
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 10
38 Als sie weiterwanderten, kam er in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn in ihr Haus auf. Sie hatte eine Schwester namens Maria. 39 Die setzte sich zu Füßen des Herrn und lauschte seinem Wort. 40 Marta aber war durch vielerlei Dienste beansprucht; sie trat hinzu und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Bedienung mir allein überlässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll! 41 Doch der Herr antwortete ihr: Marta, Marta, du machst dir Sorge und Unruhe um viele Dinge. 42 Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil erwählt, der wird ihr nicht genommen werden.
(Serm. 104.) Was dann? Müssen wir denken, dass dem Dienst der Martha, die mit den Sorgen der Gastfreundschaft beschäftigt war und sich freute, einen so großen Gast zu haben, Tadel auferlegt wurde? Wenn dies wahr ist, sollen die Menschen aufhören, den Bedürftigen zu dienen; mit einem Wort, sie sollen müßig sein, nur auf den Erwerb heilsamer Erkenntnis bedacht, ohne sich darum zu kümmern, welcher Fremde im Dorf Brot braucht; Werke der Barmherzigkeit sollen unbeachtet bleiben, nur Erkenntnis soll gepflegt werden.