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Catena Aurea · Evangelium secundum Lucam
112 Kommentare der Kirchenväter · 5 Versabschnitte
Lukasevangelium 15 in der Bibel lesen1 Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören. 2 Die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sagten: Der nimmt Sünder an und isst mit ihnen. 3 Da sagte er ihnen dieses Gleichnis: 4 Wer von euch, der hundert Schafe hat und eines von ihnen verliert, lässt nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? 5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf seine Schultern, 6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: Ebenso wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die der Umkehr nicht bedürfen.
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Catena Aurea · Lk 15
Du hattest durch das Vorhergehende gelernt, nicht von den Geschäften dieser Welt in Anspruch genommen zu werden, nicht vergängliche Dinge den ewigen vorzuziehen. Aber weil die Gebrechlichkeit des Menschen in einer so glatten Welt keinen festen Schritt halten kann, hat dir der gute Arzt sogar nach dem Fall ein Heilmittel gezeigt; der barmherzige Richter hat die Hoffnung auf Vergebung nicht verweigert; daher heißt es: Es nahten ihm aber alle Zöllner.
Catena Aurea · Lk 15
(interlin.) Das heißt, die die öffentlichen Steuern einziehen oder pachten und es zu ihrem Geschäft machen, weltlichem Gewinn nachzujagen.
Catena Aurea · Lk 15
Denn das war seine Gewohnheit, weswegen Er das Fleisch angenommen hatte, Sünder aufzunehmen wie der Arzt die Kranken. Aber die Pharisäer, die wirklich Schuldigen, erwiderten Murren auf diesen Akt der Barmherzigkeit, wie es folgt: Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen usw.

Catena Aurea · Lk 15
(in Hom. 34. in Evang.) Daraus können wir entnehmen, dass wahre Gerechtigkeit Mitleid empfindet, falsche Gerechtigkeit verachtet, obwohl die Gerechten gewöhnlich Sünder zu Recht abweisen. Aber die eine Handlung entspringt der Aufgeblasenheit des Stolzes, die andere dem Eifer für die Disziplin. Denn die Gerechten, obwohl sie äußerlich um der Disziplin willen Tadel nicht sparen, hegen innerlich Süße aus Liebe. In ihrem eigenen Geist stellen sie die, die sie zurechtweisen, über sich selbst, wodurch sie jene durch Disziplin niederhalten und sich selbst durch Demut. Aber im Gegenteil, die, die aus falscher Gerechtigkeit sich zu brüsten pflegen, verachten alle anderen und lassen sich niemals in Barmherzigkeit zu den Schwachen herab; und da sie meinen, keine Sünder zu sein, sind sie umso schlimmere Sünder. Von solcher Art waren die Pharisäer, die unseren Herrn verurteilten, weil Er Sünder aufnahm, und mit ausgedörrten Herzen die Quelle der Barmherzigkeit selbst schmähten. Aber weil sie so krank waren, dass sie ihre Krankheit nicht kannten, damit sie erkennen, was sie waren, antwortet ihnen der himmlische Arzt mit sanften Mitteln. Denn es folgt: Und er sprach dieses Gleichnis zu ihnen: Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat und eines von ihnen verliert, geht nicht dem verlorenen nach usw. Er gab einen Vergleich, den der Mensch in sich selbst erkennen konnte, obwohl er sich auf den Schöpfer der Menschen bezog. Denn da die Hundert eine vollkommene Zahl ist, hatte Er selbst hundert Schafe, da Er die Natur der heiligen Engel und Menschen besaß. Daher fügt er hinzu: Der hundert Schafe hat.

Catena Aurea · Lk 15
Hieraus können wir die Ausdehnung des Reiches unseres Erlösers verstehen. Denn Er sagt, es gibt hundert Schafe, was die Zahl der vernünftigen Geschöpfe, die Ihm unterworfen sind, zu einer vollkommenen Summe bringt. Denn die Zahl Hundert ist vollkommen, da sie aus zehn Dekaden besteht. Aber von diesen ist eines abgeirrt, nämlich das Menschengeschlecht, das die Erde bewohnt.

Catena Aurea · Lk 15
Reich ist also jener Hirte, von dem wir alle ein Hundertstel sind; und daher folgt: Und wenn er eines von ihnen verliert, lässt er nicht usw.

Catena Aurea · Lk 15
Ein Schaf ging also verloren, als der Mensch durch Sünde die Weiden des Lebens verließ. Aber in der Wüste blieben die neunundneunzig zurück, weil die Zahl der vernünftigen Geschöpfe, das heißt der Engel und Menschen, die dazu geschaffen waren, Gott zu schauen, verringert wurde, als der Mensch verloren ging; und daher folgt: Lässt er nicht die neunundneunzig in der Wüste, weil er in Wahrheit die Scharen der Engel im Himmel verließ. Aber der Mensch verließ damals den Himmel, als er sündigte. Und damit der ganze Leib der Schafe im Himmel vollkommen wiederhergestellt würde, wurde der verlorene Mensch auf Erden gesucht; wie es folgt: Und geht dem nach usw.

Catena Aurea · Lk 15
War Er denn dann zornig auf die übrigen und nur von Güte zu einem bewegt? Keineswegs. Denn sie sind in Sicherheit, die Rechte des Allmächtigen ist ihre Verteidigung. Es ziemte sich vielmehr, den Verlorenen zu bemitleiden, damit die übrige Zahl nicht unvollkommen erscheine. Denn wenn das eine zurückgebracht wird, gewinnt das Hundert seine eigene Gestalt wieder.

Catena Aurea · Lk 15
(de Quæst. Ev. lib. 2. qu. 32.) Oder Er sprach von jenen neunundneunzig, die Er in der Wüste zurückließ, und bezeichnete damit die Stolzen, die gleichsam die Einsamkeit in ihrem Sinn tragen, indem sie allein erscheinen wollen, denen die Einheit zur Vollkommenheit fehlt. Denn wenn ein Mensch aus der Einheit gerissen wird, geschieht es durch Stolz; da er wünscht, sein eigener Herr zu sein, folgt er nicht dem Einen, der Gott ist, sondern zu dem Einen Gott ordnet Er alle, die durch Buße versöhnt werden, welche durch Demut erlangt wird.
Catena Aurea · Lk 15
(Hom. de Mul. Pecc.) Als der Hirte das Schaf gefunden hatte, bestrafte er es nicht, trieb es nicht durch Treiben zur Herde, sondern indem er es auf seine Schultern legte und sanft trug, vereinigte er es mit seiner Herde. Daher folgt: Und wenn er es gefunden hat, legt er es voll Freude auf seine Schultern.

Catena Aurea · Lk 15
(in Hom. 34.) Er legte das Schaf auf seine Schultern, denn indem Er die menschliche Natur annahm, trug Er unsere Sünden. Aber nachdem er das Schaf gefunden hat, kehrt er nach Hause zurück; denn unser Hirte kehrt, nachdem er den Menschen wiederhergestellt hat, in sein himmlisches Reich zurück. Und daher folgt: Und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. (1 Petr 2,24; Jes 53.) Mit seinen Freunden und Nachbarn meint Er die Scharen der Engel, die seine Freunde sind, weil sie seinen Willen in ihrer eigenen Standhaftigkeit bewahren; sie sind auch seine Nachbarn, weil sie durch ihr ständiges Warten auf Ihn die Klarheit seines Anblicks genießen.
Catena Aurea · Lk 15
Die himmlischen Mächte werden also Schafe genannt, weil jede geschaffene Natur im Vergleich zu Gott wie das Vieh ist, aber insofern sie vernünftig ist, werden sie Freunde und Nachbarn genannt.

Catena Aurea · Lk 15
(in Hom. 34.) Und wir müssen beachten, dass Er nicht sagt: „Freut euch mit dem Schaf, das gefunden ist“, sondern mit mir, weil wahrlich unser Leben seine Freude ist, und wenn wir in den Himmel heimgebracht werden, erfüllen wir das Fest seiner Freude.

