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Catena Aurea · Evangelium secundum Lucam
105 Kommentare der Kirchenväter · 7 Versabschnitte
Lukasevangelium 18 in der Bibel lesen1 Er erzählte ihnen ein Gleichnis, um ihnen zu zeigen, dass sie allezeit beten und nicht müde werden sollten: 2 In einer Stadt war ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. 3 Auch eine Witwe war in jener Stadt, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Schaff mir Recht gegen meinen Feind. 4 Eine Zeit lang wollte er nicht, dann aber sagte er sich: Wenn ich auch Gott nicht fürchte und auf keinen Menschen Rücksicht nehme, 5 so will ich doch dieser Witwe Recht schaffen, weil sie mir keine Ruhe lässt. Schließlich kommt sie noch und schlägt mir ins Gesicht. 6 Der Herr fügte hinzu: Hört, was der ungerechte Richter sagt. 7 Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm rufen, nicht Recht schaffen und sie lange warten lassen? 8 Ich sage euch: Unverzüglich wird er ihnen Recht schaffen. Doch wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde Glauben finden?
12 KommentareCatena Aurea · Lk 18
Nachdem unser Herr von den Prüfungen und Gefahren gesprochen hatte, die kommen würden, fügt er sogleich deren Heilmittel hinzu, nämlich beharrliches und inständiges Gebet.

Catena Aurea · Lk 18
Der dich erlöst hat, hat dir gezeigt, was er von dir will. Er will, dass du im Gebet inständig bist, er will, dass du in deinem Herzen die Segnungen bedenkst, um die du betest, er will, dass du erbittest und empfängst, was seine Güte mitzuteilen verlangt. Er verweigert denen, die beten, niemals seine Segnungen, sondern regt die Menschen vielmehr durch seine Barmherzigkeit an, im Gebet nicht nachzulassen. Nimm die Ermutigung des Herrn bereitwillig an: sei willig zu tun, was er gebietet, nicht zu tun, was er verbietet. Schließlich bedenke, welch gesegnetes Vorrecht dir gewährt ist, in deinen Gebeten mit Gott zu sprechen und ihm alle deine Nöte kundzutun, während er, wenn auch nicht in Worten, so doch durch seine Barmherzigkeit dir antwortet, denn er verachtet Bitten nicht, er ermüdet nicht, sondern wenn du schweigst.
Catena Aurea · Lk 18
Wir sollten sagen, dass der immer betet und nicht nachlässt, der niemals versäumt, zu den kanonischen Stunden zu beten. Oder alles, was der Gerechte gegenüber Gott tut und sagt, ist als Gebet zu zählen.

Catena Aurea · Lk 18
(lib. ii. qu. 45.) Unser Herr äußert seine Gleichnisse entweder um des Vergleichs willen, wie im Fall des Gläubigers, der, als er seinen beiden Schuldnern alles erließ, was sie ihm schuldeten, von dem am meisten geliebt wurde, der ihm am meisten schuldete; oder wegen des Gegensatzes, aus dem er seine Schlussfolgerung zieht; wie zum Beispiel: Wenn Gott das Gras des Feldes so kleidet, das heute ist und morgen in den Ofen geworfen wird, wird er nicht viel mehr euch kleiden, ihr Kleingläubigen. So auch hier, wenn er den Fall des ungerechten Richters vorbringt.
Catena Aurea · Lk 18
Wir können bemerken, dass Ehrfurchtlosigkeit gegenüber Menschen ein Zeichen eines größeren Grades von Bosheit ist. Denn alle, die Gott nicht fürchten, aber durch ihre Scham vor Menschen zurückgehalten werden, sind insofern weniger sündig; wenn aber ein Mensch auch gegenüber anderen Menschen rücksichtslos wird, wird die Last seiner Sünden stark vermehrt.

Catena Aurea · Lk 18
Die Witwe kann mit der Kirche verglichen werden, die verlassen erscheint, bis der Herr kommt, der jetzt heimlich über sie wacht. Aber in den folgenden Worten: Und sie kam zu ihm und sagte: Räche mich, usw. wird uns der Grund genannt, warum die Auserwählten Gottes beten, dass sie gerächt werden; was wir auch von den Märtyrern in der Offenbarung des heiligen Johannes gesagt finden (Offb 6,10.), obwohl wir zugleich sehr deutlich ermahnt werden, für unsere Feinde und Verfolger zu beten. Diese Rache der Gerechten müssen wir also so verstehen, dass die Bösen zugrunde gehen. Und sie gehen auf zwei Weisen zugrunde, entweder durch Bekehrung zur Gerechtigkeit oder durch Strafe, nachdem sie die Gelegenheit zur Bekehrung verloren haben. Obwohl, wenn alle Menschen zu Gott bekehrt würden, dennoch der Teufel am Ende der Welt zu verdammen bliebe. Und da die Gerechten sich danach sehnen, dass dieses Ende komme, wird nicht unvernünftig gesagt, dass sie Rache begehren.

Catena Aurea · Lk 18
Oder aber: Wann immer Menschen uns Unrecht zufügen, müssen wir es dann für edel halten, das Böse zu vergessen; wenn sie aber gegen die Ehre Gottes verstoßen, indem sie gegen die Diener der Ordnung Gottes die Waffen erheben, dann nahen wir Gott und erflehen seine Hilfe und tadeln laut die, die seine Ehre angreifen.

Catena Aurea · Lk 18
(ut sup.) Wenn also bei dem ungerechtsten Richter die Beharrlichkeit der Bittstellerin schließlich sogar zur Erfüllung ihres Wunsches durchdrang, wie viel zuversichtlicher müssen sich dann die fühlen, die nicht aufhören, zu Gott zu beten, der die Quelle der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit ist? Und so folgt: Und der Herr sagte: Hört, was usw.
Catena Aurea · Lk 18
Als ob er sagte: Wenn Beharrlichkeit einen mit jeder Sünde befleckten Richter erweichen konnte, wie viel mehr werden unsere Gebete Gott, den Vater aller Barmherzigkeit, zur Barmherzigkeit neigen! Aber einige haben dem Gleichnis eine subtilere Bedeutung gegeben, indem sie sagten, dass die Witwe eine Seele ist, die den alten Menschen (das heißt den Teufel) abgelegt hat, der ihr Widersacher ist, weil sie sich Gott naht, dem gerechten Richter, der weder fürchtet (weil er allein Gott ist) noch die Person ansieht, denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. Der Witwe also, oder der Seele, die ihn stets gegen den Teufel anfleht, erweist Gott Barmherzigkeit und wird durch ihre Zudringlichkeit erweicht. Nachdem er uns gelehrt hat, dass wir in den letzten Tagen wegen der kommenden Gefahren zum Gebet Zuflucht nehmen müssen, fügt unser Herr hinzu: Doch wenn der Menschensohn kommt, wird er dann Glauben auf Erden finden?

Catena Aurea · Lk 18
(Serm. 115.) Unser Herr spricht dies vom vollkommenen Glauben, der selten auf Erden gefunden wird. Siehe, wie voll die Kirche Gottes ist; gäbe es keinen Glauben, wer würde in sie eintreten? Gäbe es vollkommenen Glauben, wer würde nicht Berge versetzen?
Catena Aurea · Lk 18
Wenn der allmächtige Schöpfer in der Gestalt des Menschensohnes erscheinen wird, werden die Auserwählten so spärlich sein, dass nicht so sehr die Schreie der Gläubigen als vielmehr die Trägheit der anderen den Fall der Welt beschleunigen wird. Unser Herr spricht also gleichsam zweifelnd, nicht dass er wirklich zweifelt, sondern um uns zurechtzuweisen; so wie wir manchmal in einer sicheren Sache Worte des Zweifels gebrauchen könnten, wie zum Beispiel beim Tadel eines Dieners: „Erinnere dich, bin ich nicht dein Herr?“

