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Catena Aurea · Evangelium secundum Lucam
126 Kommentare der Kirchenväter · 7 Versabschnitte
Lukasevangelium 5 in der Bibel lesen1 Als das Volk sich an ihn herandrängte, um das Wort Gottes zu hören, stand er am See Gennesaret. 2 Da sah er zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer waren ausgestiegen und wuschen die Netze. 3 Da stieg er in eines der Boote, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land abzustoßen. Dann setzte er sich und lehrte die Volksscharen vom Boot aus.
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Catena Aurea · Lk 5
Als der Herr viele und verschiedene Arten von Heilungen vollbracht hatte, begann die Menge, weder Zeit noch Ort in ihrem Verlangen, geheilt zu werden, zu beachten. Der Abend kam, sie folgten; ein See ist vor ihnen, sie drängen weiter; wie es heißt: Und es geschah, als das Volk Ihn bedrängte.

Catena Aurea · Lk 5
(Hom. 25. in Matt.) Denn sie hingen an Ihm mit Liebe und Bewunderung und begehrten, Ihn bei sich zu behalten. Denn wer würde fortgehen, während Er solche Wunder wirkte? Wer wäre nicht zufrieden, nur Sein Antlitz zu sehen und den Mund, der solche Dinge sprach? Und nicht nur als Wundertäter war Er bewundernswert, sondern Sein ganzes Erscheinen war überströmend von Gnade. Wenn Er daher spricht, hören sie Ihm schweigend zu und unterbrechen nicht die Kette Seiner Rede; denn es heißt: damit sie das Wort Gottes hörten, usw. Es folgt: Und Er stand am See Genezareth.
Catena Aurea · Lk 5
Der See Genezareth soll derselbe sein wie das Galiläische Meer oder das Meer von Tiberias; aber es wird Galiläisches Meer genannt nach der angrenzenden Provinz, Meer von Tiberias nach einer benachbarten Stadt. Genezareth jedoch ist der Name, der ihm von der Natur des Sees selbst gegeben wurde (der, wie man meint, durch seine sich kreuzenden Wellen eine Brise auf sich selbst erzeugt), und ist der griechische Ausdruck für „sich selbst eine Brise machen“ (gleichsam von γιννάω und ἀήρ). Denn das Wasser ist nicht ruhig wie das eines Sees, sondern ständig bewegt durch die Brisen, die darüber wehen. Es ist süß im Geschmack und gesund zu trinken. In der hebräischen Sprache wird jede Wasserfläche, ob süß oder salzig, Meer genannt.
Catena Aurea · Lk 5
Aber der Herr sucht die Ehre umso mehr zu meiden, je mehr sie Ihm folgte, und deshalb trennte Er sich von der Menge und stieg in ein Schiff, wie es heißt: Und Er sah zwei Schiffe am See stehen; die Fischer aber waren aus ihnen ausgestiegen und wuschen ihre Netze.

Catena Aurea · Lk 5
Dies war ein Zeichen der Muße, aber nach Matthäus findet Er sie, wie sie ihre Netze ausbessern. Denn so groß war ihre Armut, dass sie ihre alten Netze flickten, da sie keine neuen kaufen konnten. Aber unser Herr war sehr begierig, die Menge zu versammeln, damit niemand zurückbliebe, sondern alle Ihn von Angesicht zu Angesicht sehen könnten; Er stieg daher in ein Schiff, wie es heißt: Und Er stieg in ein Schiff, das Simon gehörte, und bat ihn.
Catena Aurea · Lk 5
Siehe die Sanftmut Christi; Er fragt Petrus; und die Bereitwilligkeit des Petrus, der in allen Dingen gehorsam war.

Catena Aurea · Lk 5
Nachdem Er viele Wunder gewirkt hatte, beginnt Er wiederum Seine Lehre, und da Er auf dem Meer ist, fischt Er nach denen, die am Ufer waren. Daher folgt: Und Er setzte sich und lehrte das Volk vom Schiff aus.

Catena Aurea · Lk 5
(Orat. 37.) Er lässt sich zu allen herab, damit Er einen Fisch aus der Tiefe ziehe, d. h. den Menschen, der in den ständig wechselnden Szenen und bitteren Stürmen dieses Lebens schwimmt.
Catena Aurea · Lk 5
Mystisch aber stellen die zwei Schiffe die Beschneidung und die Unbeschnittenheit dar. Der Herr sieht diese, weil Er in jedem Volk die Seinen kennt, und durch das Sehen, d. h. durch einen barmherzigen Besuch, bringt Er sie der Ruhe des zukünftigen Lebens näher. Die Fischer sind die Lehrer der Kirche, weil sie uns mit dem Netz des Glaubens fangen und uns gleichsam ans Ufer zum Land der Lebenden bringen. Aber diese Netze sind bald zum Fischfang ausgebreitet, bald gewaschen und zusammengelegt. Denn nicht jede Zeit ist zum Lehren geeignet, sondern bald muss der Lehrer mit der Zunge sprechen, bald müssen wir uns selbst züchtigen. Das Schiff des Simon ist die Urkirche, von der der heilige Paulus sagt: Der in Petrus wirksam war zum Apostelamt der Beschneidung. (Gal. 2,8.) Das Schiff wird mit Recht eines genannt, denn in der Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. (Apg. 4,32.)

Catena Aurea · Lk 5
(de Quæst. Ev. 1. 2. c. 2.) Von diesem Schiff aus lehrte Er die Menge, denn durch die Autorität der Kirche lehrt Er die Heiden. Dass aber der Herr in das Schiff steigt und Petrus bittet, ein wenig vom Land abzustoßen, bedeutet, dass wir in unseren Worten zur Menge maßvoll sein müssen, damit sie weder Irdisches gelehrt werden noch von irdischen Dingen in die Tiefen der Sakramente stürzen. Oder: Das Evangelium muss zuerst den benachbarten Ländern der Heiden gepredigt werden, damit Er (wie Er später sagt: Fahre hinaus auf die Tiefe) befehlen kann, es danach den entfernteren Völkern zu predigen.
4 Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus ins tiefe Wasser und werft euere Netze zum Fang aus! 5 Simon antwortete ihm: Meister, die ganze Nacht haben wir uns abgemüht und nichts gefangen. Doch auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. 6 Sie taten es und fingen eine große Menge Fische. Ihre Netze drohten zu zerreißen. 7 Sie winkten ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen und füllten beide Boote, sodass sie fast sanken.
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Catena Aurea · Lk 5
Nachdem Er das Volk hinreichend gelehrt hatte, kehrt Er wieder zu Seinen mächtigen Werken zurück und fischt durch die Beschäftigung des Fischfangs für Seine Jünger. Daher folgt: Als Er aber aufgehört hatte zu reden, sprach Er zu Simon: Fahre hinaus auf die Tiefe und lasst eure Netze zum Fang hinab.

Catena Aurea · Lk 5
(Hom. 6. in Matt.) Denn in Seiner Herablassung zu den Menschen rief Er die Weisen durch einen Stern, die Fischer durch ihre Kunst des Fischens.
Catena Aurea · Lk 5
Petrus weigerte sich nicht zu gehorchen, wie folgt: Und Simon antwortete und sprach zu Ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Er fuhr nicht fort zu sagen: „Ich will dir nicht gehorchen, noch mich zusätzlicher Mühe aussetzen“, sondern fügte vielmehr hinzu: Dennoch auf Dein Wort will ich das Netz hinablassen. Aber unser Herr, da Er das Volk vom Schiff aus gelehrt hatte, ließ den Herrn des Schiffes nicht ohne Lohn, sondern erwies ihm eine doppelte Wohltat, indem Er ihm zuerst eine Menge Fische gab und ihn sodann zu Seinem Jünger machte; wie folgt: Und als sie das getan hatten, umschlossen sie eine große Menge Fische. Sie fingen so viele Fische, dass sie sie nicht herausziehen konnten, sondern die Hilfe ihrer Gefährten suchten; wie folgt: Aber ihr Netz riss, und sie winkten ihren Gefährten, die im anderen Schiff waren, zu kommen, usw. Petrus ruft sie durch ein Zeichen, da er vor Staunen über den Fischzug nicht sprechen konnte. Wir hören als Nächstes von ihrer Hilfe: Und sie kamen und füllten beide Schiffe.

Catena Aurea · Lk 5
(de Con. Ev. lib. 4. c. 6.) Johannes scheint zwar von einem ähnlichen Wunder zu sprechen, aber dieses ist sehr verschieden von dem, das er erwähnt. Jenes geschah nach der Auferstehung unseres Herrn am See Tiberias, und nicht nur die Zeit, sondern auch das Wunder selbst ist sehr verschieden. Denn bei letzterem fingen die auf der rechten Seite hinabgelassenen Netze einhundertdreiundfünfzig Fische, und zwar große, was der Evangelist erwähnen musste, weil die Netze trotz dieser Größe nicht rissen, und dies scheint sich auf das Ereignis zu beziehen, das Lukas berichtet, als wegen der Menge der Fische die Netze rissen.

