
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 15
25 Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld. Als er kam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Tanz. 26 Da rief er einen der Knechte herbei und fragte, was das sei. 27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiedererhalten hat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Doch sein Vater kam heraus und redete ihm zu. 29 Er aber gab dem Vater zur Antwort: So viele Jahre diene ich dir und habe nie dein Gebot übertreten; mir aber hast du nie (auch nur) einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden feiern konnte. 30 Jetzt aber, als dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Vermögen mit Dirnen verprasst hat, hast du ihm das Mastkalb geschlachtet. 31 Er aber sagte zu ihm: Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, ist dein. 32 Feiern aber und uns freuen müssen wir; denn dein Bruder war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wiedergefunden worden.
Oder aber: Dieser Bruder wird so beschrieben, dass er vom Feld kommt, das heißt, in weltliche Geschäfte verwickelt ist, so unwissend in den Dingen des Geistes Gottes, dass er sich schließlich beklagt, dass nie ein Böcklein für ihn geschlachtet wurde. Denn nicht aus Neid, sondern zur Vergebung der Welt wurde das Lamm geopfert. Der Neidische sucht ein Böcklein, der Unschuldige ein Lamm, das für ihn geopfert wird. Daher wird er auch der Ältere genannt, weil ein Mensch durch Neid schnell altert. Daher steht er auch draußen, weil seine Bosheit ihn ausschließt; daher konnte er das Tanzen und die Musik nicht hören, das heißt nicht die zügellosen Faszinationen der Bühne, sondern den harmonischen Gesang eines Volkes, der widerhallt von der süßen Annehmlichkeit der Freude über einen geretteten Sünder. Denn die, die sich selbst für gerecht halten, sind zornig, wenn einem, der seine Sünden bekennt, Vergebung gewährt wird. Wer bist du, dass du gegen deinen Herrn sprichst, dass er nicht zum Beispiel ein Vergehen vergeben sollte, wo du doch vergibst, wem du willst? Aber wir sollten die Vergebung der Sünde nach der Buße begünstigen, damit wir nicht, während wir einem anderen die Vergebung missgönnen, sie selbst nicht von unserem Herrn erlangen. Lasst uns nicht die beneiden, die aus einem fernen Land zurückkehren, da auch wir selbst fern waren.