
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 18
9 Einigen, die sich selbstsicher für gerecht hielten und die Übrigen verachteten, erzählte er dieses Gleichnis: 10 Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten: Der eine war ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stellte sich auf und betete leise so: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, auch nicht wie dieser Zöllner da. 12 Ich faste zweimal in der Woche und ich gebe den Zehnten von allen meinen Einkünften. 13 Der Zöllner aber stand weit entfernt und wollte nicht einmal die Augen zum Himmel erheben, sondern schlug an seine Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, im Gegensatz zu jenem. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich selbst aber erniedrigt, wird erhöht werden.
(23. Mor. c. 6.) Es gibt verschiedene Gestalten, in denen sich der Hochmut selbstvertrauender Menschen zeigt; wenn sie sich einbilden, das Gute in ihnen stamme von ihnen selbst; oder wenn sie glauben, es sei ihnen von oben gegeben, und meinen, sie hätten es für ihre eigenen Verdienste empfangen; oder jedenfalls, wenn sie sich rühmen, zu besitzen, was sie nicht haben. Oder schließlich, wenn sie andere verachten und danach streben, im Besitz dessen, was sie haben, einzigartig zu erscheinen. Und in dieser Hinsicht schreibt der Pharisäer sich selbst besonders das Verdienst guter Werke zu.