
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 5
17 Eines Tages, als er lehrte, saßen auch Pharisäer und Gesetzeslehrer da, die aus allen Orten von Galiläa und Judäa und aus Jerusalem gekommen waren. Und die Kraft des Herrn drängte ihn zum Heilen. 18 Da brachten Männer auf einem Bett einen Menschen, der gelähmt war; sie versuchten, ihn hineinzubringen und vor ihn hinzulegen. 19 Da sie aber wegen der Menge keinen Weg fanden, ihn hineinzubringen, stiegen sie auf das Haus und ließen ihn samt dem Bett durch das Ziegeldach hinunter, gerade vor Jesus hin. 20 Als er ihren Glauben sah, sagte er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben. 21 Da begannen die Schriftgelehrten und Pharisäer sich Gedanken zu machen und sagten: Wer ist das, der solche Lästerungen wagt? Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? 22 Doch Jesus erkannte ihre Gedanken und sagte zu ihnen: Was denkt ihr in eueren Herzen? 23 Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? 24 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben -- sagte er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! 25 Sofort stand er vor ihren Augen auf, nahm (das Bett), worauf er gelegen hatte, und ging heim, Gott preisend. 26 Da gerieten alle vor Staunen außer sich, priesen Gott, wurden von Furcht erfüllt und sagten: Unfassbares haben wir heute gesehen.
(ubi sup.) Wenn ihr also das Erste nicht glaubt (nämlich die Vergebung der Sünden), siehe, so füge ich ein Weiteres hinzu, da ich eure innersten Gedanken offenlege. Wiederum ein anderes, dass ich den Körper des Gelähmten gesund mache. Daher fügt er hinzu: Was ist leichter? Es ist ganz klar, dass es leichter ist, den Körper wieder gesund zu machen. Denn wie die Seele weit edler ist als der Leib, so ist die Vergebung der Sünden vortrefflicher als die Heilung des Leibes. Da ihr aber das Erstere nicht glaubt, weil es verborgen ist, will ich jenes Geringere, aber Offenbarere hinzufügen, damit dadurch das Verborgene offenbar werde. Und tatsächlich sagte er, als er den Kranken ansprach, nicht: Ich vergebe dir deine Sünden, womit er seine eigene Vollmacht ausdrückte, sondern: Deine Sünden sind dir vergeben. Aber sie zwangen ihn, seine eigene Vollmacht ihnen klarer zu erklären, als er sagte: Aber damit ihr wisst.