Catena Aurea · Lk 18
(ut sup.) Unser Herr fügt dies hinzu, um zu zeigen, dass, wenn der Glaube schwindet, das Gebet stirbt. Um also zu beten, müssen wir Glauben haben, und damit unser Glaube nicht schwindet, müssen wir beten. Der Glaube bringt das Gebet hervor, und das Ausgießen des Herzens im Gebet verleiht dem Glauben Festigkeit.
9 Einigen, die sich selbstsicher für gerecht hielten und die Übrigen verachteten, erzählte er dieses Gleichnis: 10 Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten: Der eine war ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stellte sich auf und betete leise so: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, auch nicht wie dieser Zöllner da. 12 Ich faste zweimal in der Woche und ich gebe den Zehnten von allen meinen Einkünften. 13 Der Zöllner aber stand weit entfernt und wollte nicht einmal die Augen zum Himmel erheben, sondern schlug an seine Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, im Gegensatz zu jenem. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich selbst aber erniedrigt, wird erhöht werden.
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Catena Aurea · Lk 18
(Serm. 115.) Da der Glaube nicht eine Gabe der Stolzen, sondern der Demütigen ist, fährt unser Herr fort, ein Gleichnis über die Demut und gegen den Hochmut hinzuzufügen.
Catena Aurea · Lk 18
Der Hochmut stört auch mehr als alle anderen Leidenschaften den Geist des Menschen. Daher die so häufigen Warnungen davor. Er ist überdies eine Verachtung Gottes; denn wenn ein Mensch das Gute, das er tut, sich selbst und nicht Gott zuschreibt, was ist das anderes, als Gott zu leugnen? Um derer willen also, die so auf sich selbst vertrauen, dass sie nicht alles Gott zuschreiben und deshalb andere verachten, bringt Er ein Gleichnis vor, um zu zeigen, dass die Gerechtigkeit, obwohl sie den Menschen zu Gott emporheben kann, ihn doch, wenn er mit Hochmut bekleidet ist, in die Hölle hinabstürzt.
Catena Aurea · Lk 18
(Asterius.) Im Gleichnis von der Witwe und dem Richter lehrte unser Herr, im Gebet beharrlich zu sein; jetzt unterweist Er uns, wie wir unsere Gebete an Ihn richten sollen, damit unsere Gebete nicht fruchtlos seien. Der Pharisäer wurde verurteilt, weil er unachtsam betete. Wie es folgt: Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst.
Catena Aurea · Lk 18
Es heißt „stehend“, um seine hochmütige Gesinnung zu bezeichnen. Denn schon seine Haltung verrät seinen äußersten Stolz.

Catena Aurea · Lk 18
(in Esai. c. 2.) „Er betete bei sich selbst“, das heißt, nicht mit Gott; seine Sünde des Hochmuts trieb ihn in sich selbst zurück. Es folgt: Gott, ich danke dir.

Catena Aurea · Lk 18
(Serm. 115.) Sein Fehler war nicht, dass er Gott dankte, sondern dass er um nichts weiter bat. Weil du voll und überreich bist, brauchst du nicht zu sagen: Vergib uns unsere Schulden. Welche Schuld muss dann den treffen, der gottlos gegen die Gnade kämpft, wenn schon der verurteilt wird, der stolz dankt? Das sollen jene hören, die sagen: „Gott hat mich zum Menschen gemacht, ich habe mich selbst gerecht gemacht.“ O schlimmer und verabscheuungswürdiger als der Pharisäer, der sich stolz gerecht nannte und doch Gott dafür dankte, dass er es war.
Catena Aurea · Lk 18
Beachte die Reihenfolge im Gebet des Pharisäers. Zuerst spricht er von dem, was er nicht hatte, dann von dem, was er hatte. Wie es folgt: Dass ich nicht bin wie die anderen Menschen.

Catena Aurea · Lk 18
(ut sup.) Er hätte wenigstens sagen können: „wie viele Menschen“; denn was meint er mit „andere Menschen“ anderes als alle außer sich selbst? „Ich bin gerecht“, sagt er, „die übrigen sind Sünder.“

Catena Aurea · Lk 18
(23. Mor. c. 6.) Es gibt verschiedene Gestalten, in denen sich der Hochmut selbstvertrauender Menschen zeigt; wenn sie sich einbilden, das Gute in ihnen stamme von ihnen selbst; oder wenn sie glauben, es sei ihnen von oben gegeben, und meinen, sie hätten es für ihre eigenen Verdienste empfangen; oder jedenfalls, wenn sie sich rühmen, zu besitzen, was sie nicht haben. Oder schließlich, wenn sie andere verachten und danach streben, im Besitz dessen, was sie haben, einzigartig zu erscheinen. Und in dieser Hinsicht schreibt der Pharisäer sich selbst besonders das Verdienst guter Werke zu.

Catena Aurea · Lk 18
(ut sup.) Sieh, wie er aus dem neben ihm stehenden Zöllner einen neuen Anlass zum Stolz ableitet. Es folgt: Oder auch wie dieser Zöllner; als ob er sagte: „Ich stehe allein, er gehört zu den anderen.“

Catena Aurea · Lk 18
(Hom. 2. de Pœn.) Das ganze Menschengeschlecht zu verachten genügte ihm nicht; er musste auch noch den Zöllner angreifen. Er hätte gesündigt, doch weit weniger, wenn er den Zöllner verschont hätte; jetzt aber greift er mit einem Wort sowohl den Abwesenden an als auch den Anwesenden und fügt ihm eine Wunde zu. (Hom. 3. in Matt.). Dank zu sagen bedeutet nicht, anderen Vorwürfe zu machen. Wenn du Gott Dank abstattest, sei Er dir alles in allem. Wende deine Gedanken nicht auf Menschen, noch verurteile deinen Nächsten.

Catena Aurea · Lk 18
(ubi sup.) Der Unterschied zwischen dem Stolzen und dem Verächter liegt allein in der äußeren Form. Der eine beschäftigt sich damit, andere zu schmähen, der andere damit, sich anmaßend selbst zu erheben.

Catena Aurea · Lk 18
Wer andere schmäht, schadet sowohl sich selbst als auch anderen sehr. Erstens werden die, die ihn hören, schlechter, denn wenn sie Sünder sind, werden sie froh, einen ebenso Schuldigen zu finden; wenn sie gerecht sind, werden sie hochmütig, da sie durch die Sünden anderer dazu verleitet werden, höher von sich zu denken. Zweitens leidet der Leib der Kirche; denn die, die ihn hören, sind nicht alle damit zufrieden, nur die Schuldigen zu tadeln, sondern heften den Vorwurf auch auf die christliche Religion. Drittens wird die Herrlichkeit Gottes übel nachgeredet; denn wie unser Wohltun den Namen Gottes verherrlicht, so verursachen unsere Sünden seine Lästerung. Viertens wird der Gegenstand des Vorwurfs verwirrt und wird noch rücksichtsloser und unerschütterlicher. Fünftens macht sich der Redende selbst der Strafe schuldig, weil er Dinge äußert, die sich nicht ziemen.
Catena Aurea · Lk 18
Es ziemt sich für uns, nicht nur das Böse zu meiden, sondern auch Gutes zu tun; und so fügt er, nachdem er gesagt hat: Ich bin nicht wie die anderen Menschen, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, etwas im Gegensatz dazu hinzu: Ich faste zweimal in der Woche. Sie nannten die Woche den Sabbat (Sabbatho) nach dem letzten Ruhetag. Die Pharisäer fasteten am zweiten und fünften Tag. Er setzte also das Fasten gegen die Leidenschaft der Unzucht, denn die Lust wird von der Üppigkeit geboren; den Räubern und Wucherern aber stellte er die Entrichtung des Zehnten entgegen; wie es folgt: Ich gebe den Zehnten von allem, was ich besitze; als ob er sagte: So fern bin ich davon, der Räuberei zu frönen oder zu schaden, dass ich sogar aufgebe, was mein eigen ist.

Catena Aurea · Lk 18
(19. Mor. c. 21.) So war es der Hochmut, der seinen listigen Feinden die Zitadelle seines Herzens bloßlegte, die Gebet und Fasten vergeblich verschlossen gehalten hatten. Alle anderen Befestigungen sind nutzlos, solange es einen Ort gibt, den der Feind schutzlos gelassen hat.

Catena Aurea · Lk 18
Wenn du seine Worte prüfst, wirst du finden, dass er Gott um nichts bat. Er geht zwar hinauf, um zu beten, doch statt Gott zu bitten, lobt er sich selbst und beschimpft sogar den Bittenden. Der Zöllner hingegen, von seinem zerschlagenen Gewissen in die Ferne getrieben, wird durch seine Frömmigkeit nahe gebracht.
Catena Aurea · Lk 18
Obwohl berichtet wird, dass er stand, unterschied sich der Zöllner doch vom Pharisäer sowohl in seiner Haltung und seinen Worten als auch darin, dass er ein zerknirschtes Herz hatte. Denn er fürchtete sich, seine Augen zum Himmel zu erheben, da er die, die gerne auf irdische Dinge geblickt und ihnen nachgeschweift waren, der himmlischen Schau für unwürdig hielt. Er schlug auch an seine Brust, indem er sie gleichsam wegen der bösen Gedanken schlug und sie überdies aufrüttelte, als wäre sie schlafend. Und so suchte er nur, dass Gott sich mit ihm versöhne, wie es folgt: Gott, sei mir gnädig.

