Pseudo-Augustinus
Catena Aurea · Lukasevangelium 11
1 Eines Tages betete er an einem Ort. Als er geendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger gelehrt hat. 2 Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht:Vater, / dein Name werde geheiligt. / Dein Reich komme. 3 Gib uns täglich unser notwendiges Brot. 4 Und vergib uns unsere Sünden; / denn auch wir vergeben jedem, der uns schuldet.Und führe uns nicht in Versuchung.
(App. Serm. 84.) Das erste Wort, wie gnädig ist es? Du wagst nicht, dein Gesicht zum Himmel zu erheben, und plötzlich empfängst du die Gnade Christi. Aus einem bösen Knecht wirst du ein guter Sohn. Rühme dich also nicht deines Wirkens, sondern der Gnade Christi; denn darin ist keine Arroganz, sondern Glaube. Zu verkünden, was du empfangen hast, ist nicht Stolz, sondern Hingabe. Erhebe daher deine Augen zu deinem Vater, der dich durch die Taufe gezeugt, dich durch Seinen Sohn erlöst hat. Sage Vater als Sohn, aber beanspruche keine besondere Gunst für dich. Allein von Christus ist Er der besondere Vater, von uns der gemeinsame Vater. Denn Christus allein hat Er gezeugt, uns aber erschaffen. Und deshalb wird nach Matthäus, wenn es heißt: Unser Vater, (Matt. 6:9.) hinzugefügt: der du bist in den Himmeln, das heißt in jenen Himmeln, von denen gesagt wurde: Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes. (Ps. 19:1.) Himmel ist, wo die Sünde aufgehört hat und wo kein Stachel des Todes ist.