Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Lukasevangelium 10
29 Er aber wollte sich rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? 30 Jesus erwiderte: Ein Mann ging von Jerusalem hinunter nach Jericho und fiel unter die Räuber. Sie plünderten ihn aus, schlugen ihn, machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. 31 Zufällig ging ein Priester denselben Weg hinunter. Er sah ihn und ging vorüber. 32 Ebenso kam ein Levit an der Stelle vorbei, sah ihn und ging vorüber. 33 Ein Samariter aber, der des Weges zog, kam in seine Nähe, sah ihn und wurde von Mitleid bewegt. 34 Er ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Lasttier, brachte ihn in eine Herberge und trug Sorge für ihn. 35 Am nächsten Morgen zog er zwei Denare heraus, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn und was du noch darüber aufwendest, werde ich dir erstatten, wenn ich wiederkomme. 36 Wer von diesen dreien hat sich deiner Meinung nach als der Nächste dessen erwiesen, der unter die Räuber gefallen war? 37 Er antwortete: Der, der Barmherzigkeit an ihm geübt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Geh und handle genauso.
Nun definiert unser Erlöser den Nächsten nicht hinsichtlich der Handlungen oder der Ehre, sondern der Natur; als ob er sagte: Denke nicht, dass du, weil du gerecht bist, keinen Nächsten hast; denn alle, die derselben Natur teilhaftig sind, sind deine Nächste. Sei auch du ihr Nächster, nicht dem Ort nach, sondern in Zuneigung und Sorge für sie. Und zusätzlich führt er den Samariter als Beispiel an. Wie es folgt: Und Jesus antwortete und sprach: Ein gewisser Mensch ging hinab, usw.