Catena Aurea · Lk 18
Er hörte die Worte: Ich bin nicht wie der Zöllner. Er wurde nicht zornig, sondern im Herzen getroffen. Der eine legte die Wunde bloß, der andere sucht ihr Heilmittel. Keiner möge also jemals eine so kalte Ausrede vorbringen wie: Ich wage es nicht, ich schäme mich, ich kann meinen Mund nicht öffnen. Die Teufel haben diese Art von Furcht. Der Teufel möchte dir gerne jede Tür des Zugangs zu Gott verschließen.

Catena Aurea · Lk 18
(Serm. 115.) Warum also wundert ihr euch, ob Gott vergibt, da Er es selbst bezeugt. Der Zöllner stand fern, doch nahte er sich Gott. Und der Herr war ihm nahe und hörte ihn; denn der Herr ist hoch, doch sieht Er auf die Niedrigen. Er erhob nicht einmal seine Augen zum Himmel; damit er angeschaut werde, schaute er selbst nicht. Das Gewissen drückte ihn nieder, die Hoffnung richtete ihn auf, er schlug seine eigene Brust, er vollzog das Urteil an sich selbst. Darum verschonte der Herr den Reuigen. Du hast die Anklage des Stolzen gehört, du hast das demütige Bekenntnis des Angeklagten gehört. Höre nun das Urteil des Richters: Wahrlich, ich sage euch, dieser ging gerechtfertigt in sein Haus hinab, eher als jener.

Catena Aurea · Lk 18
(de Inc. Dei Nat. Hom. 5.) Dieses Gleichnis stellt uns zwei Wagen auf der Rennbahn dar, jeder mit zwei Wagenlenkern. In den einen Wagen setzt es die Gerechtigkeit mit dem Hochmut, in den anderen die Sünde und die Demut. Du siehst, dass der Wagen der Sünde den der Gerechtigkeit überholt, nicht durch eigene Kraft, sondern durch die Vortrefflichkeit der mit ihr verbundenen Demut; der andere aber wird nicht von der Gerechtigkeit besiegt, sondern vom Gewicht und der Aufgeblasenheit des Hochmuts. Denn wie die Demut durch ihre eigene Spannkraft über das Gewicht des Hochmuts emporsteigt und aufspringend Gott erreicht, so drückt der Hochmut durch sein großes Gewicht leicht die Gerechtigkeit nieder. Obwohl du also eifrig und beständig im Wohltun bist, wenn du meinst, dich rühmen zu können, bist du gänzlich ohne die Früchte des Gebets. Du aber, der du tausend Lasten der Schuld auf deinem Gewissen trägst und nur dies von dir denkst, dass du der Niedrigste aller Menschen bist, wirst viel Zuversicht vor Gott gewinnen. Und Er fährt dann fort, den Grund seines Urteils anzugeben. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. (in Ps. 142). Das Wort Demut hat verschiedene Bedeutungen. Es gibt die Demut der Tugend, wie: Ein demütiges und zerknirschtes Herz, o Gott, wirst du nicht verachten. (Ps. 51:17.) Es gibt auch eine Demut, die aus Leiden entsteht, wie: Er hat mein Leben auf der Erde gedemütigt. (Ps. 142:3.) Es gibt eine Demut, die aus der Sünde stammt, und den Hochmut und die Unersättlichkeit des Reichtums. Denn kann etwas niedriger und erniedrigter sein als jene, die im Reichtum und in der Macht kriechen und sie für große Dinge halten?

Catena Aurea · Lk 18
(in Esai 2. 12.) Auf ähnliche Weise ist es möglich, in ehrenvoller Weise erhoben zu sein, wenn deine Gedanken zwar nicht niedrig sind, aber dein Geist durch Größe der Seele zur Tugend emporgehoben wird. Diese Erhabenheit des Geistes zeigt sich in einer Freudigkeit inmitten von Kummer; oder in einer Art edler Furchtlosigkeit in Bedrängnis; in einer Verachtung irdischer Dinge und einem Wandel im Himmel. Und diese Erhabenheit des Geistes scheint sich von jener Erhebung zu unterscheiden, die aus dem Stolz geboren wird, so wie sich die Stämmigkeit eines wohlgeordneten Körpers von der Geschwulst des Fleisches unterscheidet, die von der Wassersucht herrührt.

Catena Aurea · Lk 18
(Hom. de Prof. Ev.) Diese Aufblähung des Stolzes kann sogar vom Himmel den Menschen herabstürzen, der sich nicht warnen lässt, aber die Demut kann einen Menschen aus der tiefsten Tiefe der Schuld emporheben. Die eine rettete den Zöllner vor dem Pharisäer und brachte den Schächer vor den Aposteln ins Paradies; die andere drang sogar in die geistlichen Mächte ein. Wenn aber die Demut, obwohl sie mit Sünde verbunden ist, so schnelle Fortschritte gemacht hat, dass sie den Stolz übergeht, der mit Gerechtigkeit verbunden ist, wie viel schneller wird ihr Lauf sein, wenn du ihr Gerechtigkeit hinzufügst? Sie wird mit großer Kühnheit inmitten der Engel vor dem Richterstuhl Gottes stehen. Wenn ferner der Stolz, mit Gerechtigkeit verbunden, die Macht hatte, sie herabzudrücken, in welche Hölle wird er die Menschen stoßen, wenn er mit Sünde verbunden ist? Dies sage ich nicht, damit wir die Gerechtigkeit vernachlässigen, sondern damit wir den Stolz meiden.
Catena Aurea · Lk 18
Wenn sich aber jemand zufällig wundert, dass der Pharisäer dafür, dass er einige Worte zu seinem eigenen Lob äußerte, verurteilt wird, während Hiob, obwohl er viele aussprach, gekrönt wird, so antworte ich, dass der Pharisäer diese zur gleichen Zeit sprach, als er andere grundlos anklagte; Hiob aber wurde durch eine dringende Notwendigkeit gezwungen, seine eigenen Tugenden zur Ehre Gottes aufzuzählen, damit die Menschen nicht vom Pfad der Tugend abfallen.
Catena Aurea · Lk 18
Typischerweise ist der Pharisäer das jüdische Volk, das sich seiner Vorzüge wegen der Gerechtigkeit des Gesetzes rühmt; der Zöllner aber sind die Heiden, die, fern von Gott, ihre Sünden bekennen. Von ihnen wurde der eine wegen seines Stolzes gedemütigt zurückgewiesen, der andere wegen seiner Zerknirschung für würdig erachtet, sich zu nähern und erhöht zu werden.
15 Man brachte aber auch kleine Kinder zu ihm, damit er sie berühre. Als die Jünger das sahen, schalten sie die Leute. 16 Doch Jesus rief sie zu sich und sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht daran; denn für solche (wie sie) ist das Reich Gottes. 17 Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineingelangen.
7 KommentareCatena Aurea · Lk 18
Nach dem, was Er gesagt hatte, lehrt unser Herr uns eine Lektion in Demut durch Sein eigenes Beispiel; Er weist die kleinen Kinder, die zu Ihm gebracht werden, nicht zurück, sondern empfängt sie gnädig.

Catena Aurea · Lk 18
(Serm. 115.) Zu wem werden sie gebracht, um berührt zu werden, wenn nicht zum Erlöser? Und als der Erlöser werden sie Ihm dargebracht, um gerettet zu werden, der gekommen ist, um zu retten, was verloren war. Aber was diese Unschuldigen betrifft, wann waren sie verloren? Der Apostel sagt: Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen. (Röm. 5,12.) Lasst also die kleinen Kinder wie die Kranken zum Arzt kommen, die Verlorenen zu ihrem Erlöser.

Catena Aurea · Lk 18
Es mag von einigen als seltsam angesehen werden, dass die Jünger die kleinen Kinder davon abhalten wollten, zu unserem Herrn zu kommen, wie es heißt: Als sie es sahen, wiesen sie sie zurecht. Aber wir müssen darin entweder ein Mysterium oder die Wirkung ihrer Liebe zu Ihm verstehen. Denn sie taten es nicht aus Neid oder harter Gesinnung gegenüber den Kindern, sondern sie zeigten einen heiligen Eifer im Dienst ihres Herrn, damit Er nicht von den Volksmengen bedrängt würde. Unser eigenes Interesse muss aufgegeben werden, wo eine Beeinträchtigung Gottes droht. Aber wir können das Mysterium so verstehen, dass sie wünschten, dass das jüdische Volk zuerst gerettet werde, dem sie nach dem Fleische angehörten.
Catena Aurea · Lk 18
Daher sagt unser Herr nachdrücklich: „von solchen“, nicht „von diesen“, um zu zeigen, dass nicht dem Alter, sondern dem Charakter das Reich gegeben wird, und dass denen, die eine kindliche Unschuld und Einfalt haben, die Verheißung des Lohnes gilt.

