
Cyrill von Alexandrien
Catena Aurea · Lukasevangelium 18
35 Als er in die Nähe von Jericho kam, saß ein Blinder am Weg und bettelte. 36 Als der die Menge vorüberziehen hörte, fragte er, was das zu bedeuten hätte. 37 Man sagte ihm, Jesus von Nazaret gehe vorüber. 38 Da rief er: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner! 39 Die Vorausgehenden fuhren ihn an, er solle schweigen. Er aber schrie nur noch lauter: Sohn Davids, erbarme dich meiner! 40 Da blieb Jesus stehen und ließ ihn zu sich führen. Als er nahe herangekommen war, fragte er ihn: 41 Was willst du, dass ich dir tun soll? 42 Er sagte: Herr, dass ich wieder sehen kann. Da sagte Jesus zu ihm: Du sollst wieder sehen, dein Glaube hat dir Heilung gebracht. 43 Sogleich sah er wieder, pries Gott und folgte ihm. Und das ganze Volk, das zugesehen hatte, gab Gott die Ehre.
Als Jude aufgewachsen, war er nicht unwissend, dass Gott aus dem Samen Davids dem Fleische nach geboren werden sollte, und deshalb redet er Ihn als Gott an und spricht: Erbarme dich meiner. Möchten doch jene ihn nachahmen, die Christus in zwei teilen. Denn er spricht von Christus als Gott und nennt Ihn doch Sohn Davids. Aber sie staunen über die Rechtgläubigkeit seines Bekenntnisses, und einige suchten ihn sogar daran zu hindern, seinen Glauben zu bekennen. Doch durch solche Hemmnisse wurde sein Eifer nicht gedämpft. Denn der Glaube vermag allem zu widerstehen und über alles zu triumphieren. Es ist gut, um der göttlichen Verehrung willen die Scham abzulegen. Denn wenn um des Geldes willen manche kühn sind, ist es da nicht angemessen, wenn es um die Seele geht, eine gerechte Kühnheit anzunehmen? Wie es folgt: Aber er rief noch mehr: Sohn Davids, usw. Die Stimme dessen, der im Glauben anruft, hält Christus auf, denn Er blickt auf die zurück, die Ihn im Glauben anrufen. Und dementsprechend ruft Er den Blinden zu Sich und heißt ihn herantreten, damit der, der Ihn zuerst im Glauben ergriffen hatte, sich Ihm auch leiblich nähere. Der Herr fragt diesen Blinden, als er herantrat: Was willst du, dass ich dir tun soll? Er stellt die Frage absichtlich, nicht als Unwissender, sondern damit die Umstehenden erkennen, dass er nicht Geld, sondern göttliche Kraft von Gott suchte. Und so folgt: Aber er sprach: Herr, dass ich sehend werde.