Catena Aurea · Lk 15
Die Engel aber, insofern sie vernünftige Wesen sind, freuen sich nicht unvernünftig über die Erlösung der Menschen, wie es folgt: Ich sage euch, dass ebenso Freude im Himmel sein wird über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die keine Buße nötig haben. Dies diene als Anreiz zum Guten, dass ein Mensch glaubt, dass seine Bekehrung den versammelten Engeln gefallen wird, deren Gunst er erstreben oder deren Missfallen er fürchten sollte.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Doch er lässt gelten, dass im Himmel mehr Freude über den bekehrten Sünder ist als über den Gerechten, der standhaft bleibt; denn letzterer steht zwar, da er sich meist nicht von der Last seiner Sünden bedrückt fühlt, auf dem Weg der Gerechtigkeit, seufzt aber dennoch nicht ängstlich nach dem himmlischen Vaterland, und ist oft langsam, gute Werke zu tun, aus seinem Vertrauen darauf, dass er keine schweren Sünden begangen hat. Andererseits werden mitunter jene, die sich bestimmter begangener Ungerechtigkeiten erinnern, im Herzen getroffen und entflammen gerade aus ihrem Schmerz zur Liebe Gottes; und weil sie bedenken, dass sie von Gott abgewichen sind, machen sie ihre früheren Verluste durch die nachfolgenden Gewinne wett. Größer ist also die Freude im Himmel, so wie der Anführer im Kampf jenen Soldaten mehr liebt, der, vom Fliehen umgekehrt, tapfer den Feind verfolgt, als den, der nie den Rücken wandte und nie eine tapfere Tat vollbrachte. So liebt der Landmann eher jenes Land, das nach Dornen reichlich Frucht bringt, als jenes, das nie Dornen hatte und ihm nie eine reiche Ernte gab. Doch in der Zwischenzeit müssen wir bedenken, dass es sehr viele Gerechte gibt, in deren Leben so viel Freude ist, dass keine Buße von Sündern, wie groß sie auch sei, ihnen irgendwie vorgezogen werden kann. Daraus können wir entnehmen, welche große Freude es Gott bereitet, wenn der Gerechte demütig trauert, wenn es Freude im Himmel bewirkt, dass der Ungerechte durch seine Reue das Böse verurteilt, das er getan hat.
8 Oder welche Frau, die zehn Drachmen hat und eine Drachme verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht sorgfältig, bis sie sie findet? 9 Und hat sie sie gefunden, so ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte. 10 Ebenso, sage ich euch, wird bei den Engeln Gottes Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt.
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Catena Aurea · Lk 15
(non occ.) Durch das vorhergehende Gleichnis, in dem das Menschengeschlecht als ein wanderndes Schaf bezeichnet wurde, wurde uns gezeigt, dass wir Geschöpfe des höchsten Gottes sind, der uns gemacht hat, und nicht wir selbst, und wir sind die Schafe seiner Weide. (Ps. 95:7.) Nun aber wird ein zweites Gleichnis hinzugefügt, in dem das Menschengeschlecht mit einem Stück Silber verglichen wird, das verloren war, wodurch er zeigt, dass wir nach dem königlichen Gleichnis und Bild geschaffen wurden, das heißt nach dem des höchsten Gottes. Denn das Stück Silber ist eine Münze, die den Abdruck des Bildes des Königs trägt, wie es heißt: Oder welche Frau, die zehn Silberstücke hat, wenn sie eines verliert, usw.

Catena Aurea · Lk 15
(Hom. 34. in Ev.) Der, welcher durch den Hirten bezeichnet wird, ist auch durch die Frau bezeichnet. Denn es ist Gott selbst, Gott und die Weisheit Gottes, aber der Herr hat die Natur der Engel und Menschen gebildet, damit sie ihn erkennen, und hat sie nach seinem Ebenbild geschaffen. Die Frau hatte also zehn Silberstücke, weil es neun Ordnungen von Engeln gibt, aber damit die Zahl der Auserwählten erfüllt würde, wurde der Mensch als zehnter geschaffen.

Catena Aurea · Lk 15
(de Quæst. Ev. lib. 2. qu. 33.) Oder durch die neun Silberstücke, wie durch die neunundneunzig Schafe, stellt er jene dar, die auf sich selbst vertrauen und sich den Sündern, die zum Heil zurückkehren, vorziehen. Denn es fehlt eines an neun, um zehn zu machen, und an neunundneunzig, um hundert zu machen. Dem einen weist er alle zu, die durch Buße versöhnt sind.

Catena Aurea · Lk 15
(ut sup.) Und weil auf dem Silberstück ein Bild eingeprägt ist, verlor die Frau das Silberstück, als der Mensch (der nach dem Bild Gottes geschaffen war) durch Sünde von der Ähnlichkeit mit seinem Schöpfer abwich. Und das ist es, was hinzugefügt wird: Wenn sie ein Stück verliert, zündet sie nicht ein Licht an? Die Frau zündete ein Licht an, weil die Weisheit Gottes im Menschen erschien. Denn das Licht ist ein Licht in einem irdenen Gefäß, aber das Licht in einem irdenen Gefäß ist die Gottheit im Fleisch. Als aber das Licht angezündet war, folgt: Und sie stört (evertit) das Haus. Denn wahrlich, kaum war seine Gottheit durch das Fleisch hindurch erschienen, als alle unsere Gewissen erschraken. Dieses Wort der Störung unterscheidet sich nicht von dem, was in anderen Handschriften gelesen wird: fegt (everrit), weil der verdorbene Sinn, wenn er nicht zuerst durch Furcht umgestürzt wird, nicht von seinen gewohnheitsmäßigen Fehlern gereinigt wird. Wenn aber das Haus aufgebrochen ist, wird das Silberstück gefunden, denn es folgt: Und sucht sorgfältig, bis sie es findet; denn wahrlich, wenn das Gewissen des Menschen aufgestört wird, wird das Ebenbild des Schöpfers im Menschen wiederhergestellt.

Catena Aurea · Lk 15
(Orat. xlv. 26.) Als aber das Silberstück gefunden war, macht er die himmlischen Mächte zu Teilhabern der Freude, die er zu Dienern seiner Heilsordnung gemacht hat, und so folgt: Und als sie es gefunden hatte, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen.

Catena Aurea · Lk 15
(in Hom. 23. ut sup.) Denn die himmlischen Mächte sind der göttlichen Weisheit nahe, insofern sie sich ihr durch die Gnade der beständigen Schau nähern.
Catena Aurea · Lk 15
Entweder sind sie Freundinnen, weil sie seinen Willen tun, aber Nachbarinnen, weil sie geistig sind; oder vielleicht sind seine Freundinnen alle himmlischen Mächte, aber seine Nachbarinnen jene, die ihm nahe kommen, wie Throne, Cherubim und Seraphim.
Catena Aurea · Lk 15
(lib. de Virgin. c. 12.) Oder sonst; dies, so vermute ich, ist es, was unser Herr uns bei der Suche nach dem verlorenen Silberstück vor Augen stellt, dass uns kein Vorteil aus den äußeren Tugenden erwächst, die er Silberstücke nennt, obwohl sie alle unser sind, solange jenes eine der verwaisten Seele fehlt, durch das sie in Wahrheit den Glanz des göttlichen Bildes erlangt. Deshalb befiehlt er uns zuerst, ein Licht anzuzünden, das heißt das göttliche Wort, das Verborgenes ans Licht bringt, oder vielleicht die Fackel der Buße. Aber im eigenen Haus, das heißt in sich selbst und im eigenen Gewissen, muss der Mensch das verlorene Silberstück suchen, das heißt das königliche Bild, das nicht völlig zerstört, sondern unter dem Schmutz verborgen ist, was seine Verderbnis durch das Fleisch bedeutet, und wenn dieser sorgfältig abgewischt, das heißt durch ein wohlgeführtes Leben ausgewaschen ist, leuchtet hervor, was gesucht wurde. Daher muss die, welche es gefunden hat, sich freuen und die Nachbarinnen (das heißt die begleitenden Tugenden) einladen, an ihrer Freude teilzuhaben, Vernunft, Begehren und Zorn und welche Kräfte auch immer rings um die Seele beobachtet werden, die sie lehrt, sich im Herrn zu freuen. Dann, das Gleichnis abschließend, fügt er hinzu: Es ist Freude vor den Engeln über einen Sünder, der Buße tut.

