Verwerfung der anderen; denn das kann nicht ungerecht sein, was dem Gerechten gefiel. In allen Dingen also, die äußerlich geordnet sind, ist die Ursache des sichtbaren Systems die Gerechtigkeit des verborgenen Willens.

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(Hom. 38. in Matt.) Nachdem er aber gesagt hatte: Ich danke dir, dass du sie den Unmündigen offenbart hast, fügt er hinzu, damit du nicht meinst, Christus fehle die Macht, dies zu tun: Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden.

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(Tract. in Matt. 11:22.) Die Anhänger des Arius, die dies nicht richtig verstehen, toben gegen unseren Herrn und sagen: Wenn ihm alles gegeben wurde, das heißt die Herrschaft über die Geschöpfe, dann gab es eine Zeit, da er sie nicht hatte, und so war er nicht von der Substanz des Vaters. Denn wenn er es gewesen wäre, hätte er es nicht zu empfangen brauchen. Dadurch aber wird ihr Wahnsinn eher aufgedeckt. Denn wenn vor dem Empfang das Geschöpf unabhängig vom Wort war, wie wird dann jener Vers bestehen: In ihm besteht alles? (Kol. 4,17.) Wenn aber die Geschöpfe, sobald sie geschaffen waren, ihm alle gegeben wurden, wozu war es nötig, sie zu geben, da doch durch ihn alles gemacht wurde? (Joh. 13.) Die Herrschaft über die Schöpfung ist also hier nicht gemeint, wie sie denken, sondern die Worte bezeichnen die Heilsordnung, die im Fleisch geschehen ist. Denn nachdem der Mensch gesündigt hatte, wurde alles verwirrt; das Wort also wurde Fleisch, damit es alles wiederherstellte. Alles wurde ihm daher gegeben, nicht weil ihm die Macht fehlte, sondern damit er als Heiland alles wiederherstellte; damit, wie durch das Wort am Anfang alles ins Dasein gebracht wurde, so auch, als das Wort Fleisch wurde, er alles in sich wiederherstellte.
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Oder mit den Worten: Alles ist mir übergeben worden, meint er nicht die Elemente der Welt, sondern jene Unmündigen, denen der Vater durch den Geist die Sakramente seines Sohnes bekannt machte; und über deren Heil er sich hier freute, als er sprach.

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Oder wenn du „alles“ liest, erkennst du den Allmächtigen, nicht den dem Vater untergeordneten Sohn; wenn du „übergeben“ liest, bekennst du den Sohn, dem von Natur aus einer Substanz alles rechtmäßig gehört, nicht als Gabe aus Gnade verliehen.

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Nachdem er gesagt hat, dass ihm alles von seinem Vater gegeben wurde, erhebt er sich zu seiner eigenen Herrlichkeit und Vortrefflichkeit und zeigt, dass er in nichts von seinem Vater übertroffen wird. Daher fügt er hinzu: Und niemand weiß, wer der Sohn ist, außer der Vater usw. Denn der Geist der Geschöpfe ist nicht fähig, die Art der göttlichen Substanz zu begreifen, die alles Verständnis übersteigt, und seine Herrlichkeit übersteigt unsere höchsten Betrachtungen. Nur durch sich selbst ist bekannt, was die göttliche Natur ist. Daher kennt der Vater durch das, was er ist, den Sohn; der Sohn kennt durch das, was er ist, den Vater, wobei kein Unterschied hinsichtlich der göttlichen Natur dazwischenliegt. Und an anderer Stelle. Denn dass Gott ist, glauben wir, aber was er von Natur aus ist, ist unbegreiflich. Wenn aber der Sohn geschaffen wäre, wie könnte er allein den Vater kennen, oder wie könnte er nur vom Vater gekannt werden? Denn die göttliche Natur zu kennen ist für kein Geschöpf möglich, aber zu wissen, was jedes geschaffene Ding ist, übersteigt nicht jedes Verständnis, obwohl es weit über unsere Sinne hinausgeht.

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(Orat. 1. cont. Arian.) Obwohl unser Herr dies sagt, ist es klar, dass die Arianer ihm entgegenhalten, dass der Vater vom Sohn nicht gesehen werde. Aber ihre Torheit ist offenkundig, als ob das Wort sich selbst nicht kenne, das doch allen Menschen die Erkenntnis des Vaters und seiner selbst offenbart; denn es folgt: Und wem es der Sohn offenbaren will.
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Nun ist eine Offenbarung die Mitteilung von Erkenntnis im Verhältnis zur Natur und Fassungskraft eines jeden Menschen; und wenn freilich die Natur verwandt ist, gibt es Erkenntnis ohne Belehrung; hier aber geschieht die Unterweisung durch Offenbarung.
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(non occ.) Er will offenbaren als das Wort, nicht ohne den Gebrauch der Vernunft; und als die Gerechtigkeit, die sowohl die Zeiten der Offenbarung als auch die Maße der Offenbarung recht kennt; aber Er offenbart, indem Er den entgegenstehenden Schleier vom Herzen entfernt (2 Kor 3,15) und die Finsternis, die Er zu Seinem Versteck gemacht hat. (Ps 18,11.) Da aber hierüber diejenigen, die anderer Meinung sind, ihre gottlose Lehre aufzubauen meinen, dass in Wahrheit der Vater Jesu zu den alten Heiligen hinabgesandt wurde, müssen wir ihnen sagen, dass die Worte: Wem der Sohn ihn offenbaren will, sich nicht nur auf die zukünftige Zeit nach unserem Erlöser beziehen, sondern auch auf die vergangene Zeit. Wenn sie aber dieses Wort ‚offenbaren‘ nicht für die Vergangenheit gelten lassen wollen, muss ihnen gesagt werden, dass es nicht dasselbe ist, zu wissen und zu glauben. Dem einen wird durch den Geist das Wort der Erkenntnis gegeben; dem anderen der Glaube durch denselben Geist. (1 Kor 12,8.9.) Es gab also damals solche, die glaubten, aber nicht wussten.

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Damit du aber weißt, dass, wie der Sohn den Vater offenbart, wem Er will, auch der Vater den Sohn offenbart, wem Er will, höre die Worte unseres Herrn: Selig bist du, Simon Barjona, denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
23 Dann wandte er sich seinen Jüngern allein zu und sagte: Selig die Augen, die sehen, was ihr seht. 24 Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.
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Nachdem Er oben gesagt hat: Niemand kennt den Vater außer dem Sohn, und wem der Sohn ihn offenbaren will, spricht Er einen Segen über Seine Jünger aus, denen der Vater durch Ihn offenbart wurde. Daher heißt es: Und Er wandte sich zu Seinen Jüngern und sprach: Selig sind die Augen usw.

