Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Lukasevangelium 18
9 Einigen, die sich selbstsicher für gerecht hielten und die Übrigen verachteten, erzählte er dieses Gleichnis: 10 Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten: Der eine war ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stellte sich auf und betete leise so: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, auch nicht wie dieser Zöllner da. 12 Ich faste zweimal in der Woche und ich gebe den Zehnten von allen meinen Einkünften. 13 Der Zöllner aber stand weit entfernt und wollte nicht einmal die Augen zum Himmel erheben, sondern schlug an seine Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, im Gegensatz zu jenem. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich selbst aber erniedrigt, wird erhöht werden.
Es ziemt sich für uns, nicht nur das Böse zu meiden, sondern auch Gutes zu tun; und so fügt er, nachdem er gesagt hat: Ich bin nicht wie die anderen Menschen, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, etwas im Gegensatz dazu hinzu: Ich faste zweimal in der Woche. Sie nannten die Woche den Sabbat (Sabbatho) nach dem letzten Ruhetag. Die Pharisäer fasteten am zweiten und fünften Tag. Er setzte also das Fasten gegen die Leidenschaft der Unzucht, denn die Lust wird von der Üppigkeit geboren; den Räubern und Wucherern aber stellte er die Entrichtung des Zehnten entgegen; wie es folgt: Ich gebe den Zehnten von allem, was ich besitze; als ob er sagte: So fern bin ich davon, der Räuberei zu frönen oder zu schaden, dass ich sogar aufgebe, was mein eigen ist.