Catena Aurea · Lk 15
(in Hom. 34. ut sup.) Buße wirken heißt, über vergangene Sünden trauern und nicht Dinge zu begehen, die zu betrauern sind. Denn wer über manches weint und dennoch anderes begeht, weiß noch nicht, wie er Buße wirken soll, oder ist ein Heuchler; er muss auch bedenken, dass er dadurch seinen Schöpfer nicht zufriedenstellt, da der, welcher getan hat, was verboten war, sich selbst sogar von dem abschneiden muss, was erlaubt ist, und so soll er sich selbst in den geringsten Dingen tadeln, der sich erinnert, in den größten gesündigt zu haben.
11 Ferner sagte er: Ein Mann hatte zwei Söhne. 12 Der jüngere von ihnen sagte zum Vater: Vater, gib mir den Anteil des Vermögens, der mir zukommt. Da teilte er den Besitz unter sie auf. 13 Wenige Tage darauf packte der jüngere Sohn alles zusammen, zog fort in ein fernes Land und vergeudete dort sein Vermögen durch ein verschwenderisches Leben. 14 Nachdem er alles durchgebracht hatte, kam eine schwere Hungersnot über das Land und er fing an, Mangel zu leiden. 15 Da ging er zu einem Bürger jenes Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn auf seine Felder zum Schweinehüten. 16 Gerne hätte er sich den Magen mit den Schoten gefüllt, die die Schweine fraßen, aber niemand gab sie ihm.
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Catena Aurea · Lk 15
Der heilige Lukas hat drei Gleichnisse nacheinander gegeben; das Schaf, das verloren und gefunden wurde, das Silberstück, das verloren und gefunden wurde, den Sohn, der tot war und wieder lebendig wurde, damit wir, durch ein dreifaches Heilmittel eingeladen, unsere Wunden heilen. Christus als der Hirt trägt dich auf seinem eigenen Leib, die Kirche als die Frau sucht dich, Gott als der Vater empfängt dich, das erste ist Mitleid, das zweite Fürbitte, das dritte Versöhnung.

Catena Aurea · Lk 15
(Hom. de Patre et duobus Filiis.) Es gibt auch im oben erwähnten Gleichnis eine Unterscheidungsregel in Bezug auf die Charaktere oder Dispositionen der Sünder. Der Vater empfängt seinen bußfertigen Sohn, indem er die Freiheit seines Willens ausübt, so dass er weiß, woher er gefallen ist; und der Hirt sucht das Schaf, das umherirrt und nicht zurückzukehren weiß, und trägt es auf seinen Schultern, wobei er mit einem vernunftlosen Tier den törichten Menschen vergleicht, der, von der List eines anderen ergriffen, wie ein Schaf umhergeirrt war. Dieses Gleichnis wird dann wie folgt dargelegt: Er aber sagte: Ein gewisser Mann hatte zwei Söhne. Es gibt einige, die von diesen zwei Söhnen sagen, dass der ältere die Engel seien, der jüngere aber der Mensch, der auf eine lange Reise ging, als er vom Himmel und Paradies auf die Erde fiel; und sie passen das Folgende auf den Fall oder Zustand Adams an. Diese Auslegung scheint zwar eine milde zu sein, aber ich weiß nicht, ob sie wahr ist. Denn der jüngere Sohn kam aus eigenem Antrieb zur Buße, indem er sich an den früheren Überfluss im Haus seines Vaters erinnerte, aber der Herr kam und rief das Menschengeschlecht zur Buße, weil er sah, dass es ihnen nie in den Sinn gekommen war, aus eigenem Antrieb dorthin zurückzukehren, woher sie gefallen waren; und der ältere Sohn ärgert sich über die Rückkehr und Rettung seines Bruders, während der Herr sagt: Es ist Freude im Himmel über einen Sünder, der Buße tut.

Catena Aurea · Lk 15
Aber einige sagen, dass durch den älteren Sohn Israel nach dem Fleisch bezeichnet wird, durch den anderen aber, der seinen Vater verließ, die Menge der Heiden.

Catena Aurea · Lk 15
(de Quæst. Ev. l. ii. qu. 33.) Dieser Mann nun, der zwei Söhne hatte, wird als Gott verstanden, der zwei Völker hat, als wären es zwei Wurzeln des Menschengeschlechts; und das eine besteht aus denen, die in der Verehrung Gottes geblieben sind, das andere aus denen, die Gott jemals verlassen haben, um Götzen anzubeten. Vom allerersten Beginn der Erschaffung des Menschengeschlechts an bezieht sich der ältere Sohn auf die Verehrung des einen Gottes, der jüngere aber erbittet, dass ihm der Teil des Vermögens, der ihm zufiel, von seinem Vater gegeben werde. Daher folgt: Und der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Gib mir den Teil der Güter, der mir zufällt; so wie die Seele, die an ihrer eigenen Macht Gefallen findet, das erstrebt, was ihr gehört: zu leben, zu verstehen, sich zu erinnern, an Schnelligkeit des Geistes hervorzuragen, was alles Gaben Gottes sind, sie aber durch freien Willen in ihre eigene Macht empfangen hat. Daher folgt: Und er teilte ihnen sein Vermögen.
Catena Aurea · Lk 15
Das Vermögen des Menschen ist die Fähigkeit der Vernunft, die vom freien Willen begleitet wird, und ebenso wird alles, was Gott uns gegeben hat, als unser Vermögen betrachtet, wie der Himmel, die Erde und die gesamte Natur, das Gesetz und die Propheten.

Catena Aurea · Lk 15
Nun siehst du, dass das göttliche Erbe denen gegeben wird, die darum bitten; und denke nicht, es sei unrecht am Vater, dass er es dem jüngeren gab, denn kein Alter ist schwach im Reich Gottes; der Glaube wird nicht durch Jahre niedergedrückt. Er wenigstens hielt sich für ausreichend, der bat, und ich wünschte, er wäre nicht von seinem Vater weggegangen und hätte nicht das Hindernis des Alters gehabt. Denn es folgt: Und nicht viele Tage danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land.

Catena Aurea · Lk 15
(ut sup.) Der jüngere Sohn zog in ein fernes Land, nicht räumlich von Gott sich entfernend, der überall gegenwärtig ist, sondern im Herzen. Denn der Sünder flieht vor Gott, um fern zu stehen.

Catena Aurea · Lk 15
(in Ps. 70.) Wer so Gott ähnlich sein will, dass er ihm seine Stärke zuschreibt, (Ps. 59:9.) der soll nicht von ihm weichen, sondern vielmehr an ihm festhalten, damit er das Gleichnis und Bild bewahrt, in dem er geschaffen wurde. Wenn er aber verkehrt Gott nachahmen will, so dass, wie Gott niemanden hat, von dem er regiert wird, er so seine eigene Macht ausüben möchte, um unter keinen Regeln zu leben, was bleibt ihm dann, als dass er, nachdem er alle Wärme verloren hat, kalt und empfindungslos wird und, von der Wahrheit abweichend, verschwindet.

Catena Aurea · Lk 15
(de Quæst. Ev. lib. ii. qu. 33.) Dass aber gesagt wird, es habe sich nicht viele Tage danach ereignet, nämlich dass er alles zusammenraffte und in ein fernes Land auszog, was die Vergessenheit Gottes ist, bedeutet, dass nicht lange nach der Einsetzung des Menschengeschlechts die Seele des Menschen aus freiem Willen beschloss, eine gewisse Macht ihrer Natur mit sich zu nehmen und den zu verlassen, von dem sie geschaffen wurde, indem sie auf ihre eigene Stärke vertraute, die sie umso schneller vergeudet, je mehr sie den verlassen hat, der sie gab. Daher folgt: Und dort vergeudete er sein Vermögen in ausschweifendem Leben. Er nennt aber ein ausschweifendes oder verschwenderisches Leben eines, das liebt, sich mit äußerem Prunk zu verausgaben und zu verschwenden, während es sich innerlich erschöpft, da jeder jenen Dingen nachfolgt, die zu etwas anderem übergehen, und den verlässt, der ihm am nächsten ist. Wie es folgt: Und als er alles verbraucht hatte, entstand eine große Hungersnot in jenem Land. Die Hungersnot ist der Mangel am Wort der Wahrheit.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Einer der Bürger jenes Landes war ein gewisser Fürst der Luft, der zum Heer des Teufels gehört, dessen Felder die Art seiner Macht bezeichnen, worüber es folgt: Und er sandte ihn auf das Feld, um Schweine zu hüten. Die Schweine sind die unreinen Geister, die unter ihm stehen.
Catena Aurea · Lk 15
Aber Schweine zu hüten bedeutet, jene Dinge zu tun, an denen die unreinen Geister Gefallen finden. Es folgt: Und er hätte seinen Bauch mit den Schoten füllen wollen, die die Schweine fraßen. Die Schote ist eine Art Bohne, innen leer, außen weich, durch die der Körper nicht gestärkt, sondern gefüllt wird, so dass sie eher beschwert als nährt.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Die Schoten also, mit denen die Schweine gefüttert wurden, sind die Lehre der Welt, die laut von Eitelkeit schreit; gemäß der in verschiedenen Prosa- und Versformen Menschen die Lobpreisungen der Götzen wiederholen und Fabeln, die den Göttern der Heiden gehören, an denen die Teufel Gefallen finden. Als er sich daher gerne gefüllt hätte, wünschte er, darin etwas Festes und Aufrechtes zu finden, das sich auf ein glückliches Leben beziehen könnte, und er konnte es nicht; wie es folgt: Und niemand gab ihm.