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Er wendet sich freilich zu ihnen, da Er die Juden verworfen hat, die taub waren, mit geblendetem Verstand und nicht sehen wollten, und gibt sich ganz denen hin, die Ihn lieben; und Er preist jene Augen selig, die sehen, was andere zuvor nicht gesehen hatten. Wir müssen jedoch wissen, dass Sehen nicht die Tätigkeit der Augen bezeichnet, sondern die Freude, die der Geist aus empfangenen Wohltaten zieht. Wenn zum Beispiel jemand sagen wollte: Er hat gute Zeiten gesehen, das heißt, er hat sich in guten Zeiten gefreut, nach dem Psalm: Du wirst das Gute Jerusalems sehen. (Ps 128,5.) Denn viele Juden haben Christus göttliche Werke vollbringen sehen, das heißt mit leiblichem Blick, doch nicht alle waren fähig, den Segen zu empfangen, denn sie glaubten nicht; aber sie sahen Seine Herrlichkeit nicht mit geistigem Blick. Selig also sind unsere Augen, da wir durch den Glauben das Wort sehen, das für uns Mensch geworden ist und auf uns die Herrlichkeit Seiner Gottheit ausgießt, damit Er uns durch Heiligung und Gerechtigkeit Ihm gleich mache.
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Nun segnet Er sie, und wahrlich alle, die mit Glauben schauen, weil die alten Propheten und Könige begehrten, Gott im Fleische zu sehen und zu hören, wie es folgt: Denn ich sage euch, dass viele Propheten und Könige begehrt haben usw. (Mt 13,17.)
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Matthäus nennt sie deutlicher Propheten und gerechte Männer. Denn jene sind große Könige, die es verstanden haben, nicht durch Nachgeben den Angriffen der Versuchungen zu entgehen, sondern durch Meisterung die Herrschaft über sie zu erlangen.

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(in Joan. Hom. 8.) Aufgrund dieses Wortes stellen sich viele vor, die Propheten hätten keine Kenntnis von Christus gehabt. Wenn sie aber begehrten zu sehen, was die Apostel sahen, wussten sie, dass Er zu den Menschen kommen und jene Dinge austeilen würde, die Er tat. Denn niemand begehrt, wovon er keine Vorstellung hat; sie kannten also den Sohn Gottes. Daher sagt Er nicht nur: Sie begehrten, mich zu sehen, sondern: was ihr seht, noch: mich zu hören, sondern: was ihr hört. Denn sie sahen Ihn, aber noch nicht als Fleischgewordenen, noch wie Er mit Menschen verkehrte, noch wie Er mit solcher Vollmacht zu ihnen sprach.
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Denn jene sahen Ihn von ferne wie in einem Spiegel und dunkel, aber die Apostel, die unseren Herrn gegenwärtig bei sich hatten, bedurften, was immer sie lernen wollten, nicht der Belehrung durch Engel oder irgendeine andere Art von Vision.
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(in Cant. 1,2.) Warum aber sagt Er, dass viele Propheten begehrten, und nicht alle? Weil von Abraham gesagt wird, dass er den Tag Christi sah und sich freute (Joh 8,56), welche Schau nicht viele, sondern wenige erlangten; es gab aber andere Propheten und gerechte Männer, die nicht so groß waren, um zu Abrahams Vision und zur Erfahrung der Apostel zu gelangen, die, wie Er sagt, nicht sahen, sondern zu sehen begehrten.
25 Ein Gesetzeslehrer trat auf, um ihn auf die Probe zu stellen, und sagte: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen? 26 Er aber sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du dort? 27 Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken und deinen Nächsten wie dich selbst. 28 Da sagte er zu ihm: Du hast richtig geantwortet: Handle danach und du wirst leben.
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Unser Herr hatte Seinen Jüngern oben gesagt, dass ihre Namen im Himmel geschrieben seien; daraus scheint mir der Schriftgelehrte Anlass genommen zu haben, unseren Herrn zu versuchen, wie es heißt: Und siehe, ein gewisser Schriftgelehrter stand auf und versuchte Ihn.

Catena Aurea · Lk 10
Denn es gab tatsächlich gewisse Männer, die damals das ganze Land der Juden durchzogen, Anklagen gegen Christus erhoben und sagten, Er spreche von den Geboten des Mose als von etwas Nutzlosem und führe selbst gewisse fremde Lehren ein. Ein Schriftgelehrter also, der Christus dazu verleiten wollte, etwas gegen Mose zu sagen, kommt und versucht Ihn, indem er Ihn Meister nennt, obwohl er es nicht erträgt, Sein Jünger zu sein. Und weil unser Herr zu denen, die zu Ihm kamen, über das ewige Leben zu sprechen pflegte, gebraucht der Schriftgelehrte diese Ausdrucksweise. Und da er Ihn hinterlistig versuchte, erhält er keine andere Antwort als das von Mose gegebene Gebot; denn es folgt: Er sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du?

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Denn er war einer von denen, die sich für Gesetzeskundige halten und den Buchstaben des Gesetzes befolgen, während sie nichts von seinem Geist wissen. Aus einem Teil des Gesetzes selbst erweist unser Herr sie als unwissend im Gesetz, indem Er zeigt, dass das Gesetz von Anfang an den Vater und den Sohn predigte und die Sakramente der Menschwerdung des Herrn ankündigte; denn es folgt: Und er antwortete und sprach: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstand.

Catena Aurea · Lk 10
(in Ps. 44.) Indem er sagt: mit deinem ganzen Verstand, lässt er keine Aufteilung der Liebe auf andere Dinge zu, denn welche Liebe du auf niedere Dinge wirfst, nimmt notwendig vom Ganzen weg. Denn wie ein mit Flüssigkeit gefülltes Gefäß, was immer daraus fließt, so viel seine Fülle vermindern muss, so hat auch die Seele, welche Liebe sie an unerlaubte Dinge verschwendet hat, so viel ihre Liebe zu Gott verringert.
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(de Hom. Opif. c. 8.) Die Seele ist in drei Kräfte geteilt; eine bloß des Wachstums und der Vegetation, wie sie in Pflanzen vorkommt; eine andere, die sich auf die Sinne bezieht, welche in der Natur der vernunftlosen Tiere erhalten bleibt; die vollkommene Kraft der Seele aber ist die der Vernunft, die in der menschlichen Natur zu sehen ist. Indem Er also das Herz nennt, bezeichnete Er die leibliche Substanz, das heißt die vegetative; durch die Seele die mittlere oder die sensitive; indem Er aber den Verstand nennt, die höhere Natur, das heißt die intellektuelle oder reflektierende Kraft.
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Hieraus müssen wir verstehen, dass es sich ziemt, jede Kraft der Seele der göttlichen Liebe zu unterwerfen, und zwar entschlossen, nicht lässig. Daher wird hinzugefügt: Und mit deiner ganzen Kraft.

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Zu diesem Zweck also gebot das Gesetz eine dreifache Liebe zu Gott, damit es uns von der dreifachen Gestalt der Welt losreiße, hinsichtlich Besitz, Ruhm und Vergnügen, worin auch Christus versucht wurde.

