
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 15
8 Oder welche Frau, die zehn Drachmen hat und eine Drachme verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht sorgfältig, bis sie sie findet? 9 Und hat sie sie gefunden, so ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte. 10 Ebenso, sage ich euch, wird bei den Engeln Gottes Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt.
(ut sup.) Und weil auf dem Silberstück ein Bild eingeprägt ist, verlor die Frau das Silberstück, als der Mensch (der nach dem Bild Gottes geschaffen war) durch Sünde von der Ähnlichkeit mit seinem Schöpfer abwich. Und das ist es, was hinzugefügt wird: Wenn sie ein Stück verliert, zündet sie nicht ein Licht an? Die Frau zündete ein Licht an, weil die Weisheit Gottes im Menschen erschien. Denn das Licht ist ein Licht in einem irdenen Gefäß, aber das Licht in einem irdenen Gefäß ist die Gottheit im Fleisch. Als aber das Licht angezündet war, folgt: Und sie stört (evertit) das Haus. Denn wahrlich, kaum war seine Gottheit durch das Fleisch hindurch erschienen, als alle unsere Gewissen erschraken. Dieses Wort der Störung unterscheidet sich nicht von dem, was in anderen Handschriften gelesen wird: fegt (everrit), weil der verdorbene Sinn, wenn er nicht zuerst durch Furcht umgestürzt wird, nicht von seinen gewohnheitsmäßigen Fehlern gereinigt wird. Wenn aber das Haus aufgebrochen ist, wird das Silberstück gefunden, denn es folgt: Und sucht sorgfältig, bis sie es findet; denn wahrlich, wenn das Gewissen des Menschen aufgestört wird, wird das Ebenbild des Schöpfers im Menschen wiederhergestellt.