
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 15
1 Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören. 2 Die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sagten: Der nimmt Sünder an und isst mit ihnen. 3 Da sagte er ihnen dieses Gleichnis: 4 Wer von euch, der hundert Schafe hat und eines von ihnen verliert, lässt nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? 5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf seine Schultern, 6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: Ebenso wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die der Umkehr nicht bedürfen.
Ein Schaf ging also verloren, als der Mensch durch Sünde die Weiden des Lebens verließ. Aber in der Wüste blieben die neunundneunzig zurück, weil die Zahl der vernünftigen Geschöpfe, das heißt der Engel und Menschen, die dazu geschaffen waren, Gott zu schauen, verringert wurde, als der Mensch verloren ging; und daher folgt: Lässt er nicht die neunundneunzig in der Wüste, weil er in Wahrheit die Scharen der Engel im Himmel verließ. Aber der Mensch verließ damals den Himmel, als er sündigte. Und damit der ganze Leib der Schafe im Himmel vollkommen wiederhergestellt würde, wurde der verlorene Mensch auf Erden gesucht; wie es folgt: Und geht dem nach usw.