Catena Aurea · Lk 15
Aber da die Juden in der Heiligen Schrift häufig wegen ihrer vielen Verbrechen getadelt werden, wie stimmen mit diesem Volk die Worte des älteren Sohnes überein, der sagt: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe nie dein Gebot übertreten. (Jer. 2,5; Jes. 29,13.) Das ist also die Bedeutung des Gleichnisses. Die Pharisäer und Schriftgelehrten tadelten ihn, weil er Sünder aufnahm; er legte das Gleichnis vor, in dem er Gott den Mann nennt, der der Vater der beiden Söhne ist (das heißt der Gerechten und der Sünder), von denen der erste Grad der Gerechten ist, die von Anfang an der Gerechtigkeit folgen, der zweite derjenigen Menschen, die durch Buße zur Gerechtigkeit zurückgebracht werden.

Catena Aurea · Lk 15
(Jes. 3,23.) Außerdem gehört es mehr zum Charakter des Betagten, den Sinn und die Würde eines alten Mannes zu haben als seine weißen Haare, noch wird der getadelt, der jung an Jahren ist, sondern der jung an Gewohnheiten ist, der nach seinen Leidenschaften lebt.
Catena Aurea · Lk 15
Der jüngere Sohn ging also weg, noch nicht im Geist gereift, und erbittet von seinem Vater den Teil seines Erbes, der ihm zufiel, damit er in Wahrheit nicht aus Notwendigkeit diene. Denn wir sind vernunftbegabte Wesen, mit freiem Willen ausgestattet.

Catena Aurea · Lk 15
(ut sup.) Nun sagt die Schrift, dass der Vater sein Vermögen gleichmäßig zwischen seinen beiden Söhnen aufteilte, das heißt die Erkenntnis des Guten und des Bösen, die ein wahrer und ewiger Besitz für die Seele ist, die ihn gut gebraucht. Das Vermögen der Vernunft, das von Gott zu den Menschen bei ihrer frühesten Geburt fließt, wird allen, die in diese Welt kommen, gleichermaßen gegeben, aber nach dem darauf folgenden Umgang findet sich, dass jeder mehr oder weniger von dem Vermögen besitzt; da der eine glaubt, dass das, was er empfangen hat, von seinem Vater stammt, bewahrt er es als sein Erbe, ein anderer missbraucht es als etwas, das durch die Freiheit seines eigenen Besitzes verschwendet werden kann. Die Freiheit des Willens aber zeigt sich darin, dass der Vater weder den Sohn zurückhielt, der fortgehen wollte, noch den anderen zwang zu gehen, der bleiben wollte, damit er nicht eher als Urheber des daraus folgenden Übels erschiene. Aber der jüngste Sohn ging weit weg, nicht indem er seinen Ort wechselte, sondern indem er sein Herz abwandte. Daher folgt: Er zog in ein fernes Land.

Catena Aurea · Lk 15
Denn was ist weiter entfernt, als von sich selbst wegzugehen, nicht durch das Land, sondern durch die Gewohnheiten getrennt zu sein. Denn wer sich von Christus trennt, ist ein Verbannte aus seinem Vaterland und ein Bürger dieser Welt. Zu Recht also verschwendet der sein Erbe, der von der Kirche abweicht.
Catena Aurea · Lk 15
Daher wurde auch der Verschwender so genannt, weil er sein Vermögen verschwendete, das heißt seinen rechten Verstand, die Lehre der Keuschheit, die Erkenntnis der Wahrheit, die Erinnerungen an seinen Vater, den Sinn für die Schöpfung.

Catena Aurea · Lk 15
Nun kam in jenem Land eine Hungersnot, nicht an Nahrung, sondern an guten Werken und Tugenden, die die elendere Fastenzeit ist. Denn wer vom Wort Gottes abweicht, ist hungrig, weil der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von jedem Wort Gottes. (Mt. 4,4.) Und wer von seinen Schätzen abweicht, ist in Not. Daher begann er, in Not zu sein und Hunger zu leiden, weil nichts einen verschwenderischen Sinn sättigt. Er ging also weg und schloss sich einem der Bürger an. Denn wer sich anschließt, ist in einer Schlinge. Und jener Bürger scheint ein Fürst der Welt zu sein. Schließlich wird er auf seinen Acker geschickt, den er gekauft hatte, der sich vom Reich entschuldigte. (Lk. 14,18.)
Catena Aurea · Lk 15
Denn auf den Acker geschickt zu werden bedeutet, von der Begierde nach weltlichem Besitz versklavt zu sein.

Catena Aurea · Lk 15
Aber er hütet jene Schweine, in die der Teufel einzudringen suchte, die in Schmutz und Befleckung leben. (Mt. 8; Mk. 2; Lk. 8.)
Catena Aurea · Lk 15
Dort also hütet er, der andere im Laster übertraf, wie Kuppler, Erzräuber, Erzzöllner, die andere ihre abscheulichen Werke lehren.

Catena Aurea · Lk 15
(ut sup.) Oder wer der geistlichen Reichtümer, wie Weisheit und Einsicht, entbehrt, wird gesagt, Schweine zu hüten, das heißt, in seiner Seele schmutzige und unreine Gedanken zu nähren, und er verschlingt die materielle Nahrung des bösen Wandels, süß zwar für den, dem gute Werke fehlen, weil jedes Werk fleischlicher Lust dem Verdorbenen süß erscheint, während es innerlich die Kräfte der Seele entnervt und zerstört. Nahrung dieser Art, als Schweinefutter und schädlich süß, das heißt die Lockungen fleischlicher Genüsse, beschreibt die Schrift mit dem Namen Schoten.

Catena Aurea · Lk 15
Aber er begehrte, seinen Bauch mit den Schoten zu füllen. Denn die Sinnlichen sorgen für nichts anderes als ihren Bauch zu füllen.
Catena Aurea · Lk 15
Denen niemand eine ausreichende Menge des Bösen gibt; denn er ist fern von Gott, der von solchen Dingen lebt, und die Teufel tun ihr Bestes, damit niemals eine Sättigung des Bösen eintritt.
Catena Aurea · Lk 15
Oder niemand gab ihm, weil, wenn der Teufel jemanden zu seinem Eigen macht, er ihm keine weitere Fülle verschafft, da er weiß, dass er tot ist.
17 Da ging er in sich und sagte: Wie viele Taglöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber komme hier vor Hunger um. 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. 19 Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen; halte mich wie einen von deinen Taglöhnern. 20 Dann machte er sich auf und ging zu seinem Vater. Sein Vater sah ihn schon von weitem kommen, wurde von Mitleid bewegt, lief herbei, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 Da sagte der Sohn zu ihm: Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. 22 Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Kleid heraus und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an die Hand und Schuhe an die Füße! 23 Holt das Mastkalb und schlachtet es! Wir wollen essen und fröhlich sein; 24 denn dieser mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein Freudenfest zu feiern.
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(Orat. in mul. peccat.) Der jüngere Sohn hatte seinen Vater verachtet, als er zuerst fortging, und hatte das Geld seines Vaters verschwendet. Als er aber im Laufe der Zeit durch Not gebrochen war, ein Tagelöhner geworden war und dieselbe Nahrung wie die Schweine aß, kehrte er, gezüchtigt, zum Haus seines Vaters zurück. Daher heißt es: Und als er zu sich kam, sprach er: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot genug und Überfluss, ich aber verderbe vor Hunger.

