Beda Venerabilis
Catena Aurea · Lukasevangelium 5
1 Als das Volk sich an ihn herandrängte, um das Wort Gottes zu hören, stand er am See Gennesaret. 2 Da sah er zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer waren ausgestiegen und wuschen die Netze. 3 Da stieg er in eines der Boote, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land abzustoßen. Dann setzte er sich und lehrte die Volksscharen vom Boot aus.
Mystisch aber stellen die zwei Schiffe die Beschneidung und die Unbeschnittenheit dar. Der Herr sieht diese, weil Er in jedem Volk die Seinen kennt, und durch das Sehen, d. h. durch einen barmherzigen Besuch, bringt Er sie der Ruhe des zukünftigen Lebens näher. Die Fischer sind die Lehrer der Kirche, weil sie uns mit dem Netz des Glaubens fangen und uns gleichsam ans Ufer zum Land der Lebenden bringen. Aber diese Netze sind bald zum Fischfang ausgebreitet, bald gewaschen und zusammengelegt. Denn nicht jede Zeit ist zum Lehren geeignet, sondern bald muss der Lehrer mit der Zunge sprechen, bald müssen wir uns selbst züchtigen. Das Schiff des Simon ist die Urkirche, von der der heilige Paulus sagt: Der in Petrus wirksam war zum Apostelamt der Beschneidung. (Gal. 2,8.) Das Schiff wird mit Recht eines genannt, denn in der Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. (Apg. 4,32.)