
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 5
4 Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus ins tiefe Wasser und werft euere Netze zum Fang aus! 5 Simon antwortete ihm: Meister, die ganze Nacht haben wir uns abgemüht und nichts gefangen. Doch auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. 6 Sie taten es und fingen eine große Menge Fische. Ihre Netze drohten zu zerreißen. 7 Sie winkten ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen und füllten beide Boote, sodass sie fast sanken.
Im Mysterium aber wird das Schiff des Petrus nach Matthäus von den Wellen umhergeworfen (Mt. 8,24), nach Lukas mit Fischen gefüllt, damit du verstehst, dass die Kirche zuerst wankt, zuletzt überfließt. Das Schiff wird nicht erschüttert, das Petrus trägt; das heißt, das Judas trägt. In beiden war Petrus; aber wer auf seine eigenen Verdienste vertraut, wird durch die eines anderen beunruhigt. Hüten wir uns also vor einem Verräter, damit nicht durch einen viele von uns umhergeworfen werden. Unruhe findet sich dort, wo der Glaube schwach ist, Sicherheit hier, wo die Liebe vollkommen ist. Schließlich wird zwar anderen befohlen: Lasst eure Netze hinab, zu Petrus allein aber wird gesagt: Fahre hinaus auf die Tiefe, d. h. in tiefe Forschungen. Was ist so tief wie die Erkenntnis des Sohnes Gottes! Was aber sind die Netze der Apostel, die hinabgelassen werden sollen, anderes als die Verflechtung der Worte und gleichsam gewisse Falten der Rede und Verwicklungen des Arguments, die die, welche sie einmal gefangen haben, nie entkommen lassen. Und mit Recht sind Netze die apostolischen Werkzeuge zum Fischen, die die gefangenen Fische nicht töten, sondern sicher bewahren und die, die in den Wellen umhergeworfen werden, aus den Tiefen unten in die Regionen oben bringen. Er aber sagt: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; denn dies ist nicht das Werk menschlicher Beredsamkeit, sondern die Gabe göttlicher Berufung. Die aber zuvor nichts gefangen hatten, umschlossen auf das Wort des Herrn eine große Menge Fische.