Catena Aurea · Lk 15
Zu Recht kehrt er zu sich selbst zurück, weil er von sich selbst weggegangen war. Denn wer zu Gott zurückkehrt, stellt sich selbst wieder her, und wer von Christus abweicht, weist sich selbst von sich selbst zurück.

Catena Aurea · Lk 15
(de Quæst. Ev. lib. ii. qu. 33.) Aber er kehrte zu sich selbst zurück, als er von jenen Dingen, die ohne Nutzen locken und verführen, seinen Geist zu den inneren Tiefen seines Gewissens zurückbrachte.

Catena Aurea · Lk 15
Es gibt drei verschiedene Arten des Gehorsams. Denn entweder meiden wir aus Furcht vor Strafe das Böse und sind knechtisch gesinnt; oder wir tun im Hinblick auf den Lohn einer Belohnung, was geboten ist, wie Lohnarbeiter; oder wir gehorchen dem Gesetz um des Guten selbst willen und aus Liebe zu dem, der es gab, und schmecken so nach der Gesinnung von Kindern.

Catena Aurea · Lk 15
Denn der Sohn, der das Unterpfand des Heiligen Geistes in seinem Herzen trägt, sucht nicht den Gewinn eines irdischen Lohnes, sondern bewahrt das Recht eines Erben. Auch diese sind gute Landleute, denen der Weinberg verpachtet ist. (Mt 21,41.) Sie strotzen nicht von Spreu, sondern von Brot.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Doch woher konnte er dies wissen, der jene große Gottvergessenheit hatte, die bei allen Götzendienern besteht, wenn es nicht der Widerschein eines zur rechten Einsicht Zurückkehrenden war, als das Evangelium gepredigt wurde. Schon konnte eine solche Seele sehen, dass viele die Wahrheit predigen, unter denen einige nicht von der Liebe zur Wahrheit selbst geleitet wurden, sondern vom Verlangen nach weltlichem Gewinn, die dennoch nicht ein anderes Evangelium wie die Häretiker predigen. Daher werden sie zu Recht Mietlinge genannt. Denn im selben Haus gibt es Männer, die dasselbe Brot des Wortes austeilen, aber nicht zu einem ewigen Erbe berufen sind, sondern sich für einen zeitlichen Lohn verdingen.

Catena Aurea · Lk 15
(Hom. de Patre et duobus Filiis.) Nachdem er in einem fremden Land all das erlitten hatte, was die Gottlosen verdienen, wird er, bedrängt von der Not seines Unglücks, das heißt von Hunger und Mangel, dessen inne, was sein Verderben gewesen war, der er sich durch die Schuld seines eigenen Willens vom Vater zu Fremden, von der Heimat ins Exil, vom Reichtum in die Not, von Überfluss und Luxus in den Hunger gestürzt hatte; und er fügt bedeutsam hinzu: Ich aber komme hier vor Hunger um. Als ob er sagte: Ich bin kein Fremder, sondern der Sohn eines guten Vaters und der Bruder eines gehorsamen Sohnes; ich, der ich frei und edel bin, bin elender geworden als die Tagelöhner, von der höchsten Höhe erhabenen Ranges zur tiefsten Erniedrigung gesunken.
Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Aber er kehrte nicht zu seinem früheren Glück zurück, bevor er, zu sich gekommen, die Gegenwart überwältigender Bitterkeit erfahren und die Worte der Buße beschlossen hatte, die hinzugefügt werden: Ich will mich aufmachen.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Denn er lag darnieder. Und ich will gehen, denn er war weit weg. Zu meinem Vater, weil er unter einem Herrn von Schweinen war. Die anderen Worte aber sind die eines Menschen, der die Buße im Bekenntnis der Sünde erwägt, sie aber noch nicht vollbringt. Denn er spricht jetzt nicht zum Vater, sondern verspricht, dass er sprechen wird, wenn er gekommen sein wird. Du musst also verstehen, dass dieses „zum Vater kommen“ nun für das durch den Glauben in der Kirche Festgegründetsein zu nehmen ist, wo es noch ein rechtmäßiges und wirksames Bekenntnis der Sünden geben kann. Er sagt also, dass er zu seinem Vater sagen wird: Vater.

Catena Aurea · Lk 15
Wie barmherzig! Er, obwohl beleidigt, verschmäht es nicht, den Namen Vater zu hören. Ich habe gesündigt; dies ist das erste Bekenntnis der Sünde gegenüber dem Urheber der Natur, dem Herrscher der Barmherzigkeit, dem Richter des Glaubens. Aber obwohl Gott alle Dinge kennt, wartet er doch auf die Stimme deines Bekenntnisses. Denn mit dem Mund bekennt man zum Heil, da er die Last des Irrtums erleichtert, der selbst das Gewicht auf sich wirft, und den Hass der Anklage ausschließt, der dem Ankläger durch das Bekenntnis zuvorkommt. Vergeblich würdest du vor dem verbergen, dem nichts entgeht; und du kannst sicher offenbaren, was du weißt, dass es bereits bekannt ist. Bekennt vielmehr, damit Christus für dich eintrete, die Kirche für dich bitte, das Volk über dich weine; und fürchte nicht, dass du nicht erlangen wirst; dein Anwalt verspricht Verzeihung, dein Patron Gunst, dein Erlöser verspricht dir die Versöhnung der Zuneigung deines Vaters. Aber er fügt hinzu: Gegen den Himmel und vor dir.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Wenn er sagt: Vor dir, zeigt er, dass dieser Vater als Gott zu verstehen ist. Denn Gott allein sieht alle Dinge, vor dem auch die einfachen Gedanken des Herzens nicht verborgen sein können.

Catena Aurea · Lk 15
(de Quæst. Evan. l. ii. qu. 33.) Doch ob diese Sünde gegen den Himmel dieselbe war wie die, die vor dir ist; so dass er mit dem Namen Himmel die Oberhoheit seines Vaters beschrieb. Ich habe gegen den Himmel gesündigt, d. h. vor den Seelen der Heiligen; aber vor dir im innersten Heiligtum meines Gewissens.

Catena Aurea · Lk 15
(ut sup.) Oder unter Himmel kann an dieser Stelle Christus verstanden werden. Denn wer gegen den Himmel sündigt, der, obwohl über uns, doch ein sichtbares Element ist, ist derselbe wie der, der gegen den Menschen sündigt, den der Sohn Gottes zu unserem Heil in sich aufgenommen hat.

Catena Aurea · Lk 15
Oder durch diese Worte werden die himmlischen Gaben des Geistes bezeichnet, die durch die Sünde der Seele beeinträchtigt werden, oder weil er vom Schoß seiner Mutter Jerusalem, die im Himmel ist, niemals weichen durfte. Aber da er niedergeworfen ist, darf er sich keinesfalls erheben. Daher fügt er hinzu: Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn genannt zu werden. Und damit er durch das Verdienst seiner Demut erhoben werde, fügt er hinzu: Mache mich wie einen deiner Tagelöhner.
Catena Aurea · Lk 15
Auf die Zuneigung eines Sohnes, der nicht zweifelt, dass alles, was dem Vater gehört, sein ist, erhebt er keineswegs Anspruch, sondern begehrt die Stellung eines Tagelöhners, als einer, der nun für einen Lohn dienen will. Aber er gibt zu, dass er nicht einmal dies verdienen könnte außer durch die Zustimmung seines Vaters.
Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Diesen verlorenen Sohn nun hat der Heilige Geist in unsere Herzen eingeprägt, damit wir belehrt werden, wie wir die Sünden unserer Seele beweinen sollen.

Catena Aurea · Lk 15
(Hom. 14. in Ep. Rom.) Der, nachdem er gesagt hatte: Ich will zu meinem Vater gehen, (was alle guten Dinge brachte,) nicht zögerte, sondern die ganze Reise auf sich nahm; denn es folgt: Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Lasst uns ebenso handeln und nicht müde werden ob der Länge des Weges, denn wenn wir willig sind, wird die Rückkehr schnell und leicht werden, vorausgesetzt, dass wir die Sünde verlassen, die uns aus dem Haus unseres Vaters hinausführte. Aber der Vater erbarmt sich derer, die zurückkehren. Denn es wird hinzugefügt: Und als er noch weit entfernt war.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Denn bevor er Gott in der Ferne wahrnahm, als er ihn noch fromm suchte, sah ihn sein Vater. Denn von den Gottlosen und Stolzen sagt man mit Recht, dass Gott sie nicht sieht, da er sie nicht vor Augen hat. Denn gewöhnlich sagt man nicht, dass Menschen vor jemandes Augen sind, außer denen, die geliebt werden.