Catena Aurea · Lk 10
(Reg. fus. ad int. 2.) Wenn aber jemand fragt, wie die Liebe Gottes zu erlangen ist, so sind wir sicher, dass die Liebe Gottes nicht gelehrt werden kann. Denn wir haben weder gelernt, uns über die Gegenwart des Lichts zu freuen, noch das Leben zu umarmen, noch unsere Eltern und Kinder zu lieben; viel weniger wurden wir in der Liebe Gottes unterrichtet, sondern ein gewisser keimhafter Grund wurde uns eingepflanzt, der in sich die Ursache hat, dass der Mensch an Gott hängt; diesen Grund pflegt die Lehre der göttlichen Gebote sorgfältig zu kultivieren, wachsam zu fördern und zur Vollkommenheit der göttlichen Gnade zu führen. Denn von Natur lieben wir das Gute; wir lieben auch, was unser eigen und uns verwandt ist; ebenso gießen wir von selbst all unsere Zuneigungen auf unsere Wohltäter aus. Wenn also Gott gut ist, aber alle Dinge dieses Gute begehren, das freiwillig gewirkt wird, ist Er uns von Natur aus innewohnend, und obwohl wir aus Seiner Güte weit davon entfernt sind, Ihn zu kennen, sind wir doch schon allein dadurch, dass wir von Ihm hervorgegangen sind, verpflichtet, Ihn mit überaus großer Liebe zu lieben, da Er uns wahrhaft verwandt ist; Er ist ebenso auch ein größerer Wohltäter als alle, die wir hier von Natur lieben. (ad int 3.). Und wiederum. Die Liebe Gottes ist also das erste und Hauptgebot, aber das zweite, als das erste erfüllend und von ihm erfüllt, gebietet uns, den Nächsten zu lieben. Daher folgt: Und deinen Nächsten wie dich selbst. Aber wir haben einen von Gott gegebenen Instinkt, dieses Gebot zu erfüllen, denn wer weiß nicht, dass der Mensch ein gütiges und geselliges Lebewesen ist? Denn nichts gehört so sehr zu unserer Natur wie der Verkehr miteinander und das gegenseitige Bedürfen und Lieben unserer Angehörigen. Von den Dingen also, von denen Er uns zuerst den Samen gab, verlangt Er später die Früchte.

Catena Aurea · Lk 10
(Hom. 32. in 1 Cor.) Doch beachte, wie Er fast im gleichen Maße des Gehorsams die Erfüllung jedes Gebots verlangt. Denn von Gott sagt er: mit deinem ganzen Herzen. Von unserem Nächsten: wie dich selbst. Wenn dies sorgfältig gehalten würde, gäbe es weder Sklaven noch Freie, weder Sieger noch Besiegte (oder vielmehr weder Herrscher noch Untertan), weder Reiche noch Arme, noch wäre der Teufel überhaupt bekannt, denn die Spreu würde eher die Berührung des Feuers ertragen als der Teufel die Glut der Liebe; so übertrifft die Beständigkeit der Liebe alle Dinge.

Catena Aurea · Lk 10
(19. Moral. c. 14.) Da aber gesagt wird: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, wie ist der barmherzig, der sich eines anderen erbarmt, während er doch durch ungerechtes Leben gegen sich selbst unbarmherzig ist?

Catena Aurea · Lk 10
Als der Gesetzeslehrer geantwortet hatte, was im Gesetz enthalten ist, zerlegt Christus, dem alle Dinge bekannt waren, seine listigen Netze. Denn es folgt: Und er sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue dies, so wirst du leben.
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Aus diesen Worten wird ohne Zweifel entnommen, dass das Leben, das nach Gott, dem Schöpfer der Welt, und den von ihm gegebenen Schriften gepredigt wird, das ewige Leben ist. Denn der Herr selbst bezeugt die Stelle aus Deuteronomium: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben; (Deut. 6,5) und aus Leviticus: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (Lev. 19,18) Aber diese Dinge wurden gegen die Anhänger des Valentinus, Basilides und Marcion gesagt. Denn was anderes wollte er, dass wir tun, um das ewige Leben zu suchen, als was im Gesetz und in den Propheten enthalten ist?
29 Er aber wollte sich rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? 30 Jesus erwiderte: Ein Mann ging von Jerusalem hinunter nach Jericho und fiel unter die Räuber. Sie plünderten ihn aus, schlugen ihn, machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. 31 Zufällig ging ein Priester denselben Weg hinunter. Er sah ihn und ging vorüber. 32 Ebenso kam ein Levit an der Stelle vorbei, sah ihn und ging vorüber. 33 Ein Samariter aber, der des Weges zog, kam in seine Nähe, sah ihn und wurde von Mitleid bewegt. 34 Er ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Lasttier, brachte ihn in eine Herberge und trug Sorge für ihn. 35 Am nächsten Morgen zog er zwei Denare heraus, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn und was du noch darüber aufwendest, werde ich dir erstatten, wenn ich wiederkomme. 36 Wer von diesen dreien hat sich deiner Meinung nach als der Nächste dessen erwiesen, der unter die Räuber gefallen war? 37 Er antwortete: Der, der Barmherzigkeit an ihm geübt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Geh und handle genauso.
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Catena Aurea · Lk 10
Der Gesetzeslehrer, als er von unserem Erlöser gelobt wurde, weil er recht geantwortet hatte, bricht in Hochmut aus und denkt, er habe keinen Nächsten, als ob niemand ihm an Gerechtigkeit gleichkäme. Daher heißt es: Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Denn irgendwie nimmt ihn erst eine Sünde, dann eine andere gefangen. Von der List, mit der er Christus versuchen wollte, fällt er in Hochmut. Aber hier, indem er fragt: Wer ist mein Nächster?, erweist er sich als der Liebe zum Nächsten beraubt, da er niemanden als seinen Nächsten betrachtete, und folglich auch der Liebe zu Gott; denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. (1 Joh. 4,20)

Catena Aurea · Lk 10
Er antwortete, dass er seinen Nächsten nicht kenne, weil er nicht an Christus glaubte; und wer Christus nicht kennt, kennt das Gesetz nicht; denn wie kann er, der die Wahrheit nicht kennt, das Gesetz kennen, das die Wahrheit bekannt macht?
Catena Aurea · Lk 10
Nun definiert unser Erlöser den Nächsten nicht hinsichtlich der Handlungen oder der Ehre, sondern der Natur; als ob er sagte: Denke nicht, dass du, weil du gerecht bist, keinen Nächsten hast; denn alle, die derselben Natur teilhaftig sind, sind deine Nächste. Sei auch du ihr Nächster, nicht dem Ort nach, sondern in Zuneigung und Sorge für sie. Und zusätzlich führt er den Samariter als Beispiel an. Wie es folgt: Und Jesus antwortete und sprach: Ein gewisser Mensch ging hinab, usw.
Catena Aurea · Lk 10
(Severus) Er hat mit Recht den allgemeinen Begriff verwendet. Denn er sagt nicht: „Ein gewisser ging hinab“, sondern: Ein gewisser Mensch, denn seine Rede handelte vom ganzen Menschengeschlecht.

