
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 15
25 Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld. Als er kam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Tanz. 26 Da rief er einen der Knechte herbei und fragte, was das sei. 27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiedererhalten hat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Doch sein Vater kam heraus und redete ihm zu. 29 Er aber gab dem Vater zur Antwort: So viele Jahre diene ich dir und habe nie dein Gebot übertreten; mir aber hast du nie (auch nur) einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden feiern konnte. 30 Jetzt aber, als dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Vermögen mit Dirnen verprasst hat, hast du ihm das Mastkalb geschlachtet. 31 Er aber sagte zu ihm: Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, ist dein. 32 Feiern aber und uns freuen müssen wir; denn dein Bruder war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wiedergefunden worden.
(ubi sup.) Der ältere Sohn ist das Volk Israel, das zwar nicht in ein fernes Land gegangen ist, aber doch nicht im Haus, sondern auf dem Feld, das heißt im väterlichen Reichtum des Gesetzes und der Propheten, und es zieht es vor, irdische Dinge zu tun. Als er aber vom Feld kam, begann er sich dem Haus zu nähern, das heißt, da die Mühe seiner knechtischen Werke durch dieselben Schriften verurteilt wurde, blickte er auf die Freiheit der Kirche. Daher folgt: Und als er kam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Tanz; das heißt, Menschen, erfüllt vom Heiligen Geist, die mit harmonischen Stimmen das Evangelium predigen. Es folgt: Und er rief einen der Knechte, usw. das heißt, er nimmt einen der Propheten zur Hand, um zu lesen, und während er darin sucht, fragt er gleichsam, warum jene Feste in der Kirche gefeiert werden, bei denen er sich gegenwärtig findet? Sein Vater, der Knecht, der Prophet, antwortet ihm. Denn es folgt: Und er sagte zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, usw. Als ob er sagen wollte: Dein Bruder war in den entferntesten Teilen der Erde, aber daher die größere Freude derer, die ein neues Lied singen, weil sein Lob von den Enden der Erde kommt; (Jes. 42,10.) und um seinetwillen, der fern war, wurde der Mensch getötet, der unsere Schwächen zu tragen weiß, denn die, denen nicht von ihm erzählt wurde, haben ihn gesehen. (Vgl. Jes. 53,4; 52,15.)