
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 15
17 Da ging er in sich und sagte: Wie viele Taglöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber komme hier vor Hunger um. 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. 19 Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen; halte mich wie einen von deinen Taglöhnern. 20 Dann machte er sich auf und ging zu seinem Vater. Sein Vater sah ihn schon von weitem kommen, wurde von Mitleid bewegt, lief herbei, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 Da sagte der Sohn zu ihm: Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. 22 Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Kleid heraus und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an die Hand und Schuhe an die Füße! 23 Holt das Mastkalb und schlachtet es! Wir wollen essen und fröhlich sein; 24 denn dieser mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein Freudenfest zu feiern.
(ubi sup.) Doch woher konnte er dies wissen, der jene große Gottvergessenheit hatte, die bei allen Götzendienern besteht, wenn es nicht der Widerschein eines zur rechten Einsicht Zurückkehrenden war, als das Evangelium gepredigt wurde. Schon konnte eine solche Seele sehen, dass viele die Wahrheit predigen, unter denen einige nicht von der Liebe zur Wahrheit selbst geleitet wurden, sondern vom Verlangen nach weltlichem Gewinn, die dennoch nicht ein anderes Evangelium wie die Häretiker predigen. Daher werden sie zu Recht Mietlinge genannt. Denn im selben Haus gibt es Männer, die dasselbe Brot des Wortes austeilen, aber nicht zu einem ewigen Erbe berufen sind, sondern sich für einen zeitlichen Lohn verdingen.