Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 18
35 Als er in die Nähe von Jericho kam, saß ein Blinder am Weg und bettelte. 36 Als der die Menge vorüberziehen hörte, fragte er, was das zu bedeuten hätte. 37 Man sagte ihm, Jesus von Nazaret gehe vorüber. 38 Da rief er: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner! 39 Die Vorausgehenden fuhren ihn an, er solle schweigen. Er aber schrie nur noch lauter: Sohn Davids, erbarme dich meiner! 40 Da blieb Jesus stehen und ließ ihn zu sich führen. Als er nahe herangekommen war, fragte er ihn: 41 Was willst du, dass ich dir tun soll? 42 Er sagte: Herr, dass ich wieder sehen kann. Da sagte Jesus zu ihm: Du sollst wieder sehen, dein Glaube hat dir Heilung gebracht. 43 Sogleich sah er wieder, pries Gott und folgte ihm. Und das ganze Volk, das zugesehen hatte, gab Gott die Ehre.
(Chrys. ubi sup.) Wir können hier wohl fragen, warum Christus dem geheilten Besessenen, der Ihm folgen wollte, es verbietet, dem Blinden aber, der sein Augenlicht empfangen hatte, es erlaubt. Es scheint für beide Fälle ein guter Grund vorzuliegen. Den ersteren sendet Er als eine Art Herold fort, um durch den Beweis seines eigenen Zustands seinen Wohltäter laut zu verkünden, denn es war wahrlich ein bemerkenswertes Wunder, einen Rasenden zur Besinnung gebracht zu sehen. Den Blinden aber lässt Er Ihm folgen, da Er nach Jerusalem hinaufzog, um das hohe Geheimnis des Kreuzes zu vollbringen, damit die Menschen, die einen frischen Bericht von einem Wunder hatten, nicht annähmen, Er leide so sehr aus Ohnmacht als aus Mitleid.