Catena Aurea · Lk 10
(de Ev. l. ii. q. 19.) Denn jener Mensch steht für Adam selbst und repräsentiert das Menschengeschlecht; Jerusalem, die Stadt des Friedens, jenes himmlische Vaterland, aus dessen Seligkeit er fiel. Jericho wird als Mond gedeutet und bezeichnet unsere Sterblichkeit, weil er aufgeht, zunimmt, abnimmt und untergeht.
Catena Aurea · Lk 10
(Hypognos. lib. 3.) Oder mit Jerusalem, was „Anblick des Friedens“ bedeutet, meinen wir das Paradies; denn bevor der Mensch sündigte, war er im Anblick des Friedens, das heißt im Paradies; alles, was er sah, war Frieden, und von dort ging er hinab (gleichsam erniedrigt und durch die Sünde elend gemacht) nach Jericho, das heißt in die Welt, in der alles, was geboren wird, wie der Mond stirbt.
Catena Aurea · Lk 10
Nun sagt er nicht „stieg hinab“, sondern „war im Hinabsteigen“. Denn die menschliche Natur neigte stets nach unten, und nicht nur für eine Zeit, sondern durchweg mit einem Leben beschäftigt, das dem Leiden unterworfen ist.

Catena Aurea · Lk 10
Diese Auslegung entspricht den Orten, wenn jemand sie prüfen will. Denn Jericho liegt in den tieferen Teilen Palästinas, Jerusalem liegt auf einer Anhöhe und nimmt den Gipfel eines Berges ein. Der Mensch kam also von den hohen Teilen in die tiefen, um in die Hände der Räuber zu fallen, die die Wüste unsicher machten. Wie es folgt: Und er fiel unter die Räuber.

Catena Aurea · Lk 10
(Hom. in loc. Ed. Lat.) Zuerst müssen wir das Unglück des Menschen bemitleiden, der unbewaffnet und hilflos unter Räuber fiel und der so unbesonnen und unklug war, den Weg zu wählen, auf dem er dem Angriff der Räuber nicht entgehen konnte. Denn der Unbewaffnete kann niemals dem Bewaffneten entkommen, der Sorglose dem Bösewicht, der Unvorsichtige dem Boshaften. Denn die Bosheit ist stets mit List bewaffnet, mit Grausamkeit umzäunt, mit Trug befestigt und zu heftigem Angriff bereit.

Catena Aurea · Lk 10
Aber wer sind jene Räuber anderes als die Engel der Nacht und der Finsternis, unter die er nicht gefallen wäre, wenn er sich nicht durch Abweichung vom göttlichen Gebot in ihren Weg begeben hätte.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Am Anfang der Welt also vollbrachte der Teufel seinen tückischen Angriff auf den Menschen, gegen den er das Gift des Betrugs anwandte und all die Tödlichkeit seiner Bosheit richtete.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Er fiel also unter Räuber, das heißt unter den Teufel und seine Engel, die durch den Ungehorsam des ersten Menschen das Menschengeschlecht der Zierden der Tugend beraubten und ihn verwundeten, das heißt durch die Zerstörung der Gabe der freien Willenskraft. Daher folgt: der ihn seiner Kleider beraubte und ihn verwundete und fortging; denn jenem sündigenden Menschen fügte er eine Wunde zu, uns aber viele Wunden, da wir zu der einen Sünde, die wir begehen, viele hinzufügen.

Catena Aurea · Lk 10
(de q. Ev. l. ii. q. 19.) Oder sie beraubten den Menschen seiner Unsterblichkeit und ließen ihn, indem sie ihn verwundeten (durch Überredung zur Sünde), halbtot zurück; denn worin er fähig ist, Gott zu verstehen und zu erkennen, ist der Mensch lebendig, aber worin er verdorben und durch Sünden niedergedrückt ist, ist er tot. Und das ist es, was hinzugefügt wird: und ließ ihn halbtot zurück.
Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Denn der Halbtote hat seine Lebensfunktion (das heißt den freien Willen) verwundet, da er nicht zum ewigen Leben zurückkehren kann, das er verloren hat. Und deshalb lag er da, weil er nicht aus eigener Kraft genug hatte, um aufzustehen und einen Arzt zu suchen, das heißt Gott, um ihn zu heilen.
Catena Aurea · Lk 10
Oder der Mensch wird nach der Sünde halbtot genannt, weil seine Seele unsterblich, sein Leib aber sterblich ist, so dass die Hälfte des Menschen unter dem Tod liegt. Oder weil seine menschliche Natur hoffte, in Christus das Heil zu erlangen, so dass er nicht gänzlich unter dem Tod lag. Aber da Adam gesündigt hatte, kam der Tod in die Welt, (Röm. 5,12) in der Gerechtigkeit Christi sollte der Tod zerstört werden.

Catena Aurea · Lk 10
Oder sie beraubten uns der Gewänder, die wir von der geistlichen Gnade empfangen haben, und so pflegen sie Wunden zuzufügen. Denn wenn wir die unbefleckten Gewänder bewahren, die wir angezogen haben, können wir die Wunden der Räuber nicht spüren.

Catena Aurea · Lk 10
Oder es kann verstanden werden, dass sie uns zuerst Wunden zufügten und dann beraubten; oder die Wunden gehen der Nacktheit voraus, wie die Sünde dem Fehlen der Gnade vorausgeht.
Catena Aurea · Lk 10
Aber Sünden werden Wunden genannt, weil die Vollkommenheit der menschlichen Natur durch sie verletzt wird. Und sie gingen fort, nicht indem sie aufhörten zu lauern, sondern indem sie die List ihrer Anschläge verbargen.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Hier lag also der Mensch (das heißt Adam) ohne die Hilfe des Heils, durchbohrt von den Wunden seiner Sünden, dem weder Aaron, der Hohepriester, der vorüberging, durch sein Opfer nützen konnte; denn es folgt: Und von ungefähr kam ein gewisser Priester jenen Weg herab, und als er ihn sah, ging er vorüber. Noch konnte ihm sein Bruder Moses, der Levit, durch das Gesetz helfen, wie es folgt: Und ebenso kam ein Levit an den Ort, sah ihn und ging vorüber.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Oder durch den Priester und den Leviten werden zwei Zeiten dargestellt, nämlich die des Gesetzes und der Propheten. Durch den Priester wird das Gesetz bezeichnet, durch das das Priestertum und die Opfer eingesetzt wurden; durch die Leviten die Weissagungen der Propheten, in deren Zeiten das Gesetz der Menschheit nicht heilen konnte, weil durch das Gesetz die Erkenntnis, nicht die Beseitigung der Sünde kam.
Catena Aurea · Lk 10
Er sagt aber: ging vorüber, (Röm 3,20; 8,3) weil das Gesetz kam und bis zu seiner vorherbestimmten Zeit standhielt, dann, unfähig zu heilen, fortging. Beachte auch, dass das Gesetz nicht mit der vorherigen Absicht gegeben wurde, den Menschen zu heilen, denn der Mensch konnte von Anfang an das Geheimnis Christi nicht empfangen. Und deshalb heißt es: Und von ungefähr kam ein gewisser Priester, ein Ausdruck, den wir für Dinge verwenden, die ohne Vorherbedacht geschehen.