Catena Aurea · Lk 5
Im Mysterium aber wird das Schiff des Petrus nach Matthäus von den Wellen umhergeworfen (Mt. 8,24), nach Lukas mit Fischen gefüllt, damit du verstehst, dass die Kirche zuerst wankt, zuletzt überfließt. Das Schiff wird nicht erschüttert, das Petrus trägt; das heißt, das Judas trägt. In beiden war Petrus; aber wer auf seine eigenen Verdienste vertraut, wird durch die eines anderen beunruhigt. Hüten wir uns also vor einem Verräter, damit nicht durch einen viele von uns umhergeworfen werden. Unruhe findet sich dort, wo der Glaube schwach ist, Sicherheit hier, wo die Liebe vollkommen ist. Schließlich wird zwar anderen befohlen: Lasst eure Netze hinab, zu Petrus allein aber wird gesagt: Fahre hinaus auf die Tiefe, d. h. in tiefe Forschungen. Was ist so tief wie die Erkenntnis des Sohnes Gottes! Was aber sind die Netze der Apostel, die hinabgelassen werden sollen, anderes als die Verflechtung der Worte und gleichsam gewisse Falten der Rede und Verwicklungen des Arguments, die die, welche sie einmal gefangen haben, nie entkommen lassen. Und mit Recht sind Netze die apostolischen Werkzeuge zum Fischen, die die gefangenen Fische nicht töten, sondern sicher bewahren und die, die in den Wellen umhergeworfen werden, aus den Tiefen unten in die Regionen oben bringen. Er aber sagt: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; denn dies ist nicht das Werk menschlicher Beredsamkeit, sondern die Gabe göttlicher Berufung. Die aber zuvor nichts gefangen hatten, umschlossen auf das Wort des Herrn eine große Menge Fische.

Catena Aurea · Lk 5
Dies war ein Bild der Zukunft. Denn die werden nicht vergeblich arbeiten, die das Netz der evangelischen Lehre auswerfen, sondern die Schwärme der Heiden sammeln.

Catena Aurea · Lk 5
(ut sup.) Dass aber die Netze rissen und die Schiffe von der Menge der Fische gefüllt wurden, sodass sie zu sinken begannen, bedeutet, dass es in der Kirche eine so große Menge fleischlich gesinnter Menschen geben wird, dass die Einheit zerbricht und sie in Häresien und Schismen gespalten wird.
Catena Aurea · Lk 5
Das Netz reißt, aber die Fische entkommen nicht, denn der Herr bewahrt die Seinen inmitten der Gewalt der Verfolger.

Catena Aurea · Lk 5
Das andere Schiff aber ist Judäa, aus dem Jakobus und Johannes erwählt werden. Diese kamen also aus der Synagoge zum Schiff des Petrus in der Kirche, damit sie beide Schiffe füllten. Denn im Namen Jesu soll sich jedes Knie beugen, ob Jude oder Grieche.
Catena Aurea · Lk 5
Oder das andere Schiff ist die Kirche der Heiden, die selbst auch (da ein Schiff nicht ausreichte) mit auserwählten Fischen gefüllt wird. Denn der Herr kennt die Seinen, und bei Ihm ist die Zahl Seiner Auserwählten gewiss. Und wenn Er in Judäa nicht so viele Gläubige findet, wie Er weiß, dass sie zum ewigen Leben bestimmt sind, sucht Er gleichsam ein anderes Schiff, um Seine Fische aufzunehmen, und füllt auch die Herzen der Heiden mit der Gnade des Glaubens. Und mit Recht riefen sie, als das Netz riss, das Schiff ihrer Gefährten zu Hilfe, da der Verräter Judas, Simon Magus, Ananias und Saphira und viele der Jünger zurückgingen. Und dann wurden Barnabas und Paulus für das Apostelamt der Heiden ausgesondert.

Catena Aurea · Lk 5
Wir können unter dem anderen Schiff auch eine andere Kirche verstehen, da von einer Kirche mehrere abstammen.

Catena Aurea · Lk 5
Petrus aber winkt seinen Gefährten, ihnen zu helfen. Denn viele folgen den Mühen der Apostel, und zuerst die, welche die Schriften der Evangelien hervorbrachten, ihnen zunächst die anderen Häupter und Hirten des Evangeliums und die in der Lehre der Wahrheit Erfahrenen.
Catena Aurea · Lk 5
Die Füllung dieser Schiffe aber dauert bis zum Ende der Welt. Dass aber die Schiffe, wenn sie gefüllt sind, zu sinken beginnen, d. h. im Wasser tief hinabgedrückt werden (denn sie sinken nicht, sondern sind in großer Gefahr), erklärt der Apostel, wenn er sagt: In den letzten Tagen werden gefährliche Zeiten kommen; die Menschen werden sich selbst lieben usw. (2 Tim. 3,1.2.) Denn das Sinken der Schiffe ist, wenn Menschen durch lasterhafte Gewohnheiten in jene Welt zurückfallen, aus der sie durch den Glauben erwählt wurden.
8 Als Simon Petrus dies sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; denn ich bin ein sündiger Mensch! 9 Denn Bestürzung hatte ihn und alle, die mit ihm waren, ergriffen über den Fischfang, den sie gemacht hatten; 10 ebenso (ging es) auch Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die Simons Gefährten waren. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht; von nun an wirst du Menschen fangen. 11 Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.
12 KommentareCatena Aurea · Lk 5
Petrus war erstaunt über die göttliche Gabe, und je mehr er fürchtete, desto weniger wagte er nun; wie gesagt wird: Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Geh weg von mir; denn ich bin ein sündiger Mensch, o Herr.

Catena Aurea · Lk 5
Denn da er sich seine begangenen Verbrechen ins Bewusstsein ruft, ist er erschrocken und zittert, und da er unrein ist, glaubt er, den Reinen nicht aufnehmen zu können, denn er hatte aus dem Gesetz gelernt, zwischen Unreinem und Heiligem zu unterscheiden.
Catena Aurea · Lk 5
Als Christus befahl, die Netze auszuwerfen, war die Menge der gefangenen Fische ebenso groß, wie der Herr des Meeres und des Landes es wollte. Denn die Stimme des Wortes ist die Stimme der Kraft, auf deren Geheiß am Anfang der Welt das Licht und die anderen Geschöpfe hervorkamen. Darüber wundert sich Petrus, denn er war erstaunt, und alle, die bei ihm waren, usw.

Catena Aurea · Lk 5
(de con. Ev. lib. ii. 17.) Er erwähnt Andreas nicht namentlich, von dem man jedoch annimmt, dass er in jenem Schiff war, gemäß den Berichten des Matthäus und Markus. Es folgt: Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht.

Catena Aurea · Lk 5
Sprich auch du: Geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch, o Herr, damit Gott antworte: Fürchte dich nicht. Bekenne deine Sünde, und der Herr wird dir vergeben. Siehe, wie gut der Herr ist, der den Menschen so viel gibt, dass sie die Macht haben, lebendig zu machen. Wie es folgt: Von nun an wirst du Menschen fangen.
Catena Aurea · Lk 5
Dies gilt besonders für Petrus selbst, denn der Herr erklärt ihm, was dieses Fangen von Fischen bedeutet; dass er nämlich, so wie er jetzt Fische mit dem Netz fängt, künftig Menschen durch Worte fangen wird. Und die ganze Ordnung dieses Ereignisses zeigt, was sich täglich in der Kirche abspielt, deren Typus Petrus ist.

Catena Aurea · Lk 5
(Hom. 14. in Matt.) Doch beachte ihren Glauben und Gehorsam. Denn obwohl sie eifrig mit dem Fischfang beschäftigt waren, zögerten sie doch nicht, als sie das Gebot Jesu hörten, sondern verließen alles und folgten ihm. So ist der Gehorsam, den Christus von uns verlangt; wir dürfen ihn nicht aufschieben, selbst wenn eine große Not uns drängt. Daher folgt: Und sie brachten die Schiffe ans Land.

