
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 18
18 Einer von den Führenden fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen? 19 Jesus antwortete ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott allein. 20 Die Gebote kennst du: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst kein falsches Zeugnis geben; ehre deinen Vater und deine Mutter. 21 Er antwortete: Das alles habe ich von Jugend an befolgt. 22 Als Jesus dies hörte, sagte er zu ihm: Eines fehlt dir noch: Verkaufe alles, was du hast, und teile es aus an die Armen; so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! 23 Als jener das hörte, wurde er sehr traurig, denn er war sehr reich.
Er leugnet nicht, dass Er gut ist, sondern verweist auf Gott. Niemand ist also gut, außer er ist voll des Guten. Wenn es aber jemanden stören sollte, dass gesagt wird: Niemand ist gut, so soll ihn auch dies stören: außer Gott; und wenn der Sohn nicht von Gott ausgenommen ist, so ist gewiss auch Christus nicht vom Guten ausgenommen. Denn wie ist Er nicht gut, der aus dem Guten geboren ist? Ein guter Baum bringt gute Früchte hervor. (Mt. 7,17.) Wie ist Er nicht gut, da die Substanz Seiner Güte, die Er vom Vater annahm, im Sohn nicht entartet ist, der im Geist nicht entartet ist. Dein guter Geist, sagt er, wird mich in ein Land der Rechtschaffenheit führen. (Ps. 148,10.) Wenn aber der Geist gut ist, der vom Sohn empfing, so ist wahrlich auch Der gut, der Ihn gab. Weil es also ein Gesetzeslehrer war, der Ihn versuchte, wie in einem anderen Buch klar gezeigt wird, sagte Er daher zu Recht: Niemand ist gut außer Gott, um ihn daran zu erinnern, dass geschrieben steht: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen, (Dtn. 6,16.) sondern er vielmehr dem Herrn dafür dankt, dass Er gut ist. (Ps. 118.)