Catena Aurea · Lk 18
Schließlich drückte unser Erlöser dies aus, als Er sagte: Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein kleines Kind, usw. Welches Kind sollten die Apostel Christi nachahmen, wenn nicht Ihn, von dem Jesaja spricht: Uns ist ein Kind gegeben? (Jes. 9,6.) Der, als Er geschmäht wurde, nicht wieder schmähte. (1 Petr. 2.) So dass in der Kindheit eine gewisse ehrwürdige Altertümlichkeit liegt und im Alter eine kindliche Unschuld.

Catena Aurea · Lk 18
(in Reg. Brev. ad int. 217.) Wir werden das Reich Gottes wie ein Kind empfangen, wenn wir uns gegenüber der Lehre unseres Herrn verhalten wie ein Kind, das unterwiesen wird, niemals seinen Lehrern widersprechend noch mit ihnen streitend, sondern vertrauensvoll und belehrbar die Lehre aufnehmend.
Catena Aurea · Lk 18
Die Weisen der Heiden also, die Weisheit in einem Mysterium suchen, welches das Reich Gottes ist, und diese nicht ohne den Beweis logischer Beweisführung annehmen wollen, sind mit Recht von diesem Reich ausgeschlossen.
18 Einer von den Führenden fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen? 19 Jesus antwortete ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott allein. 20 Die Gebote kennst du: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst kein falsches Zeugnis geben; ehre deinen Vater und deine Mutter. 21 Er antwortete: Das alles habe ich von Jugend an befolgt. 22 Als Jesus dies hörte, sagte er zu ihm: Eines fehlt dir noch: Verkaufe alles, was du hast, und teile es aus an die Armen; so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! 23 Als jener das hörte, wurde er sehr traurig, denn er war sehr reich.
27 KommentareCatena Aurea · Lk 18
Ein gewisser Vorsteher, der unseren Herrn sagen hörte, dass nur diejenigen, die wie kleine Kinder wären, in das Himmelreich eingehen sollten, bittet Ihn, ihm nicht durch ein Gleichnis, sondern offen zu erklären, durch welche Werke er das ewige Leben zu erlangen verdienen könne.

Catena Aurea · Lk 18
Jener Vorsteher, der Ihn versuchte, sagte: Guter Meister; er hätte sagen sollen: Guter Gott. Denn obwohl das Gute in der Gottheit existiert und die Gottheit im Guten, verwendet er doch, indem er „Guter Meister“ hinzufügt, das Gute nur teilweise, nicht im Ganzen. Denn Gott ist ganz gut, der Mensch teilweise.

Catena Aurea · Lk 18
Nun dachte er, Christus zu ertappen, indem Er das Gesetz des Mose tadelte, während Er Seine eigenen Gebote einführte. Er ging also zum Meister und nannte Ihn gut und sagt, dass er von Ihm belehrt werden wolle, denn er suchte Ihn zu versuchen. Aber Der, der die Weisen in ihrer List fängt, antwortet ihm passend wie folgt: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott allein.

Catena Aurea · Lk 18
Er leugnet nicht, dass Er gut ist, sondern verweist auf Gott. Niemand ist also gut, außer er ist voll des Guten. Wenn es aber jemanden stören sollte, dass gesagt wird: Niemand ist gut, so soll ihn auch dies stören: außer Gott; und wenn der Sohn nicht von Gott ausgenommen ist, so ist gewiss auch Christus nicht vom Guten ausgenommen. Denn wie ist Er nicht gut, der aus dem Guten geboren ist? Ein guter Baum bringt gute Früchte hervor. (Mt. 7,17.) Wie ist Er nicht gut, da die Substanz Seiner Güte, die Er vom Vater annahm, im Sohn nicht entartet ist, der im Geist nicht entartet ist. Dein guter Geist, sagt er, wird mich in ein Land der Rechtschaffenheit führen. (Ps. 148,10.) Wenn aber der Geist gut ist, der vom Sohn empfing, so ist wahrlich auch Der gut, der Ihn gab. Weil es also ein Gesetzeslehrer war, der Ihn versuchte, wie in einem anderen Buch klar gezeigt wird, sagte Er daher zu Recht: Niemand ist gut außer Gott, um ihn daran zu erinnern, dass geschrieben steht: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen, (Dtn. 6,16.) sondern er vielmehr dem Herrn dafür dankt, dass Er gut ist. (Ps. 118.)

Catena Aurea · Lk 18
(Hom. 63. in Matt.) Oder sonst; ich werde nicht zögern, diesen Vorsteher habgierig zu nennen, denn damit tadelt ihn Christus, aber ich sage nicht, dass er ein Versucher war.
Catena Aurea · Lk 18
Wenn er also sagt: Guter Meister, was soll ich tun, um das ewige Leben zu erben? so ist es dasselbe, als ob er sagt: Du bist gut; gewähre mir also eine Antwort auf meine Frage. Ich bin im Alten Testament bewandert, aber ich sehe in Dir etwas weit Vortrefflicheres. Denn Du machst keine irdischen Verheißungen, sondern predigst das Himmelreich. Sag mir also, was soll ich tun, um das ewige Leben zu erben? Der Erlöser nun, der seine Absicht bedenkt, weil der Glaube der Weg zu guten Werken ist, übergeht die Frage, die er stellte, und führt ihn zur Erkenntnis des Glaubens; wie wenn jemand einen Arzt fragen würde: „Was soll ich essen?“ und er ihm zeigen würde, was vor seiner Speise kommen müsse. Und dann verweist Er ihn an Seinen Vater und sagt: Was nennst du mich gut? nicht dass Er nicht gut war, denn Er war der gute Zweig vom guten Baum oder der gute Sohn des guten Vaters.

Catena Aurea · Lk 18
(Quæst. Ev. lib. ii. qu. 63.) Es mag scheinen, dass der Bericht bei Matthäus anders ist, wo gesagt wird: „Warum fragst du mich nach dem Guten?“ was besser auf die Frage passen könnte, die er stellte: Welches Gute soll ich tun? (Mt. 10.) An dieser Stelle nennt er Ihn sowohl gut als auch stellt die Frage nach dem Guten. Es ist also am besten zu verstehen, dass beides gesagt wurde: Warum nennst du mich gut? und: Warum fragst du mich nach dem Guten? obwohl letzteres eher im ersteren impliziert sein mag.
Catena Aurea · Lk 18
Nachdem Er ihn in der Erkenntnis des Glaubens unterwiesen hat, fügt Er hinzu: Du kennst die Gebote. Als ob Er sagte: Erkenne zuerst Gott, und dann wird es Zeit sein, zu suchen, wonach du fragst.

Catena Aurea · Lk 18
Aber der Vorsteher erwartete, Christus sagen zu hören: Verlasse die Gebote des Mose und höre auf Mich. Während Er ihn zu den ersteren sendet; wie es folgt: Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen.
Catena Aurea · Lk 18
Das Gesetz verbietet zuerst jene Dinge, zu denen wir am meisten geneigt sind, wie zum Beispiel den Ehebruch, dessen Anreiz in uns und in unserer Natur liegt; und den Mord, weil die Wut ein großes und wildes Ungeheuer ist. Aber Diebstahl und falsches Zeugnis sind Sünden, in die Menschen selten verfallen. Und außerdem sind die ersteren auch die schwereren Sünden; deshalb stellt Er Diebstahl und falsches Zeugnis an die zweite Stelle, da beide seltener und von geringerem Gewicht sind als die anderen.

Catena Aurea · Lk 18
(in Esai. cap. 1. 23.) Nun dürfen wir unter Dieben nicht nur solche verstehen, die Häute abschneiden oder in den Bädern rauben. Sondern auch alle jene, die, wenn sie zu Anführern von Legionen ernannt oder als Statthalter von Staaten oder Völkern eingesetzt sind, sich der heimlichen Veruntreuung oder gewaltsamer und offener Erpressung schuldig machen.
Catena Aurea · Lk 18
Du kannst aber bemerken, dass diese Gebote darin bestehen, bestimmte Dinge nicht zu tun; dass du, wenn du keinen Ehebruch begangen hast, keusch bist; wenn du nicht stiehlst, rechtschaffen gesinnt; wenn du kein falsches Zeugnis ablegst, die Wahrheit redest. Die Tugend wird uns also durch die Güte des Gesetzgebers leicht gemacht. Denn Er spricht vom Meiden des Bösen, nicht vom Üben des Guten. Und jedes Unterlassen einer Handlung ist leichter als jede tatsächliche Arbeit.
Catena Aurea · Lk 18
Weil die Sünde gegen die Eltern, obwohl ein großes Verbrechen, sehr selten vorkommt, stellt Er sie an die letzte Stelle: Ehre deinen Vater und deine Mutter.

