
Cyrill von Alexandrien
Catena Aurea · Lukasevangelium 11
5 Dann sagte er zu ihnen: Wer von euch hat wohl einen Freund und geht mitten in der Nacht zu ihm und sagt: Freund, leihe mir drei Brote; 6 denn einer meiner Freunde ist auf der Reise zu mir gekommen und ich habe ihm nichts vorzusetzen -- 7 würde jener von drinnen antworten: Belästige mich nicht! Die Tür ist bereits geschlossen und meine Kinder und ich sind zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir (etwas) geben? 8 Ich sage euch: Wenn er auch nicht deswegen aufsteht und ihm gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.
Der Heiland hatte zuvor auf die Bitte seiner Apostel hin gelehrt, wie die Menschen beten sollen. Es könnte aber geschehen, dass diejenigen, die diese heilsame Lehre empfangen hatten, ihre Gebete zwar nach der ihnen gegebenen Form darbrachten, aber nachlässig und matt, und dann, wenn sie in dem ersten oder zweiten Gebet nicht erhört wurden, aufhörten zu beten. Damit dies also nicht unser Fall sei, zeigt er durch ein Gleichnis, dass die Feigheit in unseren Gebeten schädlich ist, dass es aber von großem Nutzen ist, in ihnen Ausdauer zu haben. Daher heißt es: Und er sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund.