
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 15
1 Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören. 2 Die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sagten: Der nimmt Sünder an und isst mit ihnen. 3 Da sagte er ihnen dieses Gleichnis: 4 Wer von euch, der hundert Schafe hat und eines von ihnen verliert, lässt nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? 5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf seine Schultern, 6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: Ebenso wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die der Umkehr nicht bedürfen.
Du hattest durch das Vorhergehende gelernt, nicht von den Geschäften dieser Welt in Anspruch genommen zu werden, nicht vergängliche Dinge den ewigen vorzuziehen. Aber weil die Gebrechlichkeit des Menschen in einer so glatten Welt keinen festen Schritt halten kann, hat dir der gute Arzt sogar nach dem Fall ein Heilmittel gezeigt; der barmherzige Richter hat die Hoffnung auf Vergebung nicht verweigert; daher heißt es: Es nahten ihm aber alle Zöllner.