
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 18
1 Er erzählte ihnen ein Gleichnis, um ihnen zu zeigen, dass sie allezeit beten und nicht müde werden sollten: 2 In einer Stadt war ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. 3 Auch eine Witwe war in jener Stadt, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Schaff mir Recht gegen meinen Feind. 4 Eine Zeit lang wollte er nicht, dann aber sagte er sich: Wenn ich auch Gott nicht fürchte und auf keinen Menschen Rücksicht nehme, 5 so will ich doch dieser Witwe Recht schaffen, weil sie mir keine Ruhe lässt. Schließlich kommt sie noch und schlägt mir ins Gesicht. 6 Der Herr fügte hinzu: Hört, was der ungerechte Richter sagt. 7 Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm rufen, nicht Recht schaffen und sie lange warten lassen? 8 Ich sage euch: Unverzüglich wird er ihnen Recht schaffen. Doch wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde Glauben finden?
Der dich erlöst hat, hat dir gezeigt, was er von dir will. Er will, dass du im Gebet inständig bist, er will, dass du in deinem Herzen die Segnungen bedenkst, um die du betest, er will, dass du erbittest und empfängst, was seine Güte mitzuteilen verlangt. Er verweigert denen, die beten, niemals seine Segnungen, sondern regt die Menschen vielmehr durch seine Barmherzigkeit an, im Gebet nicht nachzulassen. Nimm die Ermutigung des Herrn bereitwillig an: sei willig zu tun, was er gebietet, nicht zu tun, was er verbietet. Schließlich bedenke, welch gesegnetes Vorrecht dir gewährt ist, in deinen Gebeten mit Gott zu sprechen und ihm alle deine Nöte kundzutun, während er, wenn auch nicht in Worten, so doch durch seine Barmherzigkeit dir antwortet, denn er verachtet Bitten nicht, er ermüdet nicht, sondern wenn du schweigst.