Catena Aurea · Lk 10
(Serm. 171.) Oder es heißt: ging vorüber, weil der Mann, der von Jerusalem nach Jericho hinabstieg, ein Israelit gewesen sein soll, und der Priester, der herabkam, gewiss sein Nächster von Geburt, an ihm vorüberging, der am Boden lag. Und auch ein Levit kam vorbei, ebenfalls sein Nächster von Geburt; und auch er verachtete ihn, wie er lag.
Catena Aurea · Lk 10
Sie erbarmten sich seiner, sage ich, als sie an ihn dachten, aber später, von Selbstsucht überwältigt, gingen sie wieder weg. Denn dies wird durch das Wort: ging vorüber, bezeichnet.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Ein Samariter, der vorbeikam, von Geburt weit entfernt, im Erbarmen sehr nahe, handelte wie folgt: Aber ein gewisser Samariter, als er reiste, kam dorthin, wo er war, usw. In ihm wollte unser Herr Jesus Christus selbst vorgebildet sein. Denn Samariter wird als Wächter ausgelegt, und von ihm heißt es: Er wird nicht schlummern noch schlafen, der Israel behütet; (Ps 128,4) da er von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt. (Röm 6,9) Schließlich, als zu ihm gesagt wurde: Du bist ein Samariter und hast einen Dämon, (Joh 8,48) sagte er, er habe keinen Dämon, denn er wusste sich als Austreiber der Dämonen, er leugnete nicht, der Wächter der Schwachen zu sein.
Catena Aurea · Lk 10
(Severus.) Nun nennt sich Christus hier voll und ganz einen Samariter. Denn als er den Gesetzeslehrer ansprach, der sich des Gesetzes rühmte, wollte er ausdrücken, dass weder Priester noch Levit, noch alle, die mit dem Gesetz vertraut waren, die Forderungen des Gesetzes erfüllten, sondern dass er kam, um die Anordnungen des Gesetzes zu erfüllen.

Catena Aurea · Lk 10
Nun kam auch dieser Samariter herab. Denn wer ist der, der in den Himmel aufstieg, außer dem, der vom Himmel herabkam, nämlich der Menschensohn, der im Himmel ist (Joh 3,13).
Catena Aurea · Lk 10
Er sagt aber: reiste, als ob er dies absichtlich bestimmt hätte, um uns zu heilen.

Catena Aurea · Lk 10
Er kam in der Gestalt des sündigen Fleisches, daher 1 nahe bei ihm, gleichsam in Ähnlichkeit.
Catena Aurea · Lk 10
Oder er kam des Weges. Denn er war ein wahrer Reisender, nicht ein Umherirrender; und er stieg um unseretwillen auf die Erde herab.

Catena Aurea · Lk 10
Als er nun kam, wurde er uns sehr nahe, indem er unsere Schwächen auf sich nahm, er wurde ein Nächster durch die Gewährung des Erbarmens. Daher folgt: Und als er ihn sah, wurde er von Mitleid bewegt.
Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Er sah ihn schwach und reglos daliegen. Und deshalb wurde er von Mitleid bewegt, weil er in ihm nichts sah, was eine Heilung verdiente, sondern er selbst verurteilte für die Sünde die Sünde im Fleisch. (Röm 8,3) Daher folgt: Und ging zu ihm, verband seine Wunden und goss Öl und Wein hinein.

Catena Aurea · Lk 10
(Serm. 171.) Denn was ist so fern, was so weit entfernt wie Gott vom Menschen, der Unsterbliche vom Sterblichen, der Gerechte von den Sündern, nicht an räumlicher Entfernung, sondern an Ähnlichkeit. Da er nun in sich zwei gute Dinge hatte, Gerechtigkeit und Unsterblichkeit, und wir zwei Übel, nämlich Ungerechtigkeit und Sterblichkeit, wenn er beide unsere Übel auf sich genommen hätte, wäre er uns gleich gewesen und hätte mit uns eines Erlösers bedurft. Damit er also nicht sei, was wir sind, sondern uns nahe, wurde er nicht ein Sünder wie du, sondern sterblich wie du. Indem er die Strafe auf sich nahm, nicht die Schuld auf sich nahm, zerstörte er sowohl die Strafe als auch die Schuld.

Catena Aurea · Lk 10
(Quæst. Ev. ii. 19.) Das Verbinden der Wunden ist das Einhaltgebieten der Sünden; Öl ist der Trost einer guten Hoffnung durch die gewährte Vergebung zur Versöhnung des Menschen; Wein ist der Ansporn, im Geist eifrig zu wirken.

Catena Aurea · Lk 10
Oder er verbindet unsere Wunden durch ein strengeres Gebot, wie durch Öl besänftigt er durch die Nachlassung der Sünde, wie durch Wein sticht er ins Herz durch die Verkündigung des Gerichts.

Catena Aurea · Lk 10
(20. Moral. c. 8.) Oder im Wein wendet er die Schärfe der Zucht an, im Öl die Sanftheit der Barmherzigkeit. Durch den Wein sollen die verdorbenen Teile gewaschen werden, durch das Öl die heilenden Teile besänftigt werden; wir müssen also Milde mit Strenge mischen, und wir müssen die beiden so verbinden, dass die uns Untergebenen weder durch unsere übermäßige Härte erbittert noch durch zu viel Freundlichkeit erschlafft werden.
Catena Aurea · Lk 10
Oder anders: Der Umgang mit dem Menschen ist das Öl, und der Umgang mit Gott ist der Wein, der die Gottheit bezeichnet, die niemand unvermischt ertragen kann, wenn nicht Öl hinzugefügt wird, das heißt menschlicher Umgang. Daher wirkte er einiges menschlich, einiges göttlich. Er goss also Öl und Wein hinein, da er uns sowohl durch seine menschliche als auch durch seine göttliche Natur gerettet hat.

Catena Aurea · Lk 10
(Hom. in loc.) Oder er goss Wein hinein, das heißt das Blut seines Leidens, und Öl, das heißt die Salbung des Chrismas, damit durch sein Blut Vergebung gewährt, durch das Chrisma Heiligung verliehen werde. Die verwundeten Teile werden vom himmlischen Arzt verbunden, und indem sie in sich selbst ein Heilmittel enthalten, werden sie durch die Wirkung des Heilmittels zu ihrer früheren Gesundheit wiederhergestellt. Nachdem er Wein und Öl hineingegossen hatte, setzte er ihn auf sein Tier, wie es folgt: und setzte ihn auf sein Tier, usw.