Catena Aurea · Lk 5
(ubi sup.) Matthäus und Markus berichten hier kurz die Sache und wie es geschah. Lukas erklärt es ausführlicher. Es scheint jedoch folgender Unterschied zu bestehen: Er lässt unseren Herrn nur zu Petrus sagen: Von nun an wirst du Menschen fangen, während jene es als zu den beiden anderen gesprochen überliefern. Aber gewiss könnte es zuerst zu Petrus gesagt worden sein, als er sich über den immensen Fischfang wunderte, wie Lukas andeutet, und später zu beiden, wie die anderen zwei es berichten. Oder wir müssen verstehen, dass das Ereignis so stattfand, wie Lukas berichtet, und dass die anderen damals nicht vom Herrn berufen wurden, sondern Petrus nur vorhergesagt wurde, dass er Menschen fangen solle, nicht dass er nicht mehr zum Fischfang eingesetzt würde; und daher besteht Anlass anzunehmen, dass sie zum Fischfang zurückkehrten, so dass später das geschehen konnte, wovon Matthäus und Markus sprechen. Denn damals wurden die Schiffe nicht ans Land gebracht, als ob sie zurückkehren wollten, sondern sie folgten ihm, als er sie rief oder befahl zu kommen. (Matt. 4:20, Mark 1:18.) Wenn aber nach Johannes Petrus und Andreas ihm nahe am Jordan folgten, wie sagen dann die anderen Evangelisten, dass er sie in Galiläa beim Fischen fand und sie zur Jüngerschaft berief? Es sei denn, wir verstehen, dass sie den Herrn in der Nähe des Jordan nicht so sahen, dass sie sich ihm untrennbar anschlossen, sondern nur wussten, wer er war, und sich über ihn wunderten und zu den Ihren zurückkehrten.

Catena Aurea · Lk 5
Mystisch aber: Die, welche Petrus durch sein Wort fängt, beansprucht er nicht als seine eigene Beute oder sein eigenes Geschenk. Geh weg, sagt er, von mir, o Herr. Fürchte dich also nicht, auch dem Herrn zuzuschreiben, was dein eigen ist, denn was sein war, hat er uns gegeben.

Catena Aurea · Lk 5
(de Quæst. Ev. lib. ii. c. 2.) Oder Petrus spricht in der Gestalt der Kirche, die voll fleischlicher Menschen ist: Geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch. Als ob die Kirche, überfüllt mit fleischlichen Menschen und fast versunken durch ihre Laster, gleichsam die Herrschaft in geistlichen Dingen von sich wirft, worin der Charakter Christi vor allem erstrahlt. Denn nicht mit der Zunge sagen die Menschen den guten Dienern Gottes, sie sollten von ihnen weichen, sondern durch die Äußerung ihrer Taten und Handlungen überreden sie sie wegzugehen, damit sie nicht von den Guten regiert werden. Und doch beeilen sie sich umso eifriger, ihnen Ehren zu erweisen, wie Petrus seine Hochachtung bezeugte, indem er zu den Füßen unseres Herrn niederfiel, aber durch sein Wort: Geh weg von mir.
Catena Aurea · Lk 5
Doch der Herr beschwichtigt die Ängste fleischlicher Menschen, damit niemand, der ob seines Schuldbewusstseins zittert oder über die Unschuld anderer staunt, sich fürchte, den Weg der Heiligkeit anzutreten.

Catena Aurea · Lk 5
(ubi sup.) Doch der Herr wich nicht von ihnen, und zeigte damit, dass gute und geistliche Menschen, wenn sie durch die Schlechtigkeit der Vielen beunruhigt werden, nicht wünschen sollten, ihre kirchlichen Pflichten aufzugeben, um gleichsam ein sichereres und ruhigeres Leben zu führen. Aber das Ans-Land-Bringen ihrer Schiffe und das Verlassen alles dessen, um Jesus zu folgen, kann das Ende der Zeit darstellen, wenn die, welche an Christus festgehalten haben, gänzlich den Stürmen dieser Welt entrinnen werden.
12 Als er sich in einer der Städte aufhielt, war da ein Mann voller Aussatz. Als er Jesus sah, fiel er vor ihm auf das Angesicht nieder und bat ihn: Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen. 13 Da streckte er seine Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will; sei rein! Und sofort wich der Aussatz von ihm. 14 Er befahl ihm, es niemand zu sagen, sondern (sagte): Geh, zeig dich dem Priester und bring dein Reinigungsopfer dar, wie Mose vorgeschrieben hat, zum Zeugnis für sie. 15 Aber die Kunde von ihm verbreitete sich immer mehr und große Volksscharen kamen, um ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden. 16 Er aber zog sich in die Einsamkeit zurück und betete.
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Catena Aurea · Lk 5
Das vierte Wunder, nachdem Jesus nach Kapernaum gekommen war, war die Heilung eines Aussätzigen. Da er aber den vierten Tag mit der Sonne erleuchtete und ihn herrlicher machte als die übrigen, sollten wir dieses Werk für herrlicher halten als die vorhergehenden; worüber gesagt wird: Und es begab sich, als er in einer bestimmten Stadt war, siehe, da war ein Mann voll Aussatz. Mit Recht wird kein bestimmter Ort genannt, wo der Aussätzige geheilt wurde, um anzuzeigen, dass nicht ein Volk einer bestimmten Stadt, sondern alle Völker geheilt wurden.

Catena Aurea · Lk 5
(Ep. ad Adelph. 3.) Nun betete der Aussätzige den Herrn Gott in seiner leiblichen Gestalt an und hielt das Wort Gottes nicht für ein Geschöpf wegen seines Fleisches, noch verachtete er, weil er das Wort war, das Fleisch, das er angenommen hatte; vielmehr betete er in einem geschaffenen Tempel den Schöpfer aller Dinge an, indem er auf sein Angesicht niederfiel, wie es folgt: Und als er Jesus sah, fiel er auf sein Angesicht und bat ihn.

Catena Aurea · Lk 5
Indem er auf sein Angesicht niederfiel, zeigte er seine Demut und Bescheidenheit, denn jeder sollte über die Flecken seines Lebens erröten, aber seine Ehrfurcht hielt sein Bekenntnis nicht zurück; er zeigt seine Wunde und bittet um ein Heilmittel, indem er sagt: Wenn du willst, kannst du mich rein machen. An dem Willen des Herrn zweifelte er, nicht aus Misstrauen gegen seine Barmherzigkeit, sondern gehemmt durch das Bewusstsein seiner eigenen Unwürdigkeit. Doch das Bekenntnis ist voll Hingabe und Glauben, indem es alle Macht in den Willen des Herrn legt.

Catena Aurea · Lk 5
Denn er wusste, dass Aussatz nicht der Kunst der Ärzte weicht, aber er sah, wie Dämonen durch göttliche Autorität ausgetrieben und Mengen von verschiedenen Krankheiten geheilt wurden, was er alles als Werk des göttlichen Armes auffasste.
Catena Aurea · Lk 5
Lasst uns aus den Worten des Aussätzigen lernen, nicht umherzugehen und die Heilung unserer leiblichen Gebrechen zu suchen, sondern alles dem Willen Gottes zu überlassen, der weiß, was für uns am besten ist, und alles nach seinem Willen ordnet.

Catena Aurea · Lk 5
Er heilt auf dieselbe Weise, wie er gebeten worden war zu heilen, wie es folgt: Und Jesus streckte seine Hand aus und berührte ihn, usw. Das Gesetz verbietet, den Aussätzigen zu berühren, aber er, der der Herr des Gesetzes ist, unterwirft sich nicht dem Gesetz, sondern gibt das Gesetz; er berührte ihn nicht, weil er ohne Berührung nicht hätte rein machen können, sondern um zu zeigen, dass er weder dem Gesetz unterworfen war noch als Mensch die Ansteckung fürchtete; denn er konnte nicht verunreinigt werden, der andere von der Befleckung befreite. Andererseits berührte er auch, damit der Aussatz durch die Berührung des Herrn ausgetrieben werde, die gewöhnlich den berührte, der berührte.
Catena Aurea · Lk 5
Denn sein heiliges Fleisch hat eine heilende und lebensspendende Kraft, da es ja das Fleisch des Wortes Gottes ist.

Catena Aurea · Lk 5
In den folgenden Worten: Ich will, sei rein, hast du den Willen, hast du auch das Ergebnis seiner Barmherzigkeit.