Catena Aurea · Lk 18
Ehre bezieht sich nicht nur auf das Erweisen von Achtung, sondern auch auf das großzügige Geben. Denn es ist ehrenvoll, Verdienste zu belohnen. Ernähre deinen Vater, ernähre deine Mutter, und wenn du sie ernährt hast, hast du noch nicht all die Wehen und Qualen vergolten, die deine Mutter für dich erduldet hat. Dem einen schuldest du alles, was du hast, der anderen alles, was du bist. Welch eine Verdammnis, wenn die Kirche jene ernähren sollte, die du zu ernähren imstande bist! Doch könnte man sagen: Was ich meinen Eltern geben wollte, gebe ich lieber der Kirche. Gott sucht nicht eine Gabe, die deine Eltern hungern lässt, sondern die Schrift sagt ebenso, dass Eltern zu ernähren sind, wie dass sie um Gottes willen zu verlassen sind, falls sie die Liebe eines frommen Gemüts hemmen sollten.

Catena Aurea · Lk 18
(in Matt. 19:19.) Der Jüngling spricht falsch; denn wenn er das erfüllt hätte, was später unter die Gebote gestellt wurde: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, wie kam es, dass er, als er hörte: Geh und verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, traurig wegging?
Catena Aurea · Lk 18
Oder wir dürfen nicht glauben, er habe gelogen, sondern er habe bekannt, dass er ehrlich gelebt habe, das heißt wenigstens in äußeren Dingen; sonst hätte Markus niemals sagen können: Und Jesus sah ihn an und liebte ihn. (Mark. 10:21.)
Catena Aurea · Lk 18
Unser Herr erklärt als Nächstes, dass ein Mensch, obwohl er den alten Bund gehalten hat, nicht vollkommen ist, da ihm fehlt, Christus nachzufolgen. Eines fehlt dir noch: Verkaufe alles, was du hast, usw. Als ob Er sagte: Du fragst, wie du das ewige Leben erlangen kannst; verteile deine Güter unter die Armen, und du wirst es erlangen. Gering ist, was du ausgibst, Großes empfängst du.

Catena Aurea · Lk 18
(ex Apol. de sua fuga.) Denn wenn wir die Welt verachten, dürfen wir nicht meinen, wir hätten auf etwas Großes verzichtet; denn die ganze Erde ist im Vergleich zum Himmel nur eine Spanne lang; daher wäre es selbst dann, wenn die, die auf sie verzichten, Herren der ganzen Erde wären, doch nichts wert im Vergleich zum Himmelreich.
Catena Aurea · Lk 18
Wer also vollkommen sein will, muss alles verkaufen, was er hat, nicht nur einen Teil, wie Ananias und Saphira es taten, sondern das Ganze.
Catena Aurea · Lk 18
Wenn er daher sagt: Alles, was du hast, schärft Er die vollständigste Armut ein. Denn wenn dir irgendetwas übrig bleibt oder zurückbehalten wird, bist du dessen Sklave.

Catena Aurea · Lk 18
(in Reg. Brev. int. 92.) Er sagt uns nicht, wir sollen unsere Güter verkaufen, weil sie von Natur aus böse wären; denn dann wären sie nicht Gottes Geschöpfe; Er befiehlt daher nicht, sie wegzuwerfen, als wären sie schlecht, sondern sie zu verteilen; und niemand wird dafür verurteilt, sie zu besitzen, sondern dafür, sie zu missbrauchen. Und so kommt es, dass das Ausgeben unserer Güter nach Gottes Gebot sowohl Sünden tilgt als auch das Reich verleiht.

Catena Aurea · Lk 18
(Hom. 22. in 1 ad Cor.) Gott könnte die Armen zwar auch ohne unser Erbarmen speisen, aber Er will, dass die Geber durch Bande der Liebe an die Empfänger gebunden sind.

Catena Aurea · Lk 18
(in Reg. fus. disp. 3. ad int. 9.) Wenn unser Herr sagt: Gib den Armen, ziemt es sich für einen Menschen, nicht länger sorglos zu sein, sondern alle Dinge sorgfältig zu verwalten, zuerst durch sich selbst, wenn er irgendwie dazu imstande ist, wenn nicht, durch jene, die als treu und in ihrer Verwaltung klug bekannt sind; denn verflucht ist, wer das Werk des Herrn nachlässig tut. (Jerem. 49, 10.)

Catena Aurea · Lk 18
(Hom. 32. in 1. ad Cor.) Aber es wird gefragt, wie Christus das Geben aller Dinge an die Armen als Vollkommenheit anerkennt, während der heilige Paulus eben dies ohne die Liebe für unvollkommen erklärt. Ihre Übereinstimmung zeigt sich in den folgenden Worten: Und komm, folge mir nach, was bedeutet, dass es aus Liebe geschieht. Denn daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe zueinander habt. (Johannes 13:35.)
Catena Aurea · Lk 18
Zusammen mit der Armut müssen alle anderen Tugenden bestehen; daher sagt Er: Komm, folge mir nach, das heißt: In allen anderen Dingen sei meine Jünger, folge mir immer nach.

Catena Aurea · Lk 18
Der Vorsteher konnte das neue Wort nicht fassen, sondern zerbrach wie ein alter Schlauch vor Trauer.

Catena Aurea · Lk 18
(Hom. de eleemos.) Der Kaufmann, wenn er zum Markt geht, zögert nicht, alles, was er hat, wegzugeben, um das zu erlangen, was er braucht; du aber bist betrübt, bloßen Staub und Asche zu geben, damit du ewige Seligkeit erlangst.
24 Als Jesus ihn so sah, sagte er: Wie schwer kommen die Reichen in das Reich Gottes! 25 Denn leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. 26 Da fragten die Zuhörer: Wer kann dann gerettet werden? 27 Er antwortete: Was für Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich. 28 Petrus aber sagte: Siehe, wir haben unser Eigentum verlassen und sind dir nachgefolgt. 29 Er antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Niemand hat Haus, Frau, Brüder, Eltern oder Kinder um des Reiches Gottes willen verlassen, 30 der dafür nicht (schon) in dieser Zeit das Vielfache erhält und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.
13 KommentareCatena Aurea · Lk 18
Unser Herr, der sah, dass der reiche Mann traurig war, als ihm gesagt wurde, er solle seine Reichtümer aufgeben, wunderte sich und sprach: Wie schwer werden die, die Reichtümer haben, in das Reich Gottes eingehen! Er sagt nicht: Es ist ihnen unmöglich einzugehen, sondern es ist schwer. Denn sie könnten durch ihre Reichtümer einen himmlischen Lohn ernten, aber es ist eine harte Sache, da Reichtümer zäher sind als Vogelleim, und kaum wird die Seele je losgerissen, die einmal von ihnen ergriffen wurde. Doch dann spricht er davon als unmöglich. Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht. Das Wort im Griechischen entspricht gleichermaßen dem Tier, das Kamel genannt wird, und einem Tau oder Schiffstau. Wie wir es auch verstehen mögen, es ist eine Unmöglichkeit angedeutet. Was müssen wir also sagen? Zunächst, dass die Sache durchaus wahr ist; denn wir müssen bedenken, dass der reiche Mann sich vom Verwalter oder Austeiler der Reichtümer unterscheidet. Der reiche Mann ist der, der seine Reichtümer für sich selbst zurückbehält; der Verwalter oder Austeiler einer, der sie als ihm anvertraut zum Nutzen anderer hält.

Catena Aurea · Lk 18
(Hom. 24. in 1 ad Cor.) Abraham besaß tatsächlich Reichtum für die Armen. Und alle, die ihn rechtmäßig besitzen, geben ihn aus, als empfingen sie ihn von Gott, gemäß dem göttlichen Gebot; jene aber, die Reichtum auf gottlose Weise erworben haben, sind gottlos in seinem Gebrauch; sei es, dass sie ihn an Huren oder Schmarotzer verschwenden oder ihn in der Erde verbergen, aber nichts für die Armen übrig lassen. (Hom. 18. in Joan.). Er verbietet den Menschen also nicht, reich zu sein, sondern Sklaven ihres Reichtums zu sein. Er will, dass wir sie als notwendig gebrauchen, nicht sie bewachen. Es ist Sache eines Dieners zu bewachen, Sache eines Herrn auszuteilen. Hätte Er gewollt, dass sie bewahrt werden, hätte Er sie niemals den Menschen gegeben, sondern sie in der Erde belassen.
Catena Aurea · Lk 18
Wiederum beachte, dass Er sagt, ein Reicher könne unmöglich gerettet werden, sondern einer, der Reichtümer besitzt, kaum; als ob Er sagte: Der Reiche, der von seinen Reichtümern gefangen genommen und ihnen versklavt ist, wird nicht gerettet werden; der aber, der sie besitzt oder ihr Herr ist, wird wegen menschlicher Schwachheit kaum gerettet werden. Denn der Teufel versucht immer, unseren Fuß zum Ausgleiten zu bringen, solange wir Reichtümer besitzen, und es ist eine schwere Sache, seinen Listen zu entgehen. Die Armut ist daher ein Segen und gleichsam frei von Versuchung.