Catena Aurea · Lk 10
(de Quæst. Ev. ii. q. 19.) Sein Tier ist unser Fleisch, in dem er sich herabgelassen hat, zu uns zu kommen. Auf das Tier gesetzt werden bedeutet, an die Menschwerdung Christi zu glauben.

Catena Aurea · Lk 10
Oder: Er setzt uns auf sein Tier, indem Er unsere Sünden trägt und für uns leidet (Jes. 53,4 LXX), denn der Mensch ist den Tieren gleich geworden (Ps. 49,12), darum setzte Er uns auf sein Tier, damit wir nicht wie Pferd und Maultier seien (Ps. 32,9), auf dass Er durch die Annahme unseres Leibes die Schwachheit unseres Fleisches aufhebe.
Catena Aurea · Lk 10
Oder Er setzte uns auf sein Tier, das heißt auf seinen Leib. Denn Er hat uns zu seinen Gliedern gemacht und zu Teilhabern seines Leibes. Das Gesetz nahm zwar nicht alle Moabiter auf, und die Ammoniter sollen nicht in die Kirche Gottes eingehen (Dtn. 23,3), aber jetzt wird in jedem Volk der, der den Herrn fürchtet, von Ihm angenommen, der glauben und ein Teil der Kirche werden will. Darum sagt Er, dass er ihn zu einer Herberge brachte.

Catena Aurea · Lk 10
(ut sup.) Denn die Herberge ist die Kirche, die die Reisenden aufnimmt, die von ihrer Wanderung durch die Welt ermüdet und von der Last ihrer Sünden bedrückt sind; wo der müde Reisende die Bürde seiner Sünden abwirft und Erleichterung findet und nach der Erquickung mit gesunder Nahrung gestärkt wird. Und das ist es, was hier gesagt wird: und sorgte für ihn. Denn draußen ist alles, was widerstreitet, schädlich und böse, während drinnen in der Herberge alle Ruhe und Gesundheit enthalten ist.
Catena Aurea · Lk 10
Und mit Recht brachte Er ihn auf sein Tier gesetzt, da niemand, außer er ist durch die Taufe mit dem Leib Christi verbunden, in die Kirche eingehen wird.

Catena Aurea · Lk 10
Da aber der Samariter nicht länger auf Erden verweilen konnte, musste er an den Ort zurückkehren, von dem er herabgestiegen war, wie es folgt: Und am nächsten Tag nahm er zwei Denare heraus, usw. (Ps. 118,24.) Was ist jener nächste Tag, wenn nicht vielleicht der Tag der Auferstehung unseres Herrn? Von dem gesagt wurde: Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Die zwei Denare aber sind die zwei Bundesschlüsse, die das Bild des ewigen Königs eingeprägt tragen, durch deren Preis unsere Wunden geheilt werden.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Oder die zwei Denare sind die zwei Gebote der Liebe, die die Apostel vom Heiligen Geist empfingen, um sie anderen zu predigen; oder die Verheißung des gegenwärtigen Lebens und des zukünftigen.
Catena Aurea · Lk 10
Oder die zwei Denare scheinen mir die Erkenntnis des Sakramentes zu sein, auf welche Weise der Vater im Sohn und der Sohn im Vater ist, die als Lohn vom Engel der Kirche gegeben wird, damit sie mit eifrigerer Sorgfalt für den ihr anvertrauten Menschen sorge, den Er selbst in der Kürze der Zeit auch geheilt hatte. Und es wird verheißen, dass alles, was sie für die Heilung des halbtoten Mannes aufwenden würde, ihr wieder erstattet werden solle: Und was du mehr aufwendest, will ich dir erstatten, wenn ich wiederkomme.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Der Herbergswirt war der Apostel, der mehr aufwendete, sei es durch Ratgeben, wie er sagt: Was nun die Jungfrauen betrifft, habe ich kein Gebot des Herrn, doch gebe ich meinen Rat (1 Kor. 7,15), oder indem er sogar mit eigenen Händen arbeitete, damit er keinen der Schwachen in der Neuheit des Evangeliums belästige (2 Thess. 3,8), obwohl es ihm erlaubt war, vom Evangelium zu leben (1 Kor. 9,14). Viel mehr noch wendeten die Apostel auf, aber auch jene Lehrer haben in ihrer Zeit mehr aufgewendet, die sowohl das Alte als auch das Neue Testament ausgelegt haben, wofür sie ihren Lohn empfangen werden.

Catena Aurea · Lk 10
Gesegnet also ist jener Herbergswirt, der die Wunden eines anderen heilen kann; gesegnet ist er, zu dem Jesus sagt: Was du mehr aufwendest, will ich dir erstatten, wenn ich wiederkomme. Doch wann wirst du zurückkehren, o Herr, außer am Tag des Gerichts? Denn obwohl Du überall bist und in unserer Mitte stehst, wirst Du von uns nicht wahrgenommen, doch wird die Zeit kommen, in der alles Fleisch Dich wiederkommen sehen wird. Dann wirst Du den Gesegneten zurückerstatten, was Du schuldest, deren Schuldner Du bist. Möchten wir doch zuversichtliche Schuldner sein, dass wir zurückzahlen könnten, was wir empfangen haben!

Catena Aurea · Lk 10
Nach dem Vorausgegangenen befragt unser Herr treffend den Gesetzeslehrer: Welcher von diesen dreien, meinst du, war der Nächste für den, der unter die Räuber fiel? Er aber sagte: Der, der ihm Barmherzigkeit erwies. Denn weder der Priester noch der Levit wurde dem Leidenden zum Nächsten, sondern nur der, der Mitleid mit ihm hatte. Denn vergeblich ist die Würde des Priestertums und die Kenntnis des Gesetzes, wenn sie nicht durch gute Werke bestätigt werden. Daher folgt: Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin und handle ebenso.

Catena Aurea · Lk 10
(in Heb. Hom. 10.) Als ob Er sagte: Wenn du einen Bedrückten siehst, sage nicht: Sicherlich ist er böse; sondern sei er Heide oder Jude und bedürfe der Hilfe, streite nicht, er hat Anspruch auf deine Unterstützung, in welches Übel er auch gefallen ist.