Catena Aurea · Lk 5
(Thes. 12. c. 14.) Aus der Majestät allein geht der königliche Befehl hervor; wie wird dann der Eingeborene unter die Diener gezählt, der durch seinen bloßen Willen alles tun kann? Wir lesen von Gott dem Vater, dass er alles getan hat, was ihm gefiel. (Ps. 115:3; 135:6.) Aber wie kann der, der die Macht seines Vaters ausübt, sich von ihm in der Natur unterscheiden? Außerdem pflegen die Dinge, die von derselben Macht sind, auch von derselben Substanz zu sein. Ferner: Lasst uns also in diesen Dingen Christus bewundern, der sowohl göttlich als auch leiblich wirkt. Denn es ist Gottes, so zu wollen, dass alles entsprechend geschieht, aber des Menschen, die Hand auszustrecken. Aus zwei Naturen also ist der eine Christus vollendet, denn das Wort ist Fleisch geworden.
Catena Aurea · Lk 5
(Orat. 1. in Resur. Christ.) Und weil die Gottheit mit jedem Teil des Menschen, d. h. sowohl mit der Seele als auch mit dem Leib, vereint ist, sind in jedem die Zeichen einer himmlischen Natur offenbar. Denn der Leib verkündete die in ihm verborgene Gottheit, als er durch Berührung ein Heilmittel bot, aber die Seele kennzeichnete durch die mächtige Kraft ihres Willens die göttliche Stärke. Denn wie der Tastsinn dem Leib eigen ist, so die Bewegung des Willens der Seele. Die Seele will, der Leib berührt.

Catena Aurea · Lk 5
Er sagt also: „Ich will“ – für Photinus; Er befiehlt – für Arius; Er berührt – für Manichäus. Doch liegt nichts zwischen Gottes Werk und Seinem Befehl, damit wir in der Neigung des Heilenden die Kraft des Werkes erkennen. Daher folgt: „Und sogleich wich der Aussatz von ihm.“ Damit aber der Aussatz nicht unter uns wuchere, meide jeder das Prahlen nach dem Beispiel der Demut unseres Herrn. Denn es folgt: „Und er gebot ihm, es niemandem zu sagen“, damit er uns in Wahrheit lehre, dass unsere guten Werke nicht öffentlich gemacht, sondern eher verborgen werden sollen, und dass wir uns nicht nur des Gelderwerbs, sondern auch der Gunst enthalten sollen. Oder vielleicht war der Grund für Sein Schweigegebot, dass Er jene für bevorzugt hielt, die lieber aus eigenem Antrieb geglaubt hatten als aus Hoffnung auf Vorteil.

Catena Aurea · Lk 5
Obwohl der Aussätzige schwieg, genügte die Stimme der Tat selbst, um sie allen kundzutun, die durch ihn die Macht des Heilenden anerkannten.

Catena Aurea · Lk 5
(Hom. 26. in Matt.) Und da die Menschen, wenn sie krank sind, oft an Gott denken, aber wenn sie genesen, stumpf werden, gebietet Er ihm, Gott stets vor Augen zu halten und Gott die Ehre zu geben. Daher folgt: „Sondern geh und zeige dich dem Priester“, damit der vom Aussatz gereinigte Mensch sich der Prüfung des Priesters unterziehe und so durch dessen Bestätigung als geheilt gelte.

Catena Aurea · Lk 5
Und damit auch der Priester erkenne, dass er nicht durch die Anordnung des Gesetzes, sondern durch die Gnade Gottes über das Gesetz hinaus geheilt wurde. Und da ein Opfer durch die Vorschrift des Mose geboten ist, zeigt der Herr, dass Er das Gesetz nicht aufhebt, sondern erfüllt. Wie es folgt: „Und opfere für deine Reinigung, wie Mose geboten hat.“

Catena Aurea · Lk 5
(de Qu. Ev. l. ii. qu. 3.) Er scheint hier das Opfer zu billigen, das durch Mose geboten worden war, obwohl die Kirche es nicht verlangt. Es kann daher als geboten verstanden werden, weil das allerheiligste Opfer, das Sein Leib ist, noch nicht begonnen hatte. Denn es ziemte sich nicht, die typischen Opfer wegzunehmen, bevor das, was vorgebildet war, durch das Zeugnis der apostolischen Verkündigung und den Glauben der Gläubigen bestätigt wurde.

Catena Aurea · Lk 5
Oder weil das Gesetz geistig ist, scheint Er ein geistiges Opfer geboten zu haben. Daher sagte er: „Wie Mose geboten hat.“ Schließlich fügt er hinzu: „zum Zeugnis für sie.“ Die Häretiker verstehen dies irrig und sagen, es sei als Vorwurf gegen das Gesetz gemeint. Doch wie würde er ein Opfer zur Reinigung nach den Geboten des Mose anordnen, wenn er dies gegen das Gesetz meinte?

Catena Aurea · Lk 5
Er sagt also: „zum Zeugnis für sie“, weil diese Tat offenbart, dass Christus in Seiner unvergleichlichen Erhabenheit weit über Mose steht. Denn als Mose seine Schwester nicht vom Aussatz befreien konnte, bat er den Herrn, sie zu heilen. Der Heiland aber erklärte in Seiner göttlichen Macht: „Ich will, sei rein.“ (Num. 12,13.)

Catena Aurea · Lk 5
(ubi sup.) Oder: „zum Zeugnis gegen sie“, d. h. als Zurechtweisung für sie und als Zeugnis, dass ich das Gesetz achte. Denn auch jetzt, da ich dich geheilt habe, sende ich dich zur Prüfung durch die Priester, damit du mir bezeugst, dass ich dem Gesetz nicht untreu geworden bin. Und obwohl der Herr bei der Spendung von Heilmitteln riet, es niemandem zu sagen, um uns zu lehren, den Stolz zu meiden, verbreitete sich doch Sein Ruf überall und flößte das Wunder jedem ins Ohr, wie es folgt: „Doch umso mehr verbreitete sich das Gerücht über ihn.“
Catena Aurea · Lk 5
Nun bringt die vollkommene Heilung eines Einzelnen viele Volksscharen zum Herrn, wie es folgt: „Und große Volksscharen kamen zusammen, damit sie geheilt würden.“ Denn der aussätzige Mann, um sowohl seine äußere als auch innere Heilung zu zeigen, hört nicht auf – obwohl es ihm verboten war –, von der Wohltat zu erzählen, die er empfangen hatte, wie Markus sagt.

Catena Aurea · Lk 5
(Mor. xxviii. c. 13.) Unser Erlöser vollbringt Seine Wunder bei Tag und verbringt die Nacht im Gebet, wie es folgt: „Und er zog sich in die Wüste zurück und betete“, womit Er gleichsam den vollkommenen Predigern andeutet, dass sie weder das tätige Leben aus Liebe zur Beschauung ganz aufgeben noch die Freuden der Beschauung aus übermäßiger Tätigkeit verachten sollen, sondern im stillen Nachdenken das aufnehmen, was sie später in Worten den Nächsten weitergeben können.
Catena Aurea · Lk 5
Dass Er sich zum Gebet zurückzog, würdest du nicht jener Natur zuschreiben, die sagt: „Ich will, sei rein“, sondern jener, die die Hand ausstreckte und den Aussätzigen berührte – nicht als gäbe es nach Nestorius eine doppelte Person des Sohnes, sondern derselben Person, wie es zwei Naturen gibt, so auch zwei Wirkweisen.

Catena Aurea · Lk 5
(26.) Und Seine Werke vollbrachte Er zwar unter dem Volk, doch betete Er größtenteils in der Wüste und billigte damit die Freiheit, eine Weile von der Arbeit auszuruhen, um mit reinem Herzen mit Gott zu verkehren. Denn Er bedurfte keiner Veränderung oder Zurückgezogenheit, da es nichts in Ihm gab, was nachlassen konnte, noch einen Ort, an dem Er sich einschränken müsste, denn Er war Gott; sondern damit wir klar erkennen, dass es eine Zeit zum Handeln und eine Zeit für jede höhere Beschäftigung gibt.
Catena Aurea · Lk 5
Wie treffend stellt der Aussätzige das ganze Menschengeschlecht dar, das an Sünden voll Aussatz darniederliegt, denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit Gottes; (Röm. 3,23.) damit sie so durch die ausgestreckte Hand, d. h. das Wort Gottes, das an der menschlichen Natur teilhat, von der Nichtigkeit ihrer alten Irrtümer gereinigt werden und zur Reinigung ihre Leiber als lebendiges Opfer darbringen.

