
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 18
9 Einigen, die sich selbstsicher für gerecht hielten und die Übrigen verachteten, erzählte er dieses Gleichnis: 10 Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten: Der eine war ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stellte sich auf und betete leise so: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, auch nicht wie dieser Zöllner da. 12 Ich faste zweimal in der Woche und ich gebe den Zehnten von allen meinen Einkünften. 13 Der Zöllner aber stand weit entfernt und wollte nicht einmal die Augen zum Himmel erheben, sondern schlug an seine Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, im Gegensatz zu jenem. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich selbst aber erniedrigt, wird erhöht werden.
(Serm. 115.) Warum also wundert ihr euch, ob Gott vergibt, da Er es selbst bezeugt. Der Zöllner stand fern, doch nahte er sich Gott. Und der Herr war ihm nahe und hörte ihn; denn der Herr ist hoch, doch sieht Er auf die Niedrigen. Er erhob nicht einmal seine Augen zum Himmel; damit er angeschaut werde, schaute er selbst nicht. Das Gewissen drückte ihn nieder, die Hoffnung richtete ihn auf, er schlug seine eigene Brust, er vollzog das Urteil an sich selbst. Darum verschonte der Herr den Reuigen. Du hast die Anklage des Stolzen gehört, du hast das demütige Bekenntnis des Angeklagten gehört. Höre nun das Urteil des Richters: Wahrlich, ich sage euch, dieser ging gerechtfertigt in sein Haus hinab, eher als jener.