
Athanasius der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 10
21 In derselben Stunde rief er voll Freude, vom Heiligen Geist erfüllt: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Klugen verborgen, Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. 22 Alles ist mir von meinem Vater übergeben. Niemand weiß, wer der Sohn ist, als nur der Vater, und niemand, wer der Vater ist, als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
(Tract. in Matt. 11:22.) Die Anhänger des Arius, die dies nicht richtig verstehen, toben gegen unseren Herrn und sagen: Wenn ihm alles gegeben wurde, das heißt die Herrschaft über die Geschöpfe, dann gab es eine Zeit, da er sie nicht hatte, und so war er nicht von der Substanz des Vaters. Denn wenn er es gewesen wäre, hätte er es nicht zu empfangen brauchen. Dadurch aber wird ihr Wahnsinn eher aufgedeckt. Denn wenn vor dem Empfang das Geschöpf unabhängig vom Wort war, wie wird dann jener Vers bestehen: In ihm besteht alles? (Kol. 4,17.) Wenn aber die Geschöpfe, sobald sie geschaffen waren, ihm alle gegeben wurden, wozu war es nötig, sie zu geben, da doch durch ihn alles gemacht wurde? (Joh. 13.) Die Herrschaft über die Schöpfung ist also hier nicht gemeint, wie sie denken, sondern die Worte bezeichnen die Heilsordnung, die im Fleisch geschehen ist. Denn nachdem der Mensch gesündigt hatte, wurde alles verwirrt; das Wort also wurde Fleisch, damit es alles wiederherstellte. Alles wurde ihm daher gegeben, nicht weil ihm die Macht fehlte, sondern damit er als Heiland alles wiederherstellte; damit, wie durch das Wort am Anfang alles ins Dasein gebracht wurde, so auch, als das Wort Fleisch wurde, er alles in sich wiederherstellte.