Catena Aurea · Lk 5
Doch wenn das Wort die Heilung des Aussatzes ist, dann ist die Verachtung des Wortes der Aussatz des Geistes.
Catena Aurea · Lk 5
Doch beachte: Nachdem ein Mensch gereinigt wurde, ist er dann würdig, diese Gabe darzubringen, nämlich den Leib und das Blut des Herrn, das mit der göttlichen Natur vereint ist.
17 Eines Tages, als er lehrte, saßen auch Pharisäer und Gesetzeslehrer da, die aus allen Orten von Galiläa und Judäa und aus Jerusalem gekommen waren. Und die Kraft des Herrn drängte ihn zum Heilen. 18 Da brachten Männer auf einem Bett einen Menschen, der gelähmt war; sie versuchten, ihn hineinzubringen und vor ihn hinzulegen. 19 Da sie aber wegen der Menge keinen Weg fanden, ihn hineinzubringen, stiegen sie auf das Haus und ließen ihn samt dem Bett durch das Ziegeldach hinunter, gerade vor Jesus hin. 20 Als er ihren Glauben sah, sagte er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben. 21 Da begannen die Schriftgelehrten und Pharisäer sich Gedanken zu machen und sagten: Wer ist das, der solche Lästerungen wagt? Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? 22 Doch Jesus erkannte ihre Gedanken und sagte zu ihnen: Was denkt ihr in eueren Herzen? 23 Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? 24 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben -- sagte er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! 25 Sofort stand er vor ihren Augen auf, nahm (das Bett), worauf er gelegen hatte, und ging heim, Gott preisend. 26 Da gerieten alle vor Staunen außer sich, priesen Gott, wurden von Furcht erfüllt und sagten: Unfassbares haben wir heute gesehen.
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Catena Aurea · Lk 5
Die Schriftgelehrten und Pharisäer, die zu Zuschauern der Wunder Christi geworden waren, hörten Ihn auch lehren. Daher heißt es: „Und es geschah an einem bestimmten Tag, als er lehrte, dass Pharisäer dabei saßen“ usw. Und die Kraft des Herrn war gegenwärtig, sie zu heilen. Nicht als hätte Er die Kraft von einem anderen entlehnt, sondern als Gott und Herr heilte Er durch Seine eigene innewohnende Kraft. Nun werden Menschen oft geistlicher Gaben würdig, weichen aber meist von der Regel ab, die der Geber der Gaben kannte. Bei Christus war es nicht so, denn die göttliche Kraft fuhr fort, in der Spendung von Heilmitteln überreich zu sein. Doch weil es notwendig war, da eine so große Zahl von Schriftgelehrten und Pharisäern zusammengekommen war, dass etwas zur Bestätigung Seiner Macht vor jenen Menschen geschehe, die Ihn verachteten, vollbrachte Er das Wunder an dem Gelähmten, der, da die ärztliche Kunst zu versagen schien, von seinen Angehörigen zu einem höheren und himmlischen Arzt getragen wurde. Wie es folgt: „Und siehe, Männer brachten ihn.“

Catena Aurea · Lk 5
Doch sind jene zu bewundern, die den Gelähmten hineinbrachten, da sie, als sie merkten, dass sie nicht durch die Tür hineinkommen konnten, einen neuen und unerprobten Weg versuchten. Wie es folgt: „Und als sie nicht fanden, auf welchem Weg sie ihn hineinbringen könnten, stiegen sie auf das Dach“ usw. Doch sie deckten das Haus ab und ließen die Tragbahre hinab und setzten den Gelähmten in die Mitte, wie es folgt: „Und sie ließen ihn durch die Ziegel hinab.“ Man könnte sagen, dass die Stelle geöffnet wurde, von der aus sie die Tragbahre des Gelähmten durch die Ziegel hinabließen.
Catena Aurea · Lk 5
Der Herr, im Begriff, den Mann von seiner Lähmung zu heilen, löst zuerst die Fesseln seiner Sünden, um ihm zu zeigen, dass er wegen der Bande seiner Sünden mit der Erschlaffung seiner Glieder bestraft wird und dass er, wenn jene nicht gelöst werden, nicht zur Wiederherstellung seiner Glieder geheilt werden kann. Daher folgt: „Und als er ihren Glauben sah“ usw.

Catena Aurea · Lk 5
Mächtig ist der Herr, der einem Menschen wegen der guten Tat eines anderen vergibt, und während Er den einen billigt, dem anderen seine Sünden erlässt. Warum, o Mensch, vermag bei dir nicht dein Mitmensch etwas, während bei Gott ein Diener sowohl die Freiheit hat, für dich einzutreten, als auch die Macht, das Erbetene zu erlangen? Wenn du an der Vergebung schwerer Sünden verzweifelst, bringe die Gebete anderer, bringe die Kirche dazu, für dich zu beten, und beim Anblick dessen mag der Herr vergeben, was Er dir sonst verweigern könnte.

Catena Aurea · Lk 5
(Hom. 29. in Matt.) Doch war damit auch der Glaube des Leidenden selbst verbunden. Denn er hätte sich nicht hinablassen lassen, wenn er nicht geglaubt hätte.

Catena Aurea · Lk 5
(de con. Ev. lib. ii. c. 25.) Aber die Aussage unseres Herrn: „Mensch, deine Sünden sind dir vergeben“, vermittelt die Bedeutung, dass dem Menschen seine Sünden vergeben wurden, weil er, insofern er Mensch war, nicht sagen konnte: „Ich habe nicht gesündigt“, aber zugleich auch, dass der, welcher Sünden vergab, als Gott erkannt werden sollte.

Catena Aurea · Lk 5
(ubi sup.) Wenn wir nun leiblich leiden, sind wir hinreichend besorgt, das Schädliche loszuwerden; wenn aber der Seele Schaden widerfahren ist, zögern wir und werden so auch von unseren leiblichen Gebrechen nicht geheilt. Lasst uns also die Quelle des Übels beseitigen, und die Wasser der Krankheit werden aufhören zu fließen. Aus Furcht vor der Menge aber wagten die Pharisäer nicht, ihre Absichten offen darzulegen, sondern dachten nur in ihren Herzen darüber nach. Daher folgt: Und sie begannen zu überlegen und sprachen: Wer ist dieser, der Lästerungen redet?

Catena Aurea · Lk 5
Damit beschleunigen sie das Todesurteil, denn im Gesetz war geboten, dass jeder, der Gott lästerte, mit dem Tode bestraft werden sollte. (Lev. 24:16.)

Catena Aurea · Lk 5
Von den Pharisäern selbst empfängt also der Sohn Gottes Zeugnis. Denn es ist sowohl ein stärkerer Beweis, wenn Menschen widerwillig bekennen, als auch ein verhängnisvollerer Irrtum, wenn die, welche leugnen, den Folgen ihrer eigenen Behauptungen überlassen werden. Daher folgt: Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein? Groß ist der Wahnsinn eines ungläubigen Volkes, das, obwohl es bekannt hat, dass es allein Gottes Sache ist, Sünden zu vergeben, Gott nicht glaubt, wenn er Sünden vergibt.
Catena Aurea · Lk 5
Denn sie sagen die Wahrheit, dass niemand Sünden vergeben kann außer Gott, der doch durch jene vergibt, denen er die Vollmacht zu vergeben gibt. Und daher wird Christus als wahrhaft Gott erwiesen, denn er kann als Gott Sünden vergeben.

Catena Aurea · Lk 5
Der Herr, der die Sünder retten will, erweist sich als Gott durch seine Kenntnis der geheimen Gedanken; wie folgt: Aber damit ihr wisst.

Catena Aurea · Lk 5
Als wollte er sagen: O Pharisäer, da ihr sagt: Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein? Ich antworte euch: Wer kann die Geheimnisse des Herzens erforschen außer Gott allein, der durch seinen Propheten spricht: Ich bin der Herr, der das Herz erforscht und die Nieren prüft. (Jer. 17:10.)

Catena Aurea · Lk 5
(ubi sup.) Wenn ihr also das Erste nicht glaubt (nämlich die Vergebung der Sünden), siehe, so füge ich ein Weiteres hinzu, da ich eure innersten Gedanken offenlege. Wiederum ein anderes, dass ich den Körper des Gelähmten gesund mache. Daher fügt er hinzu: Was ist leichter? Es ist ganz klar, dass es leichter ist, den Körper wieder gesund zu machen. Denn wie die Seele weit edler ist als der Leib, so ist die Vergebung der Sünden vortrefflicher als die Heilung des Leibes. Da ihr aber das Erstere nicht glaubt, weil es verborgen ist, will ich jenes Geringere, aber Offenbarere hinzufügen, damit dadurch das Verborgene offenbar werde. Und tatsächlich sagte er, als er den Kranken ansprach, nicht: Ich vergebe dir deine Sünden, womit er seine eigene Vollmacht ausdrückte, sondern: Deine Sünden sind dir vergeben. Aber sie zwangen ihn, seine eigene Vollmacht ihnen klarer zu erklären, als er sagte: Aber damit ihr wisst.
Catena Aurea · Lk 5
Beachte, dass er auf Erden Sünden vergibt. Denn solange wir auf Erden sind, können wir unsere Sünden auslöschen. Nachdem wir aber von der Erde genommen sind, werden wir nicht bekennen können, denn das Tor ist geschlossen.

