
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 18
1 Er erzählte ihnen ein Gleichnis, um ihnen zu zeigen, dass sie allezeit beten und nicht müde werden sollten: 2 In einer Stadt war ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. 3 Auch eine Witwe war in jener Stadt, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Schaff mir Recht gegen meinen Feind. 4 Eine Zeit lang wollte er nicht, dann aber sagte er sich: Wenn ich auch Gott nicht fürchte und auf keinen Menschen Rücksicht nehme, 5 so will ich doch dieser Witwe Recht schaffen, weil sie mir keine Ruhe lässt. Schließlich kommt sie noch und schlägt mir ins Gesicht. 6 Der Herr fügte hinzu: Hört, was der ungerechte Richter sagt. 7 Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm rufen, nicht Recht schaffen und sie lange warten lassen? 8 Ich sage euch: Unverzüglich wird er ihnen Recht schaffen. Doch wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde Glauben finden?
(lib. ii. qu. 45.) Unser Herr äußert seine Gleichnisse entweder um des Vergleichs willen, wie im Fall des Gläubigers, der, als er seinen beiden Schuldnern alles erließ, was sie ihm schuldeten, von dem am meisten geliebt wurde, der ihm am meisten schuldete; oder wegen des Gegensatzes, aus dem er seine Schlussfolgerung zieht; wie zum Beispiel: Wenn Gott das Gras des Feldes so kleidet, das heute ist und morgen in den Ofen geworfen wird, wird er nicht viel mehr euch kleiden, ihr Kleingläubigen. So auch hier, wenn er den Fall des ungerechten Richters vorbringt.