Catena Aurea · Lk 15
(Hom. 10. in Ep. Rom. Greg. ubi sup.) Als der Vater nun seine Reue wahrnahm, wartete er nicht, die Worte seines Bekenntnisses zu empfangen, sondern kam seinem Flehen zuvor und hatte Mitleid mit ihm, wie hinzugefügt wird: und war von Mitleid bewegt.
Catena Aurea · Lk 15
Sein erwogenes Bekenntnis gewann ihm seinen Vater so, dass er ihm entgegenging und seinen Hals küsste; denn es folgt: und lief, und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Dies bezeichnet das Joch der Vernunft, das dem Mund des Menschen durch die evangelische Überlieferung auferlegt wurde, welche die Beobachtung des Gesetzes aufhob.

Catena Aurea · Lk 15
(Hom. de Patre et duob. Fil.) Denn was bedeutet es anderes, dass er lief, als dass wir durch die Behinderung unserer Sünden nicht durch eigene Tugend zu Gott gelangen können. Aber weil Gott zu den Schwachen kommen kann, fiel er ihm um den Hals. Der Mund wird geküsst, als der, aus dem das Bekenntnis des Büßers hervorgegangen ist, aus dem Herzen entspringend, das der Vater freudig annahm.

Catena Aurea · Lk 15
Er läuft dir also entgegen, weil er dich hört, wie du im Inneren die Geheimnisse deines Herzens erwägst, und als du noch weit entfernt warst, läuft er, damit ihn niemand aufhalte. Er umarmt auch, (denn im Laufen ist Vorherwissen, in der Umarmung Barmherzigkeit,) und fällt wie durch einen gewissen Antrieb väterlicher Zuneigung auf deinen Hals, damit er den Niedergeworfenen aufrichte und den, der mit Sünden beladen und zur Erde gebeugt war, wieder zum Himmel zurückbringe. Ich wäre also lieber ein Sohn als ein Schaf. Denn das Schaf wird vom Hirten gefunden, der Sohn wird vom Vater geehrt.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Oder laufend fiel er ihm um den Hals; weil der Vater seinen eingeborenen Sohn nicht verließ, in dem er stets unseren fernen Irrwegen nachgelaufen ist. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst. (2 Kor 5,19.) Aber ihm um den Hals fallen heißt, seinen eigenen Arm, der der Herr Jesus Christus ist, zu seiner Umarmung herablassen. Aber durch das Wort der Gnade Gottes zum Hoffen auf Vergebung unserer Sünden getröstet zu werden, das heißt, nach langer Reise zurückzukehren, um vom Vater den Kuss der Liebe zu empfangen. Aber bereits in der Kirche eingepflanzt, beginnt er seine Sünden zu bekennen, und sagt nicht alles, was er zu sagen versprochen hatte. Denn es folgt: Und sein Sohn sagte zu ihm, usw. Er wünscht, dass durch Gnade geschehe, wessen er sich durch eigene Verdienste für unwürdig bekennt. Er fügt nicht hinzu, was er vorher erwogen hatte: Mache mich wie einen deiner Tagelöhner. Denn als er kein Brot hatte, begehrte er sogar ein Tagelöhner zu sein, was er nach dem Kuss seines Vaters nun auf edelste Weise verschmäht.

Catena Aurea · Lk 15
(non occ.) Der Vater richtet seine Worte nicht an seinen Sohn, sondern spricht zu seinem Verwalter, denn wer Buße tut, betet zwar, empfängt aber keine Antwort in Worten, sieht jedoch die Barmherzigkeit wirksam in der Tat. Denn es folgt: Aber der Vater sagte zu seinen Knechten: Bringt das beste Gewand und zieht es ihm an.
Catena Aurea · Lk 15
Unter den Knechten (oder Engeln) kannst du dienende Geister verstehen oder Priester, die durch die Taufe und das Wort der Lehre die Seele mit Christus selbst bekleiden. Denn wie viele von uns in Christus getauft sind, haben Christus angezogen. (Gal. 3,27.)

Catena Aurea · Lk 15
(de Quæst. Ev. l. ii. q. 33.) Oder das beste Gewand ist die Würde, die Adam verloren hat; die Knechte, die es bringen, sind die Prediger der Versöhnung.

Catena Aurea · Lk 15
Oder das Gewand ist der Mantel der Weisheit, mit dem der Apostel die Blöße des Leibes bedeckt. Aber er empfing die beste Weisheit; denn es gibt eine Weisheit, die das Geheimnis nicht kannte. Der Ring ist das Siegel unseres ungeheuchelten Glaubens und der Abdruck der Wahrheit; worüber es folgt: Und steckt ihm einen Ring an seine Hand.
Catena Aurea · Lk 15
Das heißt, sein Wirken, damit durch Werke der Glaube hervorleuchte und durch den Glauben seine Werke gestärkt werden.

Catena Aurea · Lk 15
(ut sup.) Oder der Ring an der Hand ist ein Unterpfand des Heiligen Geistes wegen der Teilhabe an der Gnade, die durch den Finger wohl bezeichnet wird.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Oder er befiehlt, den Ring zu geben, der das Symbol des Siegels des Heils ist, oder vielmehr das Zeichen der Verlobung und das Unterpfand der Hochzeit, mit der Christus seine Kirche vermählt. Denn die Seele, die wiederhergestellt wird, wird durch diesen Ring des Glaubens mit Christus vereint.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Aber die Schuhe an den Füßen sind die Bereitschaft, das Evangelium zu predigen, um nicht Irdisches zu berühren.

Catena Aurea · Lk 15
(Hom. de Patre et duobus Filiis.) Oder er befiehlt, ihm Schuhe an die Füße zu legen, sei es um die Sohlen seiner Füße zu bedecken, damit er fest auf dem schlüpfrigen Pfad der Welt wandle, sei es zur Abtötung seiner Glieder. Denn der Lauf unseres Lebens wird in den Schriften ein Fuß genannt, und eine Art Abtötung geschieht in den Schuhen, insofern sie aus den Häuten toter Tiere gemacht sind. Er fügt auch hinzu, dass das gemästete Kalb geschlachtet werden muss für die Feier des Festes. Denn es folgt: Und bringt das gemästete Kalb, das heißt den Herrn Jesus Christus, den er ein Kalb nennt wegen des Opfers eines makellosen Leibes; aber er nannte es gemästet, weil es reich und kostbar ist, insofern es für die Erlösung der ganzen Welt ausreicht. Aber der Vater opferte das Kalb nicht selbst, sondern gab es anderen zum Opfern. Denn der Vater erlaubte es, der Sohn stimmte durch die Menschen zu, und so wurde er gekreuzigt.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Oder das gemästete Kalb ist unser Herr selbst im Fleisch, beladen mit Schmähungen. Aber darin, dass der Vater ihnen befiehlt, es zu bringen, was anderes ist das, als dass sie ihn predigen und durch seine Verkündigung die Eingeweide des hungrigen Sohnes wiederbeleben, noch unverzehrt vom Hunger? Er befiehlt auch, ihn zu töten, was auf seinen Tod hindeutet. Denn er wird dann für jeden Menschen getötet, der an ihn als den Getöteten glaubt. Es folgt: Und lasst uns essen.

Catena Aurea · Lk 15
Mit Recht das Fleisch des Kalbes, weil es das priesterliche Opfer ist, das für die Sünde dargebracht wurde. Aber er führt ihn beim Festmahl ein, wenn er sagt: Seid fröhlich; um zu zeigen, dass die Speise des Vaters unser Heil ist; die Freude des Vaters die Erlösung unserer Sünden.

Catena Aurea · Lk 15
(ut sup.) Denn der Vater selbst freut sich über die Rückkehr seines Sohnes und schwelgt beim Kalb, weil der Schöpfer, der sich über den Erwerb eines gläubigen Volkes freut, von der Frucht seiner Barmherzigkeit durch das Opfer seines Sohnes schwelgt. Daher folgt: Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden.