Catena Aurea · Lk 5
(ubi sup.) Er zeigt die Vergebung der Sünden durch die Heilung des Leibes. Daher folgt: Er spricht zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf. Aber er offenbart die Heilung des Leibes durch das Tragen der Bahre, damit das, was geschah, nicht als Schatten angesehen werde. Daher folgt: Nimm deine Bahre. Als wollte er sagen: „Ich war bereit, durch dein Leiden jene zu heilen, die meinen, gesund zu sein, während ihre Seelen krank sind; da sie aber nicht wollen, geh und bringe dein Haus in Ordnung.“

Catena Aurea · Lk 5
Und es gibt keinen Aufschub, die Gesundheit ist da; es ist nur ein Augenblick sowohl der Worte als auch der Heilung. Daher folgt: Und sogleich stand er auf. Aus dieser Tatsache ist offensichtlich, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben; dies sagte er sowohl für sich als auch für uns. Denn er als Gott, der Mensch geworden ist, als Herr des Gesetzes, vergibt Sünden; auch wir sind erwählt, von ihm dieselbe wunderbare Gnade zu empfangen. Denn zu den Jüngern wurde gesagt: Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen. (Joh 20:23.) Wie aber vergibt er nicht selbst Sünden, der anderen die Vollmacht dazu gegeben hat? Doch die Könige und Fürsten der Erde sprechen Mörder frei und befreien sie von ihrer gegenwärtigen Strafe, können aber ihre Verbrechen nicht sühnen.

Catena Aurea · Lk 5
Sie sehen ihn aufstehen, glauben aber immer noch nicht und staunen über sein Weggehen; wie folgt: Und sie waren alle erstaunt.

Catena Aurea · Lk 5
(ubi sup.) Die Juden kommen allmählich voran, indem sie Gott verherrlichen, ihn aber doch nicht für Gott halten, denn sein Fleisch stand ihnen im Weg. Aber dennoch war es keine geringe Sache, ihn für das Haupt der sterblichen Menschen zu halten und anzunehmen, dass er von Gott ausgegangen sei.

Catena Aurea · Lk 5
Aber sie fürchteten lieber die Wunder göttlichen Wirkens, als dass sie ihnen glaubten. Wie folgt: Und sie wurden von Furcht erfüllt. Hätten sie aber geglaubt, so hätten sie gewiss nicht gefürchtet, sondern geliebt; denn vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Doch dies war keine nachlässige oder unbedeutende Heilung des Gelähmten, da unser Herr zuerst gebetet haben soll, nicht um der Bitte willen, sondern als Beispiel.

Catena Aurea · Lk 5
(l. ii. qu. 4.) In Bezug auf den Gelähmten können wir verstehen, dass die Seele, die in ihren Gliedern, d. h. in ihren Tätigkeiten, erschlafft ist, Christus sucht, d. h. den Sinn des Wortes Gottes; aber sie wird von den Menschenmengen behindert, das heißt, wenn sie nicht die Geheimnisse der Gedanken entdeckt, d. h. die dunklen Teile der Schriften, und dadurch zur Erkenntnis Christi gelangt.
Catena Aurea · Lk 5
Und das Haus, in dem Jesus war, wird treffend als mit Ziegeln bedeckt beschrieben, da unter der armseligen Hülle der Buchstaben die geistliche Kraft der Gnade gefunden wird.

Catena Aurea · Lk 5
Nun soll jeder Kranke solche haben, die für sein Heil beten, durch die die gelockerten Gelenke unseres Lebens und die hinkenden Schritte durch das Heilmittel des himmlischen Wortes erneuert werden. Es soll also gewisse Mahner der Seele geben, um den Geist des Menschen, obwohl er durch die Schwäche des äußeren Leibes stumpf geworden ist, zu Höherem zu erheben, mit deren Hilfe er sich wieder leicht erheben und demütigen kann, um vor Jesus würdig hingestellt zu werden, um im Angesicht des Herrn dargebracht zu werden. Denn der Herr sieht auf die Demütigen.

Catena Aurea · Lk 5
(ubi sup.) Die Männer also, durch die er hinabgelassen wird, können die Lehrer der Kirche bedeuten. Dass er aber mit dem Bett hinabgelassen wird, bedeutet, dass Christus vom Menschen erkannt werden soll, während er noch in seinem Fleisch weilt.

Catena Aurea · Lk 5
Der Herr aber, der die volle Hoffnung auf die Auferstehung aufzeigt, vergibt die Sünden der Seele und beseitigt die Schwäche des Fleisches. Denn dies ist die Heilung des ganzen Menschen. Obwohl es also eine große Sache ist, die Sünden der Menschen zu vergeben, ist es doch noch weit göttlicher, den Leibern die Auferstehung zu geben, da ja Gott die Auferstehung ist. Das Bett aber, das aufzuheben befohlen wird, ist nichts anderes als der menschliche Leib.

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(ubi sup.) Damit die kranke Seele nicht mehr in fleischlichen Freuden ruht wie in einem Bett, sondern selbst die fleischlichen Neigungen zügelt und zu ihrem eigenen Haus strebt, d. h. zum Ruheplatz der Geheimnisse ihres Herzens.

Catena Aurea · Lk 5
Oder sie sucht wieder ihre eigene Heimat auf, d. h. sie kehrt ins Paradies zurück, denn das ist ihre wahre Heimat, die den Menschen zuerst aufnahm und nicht rechtmäßig, sondern durch Verrat verloren ging. Zu Recht wird also die Seele dorthin zurückgebracht, da Er gekommen ist, der den trügerischen Knoten lösen und die Gerechtigkeit wiederherstellen wird.
27 Darauf ging er hinaus und sah einen Zöllner namens Levi am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! 28 Da verließ er alles, stand auf und folgte ihm. 29 Und Levi gab für ihn ein großes Gastmahl in seinem Haus; eine große Schar von Zöllnern und anderen (Gästen) lag mit ihnen zu Tisch. 30 Da murrten die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten und sagten zu seinen Jüngern: Warum esst und trinkt ihr mit Zöllnern und Sündern? 31 Jesus antwortete ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. 32 Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder zur Umkehr.
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(de con. Ev. l. ii. c. 26.) Nach der Heilung des Gichtbrüchigen erwähnt der heilige Lukas die Bekehrung eines Zöllners und sagt: Und danach ging er hinaus und sah einen Zöllner mit Namen Levi am Zoll sitzen. Dies ist Matthäus, auch Levi genannt.
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Nun schweigen Lukas und Markus zur Ehre des Evangelisten über seinen gewöhnlichen Namen, aber Matthäus ist der erste, der sich selbst anklagt, und nennt den Namen Matthäus und Zöllner, damit niemand wegen der Größe seiner Sünden an der Erlösung verzweifle, da er selbst vom Zöllner zum Apostel verwandelt wurde.

Catena Aurea · Lk 5
Denn Levi war ein Zöllner gewesen, ein raubgieriger Mensch, von ungezügelten Begierden nach eitlen Dingen, ein Liebhaber fremden Gutes, denn das ist der Charakter des Zöllners, aber er wurde durch Christi Ruf aus dem Götzendienst der Bosheit gerissen. Daher folgt: Und er sprach zu ihm: Folge mir nach. Er befiehlt ihm, ihm zu folgen, nicht mit körperlichem Schritt, sondern mit den Neigungen der Seele. Matthäus also, vom Wort berufen, verließ das Seine, der gewohnt war, das Gut anderer zu rauben, wie folgt: Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm.

Catena Aurea · Lk 5
(Hom. 30. in Matt.) Hier beachte sowohl die Macht des Rufenden als auch den Gehorsam des Gerufenen. Denn er widerstand nicht noch zögerte er, sondern gehorchte sogleich; und wie die Fischer wollte er nicht einmal in sein eigenes Haus gehen, um es seinen Freunden zu erzählen.

Catena Aurea · Lk 5
(Reg. fus. tract. 8.) Er gab nicht nur die Einkünfte aus den Zöllen auf, sondern verachtete auch die Gefahren, die ihm und seiner Familie daraus erwachsen konnten, dass er die Abrechnungen der Einnahmen unvollendet ließ.
Catena Aurea · Lk 5
Und so empfing Christus von dem, der Zoll von den Vorübergehenden nahm, Zoll, nicht Geld, sondern völlige Hingabe an seine Gemeinschaft.

