
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 11
9 Darum sage ich euch: Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch aufgetan. 10 Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird aufgetan. 11 Wo ist unter euch ein Vater, der, wenn ihn sein Sohn um einen Fisch bittet, ihm statt des Fisches eine Schlange gäbe? 12 Oder wenn er um ein Ei bittet, ihm einen Skorpion gäbe? 13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, eueren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.
(de Quæst. Ev. lib. ii. qu. 22.) Oder mit dem Brot ist die Liebe gemeint, weil wir ein größeres Verlangen danach haben und sie so notwendig ist, dass ohne sie alles andere nichts ist, wie ein Tisch ohne Brot kärglich ist. Ihr entgegengesetzt ist die Herzenshärte, die er mit einem Stein verglich. Mit dem Fisch aber wird der Glaube an unsichtbare Dinge bezeichnet, sei es wegen der Wasser der Taufe, sei es weil er aus unsichtbaren Orten genommen wird, die das Auge nicht erreichen kann. Weil auch der Glaube, obwohl von den Wellen dieser Welt umhergeworfen, nicht zerstört wird, wird er zu Recht mit einem Fisch verglichen, dem entgegengesetzt er die Schlange wegen des Giftes der Täuschung gesetzt hat, die durch böse Überredung ihren ersten Samen im ersten Menschen hatte. Oder mit dem Ei wird die Hoffnung verstanden. Denn das Ei ist die noch nicht gebildete junge Frucht, aber durch Pflege erhofft, dem entgegengesetzt er den Skorpion gesetzt hat, dessen vergifteter Stachel von hinten zu fürchten ist; wie der Hoffnung entgegengesetzt ist, zurückzublicken, da die Hoffnung auf die Zukunft vorwärts auf das gerichtet ist, was vor uns liegt.