
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 15
11 Ferner sagte er: Ein Mann hatte zwei Söhne. 12 Der jüngere von ihnen sagte zum Vater: Vater, gib mir den Anteil des Vermögens, der mir zukommt. Da teilte er den Besitz unter sie auf. 13 Wenige Tage darauf packte der jüngere Sohn alles zusammen, zog fort in ein fernes Land und vergeudete dort sein Vermögen durch ein verschwenderisches Leben. 14 Nachdem er alles durchgebracht hatte, kam eine schwere Hungersnot über das Land und er fing an, Mangel zu leiden. 15 Da ging er zu einem Bürger jenes Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn auf seine Felder zum Schweinehüten. 16 Gerne hätte er sich den Magen mit den Schoten gefüllt, die die Schweine fraßen, aber niemand gab sie ihm.
(de Quæst. Ev. l. ii. qu. 33.) Dieser Mann nun, der zwei Söhne hatte, wird als Gott verstanden, der zwei Völker hat, als wären es zwei Wurzeln des Menschengeschlechts; und das eine besteht aus denen, die in der Verehrung Gottes geblieben sind, das andere aus denen, die Gott jemals verlassen haben, um Götzen anzubeten. Vom allerersten Beginn der Erschaffung des Menschengeschlechts an bezieht sich der ältere Sohn auf die Verehrung des einen Gottes, der jüngere aber erbittet, dass ihm der Teil des Vermögens, der ihm zufiel, von seinem Vater gegeben werde. Daher folgt: Und der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Gib mir den Teil der Güter, der mir zufällt; so wie die Seele, die an ihrer eigenen Macht Gefallen findet, das erstrebt, was ihr gehört: zu leben, zu verstehen, sich zu erinnern, an Schnelligkeit des Geistes hervorzuragen, was alles Gaben Gottes sind, sie aber durch freien Willen in ihre eigene Macht empfangen hat. Daher folgt: Und er teilte ihnen sein Vermögen.