
Cyrill von Alexandrien
Catena Aurea · Lukasevangelium 5
33 Sie sagten zu ihm: Die Jünger des Johannes fasten häufig und verrichten Gebete, ebenso auch die der Pharisäer; die deinen dagegen essen und trinken. 34 Jesus erwiderte: Könnt ihr denn die Hochzeitsgäste fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist? 35 Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; in jenen Tagen werden sie fasten. 36 Er erzählte ihnen aber auch ein Gleichnis: Niemand setzt ein Stück von einem neuen Kleid auf ein altes Kleid; er würde ja nicht nur das neue zerschneiden, auch wird das Stück vom neuen nicht zu dem alten passen. 37 Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche; sonst wird der neue Wein die Schläuche zerreißen, er läuft aus und die Schläuche gehen zugrunde, 38 sondern neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen. 39 Und niemand, der alten (Wein) getrunken hat, will neuen; denn er sagt: Der alte ist gut.
Sobald sie die erste Antwort von Christus empfangen haben, gehen sie von einem zum anderen über, mit der Absicht zu zeigen, dass die heiligen Jünger und Jesus selbst mit ihnen sich sehr wenig um das Gesetz kümmerten. Daher folgt: Warum fasten die Jünger des Johannes, deine aber essen, usw. (Lev. 15, prævaricationis.) Als ob sie sagten: Ihr esst mit Zöllnern und Sündern, während das Gesetz verbietet, mit Unreinen Gemeinschaft zu haben, aber das Mitleid entschuldigt eure Übertretung; warum fastet ihr dann nicht, wie die zu tun pflegen, die nach dem Gesetz leben wollen? Aber heilige Männer fasten freilich, damit sie durch die Abtötung ihres Leibes dessen Leidenschaften bezwingen. Christus bedurfte nicht des Fastens zur Vollendung der Tugend, da er als Gott von jedem Joch der Leidenschaft frei war. Auch seine Gefährten bedurften nicht des Fastens, sondern wurden, ohne zu fasten, seiner Gnade teilhaftig und in allem heiligen und gottesfürchtigen Leben gestärkt. Denn als Christus vierzig Tage fastete, geschah es nicht, um seine Leidenschaften abzutöten, sondern um den fleischlichen Menschen die Regel der Enthaltsamkeit zu offenbaren.