
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 10
29 Er aber wollte sich rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? 30 Jesus erwiderte: Ein Mann ging von Jerusalem hinunter nach Jericho und fiel unter die Räuber. Sie plünderten ihn aus, schlugen ihn, machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. 31 Zufällig ging ein Priester denselben Weg hinunter. Er sah ihn und ging vorüber. 32 Ebenso kam ein Levit an der Stelle vorbei, sah ihn und ging vorüber. 33 Ein Samariter aber, der des Weges zog, kam in seine Nähe, sah ihn und wurde von Mitleid bewegt. 34 Er ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Lasttier, brachte ihn in eine Herberge und trug Sorge für ihn. 35 Am nächsten Morgen zog er zwei Denare heraus, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn und was du noch darüber aufwendest, werde ich dir erstatten, wenn ich wiederkomme. 36 Wer von diesen dreien hat sich deiner Meinung nach als der Nächste dessen erwiesen, der unter die Räuber gefallen war? 37 Er antwortete: Der, der Barmherzigkeit an ihm geübt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Geh und handle genauso.
(ut sup.) Denn die Herberge ist die Kirche, die die Reisenden aufnimmt, die von ihrer Wanderung durch die Welt ermüdet und von der Last ihrer Sünden bedrückt sind; wo der müde Reisende die Bürde seiner Sünden abwirft und Erleichterung findet und nach der Erquickung mit gesunder Nahrung gestärkt wird. Und das ist es, was hier gesagt wird: und sorgte für ihn. Denn draußen ist alles, was widerstreitet, schädlich und böse, während drinnen in der Herberge alle Ruhe und Gesundheit enthalten ist.