Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Lukasevangelium 15
17 Da ging er in sich und sagte: Wie viele Taglöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber komme hier vor Hunger um. 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. 19 Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen; halte mich wie einen von deinen Taglöhnern. 20 Dann machte er sich auf und ging zu seinem Vater. Sein Vater sah ihn schon von weitem kommen, wurde von Mitleid bewegt, lief herbei, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 Da sagte der Sohn zu ihm: Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. 22 Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Kleid heraus und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an die Hand und Schuhe an die Füße! 23 Holt das Mastkalb und schlachtet es! Wir wollen essen und fröhlich sein; 24 denn dieser mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein Freudenfest zu feiern.
Wie er also hinsichtlich des Zustands seiner Sünden verzweifelt war, so wird er hinsichtlich der menschlichen Natur, die wandelbar ist und vom Laster zur Tugend gewendet werden kann, als verloren bezeichnet. Denn verloren zu sein ist weniger als zu sterben. Aber jeder, der zurückgerufen und von der Sünde abgewendet wird, indem er am gemästeten Kalb teilhat, wird für seinen Vater und seine Knechte, das heißt die Engel und Priester, ein Anlass zur Freude. Daher folgt: Und sie fingen alle an, fröhlich zu sein.