
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 10
3 Geht! Ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe. 4 Nehmt weder Sack noch Tasche noch Schuhe mit. Grüßt niemand unterwegs!
Oder die Häretiker werden mit Wölfen verglichen. Denn Wölfe sind Tiere, die in der Nähe der Schafhürden auflauern und um die Hütten der Hirten streifen. Sie wagen nicht, die Wohnstätten der Menschen zu betreten, sie spähen schlafende Hunde aus, abwesende oder träge Hirten; sie packen die Schafe an der Kehle, um sie schnell zu erwürgen; reißende Tiere, mit so steifen Körpern, dass sie sich nicht leicht umdrehen können, sondern von ihrem eigenen Ungestüm fortgerissen werden und so oft getäuscht werden. Wenn sie einen Menschen zuerst sehen, heißt es, reißen sie ihm durch einen gewissen natürlichen Impuls die Stimme aus; wenn aber ein Mensch sie zuerst sieht, zittern sie vor Furcht. In ähnlicher Weise lauern die Häretiker um die Schafhürden Christi, heulen zur Nachtzeit in der Nähe der Hütten. Denn die Nacht ist die Zeit für die Verräter, die das Licht Christi mit den Nebeln falscher Auslegung verdunkeln. Die Herbergen Christi aber wagen sie nicht zu betreten, und deshalb werden sie nicht geheilt, wie jener in einer Herberge geheilt wurde, der unter die Räuber fiel. Sie halten Ausschau nach der Abwesenheit der Hirten, denn sie können die Schafe nicht angreifen, wenn die Hirten anwesend sind. Auch wegen der Unbeugsamkeit eines harten und hartnäckigen Geistes wenden sie sich selten oder nie von ihrem Irrtum ab, während Christus, der wahre Ausleger der Schrift, sie verspottet, so dass sie ihre Gewalt vergeblich ausstoßen und nicht schaden können; und wenn sie jemanden durch die subtile Täuschung ihrer Disputationen überwältigen, machen sie ihn stumm. Denn der ist stumm, der das Wort Gottes nicht mit dem ihm gebührenden Ruhm bekennt. Hüte dich also, dass der Häretiker dich nicht deiner Stimme beraubt, und dass du ihn nicht zuerst entdeckst. Denn er schleicht heran, während seine Tücke verborgen ist. Aber wenn du seine unheiligen Begierden entdeckt hast, kannst du nicht den Verlust einer heiligen Stimme fürchten. Sie greifen die Kehle an, sie verwunden die Eingeweide, während sie die Seele suchen. Wenn du auch hörst, dass jemand Priester genannt wird, und du kennst seine Räubereien, so ist er äußerlich ein Schaf, innerlich ein Wolf, der danach verlangt, seine Wut mit der unersättlichen Grausamkeit des Menschenmordes zu befriedigen.