Catena Aurea · Lk 5
(ubi sup.) Aber der Herr ehrte Levi, den er berufen hatte, indem er sogleich zu seinem Gastmahl ging. Denn dies bezeugte das größere Vertrauen zu ihm. Daher folgt: Und Levi machte ihm ein großes Gastmahl in seinem Haus. Und er setzte sich nicht allein mit ihm zu Tisch, sondern mit vielen, wie folgt: Und es war eine große Schar von Zöllnern und anderen, die mit ihnen zu Tisch saßen. Denn die Zöllner kamen zu Levi wie zu ihrem Kollegen und einem Mann aus derselben Branche, und er, der sich der Gegenwart Christi rühmte, rief sie alle zusammen. Denn Christus zeigte jede Art von Heilmittel, und nicht nur durch Reden und Darstellen von Heilungen oder sogar durch Zurechtweisung der Neidischen, sondern auch durch Essen mit ihnen korrigierte er die Fehler einiger, wodurch er uns eine Lehre gab, dass jede Zeit und jeder Anlass seinen eigenen Nutzen mit sich bringt. Aber er mied nicht die Gesellschaft von Zöllnern wegen des daraus folgenden Vorteils, wie ein Arzt, der, wenn er nicht den erkrankten Teil berührt, die Krankheit nicht heilen kann.

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Denn indem er mit Sündern isst, hindert er auch uns nicht, zu einem Gastmahl mit den Heiden zu gehen.

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(ubi sup.) Doch dennoch wurde der Herr von den Pharisäern getadelt, die neidisch waren und Christus und seine Jünger trennen wollten, wie folgt: Und die Pharisäer murrten und sprachen: Warum esst ihr mit Zöllnern usw.

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Dies war die Stimme des Teufels. Dies war das erste Wort, das die Schlange zu Eva sprach: Ja, hat Gott gesagt, ihr sollt nicht essen. (Gen. 3:1) So verbreiten sie das Gift ihres Vaters.

Catena Aurea · Lk 5
(de con. Ev. lib. ii. c. 27.) Nun scheint der heilige Lukas dies etwas anders als die anderen Evangelisten erzählt zu haben. Denn er sagt nicht, dass nur unserem Herrn vorgeworfen wurde, dass er mit Zöllnern und Sündern esse und trinke, sondern auch den Jüngern, damit die Anklage sowohl ihn als auch sie betreffe. Aber der Grund, warum Matthäus und Markus den Vorwurf als gegen Christus an seine Jünger gerichtet wiedergaben, war, dass, da die Jünger mit Zöllnern und Sündern aßen, es eher ihrem Meister vorgeworfen wurde als dem, dem sie folgten und den sie nachahmten; der Sinn ist also derselbe, doch umso besser vermittelt, als er, während er an der Wahrheit festhält, in bestimmten Worten abweicht.

Catena Aurea · Lk 5
(ubi sup.) Aber unser Herr widerlegt alle ihre Anklagen und zeigt, dass es keineswegs ein Fehler ist, sich mit Sündern zu vermischen, sondern ein Teil seines barmherzigen Planes, wie folgt: Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht; worin er sie an ihre gemeinsamen Gebrechen erinnert und ihnen zeigt, dass sie zu den Kranken gehören, aber hinzufügt, Er ist der Arzt. Es folgt: Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder zur Buße. Als ob er sagen wollte: So weit bin ich davon entfernt, die Sünder zu hassen, dass ich nur um ihretwillen gekommen bin, nicht damit sie Sünder bleiben, sondern sich bekehren und gerecht werden.

Catena Aurea · Lk 5
(ubi sup.) Daher fügt er hinzu: zur Buße, was gut dazu dient, die Stelle zu erklären, dass niemand annehmen sollte, dass Sünder, weil sie Sünder sind, von Christus geliebt werden, da jenes Gleichnis von den Kranken deutlich nahelegt, was unser Herr mit der Berufung der Sünder meinte, wie ein Arzt die Kranken, damit sie von der Ungerechtigkeit wie von einer Krankheit gerettet werden.

Catena Aurea · Lk 5
Aber wie liebt Gott die Gerechtigkeit, und David hat nie den Gerechten verlassen gesehen, wenn die Gerechten ausgeschlossen und die Sünder gerufen werden; es sei denn, du verstehst, dass er mit den Gerechten diejenigen meinte, die sich des Gesetzes rühmen (Ps. 11:7, Ps. 37:25) und nicht die Gnade des Evangeliums suchen. Nun wird niemand durch das Gesetz gerechtfertigt, sondern durch die Gnade erlöst. Er ruft also nicht die, die sich selbst gerecht nennen, denn die Anmaßer der Gerechtigkeit werden nicht zur Gnade gerufen. Denn wenn die Gnade aus der Buße kommt, so entsagt der, der die Buße verachtet, sicherlich der Gnade.

Catena Aurea · Lk 5
Aber er ruft die Sünder, die, indem sie ihre Schuld bedenken und fühlen, dass sie nicht durch das Gesetz gerechtfertigt werden können, sich durch Buße der Gnade Christi unterwerfen.

Catena Aurea · Lk 5
Nun spricht er von den Gerechten ironisch, wie wenn er sagt: Siehe, Adam ist geworden wie einer von uns. (Gen. 3:22.) Aber dass es keinen Gerechten auf Erden gab, zeigt der heilige Paulus, wenn er sagt: Alle haben gesündigt und bedürfen der Gnade Gottes. (Rom. 3:23.)
Catena Aurea · Lk 5
Oder er meint, dass die Gesunden und Gerechten keinen Arzt brauchen, d. h. die Engel, aber die Verdorbenen und Sünder, d. h. wir selbst, ihn brauchen; da wir die Krankheit der Sünde aufnehmen, die nicht im Himmel ist.
Catena Aurea · Lk 5
Nun wird durch die Erwählung des Matthäus der Glaube der Heiden bezeichnet, die einst nach weltlichen Vergnügungen lechzten, aber jetzt den Leib Christi mit eifriger Hingabe erquicken.
Catena Aurea · Lk 5
Oder der Zöllner ist der, der dem Fürsten dieser Welt dient und dem Fleisch verpflichtet ist, dem der Schlemmer seine Speise, der Ehebrecher sein Vergnügen und ein anderer etwas anderes gibt. Aber als der Herr ihn am Zoll sitzen sah und nicht selbst zu größerer Bosheit anstachelte, rief er ihn, damit er dem Bösen entrissen werde und Jesus nachfolge und den Herrn in das Haus seiner Seele aufnehme.

Catena Aurea · Lk 5
Wer aber Christus in sein inneres Gemach aufnimmt, wird mit den größten Wonnen überströmender Freuden gespeist. Der Herr tritt daher bereitwillig ein und ruht in seiner Zuneigung; doch wiederum wird der Neid der Treulosen entfacht, und die Gestalt ihrer künftigen Strafe wird vorgebildet; denn während alle Gläubigen im Himmelreich das Mahl feiern, werden die Ungläubigen hungrig hinausgeworfen. Oder damit wird der Neid der Juden bezeichnet, die über das Heil der Heiden betrübt sind.

Catena Aurea · Lk 5
Zugleich wird auch der Unterschied zwischen denen gezeigt, die für das Gesetz eifern, und denen, die für die Gnade sind: dass die, welche dem Gesetz folgen, ewigen Hunger der Seele leiden werden, während die, welche das Wort in die innerste Seele aufgenommen haben, mit Überfluss an himmlischer Speise und Trank erquickt, weder hungern noch dürsten können. Und so murrten jene, die in der Seele fasteten.
33 Sie sagten zu ihm: Die Jünger des Johannes fasten häufig und verrichten Gebete, ebenso auch die der Pharisäer; die deinen dagegen essen und trinken. 34 Jesus erwiderte: Könnt ihr denn die Hochzeitsgäste fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist? 35 Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; in jenen Tagen werden sie fasten. 36 Er erzählte ihnen aber auch ein Gleichnis: Niemand setzt ein Stück von einem neuen Kleid auf ein altes Kleid; er würde ja nicht nur das neue zerschneiden, auch wird das Stück vom neuen nicht zu dem alten passen. 37 Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche; sonst wird der neue Wein die Schläuche zerreißen, er läuft aus und die Schläuche gehen zugrunde, 38 sondern neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen. 39 Und niemand, der alten (Wein) getrunken hat, will neuen; denn er sagt: Der alte ist gut.
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Catena Aurea · Lk 5
Sobald sie die erste Antwort von Christus empfangen haben, gehen sie von einem zum anderen über, mit der Absicht zu zeigen, dass die heiligen Jünger und Jesus selbst mit ihnen sich sehr wenig um das Gesetz kümmerten. Daher folgt: Warum fasten die Jünger des Johannes, deine aber essen, usw. (Lev. 15, prævaricationis.) Als ob sie sagten: Ihr esst mit Zöllnern und Sündern, während das Gesetz verbietet, mit Unreinen Gemeinschaft zu haben, aber das Mitleid entschuldigt eure Übertretung; warum fastet ihr dann nicht, wie die zu tun pflegen, die nach dem Gesetz leben wollen? Aber heilige Männer fasten freilich, damit sie durch die Abtötung ihres Leibes dessen Leidenschaften bezwingen. Christus bedurfte nicht des Fastens zur Vollendung der Tugend, da er als Gott von jedem Joch der Leidenschaft frei war. Auch seine Gefährten bedurften nicht des Fastens, sondern wurden, ohne zu fasten, seiner Gnade teilhaftig und in allem heiligen und gottesfürchtigen Leben gestärkt. Denn als Christus vierzig Tage fastete, geschah es nicht, um seine Leidenschaften abzutöten, sondern um den fleischlichen Menschen die Regel der Enthaltsamkeit zu offenbaren.