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(Hom. 80. in Matt.) Es gibt keinen Nutzen in Reichtümern, während die Seele Armut leidet, keinen Schaden in Armut, während die Seele an Reichtum überfließt. Wenn aber das Zeichen eines Menschen, der reich wird, darin besteht, nichts zu bedürfen, und arm zu werden, Mangel zu leiden, so ist klar, dass ein Mensch, je ärmer er ist, desto reicher wird. Denn es ist weit leichter für einen in Armut, Reichtum zu verachten, als für den Reichen. Auch pflegt die Habsucht nicht durch Mehrbesitz gesättigt zu werden, denn dadurch werden die Menschen nur mehr entflammt, so wie ein Feuer sich ausbreitet, je mehr es zu nähren hat. Die Übel, die der Armut zu eigen zu sein scheinen, hat sie mit dem Reichtum gemeinsam, aber die Übel des Reichtums sind ihm eigentümlich.

Catena Aurea · Lk 18
(de Quæst Evang. lib. ii. c. 42.) Den Namen „reich“ gibt er hier einem, der zeitliche Dinge begehrt und sich ihrer rühmt. Diesen Reichen sind die Armen im Geiste entgegengesetzt, deren das Himmelreich ist. Mystisch aber ist es für Christus leichter, für die Liebhaber dieser Welt zu leiden, als für die Liebhaber dieser Welt, sich zu Christus zu bekehren. Denn mit dem Namen eines Kamels wollte Er sich selbst darstellen: denn Er erniedrigte sich freiwillig, um die Lasten unserer Schwäche zu tragen. Mit der Nadel bezeichnet Er scharfe Durchbohrungen und dadurch die in Seiner Passion empfangenen Schmerzen, aber mit der Form der Nadel beschreibt Er die Bedrängnis der Passion.

Catena Aurea · Lk 18
(Hom. 63. in Matt.) Diese gewichtigen Worte überstiegen so sehr das Fassungsvermögen der Jünger, dass sie, als sie sie hörten, fragten: Wer kann dann gerettet werden? nicht als ob sie um sich selbst fürchteten, sondern um die ganze Welt.

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(ut sup.) Da sie sahen, dass es eine unvergleichlich größere Zahl von Armen gibt, die durch Verlassen ihres Reichtums gerettet werden könnten, verstanden sie, dass alle, die Reichtum lieben, auch wenn sie ihn nicht erlangen können, zur Zahl der Reichen zu zählen seien. Es folgt: Und er sagte zu ihnen: Was bei den Menschen unmöglich ist, ist bei Gott möglich, was nicht so zu verstehen ist, als ob ein Reicher mit Habsucht und Stolz in das Reich Gottes eingehen könnte, sondern dass es bei Gott möglich ist, dass ein Mensch von Habsucht und Stolz zur Liebe und Demut bekehrt wird.
Catena Aurea · Lk 18
Bei Menschen also, deren Gedanken zur Erde kriechen, ist die Rettung unmöglich, aber bei Gott ist sie möglich. Denn wenn der Mensch Gott als seinen Ratgeber hat und die Gerechtigkeit Gottes und Seine Lehre über die Armut empfangen hat sowie Seine Hilfe angerufen hat, wird ihm dies möglich sein.

Catena Aurea · Lk 18
Der Reiche, der vieles verachtet hat, wird natürlich eine Belohnung erwarten, aber der, der wenig besitzt und das Seine aufgibt, darf billig fragen, was für ihn aufbewahrt ist; wie es folgt: Da sagte Petrus: Siehe, wir haben alles verlassen. Matthäus fügt hinzu: Was werden wir also haben? (Mt 19,27)
Catena Aurea · Lk 18
Als ob er sagte: Wir haben getan, was Du uns befohlen hast, welche Belohnung wirst Du uns dann geben? Und weil es nicht genügt, alles verlassen zu haben, fügt er das hinzu, was es vollkommen machte, indem er sagt: Und sind Dir nachgefolgt.

Catena Aurea · Lk 18
Dies musste gesagt werden, weil diejenigen, die wenige Dinge verlassen, soweit es ihre Motive und ihren Gehorsam betrifft, mit den Reichen, die alles verlassen haben, auf dieselbe Waage gelegt werden, insofern sie aus ähnlichen Affekten handeln, indem sie freiwillig alles aufgeben, was sie besitzen. Und daher folgt: Wahrlich, ich sage euch, es ist niemand, der Haus verlassen hat, usw., der nicht vielfältig mehr empfangen wird, usw. Er erfüllt alle, die Ihn hören, mit den freudigsten Hoffnungen und bestätigt Seine Verheißungen ihnen mit einem Eid, indem Er Seine Erklärung mit Wahrlich beginnt. Denn wenn die göttliche Lehre die Welt zum Glauben an Christus einlädt, sind einige vielleicht nicht bereit, ihre ungläubigen Eltern zu betrüben, indem sie zum Glauben kommen, und hegen ähnliche Rücksicht gegenüber anderen ihrer Verwandten; während andere wiederum Vater und Mutter verlassen und die Liebe ihrer ganzen Verwandtschaft im Vergleich zur Liebe Christi gering achten.
Catena Aurea · Lk 18
Der Sinn ist also dieser: Wer bei der Suche nach dem Reich Gottes alle irdischen Zuneigungen verachtet hat, alle Reichtümer, Vergnügungen und Lächeln der Welt mit Füßen getreten hat, wird in der gegenwärtigen Zeit weit Größeres empfangen. Auf der Grundlage dieser Erklärung bauen einige der Juden die Fabel eines Millenniums nach der Auferstehung der Gerechten auf, wenn alles, was wir um Gottes willen aufgegeben haben, mit vielfältigem Zins zurückerstattet und ewiges Leben gewährt wird. Noch scheinen sie aus ihrer Unwissenheit nicht zu bemerken, dass, selbst wenn in anderen Dingen eine passende Verheißung der Wiederherstellung möglich wäre, es doch in der Sache der Ehefrauen, die nach einigen Evangelisten hundertfach sein könnten, offensichtlich anstößig wäre, besonders da unser Herr erklärt, dass es bei der Auferstehung keine Eheschließung geben wird. Und nach Markus erklärt Er, dass das, was aufgegeben wurde, zu dieser Zeit mit Verfolgungen empfangen wird, die nach Behauptung dieser Juden tausend Jahre lang abwesend sein werden.

Catena Aurea · Lk 18
Dies also sagen wir, dass der, der alle weltlichen und fleischlichen Dinge aufgibt, für sich weit Größeres gewinnen wird, insofern die Apostel, nachdem sie wenige Dinge verlassen hatten, die vielfältigen Gaben der Gnade erlangten und überall als groß geachtet wurden. Wir dann werden ihnen ähnlich sein. Wenn ein Mensch sein Haus verlassen hat, wird er eine bleibende Stätte oben empfangen. Wenn seinen Vater, wird er einen Vater im Himmel haben. Wenn er seine Verwandten verlassen hat, wird Christus ihn als Bruder annehmen. Wenn er eine Ehefrau aufgegeben hat, wird er göttliche Weisheit finden, von der er geistliche Nachkommenschaft zeugen wird. Wenn eine Mutter, wird er das himmlische Jerusalem finden, das unsere Mutter ist. Von Brüdern und Schwestern, die auch mit ihm durch das geistige Band seines Willens verbunden sind, wird er in diesem Leben weit freundlichere Zuneigungen empfangen.
31 Er nahm die Zwölf zu sich und sagte zu ihnen: Wir gehen nach Jerusalem hinauf und alles wird sich erfüllen, was bei den Propheten über den Menschensohn geschrieben steht. 32 Denn er wird den Heiden ausgeliefert, verspottet, misshandelt und angespien werden 33 und sie werden ihn geißeln und töten. Aber am dritten Tag wird er auferstehen. 34 Doch sie verstanden nichts davon; der Sinn dieser Worte war ihnen verborgen und sie begriffen nicht, was er sagte.
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(Hom. 2. in Ev.) Der Erlöser, der voraussah, dass die Herzen Seiner Jünger bei Seiner Passion beunruhigt sein würden, teilt ihnen lange im Voraus sowohl das Leiden Seiner Passion als auch die Herrlichkeit Seiner Auferstehung mit.
Catena Aurea · Lk 18
Und da Er wusste, dass gewisse Häretiker auftreten würden, die sagen, dass Christus Dinge lehrte, die dem Gesetz und den Propheten widersprechen, zeigt Er schon jetzt, dass die Stimmen der Propheten die Erfüllung Seiner Passion und die Herrlichkeit, die folgen sollte, verkündet hatten.

