
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 10
3 Geht! Ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe. 4 Nehmt weder Sack noch Tasche noch Schuhe mit. Grüßt niemand unterwegs!
(Hom. 17. in Ev.) Denn viele, wenn sie das Recht der Herrschaft empfangen, sind heftig in der Verfolgung ihrer Untergebenen und offenbaren die Schrecken ihrer Macht. Und da sie kein Erbarmen haben, ist ihr Verlangen, Herren zu scheinen, wobei sie ganz vergessen, dass sie Väter sind, und einen Anlass zur Demut in eine Erhöhung der Macht verwandeln. Wir müssen andererseits bedenken, dass wir als Lämmer unter die Wölfe gesandt werden, damit wir das Gefühl der Unschuld bewahren und so keine bösartigen Angriffe machen. Denn wer das Amt des Predigers übernimmt, soll nicht Übel über andere bringen, sondern sie ertragen; wer, obwohl zuweilen ein aufrechter Eifer verlangt, dass er hart mit seinen Untergebenen umgeht, dennoch innerlich in seinem Herzen mit väterlichem Gefühl die lieben soll, die er äußerlich mit Tadel heimsucht. Und jener Herrscher gibt ein gutes Beispiel dafür, der niemals den Nacken seiner Seele dem Joch irdischen Verlangens unterwirft. Daher heißt es weiter: Tragt weder Beutel noch Tasche.