
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 18
35 Als er in die Nähe von Jericho kam, saß ein Blinder am Weg und bettelte. 36 Als der die Menge vorüberziehen hörte, fragte er, was das zu bedeuten hätte. 37 Man sagte ihm, Jesus von Nazaret gehe vorüber. 38 Da rief er: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner! 39 Die Vorausgehenden fuhren ihn an, er solle schweigen. Er aber schrie nur noch lauter: Sohn Davids, erbarme dich meiner! 40 Da blieb Jesus stehen und ließ ihn zu sich führen. Als er nahe herangekommen war, fragte er ihn: 41 Was willst du, dass ich dir tun soll? 42 Er sagte: Herr, dass ich wieder sehen kann. Da sagte Jesus zu ihm: Du sollst wieder sehen, dein Glaube hat dir Heilung gebracht. 43 Sogleich sah er wieder, pries Gott und folgte ihm. Und das ganze Volk, das zugesehen hatte, gab Gott die Ehre.
Wir könnten den Ausdruck „nahe bei Jericho“ so verstehen, als wären sie bereits aus der Stadt hinausgegangen, aber noch in der Nähe. Es könnte, obwohl in diesem Sinne weniger gebräuchlich, hier so aufgefasst werden, da Matthäus berichtet, dass, als sie aus Jericho hinausgingen, zwei Männer ihr Augenlicht empfingen, die am Wegesrand saßen. Es braucht keine Frage wegen der Zahl zu geben, wenn wir annehmen, dass einer der Evangelisten, der sich nur an einen erinnerte, über den anderen schwieg. Auch Markus erwähnt nur einen, und auch er sagt, dass er sein Augenlicht empfing, als sie aus Jericho hinausgingen; er hat auch den Namen des Mannes und seines Vaters angegeben, damit wir verstehen, dass dieser wohlbekannt war, der andere aber nicht, sodass es geschehen konnte, dass der bekannte natürlicherweise als der einzige erwähnt wurde. Da aber das, was im Lukasevangelium folgt, ganz klar die Wahrheit seines Berichts beweist, dass das Wunder geschah, während sie noch nach Jericho kamen, können wir nicht umhin anzunehmen, dass es zwei solcher Wunder gab: das erste an einem Blinden, als unser Herr in jene Stadt kam, das zweite an zwei Blinden, als Er aus ihr hinausging; Lukas berichtet das eine, Matthäus das andere.