
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 5
33 Sie sagten zu ihm: Die Jünger des Johannes fasten häufig und verrichten Gebete, ebenso auch die der Pharisäer; die deinen dagegen essen und trinken. 34 Jesus erwiderte: Könnt ihr denn die Hochzeitsgäste fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist? 35 Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; in jenen Tagen werden sie fasten. 36 Er erzählte ihnen aber auch ein Gleichnis: Niemand setzt ein Stück von einem neuen Kleid auf ein altes Kleid; er würde ja nicht nur das neue zerschneiden, auch wird das Stück vom neuen nicht zu dem alten passen. 37 Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche; sonst wird der neue Wein die Schläuche zerreißen, er läuft aus und die Schläuche gehen zugrunde, 38 sondern neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen. 39 Und niemand, der alten (Wein) getrunken hat, will neuen; denn er sagt: Der alte ist gut.
(ubi sup.) Oder aber: Wenn die Gabe des Heiligen Geistes empfangen wird, gibt es eine Art von Fasten, das der Freude ist, das die, die bereits zum geistlichen Leben erneuert sind, höchst geziemend feiern. Bevor sie diese Gabe empfangen, sagt er, sind sie wie alte Gewänder, auf die ein neues Stück Stoff höchst unpassend aufgenäht wird, d. h. irgendein Teil der Lehre, der sich auf die Nüchternheit des neuen Lebens bezieht; denn wenn dies geschieht, wird auch die Lehre selbst gewissermaßen geteilt, denn sie lehrt ein allgemeines Fasten nicht nur von angenehmer Speise, sondern von aller Freude an zeitlichen Gütern; den Teil davon, der sich auf die Speise bezieht, sagte er, dürfe man nicht Menschen geben, die noch ihren alten Gewohnheiten ergeben sind, denn darin scheint ein Riss zu sein, und es passt nicht zum Alten. Er sagt auch, dass sie wie alte Schläuche sind, wie es folgt: Und niemand füllt Wein in alte Schläuche.