
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 10
38 Als sie weiterwanderten, kam er in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn in ihr Haus auf. Sie hatte eine Schwester namens Maria. 39 Die setzte sich zu Füßen des Herrn und lauschte seinem Wort. 40 Marta aber war durch vielerlei Dienste beansprucht; sie trat hinzu und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Bedienung mir allein überlässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll! 41 Doch der Herr antwortete ihr: Marta, Marta, du machst dir Sorge und Unruhe um viele Dinge. 42 Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil erwählt, der wird ihr nicht genommen werden.
(6. Mor. c. 18.) Oder durch Maria, die saß und die Worte unseres Herrn hörte, wird das kontemplative Leben bezeichnet; durch Martha, die mit äußeren Diensten beschäftigt war, das aktive Leben. Nun wird Marthas Sorge nicht getadelt, aber Maria wird gelobt, denn groß sind die Belohnungen des aktiven Lebens, aber die des kontemplativen sind weit besser. Daher wird gesagt, dass Marias Teil niemals von ihr genommen wird, denn die Werke des aktiven Lebens vergehen mit dem Körper, aber die Freuden des kontemplativen Lebens beginnen vielmehr vom Ende her zu wachsen.