Catena Aurea · Lk 15
Tot ist, wer war. Daher sind die Heiden nicht, der Christ ist. Hier jedoch könnte ein einzelner aus dem Menschengeschlecht verstanden werden; Adam war, und in ihm waren wir alle. Adam ging zugrunde, und in ihm sind wir alle zugrunde gegangen. Der Mensch wird also wiederhergestellt in jenem Menschen, der gestorben ist. Es könnte auch von einem gesagt sein, der Buße wirkt, weil der nicht stirbt, der nicht einst gelebt hat. Und die Heiden werden zwar, wenn sie glauben, durch die Gnade wieder lebendig gemacht. Aber wer gefallen ist, erholt sich durch die Buße.
Catena Aurea · Lk 15
Wie er also hinsichtlich des Zustands seiner Sünden verzweifelt war, so wird er hinsichtlich der menschlichen Natur, die wandelbar ist und vom Laster zur Tugend gewendet werden kann, als verloren bezeichnet. Denn verloren zu sein ist weniger als zu sterben. Aber jeder, der zurückgerufen und von der Sünde abgewendet wird, indem er am gemästeten Kalb teilhat, wird für seinen Vater und seine Knechte, das heißt die Engel und Priester, ein Anlass zur Freude. Daher folgt: Und sie fingen alle an, fröhlich zu sein.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Jene Gastmähler werden nun gefeiert, da die Kirche vergrößert und über die ganze Welt ausgebreitet wird. Denn jenes Kalb in unseres Herrn Leib und Blut wird sowohl dem Vater dargebracht als auch nährt es das ganze Haus.
25 Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld. Als er kam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Tanz. 26 Da rief er einen der Knechte herbei und fragte, was das sei. 27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiedererhalten hat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Doch sein Vater kam heraus und redete ihm zu. 29 Er aber gab dem Vater zur Antwort: So viele Jahre diene ich dir und habe nie dein Gebot übertreten; mir aber hast du nie (auch nur) einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden feiern konnte. 30 Jetzt aber, als dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Vermögen mit Dirnen verprasst hat, hast du ihm das Mastkalb geschlachtet. 31 Er aber sagte zu ihm: Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, ist dein. 32 Feiern aber und uns freuen müssen wir; denn dein Bruder war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wiedergefunden worden.
24 KommentareCatena Aurea · Lk 15
Während die Schriftgelehrten und Pharisäer darüber murrten, dass er Sünder aufnahm, legte unser Heiland ihnen nacheinander drei Gleichnisse vor. In den ersten beiden deutet er die Freude an, die er mit den Engeln über die Rettung der Büßer hat. Im dritten aber verkündet er nicht nur seine eigene Freude und die seiner Engel, sondern tadelt auch das Murren derer, die neidisch waren. Denn er sagt: Nun war sein älterer Sohn auf dem Feld.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Der ältere Sohn ist das Volk Israel, das zwar nicht in ein fernes Land gegangen ist, aber doch nicht im Haus, sondern auf dem Feld, das heißt im väterlichen Reichtum des Gesetzes und der Propheten, und es zieht es vor, irdische Dinge zu tun. Als er aber vom Feld kam, begann er sich dem Haus zu nähern, das heißt, da die Mühe seiner knechtischen Werke durch dieselben Schriften verurteilt wurde, blickte er auf die Freiheit der Kirche. Daher folgt: Und als er kam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Tanz; das heißt, Menschen, erfüllt vom Heiligen Geist, die mit harmonischen Stimmen das Evangelium predigen. Es folgt: Und er rief einen der Knechte, usw. das heißt, er nimmt einen der Propheten zur Hand, um zu lesen, und während er darin sucht, fragt er gleichsam, warum jene Feste in der Kirche gefeiert werden, bei denen er sich gegenwärtig findet? Sein Vater, der Knecht, der Prophet, antwortet ihm. Denn es folgt: Und er sagte zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, usw. Als ob er sagen wollte: Dein Bruder war in den entferntesten Teilen der Erde, aber daher die größere Freude derer, die ein neues Lied singen, weil sein Lob von den Enden der Erde kommt; (Jes. 42,10.) und um seinetwillen, der fern war, wurde der Mensch getötet, der unsere Schwächen zu tragen weiß, denn die, denen nicht von ihm erzählt wurde, haben ihn gesehen. (Vgl. Jes. 53,4; 52,15.)

Catena Aurea · Lk 15
Aber der jüngere Sohn, das heißt das heidnische Volk, wird von Israel als dem älteren Bruder um das Vorrecht des väterlichen Segens beneidet. Was die Juden taten, weil Christus sich mit den Heiden zu Tisch setzte, wie es folgt: Und er wurde zornig und wollte nicht hineingehen, usw.

Catena Aurea · Lk 15
Er ist auch jetzt zornig und will noch immer nicht hineingehen. Wenn dann die Fülle der Heiden eingegangen sein wird, wird sein Vater zur rechten Zeit hinausgehen, damit auch ganz Israel gerettet werde, wie es folgt: Daher ging sein Vater hinaus und bat ihn. (Röm. 11,26.) Denn es wird einst eine offene Berufung der Juden zum Heil des Evangeliums geben. Diese Offenbarung der Berufung nennt er das Hinausgehen des Vaters, um den älteren Sohn zu bitten. Sodann umfasst die Antwort des älteren Sohnes zwei Fragen; denn es folgt: Und er antwortete und sagte zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe niemals dein Gebot übertreten. Hinsichtlich des nicht übertretenen Gebots fällt sogleich ein, dass es nicht von jedem Gebot gesagt wurde, sondern von jenem wesentlichsten, nämlich dass er keinen anderen Gott anbetete als den einen, den Schöpfer aller. Und jener Sohn ist nicht so zu verstehen, dass er alle Israeliten darstellt, sondern die, die sich niemals von Gott zu den Götzen abgewandt haben. Denn obwohl er irdische Dinge begehren mochte, suchte er sie doch von Gott allein, wenn auch gemeinsam mit Sündern. Daher heißt es: Ich war wie ein Vieh vor dir, und ich bin immer bei dir. (Ps. 7,22.) Aber wer ist das Böckchen, das er nie empfing, um sich zu freuen? Denn es folgt: Du hast mir nie ein Böckchen gegeben, usw. Unter dem Namen eines Böckchens kann der Sünder bezeichnet werden.

Catena Aurea · Lk 15
Der Jude verlangt ein Böckchen, der Christ ein Lamm, und daher wird ihnen Barabbas freigelassen, uns wird ein Lamm geopfert. Was auch beim Böckchen zu sehen ist, weil die Juden den alten Opferritus verloren haben. Oder die, die ein Böckchen suchen, warten auf den Antichrist.

Catena Aurea · Lk 15
Aber ich sehe den Sinn dieser Auslegung nicht, denn es ist sehr absurd, dass der, zu dem später gesagt wird: Du bist immer bei mir, dies von seinem Vater erbeten haben soll, das heißt, an den Antichrist zu glauben. Noch können wir mit Recht irgendeinen der Juden, die an den Antichrist glauben werden, als jenen Sohn verstehen.

Catena Aurea · Lk 15
(in Ep. 21. ad Damasum.) Oder er sagt: Du hast mir nie ein Böcklein gegeben, das heißt, kein Blut eines Propheten oder Priesters hat uns von der römischen Macht befreit.

Catena Aurea · Lk 15
Nun gleicht der schamlose Sohn dem Pharisäer, der sich selbst rechtfertigt. Weil er das Gesetz dem Buchstaben nach gehalten hatte, beschuldigte er böswillig seinen Bruder, das Vermögen seines Vaters mit Dirnen verschwendet zu haben. Denn es folgt: Sobald aber dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Vermögen verprasst hat, usw.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Die Dirnen sind die Aberglauben der Heiden, mit denen er sein Vermögen verschwendet, der die wahre Ehe mit dem wahren Gott verlassen hat und von unreiner Begierde zu bösen Geistern hurt.

Catena Aurea · Lk 15
(Ubi sup.) Indem er nun sagt: Du hast ihm das gemästete Kalb geschlachtet, bekennt er, dass Christus gekommen ist, aber der Neid will nicht gerettet werden.

