
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 15
25 Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld. Als er kam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Tanz. 26 Da rief er einen der Knechte herbei und fragte, was das sei. 27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiedererhalten hat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Doch sein Vater kam heraus und redete ihm zu. 29 Er aber gab dem Vater zur Antwort: So viele Jahre diene ich dir und habe nie dein Gebot übertreten; mir aber hast du nie (auch nur) einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden feiern konnte. 30 Jetzt aber, als dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Vermögen mit Dirnen verprasst hat, hast du ihm das Mastkalb geschlachtet. 31 Er aber sagte zu ihm: Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, ist dein. 32 Feiern aber und uns freuen müssen wir; denn dein Bruder war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wiedergefunden worden.
(Hom. 64. in Matt.) Es wird aber gefragt, ob einer, der über das Wohlergehen anderer trauert, von der Leidenschaft des Neides ergriffen wird. Wir müssen antworten, dass kein Heiliger über solche Dinge trauert, sondern die Güter anderer als seine eigenen betrachtet. Nun dürfen wir nicht alles, was im Gleichnis enthalten ist, wörtlich nehmen, sondern indem wir den Sinn herausarbeiten, den der Autor im Auge hatte, nichts Weiteres suchen. Dieses Gleichnis wurde also zu dem Zweck geschrieben, dass die Sünder nicht an der Rückkehr verzweifeln, da sie wissen, dass sie große Dinge erlangen werden. Daher führt er andere ein, die über diese guten Dinge so betrübt sind, dass sie von Neid verzehrt werden, jene aber, die zurückkehren, werden mit so großer Ehre behandelt, dass sie selbst zum Gegenstand des Neides für andere werden.