
Cyrill von Alexandrien
Catena Aurea · Lukasevangelium 10
23 Dann wandte er sich seinen Jüngern allein zu und sagte: Selig die Augen, die sehen, was ihr seht. 24 Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.
Er wendet sich freilich zu ihnen, da Er die Juden verworfen hat, die taub waren, mit geblendetem Verstand und nicht sehen wollten, und gibt sich ganz denen hin, die Ihn lieben; und Er preist jene Augen selig, die sehen, was andere zuvor nicht gesehen hatten. Wir müssen jedoch wissen, dass Sehen nicht die Tätigkeit der Augen bezeichnet, sondern die Freude, die der Geist aus empfangenen Wohltaten zieht. Wenn zum Beispiel jemand sagen wollte: Er hat gute Zeiten gesehen, das heißt, er hat sich in guten Zeiten gefreut, nach dem Psalm: Du wirst das Gute Jerusalems sehen. (Ps 128,5.) Denn viele Juden haben Christus göttliche Werke vollbringen sehen, das heißt mit leiblichem Blick, doch nicht alle waren fähig, den Segen zu empfangen, denn sie glaubten nicht; aber sie sahen Seine Herrlichkeit nicht mit geistigem Blick. Selig also sind unsere Augen, da wir durch den Glauben das Wort sehen, das für uns Mensch geworden ist und auf uns die Herrlichkeit Seiner Gottheit ausgießt, damit Er uns durch Heiligung und Gerechtigkeit Ihm gleich mache.