
Cyrill von Alexandrien
Catena Aurea · Lukasevangelium 5
17 Eines Tages, als er lehrte, saßen auch Pharisäer und Gesetzeslehrer da, die aus allen Orten von Galiläa und Judäa und aus Jerusalem gekommen waren. Und die Kraft des Herrn drängte ihn zum Heilen. 18 Da brachten Männer auf einem Bett einen Menschen, der gelähmt war; sie versuchten, ihn hineinzubringen und vor ihn hinzulegen. 19 Da sie aber wegen der Menge keinen Weg fanden, ihn hineinzubringen, stiegen sie auf das Haus und ließen ihn samt dem Bett durch das Ziegeldach hinunter, gerade vor Jesus hin. 20 Als er ihren Glauben sah, sagte er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben. 21 Da begannen die Schriftgelehrten und Pharisäer sich Gedanken zu machen und sagten: Wer ist das, der solche Lästerungen wagt? Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? 22 Doch Jesus erkannte ihre Gedanken und sagte zu ihnen: Was denkt ihr in eueren Herzen? 23 Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? 24 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben -- sagte er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! 25 Sofort stand er vor ihren Augen auf, nahm (das Bett), worauf er gelegen hatte, und ging heim, Gott preisend. 26 Da gerieten alle vor Staunen außer sich, priesen Gott, wurden von Furcht erfüllt und sagten: Unfassbares haben wir heute gesehen.
Die Schriftgelehrten und Pharisäer, die zu Zuschauern der Wunder Christi geworden waren, hörten Ihn auch lehren. Daher heißt es: „Und es geschah an einem bestimmten Tag, als er lehrte, dass Pharisäer dabei saßen“ usw. Und die Kraft des Herrn war gegenwärtig, sie zu heilen. Nicht als hätte Er die Kraft von einem anderen entlehnt, sondern als Gott und Herr heilte Er durch Seine eigene innewohnende Kraft. Nun werden Menschen oft geistlicher Gaben würdig, weichen aber meist von der Regel ab, die der Geber der Gaben kannte. Bei Christus war es nicht so, denn die göttliche Kraft fuhr fort, in der Spendung von Heilmitteln überreich zu sein. Doch weil es notwendig war, da eine so große Zahl von Schriftgelehrten und Pharisäern zusammengekommen war, dass etwas zur Bestätigung Seiner Macht vor jenen Menschen geschehe, die Ihn verachteten, vollbrachte Er das Wunder an dem Gelähmten, der, da die ärztliche Kunst zu versagen schien, von seinen Angehörigen zu einem höheren und himmlischen Arzt getragen wurde. Wie es folgt: „Und siehe, Männer brachten ihn.“