Catena Aurea · Lk 5
(de Con. Ev. l. ii. c. 27.) Nun berichtet Lukas offensichtlich, dass dies nicht von den Männern selbst, sondern von anderen über sie gesagt wurde. Wie sagt dann Matthäus: Da kamen zu ihm die Jünger des Johannes und sprachen: Warum fasten wir und die Pharisäer; es sei denn, dass sie selbst auch kamen und alle eifrig waren, soweit sie konnten, ihm die Frage zu stellen?

Catena Aurea · Lk 5
(de Qu. Ev. l. ii. q. 18.) Nun gibt es zwei Fasten: eines in Trübsal, um Gott für unsere Sünden zu versöhnen; ein anderes in Freude, wenn wir, da fleischliche Dinge uns weniger erfreuen, uns umso mehr von geistlichen Dingen nähren. Der Herr antwortete daher, als er gefragt wurde, warum seine Jünger nicht fasteten, in Bezug auf jedes Fasten. Und zuerst über das Fasten der Trübsal; denn es folgt: Und er sprach zu ihnen: Könnt ihr die Kinder des Bräutigams fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist?

Catena Aurea · Lk 5
(Hom. 30. in Matt.) Als ob er sagen wollte: Die gegenwärtige Zeit ist eine Zeit der Freude und Wonne; Trauer darf sich damals nicht damit vermischen.

Catena Aurea · Lk 5
Denn die Offenbarung unseres Erlösers in dieser Welt war nichts anderes als ein großes Fest (πανήγυρις), das unsere Natur geistig mit ihm als seiner Braut vereinte, damit die, die zuvor unfruchtbar war, fruchtbar werde. Die Kinder des Bräutigams sind also die, die von ihm durch eine neue und evangelische Zucht berufen wurden, nicht aber die Schriftgelehrten und Pharisäer, die nur den Schatten des Gesetzes beobachten.

Catena Aurea · Lk 5
(de Con. Ev. ii. c. 27.) Was nun Lukas allein erwähnt: Ihr könnt die Kinder des Bräutigams nicht fasten lassen, wird so verstanden, dass es sich auf eben jene Männer bezieht, die sagten, sie würden die Kinder des Bräutigams trauern und fasten lassen, da sie im Begriff waren, den Bräutigam zu töten.

Catena Aurea · Lk 5
Nachdem er den Kindern des Bräutigams zugestanden hat, dass es nicht angemessen sei, dass sie beunruhigt würden, da sie ein geistliches Fest feierten, sondern dass das Fasten unter ihnen aufgehoben werden sollte, fügt er als Anweisung hinzu: Es werden aber die Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen wird, und dann werden sie fasten in jenen Tagen.

Catena Aurea · Lk 5
(de Qu. Ev. ii. qu. 18.) Als ob er sagte: Dann werden sie verlassen sein und in Kummer und Klage, bis die Freude des Trostes ihnen durch den Heiligen Geist wiedergegeben wird.

Catena Aurea · Lk 5
Oder jenes Fasten wird nicht aufgegeben, durch das das Fleisch abgetötet und die Begierden des Leibes gezügelt werden. (Denn dieses Fasten empfiehlt uns Gott.) Aber wir können nicht fasten, die wir Christus haben und vom Fleisch und Blut Christi speisen.

Catena Aurea · Lk 5
Auch die Kinder des Bräutigams können nicht fasten, d. h. der Seele die Nahrung verweigern, sondern leben von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht.

Catena Aurea · Lk 5
Aber wann sind jene Tage, in denen Christus von uns genommen wird, da er doch gesagt hat: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt? Doch niemand kann Christus von euch nehmen, es sei denn, ihr entfernt euch von ihm.
Catena Aurea · Lk 5
Denn solange der Bräutigam bei uns ist, freuen wir uns und können weder fasten noch trauern. Wenn er aber durch unsere Sünden fortgegangen ist, dann muss ein Fasten verkündet und Trauer auferlegt werden.

Catena Aurea · Lk 5
Schließlich wird vom Fasten der Seele gesprochen, wie der Zusammenhang zeigt, denn es folgt: Er aber sprach: Niemand setzt ein Stück von einem neuen Gewand auf ein altes. Er nennt das Fasten ein altes Gewand, das nach Ansicht des Apostels abgelegt werden sollte, wenn er sagt: Zieht den alten Menschen mit seinen Taten aus. (Kol. 3:9.) In gleicher Weise haben wir eine Reihe von Vorschriften, die Handlungen des alten und des neuen Menschen nicht zu vermischen.

Catena Aurea · Lk 5
(ubi sup.) Oder aber: Wenn die Gabe des Heiligen Geistes empfangen wird, gibt es eine Art von Fasten, das der Freude ist, das die, die bereits zum geistlichen Leben erneuert sind, höchst geziemend feiern. Bevor sie diese Gabe empfangen, sagt er, sind sie wie alte Gewänder, auf die ein neues Stück Stoff höchst unpassend aufgenäht wird, d. h. irgendein Teil der Lehre, der sich auf die Nüchternheit des neuen Lebens bezieht; denn wenn dies geschieht, wird auch die Lehre selbst gewissermaßen geteilt, denn sie lehrt ein allgemeines Fasten nicht nur von angenehmer Speise, sondern von aller Freude an zeitlichen Gütern; den Teil davon, der sich auf die Speise bezieht, sagte er, dürfe man nicht Menschen geben, die noch ihren alten Gewohnheiten ergeben sind, denn darin scheint ein Riss zu sein, und es passt nicht zum Alten. Er sagt auch, dass sie wie alte Schläuche sind, wie es folgt: Und niemand füllt Wein in alte Schläuche.

Catena Aurea · Lk 5
Die Schwäche der menschlichen Verfassung wird aufgedeckt, wenn unsere Körper mit den Häuten toter Tiere verglichen werden.

Catena Aurea · Lk 5
(ubi sup.) Aber die Apostel werden mit alten Schläuchen verglichen, die durch neuen Wein, d. h. durch geistliche Vorschriften, leichter zum Platzen gebracht werden, als dass sie sie fassen. Daher folgt: Sonst wird der neue Wein die Schläuche zerreißen, und der Wein wird verschüttet. Aber sie waren damals neue Schläuche, als sie nach der Himmelfahrt des Herrn den Heiligen Geist empfingen, als sie durch Verlangen nach seinem Trost durch Gebet und Hoffnung erneuert wurden. Daher folgt: Sondern der neue Wein muss in neue Schläuche gefüllt werden, und beide bleiben erhalten.
Catena Aurea · Lk 5
Da der Wein uns innerlich erquickt, die Gewänder uns aber äußerlich bedecken, sind die Gewänder die guten Werke, die wir nach außen tun, durch die wir vor den Menschen leuchten; der Wein ist der Eifer des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Oder: Die alten Schläuche sind die Schriftgelehrten und Pharisäer, das neue Stück und der neue Wein sind die Vorschriften des Evangeliums.
Catena Aurea · Lk 5
(Orat. de Deit. Filii et SS.) Denn frisch gezapfter Wein verdunstet aufgrund der natürlichen Hitze im Getränk und wirft durch natürliche Wirkung den Schaum von sich ab. Solcher Wein ist der neue Bund, den die alten Schläuche wegen ihres Unglaubens nicht fassen und daher durch die Vortrefflichkeit der Lehre zerreißen und die Gnade des Geistes vergeblich ausfließen lassen; denn in eine böse Seele wird die Weisheit nicht eingehen. (Weish. 1:4.)
Catena Aurea · Lk 5
Doch jeder Seele, die noch nicht erneuert ist, sondern noch auf dem alten Weg der Bosheit wandelt, dürfen die Sakramente der neuen Geheimnisse nicht gespendet werden. Auch diejenigen, die die Vorschriften des Gesetzes mit dem Evangelium vermischen wollen, wie es die Galater taten, füllen neuen Wein in alte Schläuche. Es folgt: Und niemand, der alten Wein getrunken hat, begehrt sogleich neuen; denn er spricht: Der alte ist besser. Denn die Juden, erfüllt vom Geschmack ihres alten Lebens, verachteten die Vorschriften der neuen Gnade, und befleckt mit den Überlieferungen ihrer Väter, vermochten sie nicht die Süße geistlicher Worte zu erkennen.