
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 15
1 Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören. 2 Die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sagten: Der nimmt Sünder an und isst mit ihnen. 3 Da sagte er ihnen dieses Gleichnis: 4 Wer von euch, der hundert Schafe hat und eines von ihnen verliert, lässt nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? 5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf seine Schultern, 6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: Ebenso wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die der Umkehr nicht bedürfen.
(in Hom. 34.) Er legte das Schaf auf seine Schultern, denn indem Er die menschliche Natur annahm, trug Er unsere Sünden. Aber nachdem er das Schaf gefunden hat, kehrt er nach Hause zurück; denn unser Hirte kehrt, nachdem er den Menschen wiederhergestellt hat, in sein himmlisches Reich zurück. Und daher folgt: Und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. (1 Petr 2,24; Jes 53.) Mit seinen Freunden und Nachbarn meint Er die Scharen der Engel, die seine Freunde sind, weil sie seinen Willen in ihrer eigenen Standhaftigkeit bewahren; sie sind auch seine Nachbarn, weil sie durch ihr ständiges Warten auf Ihn die Klarheit seines Anblicks genießen.