Catena Aurea · Lk 10
(de. Doc. Chris. lib. i. c. 30.) Hieraus verstehen wir, dass der unser Nächster ist, dem wir die Pflicht des Mitleids erweisen müssen, wenn er sie braucht, oder dem wir sie erwiesen hätten, wenn er sie gebraucht hätte. Daraus folgt, dass sogar der, der seinerseits uns diese Pflicht erweisen muss, unser Nächster ist. Denn der Name Nächster hat Bezug auf etwas anderes, und niemand kann Nächster sein außer einem Nächsten; dass aber niemand ausgeschlossen ist, dem das Werk der Barmherzigkeit verweigert werden darf, ist allen klar; wie unser Herr sagt: Tut Gutes denen, die euch hassen. (Mt. 5,44.) Daher ist es klar, dass in diesem Gebot, durch das wir aufgefordert werden, unseren Nächsten zu lieben, die heiligen Engel eingeschlossen sind, durch die uns so große Werke der Barmherzigkeit erwiesen werden. Deshalb wollte unser Herr selbst auch unser Nächster genannt werden, indem Er sich darstellte, als habe Er dem halbtoten Mann geholfen, der am Wege lag.

Catena Aurea · Lk 10
Denn nicht die Verwandtschaft macht den Nächsten, sondern das Mitleid, denn das Mitleid entspricht der Natur. Denn nichts ist so natürlich, wie dem beizustehen, der unsere Natur teilt.
38 Als sie weiterwanderten, kam er in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn in ihr Haus auf. Sie hatte eine Schwester namens Maria. 39 Die setzte sich zu Füßen des Herrn und lauschte seinem Wort. 40 Marta aber war durch vielerlei Dienste beansprucht; sie trat hinzu und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Bedienung mir allein überlässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll! 41 Doch der Herr antwortete ihr: Marta, Marta, du machst dir Sorge und Unruhe um viele Dinge. 42 Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil erwählt, der wird ihr nicht genommen werden.
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Die Liebe zu Gott und zum Nächsten, die oben in Worten und Gleichnissen enthalten war, wird hier in Tat und Wirklichkeit dargestellt; denn es heißt: Es geschah aber, als sie weiterzogen, dass er in ein bestimmtes Dorf eintrat.
Catena Aurea · Lk 10
Den Namen dieses Dorfes lässt Lukas hier zwar aus, aber Johannes erwähnt ihn und nennt es Bethanien. (Joh. 11.)

Catena Aurea · Lk 10
(Ser. 103.) Der Herr aber, der zu den Seinen kam, und die Seinen nahmen ihn nicht auf (Joh. 1,12), wurde als Gast aufgenommen, denn es folgt: Und eine gewisse Frau namens Marta nahm ihn in ihr Haus auf, usw., wie Fremde aufgenommen zu werden pflegen. Doch immer noch empfing eine Dienerin ihren Herrn, eine Kranke ihren Heiland, ein Geschöpf ihren Schöpfer. Wenn aber jemand sagen sollte: „O selig sind die, die gewürdigt wurden, Christus in ihren Häusern aufzunehmen“, so betrübe dich nicht, denn Er sagt: Denn was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. (Mt. 25,40.) Indem Er aber die Gestalt eines Knechtes annahm, wollte Er darin von Knechten gespeist werden, wegen seiner Herablassung, nicht wegen seines Zustandes. Er hatte einen Leib, in dem Er hungrig und durstig war, aber als Er in der Wüste hungerte, dienten ihm Engel. (Mt. 4,11.) Indem Er also gespeist werden wollte, kam Er selbst zum Speisenden. Marta nun, die sich anschickte und bereitete, unseren Herrn zu speisen, war mit Dienen beschäftigt; aber Maria, ihre Schwester, zog es vor, vom Herrn gespeist zu werden, denn es folgt: Und sie hatte eine Schwester namens Maria, die sich auch zu Jesu Füßen setzte und seinem Wort zuhörte.

Catena Aurea · Lk 10
Von Maria wird nicht einfach gesagt, dass sie nahe bei Jesus saß, sondern zu seinen Füßen, um ihren Fleiß, ihre Standhaftigkeit und ihren Eifer im Hören zu zeigen und die große Ehrfurcht, die sie für unseren Herrn hatte.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Wie nun ihre Demut darin bestand, dass sie zu seinen Füßen saß, so empfing sie umso mehr von Ihm. Denn die Wasser fließen zum tiefsten Teil des Tales hinab, aber fließen vom Anstieg des Hügels weg.

Catena Aurea · Lk 10
(Const. Mon. c. 1.) Nun ist jedes Werk und Wort unseres Heilands eine Regel der Frömmigkeit und Tugend. Denn zu diesem Zweck zog Er unseren Leib an, damit wir, soweit wir können, seinen Wandel nachahmen.

Catena Aurea · Lk 10
Durch sein eigenes Beispiel lehrt Er also seine Jünger, wie sie sich in den Häusern derer verhalten sollen, die sie aufnehmen, nämlich wenn sie in ein Haus kommen, sollen sie nicht müßig bleiben, sondern vielmehr die Herzen derer, die sie aufnehmen, mit heiliger und göttlicher Lehre erfüllen. Die aber, die das Haus bereiten, sollen ihren Gästen freudig und eifrig entgegengehen, aus zwei Gründen. Erstens nämlich werden sie durch die Lehre derer, die sie aufnehmen, erbaut; zweitens werden sie auch den Lohn der Nächstenliebe empfangen. Und daher folgt hier: Marta aber war sehr beschäftigt mit vielem Dienen, usw.

Catena Aurea · Lk 10
(ubi sup.) Martha war gut damit beschäftigt, für die leiblichen Bedürfnisse oder Wünsche unseres Herrn zu sorgen, als für einen, der sterblich war, aber Er, der mit sterblichem Fleisch bekleidet war; im Anfang war das Wort. Siehe also, was Maria hörte: Das Wort ist Fleisch geworden. Siehe also Ihn, dem Martha diente. Die eine arbeitete, die andere ruhte. Doch Martha, als sie sehr beunruhigt war in ihrer Beschäftigung und dem Geschäft des Dienens, unterbrach unseren Herrn und beklagte sich über ihre Schwester. Denn es folgt: Und sprach: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mich allein dienen lässt? Denn Maria war in die Süße der Worte unseres Herrn versunken; Martha bereitete ein Festmahl für unseren Herrn, an dessen Fest Maria sich nun erfreute. Während sie also mit Wonne jene süßen Worte hörte und sich mit tiefster Zuneigung von ihnen nährte, wurde unser Herr von ihrer Schwester unterbrochen. Was müssen wir als ihren Schrecken annehmen, dass der Herr zu ihr sagen könnte: „Steh auf und hilf deiner Schwester?“ Unser Herr also, der nicht ratlos war, denn Er hatte gezeigt, dass Er der Herr ist, antwortete wie folgt: Und Jesus antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha. Die Wiederholung des Namens ist ein Zeichen der Liebe oder vielleicht der Aufmerksamkeitslenkung, damit sie aufmerksamer zuhören sollte. Als sie zweimal gerufen wird, hört sie: Du bist um viele Dinge besorgt, das heißt, du bist mit vielen Dingen beschäftigt. Denn der Mensch wünscht, etwas zu finden, wenn er dient, und kann es nicht; und so ist der Geist zwischen dem Suchen nach dem Fehlenden und dem Vorbereiten des Vorhandenen zerrissen. Denn wenn Martha sich selbst genügt hätte, hätte sie nicht die Hilfe ihrer Schwester gebraucht. Es gibt viele, es gibt verschiedene Dinge, die fleischlich und zeitlich sind, aber eines wird vielen vorgezogen. Denn eines ist nicht aus vielen, sondern viele aus einem. Daher folgt: Aber eines ist notwendig. Maria wünschte, mit einem beschäftigt zu sein, gemäß dem: Es ist gut für mich, mich eng an den Herrn zu halten. (Ps. 73:28.) Der Vater, der Sohn, der Heilige Geist sind eins. Zu diesem einen führt Er uns nicht, es sei denn, wir, die wir viele sind, haben ein Herz. (Apg. 4:32.)

