Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Lukasevangelium 18
9 Einigen, die sich selbstsicher für gerecht hielten und die Übrigen verachteten, erzählte er dieses Gleichnis: 10 Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten: Der eine war ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stellte sich auf und betete leise so: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, auch nicht wie dieser Zöllner da. 12 Ich faste zweimal in der Woche und ich gebe den Zehnten von allen meinen Einkünften. 13 Der Zöllner aber stand weit entfernt und wollte nicht einmal die Augen zum Himmel erheben, sondern schlug an seine Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, im Gegensatz zu jenem. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich selbst aber erniedrigt, wird erhöht werden.
Obwohl berichtet wird, dass er stand, unterschied sich der Zöllner doch vom Pharisäer sowohl in seiner Haltung und seinen Worten als auch darin, dass er ein zerknirschtes Herz hatte. Denn er fürchtete sich, seine Augen zum Himmel zu erheben, da er die, die gerne auf irdische Dinge geblickt und ihnen nachgeschweift waren, der himmlischen Schau für unwürdig hielt. Er schlug auch an seine Brust, indem er sie gleichsam wegen der bösen Gedanken schlug und sie überdies aufrüttelte, als wäre sie schlafend. Und so suchte er nur, dass Gott sich mit ihm versöhne, wie es folgt: Gott, sei mir gnädig.