Catena Aurea · Lk 18
(Hom. 65. in Matt.) Er spricht mit Seinen Jüngern abgesondert über Seine Passion. Denn es war nicht angemessen, dieses Wort den Volksmengen zu verkünden, damit sie nicht beunruhigt würden, sondern Seinen Jüngern sagte Er es voraus, damit sie, durch Erwartung daran gewöhnt, es leichter ertragen könnten.

Catena Aurea · Lk 18
Und um sie zu überzeugen, dass Er Seine Passion vorauswusste und aus eigenem Willen zu ihr kam, damit sie nicht sagten: „Wie ist Er in die Hände der Feinde gefallen, der uns das Heil versprochen hat?“, erzählt Er der Reihe nach die aufeinanderfolgenden Ereignisse der Passion: Er wird den Heiden überliefert, verspottet, gegeißelt und angespien werden.

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(ubi sup.) Jesaja prophezeite dies, als er sagte: Ich gab meinen Rücken den Schlagenden und meine Wangen denen, die das Haar ausrissen: Ich verbarg mein Antlitz nicht vor Schmach und Speichel. (Jes 50,5) Der Prophet sagte auch die Kreuzigung voraus, indem er sprach: Er hat sein Leben in den Tod ausgegossen und wurde unter die Übeltäter gezählt; (Jes 53,12) wie es hier heißt: Und nachdem sie ihn gegeißelt haben, werden sie ihn töten. Aber David sagte die Auferstehung Christi voraus: Denn Du wirst meine Seele nicht im Totenreich lassen, (Ps 16,10) und so wird hier hinzugefügt: Und am dritten Tag wird er auferstehen.
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(l. ii. Ep. 212.) Ich staune über die Torheit derer, die fragen, wie Christus vor den drei Tagen auferstanden ist. Wenn Er tatsächlich später auferstanden wäre, als Er vorausgesagt hatte, wäre es ein Zeichen von Schwäche, aber wenn früher, ein Zeichen höchster Macht. Denn wenn wir einen Menschen sehen, der seinem Gläubiger versprochen hat, dass er ihm seine Schuld nach drei Tagen bezahlen wird, und sein Versprechen an eben diesem Tag erfüllt, sind wir so weit davon entfernt, ihn als betrügerisch anzusehen, dass wir seine Wahrhaftigkeit bewundern. Ich muss jedoch hinzufügen, dass Er nicht sagte, dass Er nach drei Tagen auferstehen würde, sondern am dritten Tag. Du hast also die Vorbereitung, den Sabbat bis zum Sonnenuntergang und die Tatsache, dass Er nach dem Ende des Sabbats auferstanden ist.

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Die Jünger wussten noch nicht genau, was die Propheten vorausgesagt hatten, aber nachdem Er auferstanden war, öffnete Er ihr Verständnis, damit sie die Schriften verstanden. (Lk 24,25)
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Denn weil sie Sein Leben über alles begehrten, konnten sie nicht von Seinem Tod hören, und da sie Ihn nicht nur als einen makellosen Menschen, sondern auch als wahren Gott kannten, dachten sie, Er könne auf keine Weise sterben. Und wann immer Er in den Gleichnissen, die sie häufig von Ihm hörten, etwas über Seine Passion sagte, glaubten sie, es sei allegorisch gesprochen und beziehe sich auf etwas anderes. Daher folgt: Und dieses Wort war vor ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was gesagt wurde. Aber die Juden, die sich gegen Sein Leben verschworen, wussten, dass Er über Seine Passion sprach, als Er sagte: Der Menschensohn muss erhöht werden; daher sagten sie: Wir haben in unserem Gesetz gehört, dass Christus in Ewigkeit bleibt, und wie sagst Du, dass der Menschensohn erhöht werden muss?
35 Als er in die Nähe von Jericho kam, saß ein Blinder am Weg und bettelte. 36 Als der die Menge vorüberziehen hörte, fragte er, was das zu bedeuten hätte. 37 Man sagte ihm, Jesus von Nazaret gehe vorüber. 38 Da rief er: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner! 39 Die Vorausgehenden fuhren ihn an, er solle schweigen. Er aber schrie nur noch lauter: Sohn Davids, erbarme dich meiner! 40 Da blieb Jesus stehen und ließ ihn zu sich führen. Als er nahe herangekommen war, fragte er ihn: 41 Was willst du, dass ich dir tun soll? 42 Er sagte: Herr, dass ich wieder sehen kann. Da sagte Jesus zu ihm: Du sollst wieder sehen, dein Glaube hat dir Heilung gebracht. 43 Sogleich sah er wieder, pries Gott und folgte ihm. Und das ganze Volk, das zugesehen hatte, gab Gott die Ehre.
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(Hom. 2. in Ev.) Weil die Jünger, noch fleischlich gesinnt, die Worte des Mysteriums nicht aufnehmen konnten, werden sie zu einem Wunder geführt. Vor ihren Augen empfängt ein Blinder sein Augenlicht, damit durch ein göttliches Werk ihr Glaube gestärkt werde.
Catena Aurea · Lk 18
Und um zu zeigen, dass unser Herr nicht einmal ohne Gutes zu tun wanderte, vollbrachte Er unterwegs ein Wunder und gab Seinen Jüngern dieses Beispiel, dass wir in allen Dingen nützlich sein und nichts in uns vergeblich sein soll.

Catena Aurea · Lk 18
Wir könnten den Ausdruck „nahe bei Jericho“ so verstehen, als wären sie bereits aus der Stadt hinausgegangen, aber noch in der Nähe. Es könnte, obwohl in diesem Sinne weniger gebräuchlich, hier so aufgefasst werden, da Matthäus berichtet, dass, als sie aus Jericho hinausgingen, zwei Männer ihr Augenlicht empfingen, die am Wegesrand saßen. Es braucht keine Frage wegen der Zahl zu geben, wenn wir annehmen, dass einer der Evangelisten, der sich nur an einen erinnerte, über den anderen schwieg. Auch Markus erwähnt nur einen, und auch er sagt, dass er sein Augenlicht empfing, als sie aus Jericho hinausgingen; er hat auch den Namen des Mannes und seines Vaters angegeben, damit wir verstehen, dass dieser wohlbekannt war, der andere aber nicht, sodass es geschehen konnte, dass der bekannte natürlicherweise als der einzige erwähnt wurde. Da aber das, was im Lukasevangelium folgt, ganz klar die Wahrheit seines Berichts beweist, dass das Wunder geschah, während sie noch nach Jericho kamen, können wir nicht umhin anzunehmen, dass es zwei solcher Wunder gab: das erste an einem Blinden, als unser Herr in jene Stadt kam, das zweite an zwei Blinden, als Er aus ihr hinausging; Lukas berichtet das eine, Matthäus das andere.
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(Hom. de cæco et Zacchæo) Eine große Menschenmenge war um Christus versammelt, und der Blinde kannte Ihn zwar nicht, fühlte sich aber zu Ihm hingezogen und erfasste mit dem Herzen, was sein Blick nicht umfassen konnte. Wie es heißt: Und als er die Menge vorbeigehen hörte, fragte er, was das sei. Und die es sahen, sprachen nach ihrer eigenen Meinung. Und sie sagten ihm, dass Jesus von Nazareth vorbeigehe. Aber der Blinde rief aus. Man sagt ihm das eine, er verkündet ein anderes; denn es folgt: Und er rief und sprach: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner. Wer hat dir das gelehrt, o Mensch? Hast du, der du des Augenlichts beraubt bist, Bücher gelesen? Woher kennst du dann das Licht der Welt? Wahrlich, der Herr gibt den Blinden das Augenlicht. (Ps. 146,8.)