Catena Aurea · Lk 15
Aber der Vater tadelt ihn nicht als Lügner, sondern lobt seine Standhaftigkeit bei ihm und lädt ihn zur Vollkommenheit einer besseren und glücklicheren Freude ein. Daher folgt: Er aber sagte zu ihm: Sohn, du bist immer bei mir.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Oder nachdem er gesagt hat: „Das ist Prahlerei, nicht Wahrheit“, stimmt der Vater ihm nicht zu, sondern hält ihn auf andere Weise zurück, indem er sagt: Du bist bei mir, durch das Gesetz, an das du gebunden bist; nicht als hätte er nicht gesündigt, sondern weil Gott ihn durch Züchtigung fortwährend zurückzog. Und es ist nicht verwunderlich, dass der lügt gegenüber seinem Vater, der seinen Bruder hasst.

Catena Aurea · Lk 15
Aber der gütige Vater war noch bestrebt, ihn zu retten, indem er sagte: Du bist immer bei mir, sei es als Jude im Gesetz, sei es als Gerechter in Gemeinschaft mit ihm.

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Was aber bedeutet es, dass er hinzufügt: Und alles, was mein ist, ist dein, als wäre es nicht auch das seines Bruders? Aber so werden alle Dinge von vollkommenen und unsterblichen Kindern betrachtet, dass jedem alles gehört und allen jedes. Denn wie die Begierde nichts ohne Mangel erlangt, so die Liebe nichts mit Mangel. Aber wie alles? Muss man dann annehmen, dass Gott auch die Engel dem Besitz eines solchen Sohnes unterworfen hat? Wenn du den Besitz so verstehst, dass der Besitzer einer Sache ihr Herr ist, dann gewiss nicht alles. Denn wir werden nicht die Herren, sondern die Gefährten der Engel sein. Wenn der Besitz wiederum so verstanden wird, wie sagen wir dann mit Recht, dass unsere Seelen die Wahrheit besitzen? Ich sehe keinen Grund, warum wir das nicht wahrhaft und eigentlich sagen könnten. Denn wir sprechen nicht so, dass wir unsere Seelen die Herrinnen der Wahrheit nennen. Oder wenn der Begriff Besitz uns an dieser Bedeutung hindert, so sei auch das beiseitegelassen. Denn der Vater sagt nicht: „Du besitzest alles“, sondern: Alles, was mein ist, ist dein, doch nicht als wärst du sein Herr. Denn was unser Eigentum ist, kann entweder Nahrung für unsere Familien sein oder Schmuck oder etwas Derartiges. Und wahrlich, wenn er mit Recht seinen Vater seinen eigenen nennen kann, sehe ich nicht, warum er nicht auch mit Recht das, was seinem Vater gehört, sein eigen nennen kann, nur auf verschiedene Weise. Denn wenn wir jene Seligkeit erlangt haben, werden die höheren Dinge uns zum Anschauen, die gleichen uns zur Gemeinschaft, die niederen uns zum Beherrschen gehören. So möge sich der ältere Bruder ganz sicher der Freude anschließen.

Catena Aurea · Lk 15
Denn wenn er aufhört zu beneiden, wird er fühlen, dass alles sein ist, sei es als Jude, der die Sakramente des Alten Testaments besitzt, sei es als Getaufter, der auch die des Neuen besitzt.
Catena Aurea · Lk 15
Oder um das Ganze anders zu verstehen: Die Gestalt des Sohnes, der sich zu beklagen scheint, steht für alle jene, die Anstoß nehmen an den plötzlichen Fortschritten und der Rettung der Vollkommenen, wie David einen einführt, der Anstoß nahm am Frieden der Sünder.
Catena Aurea · Lk 15
Der ältere Sohn war also als Landmann mit der Landwirtschaft beschäftigt, indem er nicht das Land, sondern das Feld der Seele umgrub und Bäume des Heils pflanzte, das heißt die Tugenden.
Catena Aurea · Lk 15
Oder er war auf dem Feld, das heißt in der Welt, und verwöhnte sein eigenes Fleisch, damit er mit Brot gesättigt würde, und säte in Tränen, damit er in Freude ernte; als er aber fand, was geschehen war, wollte er nicht in die gemeinsame Freude eintreten.

Catena Aurea · Lk 15
(Hom. 64. in Matt.) Es wird aber gefragt, ob einer, der über das Wohlergehen anderer trauert, von der Leidenschaft des Neides ergriffen wird. Wir müssen antworten, dass kein Heiliger über solche Dinge trauert, sondern die Güter anderer als seine eigenen betrachtet. Nun dürfen wir nicht alles, was im Gleichnis enthalten ist, wörtlich nehmen, sondern indem wir den Sinn herausarbeiten, den der Autor im Auge hatte, nichts Weiteres suchen. Dieses Gleichnis wurde also zu dem Zweck geschrieben, dass die Sünder nicht an der Rückkehr verzweifeln, da sie wissen, dass sie große Dinge erlangen werden. Daher führt er andere ein, die über diese guten Dinge so betrübt sind, dass sie von Neid verzehrt werden, jene aber, die zurückkehren, werden mit so großer Ehre behandelt, dass sie selbst zum Gegenstand des Neides für andere werden.
Catena Aurea · Lk 15
Oder durch dieses Gleichnis tadelt unser Herr den Willen der Pharisäer, die er dem Argument nach als gerecht bezeichnet, als wollte er sagen: Mag sein, dass ihr wahrhaft gerecht seid und keines der Gebote übertreten habt; müssen wir deshalb diejenigen zurückweisen, die sich von ihren Ungerechtigkeiten abwenden?

Catena Aurea · Lk 15
(ubi sup.) Oder auf andere Weise: Alle Gerechtigkeit ist im Vergleich zur Gerechtigkeit Gottes Ungerechtigkeit. Daher sagt Paulus: Wer wird mich erlösen vom Leibe dieses Todes? (Röm 7,24.) Und daher wurden die Apostel über die Bitte der Söhne des Zebedäus zornig. (Mt 20,24.)

Catena Aurea · Lk 15
Was auch wir selbst manchmal empfinden; denn einige führen ein höchst vortreffliches und vollkommenes Leben, ein anderer bekehrt sich bisweilen sogar in seinem Alter zu Gott oder wäscht vielleicht, wenn er gerade seinen letzten Tag beschließen will, durch Gottes Barmherzigkeit seine Schuld ab. Aber diese Barmherzigkeit weisen manche aus unruhiger Ängstlichkeit des Geistes zurück, indem sie nicht auf den Willen unseres Erlösers zählen, der sich über die Rettung derer freut, die verloren gehen.
Catena Aurea · Lk 15
Der Sohn sagt also zum Vater: Umsonst habe ich ein Leben voll Kummer geführt, stets geplagt von Sündern, die meine Feinde waren, und nie hast du um meinetwillen ein Böcklein schlachten lassen (das heißt einen Sünder, der mich verfolgte), damit ich mich ein wenig erfreuen könnte. Ein solches Böcklein war Ahab für Elija, der sagte: Herr, sie haben deine Propheten getötet. (1 Kön 19,14.)

Catena Aurea · Lk 15
Oder aber: Dieser Bruder wird so beschrieben, dass er vom Feld kommt, das heißt, in weltliche Geschäfte verwickelt ist, so unwissend in den Dingen des Geistes Gottes, dass er sich schließlich beklagt, dass nie ein Böcklein für ihn geschlachtet wurde. Denn nicht aus Neid, sondern zur Vergebung der Welt wurde das Lamm geopfert. Der Neidische sucht ein Böcklein, der Unschuldige ein Lamm, das für ihn geopfert wird. Daher wird er auch der Ältere genannt, weil ein Mensch durch Neid schnell altert. Daher steht er auch draußen, weil seine Bosheit ihn ausschließt; daher konnte er das Tanzen und die Musik nicht hören, das heißt nicht die zügellosen Faszinationen der Bühne, sondern den harmonischen Gesang eines Volkes, der widerhallt von der süßen Annehmlichkeit der Freude über einen geretteten Sünder. Denn die, die sich selbst für gerecht halten, sind zornig, wenn einem, der seine Sünden bekennt, Vergebung gewährt wird. Wer bist du, dass du gegen deinen Herrn sprichst, dass er nicht zum Beispiel ein Vergehen vergeben sollte, wo du doch vergibst, wem du willst? Aber wir sollten die Vergebung der Sünde nach der Buße begünstigen, damit wir nicht, während wir einem anderen die Vergebung missgönnen, sie selbst nicht von unserem Herrn erlangen. Lasst uns nicht die beneiden, die aus einem fernen Land zurückkehren, da auch wir selbst fern waren.