Catena Aurea · Lk 10
Oder: Wenn bestimmte Brüder Gott empfangen haben, werden sie nicht um viel Dienst besorgt sein, noch nach Dingen fragen, die nicht in ihren Händen sind und über ihre Bedürfnisse hinausgehen. Denn überall und in allem ist das Überflüssige beschwerlich. Denn es erzeugt Überdruss bei denen, die es geben wollen, während die Gäste fühlen, dass sie die Ursache der Mühe sind.

Catena Aurea · Lk 10
(in reg. fus. int. 19.) Es ist auch töricht, Nahrung zur Unterstützung des Körpers zu sich zu nehmen und dadurch im Gegenzug den Körper zu schädigen und ihn an der Erfüllung des göttlichen Gebots zu hindern. Wenn also ein armer Mann kommt, soll er ein Muster und Beispiel der Mäßigung in der Nahrung erhalten, und wir sollen unsere eigenen Tische nicht für diejenigen bereiten, die luxuriös leben wollen. Denn das Leben des Christen ist gleichförmig und strebt stets einem Ziel zu, nämlich der Ehre Gottes. Aber das Leben derer, die außerhalb sind, ist vielfältig und schwankend, nach Belieben verändert. Und wie kannst du in Wahrheit, wenn du deinen Tisch vor deinem Bruder mit Überfluss an Speisen deckst und um des Vergnügens des Festmahls willen, ihn der Luxus beschuldigen und ihn als Schlemmer schmähen und seine Nachgiebigkeit in dem tadeln, was du selbst ihm gewährst? Unser Herr lobte Martha nicht, als sie mit vielem Dienen beschäftigt war.

Catena Aurea · Lk 10
(Serm. 104.) Was dann? Müssen wir denken, dass dem Dienst der Martha, die mit den Sorgen der Gastfreundschaft beschäftigt war und sich freute, einen so großen Gast zu haben, Tadel auferlegt wurde? Wenn dies wahr ist, sollen die Menschen aufhören, den Bedürftigen zu dienen; mit einem Wort, sie sollen müßig sein, nur auf den Erwerb heilsamer Erkenntnis bedacht, ohne sich darum zu kümmern, welcher Fremde im Dorf Brot braucht; Werke der Barmherzigkeit sollen unbeachtet bleiben, nur Erkenntnis soll gepflegt werden.
Catena Aurea · Lk 10
Unser Herr verbietet also nicht die Gastfreundschaft, sondern die Beunruhigung um viele Dinge, das heißt Eile und Angst. Und beachte die Weisheit unseres Herrn, dass Er zunächst nichts zu Martha sagte, aber als sie versuchte, ihre Schwester vom Zuhören wegzureißen, da nahm der Herr Anlass, sie zu tadeln. Denn Gastfreundschaft wird immer geehrt, solange sie uns auf notwendige Dinge beschränkt. Aber wenn sie beginnt, uns daran zu hindern, uns dem Wichtigeren zu widmen, dann ist klar, dass das Hören des göttlichen Wortes ehrenvoller ist.

Catena Aurea · Lk 10
(Serm. 104.) Unser Herr tadelt also nicht die Handlungen, sondern unterscheidet zwischen den Pflichten. Denn es folgt: Maria hat das gute Teil erwählt, usw. Nicht deines ist schlecht, sondern ihres ist besser. Warum besser? weil es nicht von ihr genommen wird. Von dir wird einst die notwendige Last der Geschäfte genommen werden. Denn wenn du in jenes Land kommst, wirst du keinen Fremden finden, den du gastfreundlich aufnehmen kannst. Aber zu deinem Besten wird es genommen werden, damit dir das Bessere gegeben werde. Die Mühe wird genommen werden, damit die Ruhe gegeben werde. Du bist noch auf dem Meer; sie ist im Hafen. Denn die Süße der Wahrheit ist ewig, doch in diesem Leben wird sie vermehrt, und im nächsten wird sie vollendet, nie genommen zu werden.

Catena Aurea · Lk 10
Mögest du dann wie Maria vom Verlangen nach Weisheit beeinflusst sein. Denn dies ist das größere, dies das vollkommenere Werk. Noch soll die Sorge um den Dienst an anderen deinen Geist von der Erkenntnis des himmlischen Wortes ablenken, noch diejenigen tadeln oder für träge halten, die du nach Weisheit streben siehst.

Catena Aurea · Lk 10
(de Qu. Evang. l. ii. q. 30.) Nun mystisch: Durch die Aufnahme unseres Herrn in ihr Haus durch Martha wird die Kirche dargestellt, die jetzt den Herrn in ihr Herz aufnimmt. Maria, ihre Schwester, die zu Jesu Füßen saß und Sein Wort hörte, bezeichnet dieselbe Kirche, aber im zukünftigen Leben, wo sie, von Arbeit und Dienst an ihren Bedürfnissen befreit, sich allein an der Weisheit erfreuen wird. Aber durch ihre Klage, dass ihre Schwester ihr nicht half, wird Anlass gegeben für jenes Wort unseres Herrn, in dem Er zeigt, dass jene Kirche um viel Dienst besorgt und beunruhigt ist, obwohl nur eines notwendig ist, das doch durch die Verdienste ihres Dienstes erlangt wird; aber Er sagt, dass Maria das gute Teil erwählt hat, denn durch das eine wird das andere erreicht, das nicht genommen wird.

Catena Aurea · Lk 10
(6. Mor. c. 18.) Oder durch Maria, die saß und die Worte unseres Herrn hörte, wird das kontemplative Leben bezeichnet; durch Martha, die mit äußeren Diensten beschäftigt war, das aktive Leben. Nun wird Marthas Sorge nicht getadelt, aber Maria wird gelobt, denn groß sind die Belohnungen des aktiven Lebens, aber die des kontemplativen sind weit besser. Daher wird gesagt, dass Marias Teil niemals von ihr genommen wird, denn die Werke des aktiven Lebens vergehen mit dem Körper, aber die Freuden des kontemplativen Lebens beginnen vielmehr vom Ende her zu wachsen.