Catena Aurea · Lk 18
Als Jude aufgewachsen, war er nicht unwissend, dass Gott aus dem Samen Davids dem Fleische nach geboren werden sollte, und deshalb redet er Ihn als Gott an und spricht: Erbarme dich meiner. Möchten doch jene ihn nachahmen, die Christus in zwei teilen. Denn er spricht von Christus als Gott und nennt Ihn doch Sohn Davids. Aber sie staunen über die Rechtgläubigkeit seines Bekenntnisses, und einige suchten ihn sogar daran zu hindern, seinen Glauben zu bekennen. Doch durch solche Hemmnisse wurde sein Eifer nicht gedämpft. Denn der Glaube vermag allem zu widerstehen und über alles zu triumphieren. Es ist gut, um der göttlichen Verehrung willen die Scham abzulegen. Denn wenn um des Geldes willen manche kühn sind, ist es da nicht angemessen, wenn es um die Seele geht, eine gerechte Kühnheit anzunehmen? Wie es folgt: Aber er rief noch mehr: Sohn Davids, usw. Die Stimme dessen, der im Glauben anruft, hält Christus auf, denn Er blickt auf die zurück, die Ihn im Glauben anrufen. Und dementsprechend ruft Er den Blinden zu Sich und heißt ihn herantreten, damit der, der Ihn zuerst im Glauben ergriffen hatte, sich Ihm auch leiblich nähere. Der Herr fragt diesen Blinden, als er herantrat: Was willst du, dass ich dir tun soll? Er stellt die Frage absichtlich, nicht als Unwissender, sondern damit die Umstehenden erkennen, dass er nicht Geld, sondern göttliche Kraft von Gott suchte. Und so folgt: Aber er sprach: Herr, dass ich sehend werde.
Catena Aurea · Lk 18
(Chrys. ut sup.) Oder weil die Juden, die Wahrheit verdrehend, sagen könnten, wie im Fall des Blindgeborenen: Dieser ist es nicht, sondern einer, der ihm ähnlich ist, (Joh 9,8.) wollte Er, dass der Blinde zuerst die Schwäche seiner Natur offenbare, damit er dann die Größe der ihm verliehenen Gnade voll anerkenne. Und sobald der Blinde die Art seiner Bitte erklärt hatte, befahl Er ihm mit Worten höchster Vollmacht zu sehen. Wie es folgt: Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dies diente nur noch mehr dazu, die Schuld des Unglaubens bei den Juden zu vergrößern. Denn welcher Prophet sprach je so? Beachte ferner, was der Arzt von dem fordert, den er wiederhergestellt hat: Dein Glaube hat dir geholfen. Denn um des Glaubens willen werden Erbarmungen gewährt. Wo der Glaube bereit ist anzunehmen, da strömt die Gnade über. Und wie aus derselben Quelle einige in kleinen Gefäßen wenig Wasser schöpfen, andere in großen viel, wobei die Quelle keinen Unterschied im Maß kennt; und wie je nach den geöffneten Fenstern die Sonne mehr oder weniger Helligkeit hineinwirft; so zieht der Mensch je nach dem Maß seiner Beweggründe Gnadengaben herab. Die Stimme Christi verwandelt sich in das Licht des Bedrängten. Denn Er war das Wort des wahren Lichts. Und so folgt: Und sogleich wurde er sehend. Aber der Blinde zeigte, wie vor seiner Wiederherstellung einen ernsten Glauben, so danach deutliche Zeichen seiner Dankbarkeit: Und er folgte ihm und pries Gott.

Catena Aurea · Lk 18
Daraus wird klar, dass er von einer doppelten Blindheit befreit wurde, sowohl der leiblichen als auch der geistigen. Denn er hätte Ihn nicht als Gott verherrlicht, wenn er Ihn nicht wahrhaft als den gesehen hätte, der Er ist. Aber er gab auch anderen Anlass, Gott zu verherrlichen; wie es folgt: Und alles Volk, als es das sah, lobte Gott.
Catena Aurea · Lk 18
Nicht nur für die empfangene Gabe des Lichts, sondern für das Verdienst des Glaubens, der sie empfing.
Catena Aurea · Lk 18
(Chrys. ubi sup.) Wir können hier wohl fragen, warum Christus dem geheilten Besessenen, der Ihm folgen wollte, es verbietet, dem Blinden aber, der sein Augenlicht empfangen hatte, es erlaubt. Es scheint für beide Fälle ein guter Grund vorzuliegen. Den ersteren sendet Er als eine Art Herold fort, um durch den Beweis seines eigenen Zustands seinen Wohltäter laut zu verkünden, denn es war wahrlich ein bemerkenswertes Wunder, einen Rasenden zur Besinnung gebracht zu sehen. Den Blinden aber lässt Er Ihm folgen, da Er nach Jerusalem hinaufzog, um das hohe Geheimnis des Kreuzes zu vollbringen, damit die Menschen, die einen frischen Bericht von einem Wunder hatten, nicht annähmen, Er leide so sehr aus Ohnmacht als aus Mitleid.

Catena Aurea · Lk 18
Im Blinden haben wir einen Typus des Heidenvolkes, das durch das Sakrament unseres Herrn die Helligkeit des Lichts empfangen hat, das es verloren hatte. Und es spielt keine Rolle, ob die Heilung im Fall eines oder zweier Blinden überliefert wird, da sie, von Ham und Japhet, den Söhnen Noahs, abstammend, in den zwei Blinden zwei Urheber ihres Geschlechts vorstellen.

Catena Aurea · Lk 18
(Hom. 2. in Ev.) Oder die Blindheit ist ein Sinnbild des Menschengeschlechts, das in unserem ersten Eltern die Helligkeit des himmlischen Lichts nicht kannte und nun die Finsternis seiner Verdammnis erleidet. Jericho wird als „der Mond“ gedeutet, dessen monatliche Abnahmen die Schwäche unserer Sterblichkeit darstellen. Während nun unser Schöpfer sich Jericho nähert, wird der Blinde wieder sehend, weil, als Gott die Schwäche unseres Fleisches annahm, das Menschengeschlecht das Licht zurückerhielt, das es verloren hatte. Wer also diese Helligkeit des ewigen Lichts nicht kennt, ist blind. Wenn er aber nicht mehr tut, als an den Erlöser zu glauben, der sprach: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; (Joh 13,6.) der sitzt am Wegesrand. Wenn er sowohl glaubt als auch bittet, das ewige Licht zu empfangen, sitzt er am Wegesrand und bettelt. Die, die vor Jesus hergingen, als Er kam, stellen die Menge der fleischlichen Begierden und die geschäftige Schar der Laster dar, die, bevor Jesus in unser Herz kommt, unsere Gedanken zerstreuen und uns sogar im Gebet stören. Aber der Blinde rief noch mehr; denn je heftiger wir von unseren ruhelosen Gedanken bedrängt werden, desto inbrünstiger müssen wir uns dem Gebet hingeben. Solange wir noch unsere mannigfachen Einbildungen im Gebet stören lassen, fühlen wir gewissermaßen Jesus vorbeigehen. Wenn wir aber im Gebet sehr standhaft sind, ist Gott in unserem Herzen fest, und das verlorene Licht wird wiederhergestellt. Oder: Vorbeigehen ist Sache des Menschen, Stehenbleiben Sache Gottes. Der Herr also hörte vorbeigehend den Blinden schreien, stehenbleibend stellte Er ihn wieder her; denn durch Seine Menschheit hat Er in Seinem Erbarmen mit unserer Blindheit Mitleid mit unseren Schreien, durch die Kraft Seiner Gottheit gießt Er das Licht Seiner Gnade über uns aus.

Catena Aurea · Lk 18
Oder Er fragte den Blinden, damit wir glauben, dass ohne Bekenntnis niemand gerettet werden kann.

Catena Aurea · Lk 18
(ubi sup.) Der Blinde sucht vom Herrn nicht Gold, sondern Licht. Lasst uns also nicht nach falschem Reichtum suchen, sondern nach jenem Licht, das wir zusammen mit den Engeln allein sehen können, und der Weg dorthin ist der Glaube. Wohl wurde also zum Blinden gesagt: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen. Wer sieht, folgt auch, weil er das Gute, das er versteht, in die Tat umsetzt.

Catena Aurea · Lk 18
(de Quæst. Ev. l. ii. qu. 48.) Wenn wir Jericho als den Mond und daher als den Tod deuten, so gebot unser Herr, als Er Sich Seinem Tod näherte, dass das Licht des Evangeliums nur den Juden gepredigt werde, die durch jenen einen Blinden bezeichnet werden, von dem Lukas spricht; als Er aber von den Toten auferstand und in den Himmel auffuhr, sowohl den Juden als auch den Heiden; und diese beiden Völker scheinen durch die zwei Blinden bezeichnet zu werden, die Matthäus erwähnt.