
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 10
38 Als sie weiterwanderten, kam er in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn in ihr Haus auf. Sie hatte eine Schwester namens Maria. 39 Die setzte sich zu Füßen des Herrn und lauschte seinem Wort. 40 Marta aber war durch vielerlei Dienste beansprucht; sie trat hinzu und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Bedienung mir allein überlässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll! 41 Doch der Herr antwortete ihr: Marta, Marta, du machst dir Sorge und Unruhe um viele Dinge. 42 Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil erwählt, der wird ihr nicht genommen werden.
(de Qu. Evang. l. ii. q. 30.) Nun mystisch: Durch die Aufnahme unseres Herrn in ihr Haus durch Martha wird die Kirche dargestellt, die jetzt den Herrn in ihr Herz aufnimmt. Maria, ihre Schwester, die zu Jesu Füßen saß und Sein Wort hörte, bezeichnet dieselbe Kirche, aber im zukünftigen Leben, wo sie, von Arbeit und Dienst an ihren Bedürfnissen befreit, sich allein an der Weisheit erfreuen wird. Aber durch ihre Klage, dass ihre Schwester ihr nicht half, wird Anlass gegeben für jenes Wort unseres Herrn, in dem Er zeigt, dass jene Kirche um viel Dienst besorgt und beunruhigt ist, obwohl nur eines notwendig ist, das doch durch die Verdienste ihres Dienstes erlangt wird; aber Er sagt, dass Maria das gute Teil erwählt hat, denn durch das eine wird das andere erreicht, das nicht genommen wird.