Seite wird geladen …
Die überlieferte Lateinische Messe weltweit finden · Alle Messen, die gemäß den 1962 geltenden liturgischen Büchern gefeiert werden, mit Zustimmung der Bischöfe der katholischen Kirche und des Heiligen Stuhls unter der Leitung von Papst Leo XIV.
AnsehenSeite wird geladen …
Catena Aurea · Evangelium secundum Matthaeum
135 Kommentare der Kirchenväter · 12 Versabschnitte
Matthäusevangelium 23 in der Bibel lesen1 Darauf sagte Jesus zu den Volksscharen und zu seinen Jüngern: 2 Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. 3 Darum tut und befolgt alles, was sie euch sagen; nach ihren Werken aber richtet euch nicht; denn sie reden zwar, handeln aber nicht danach. 4 Sie binden schwere Lasten zusammen und laden sie den Menschen auf die Schultern, selbst aber wollen sie keinen Finger krümmen, um sie zu bewegen.
11 KommentareCatena Aurea · Mt 23
Als der Herr die Priester durch seine Antwort überwunden und ihre Lage als unheilbar erwiesen hatte, da ja Kleriker, wenn sie Böses tun, nicht gebessert werden können, Laien aber, die auf Abwege geraten sind, leicht wieder zurechtgebracht werden, wendet er seine Rede an seine Apostel und das Volk. Denn das ist ein nutzloses Wort, das einen zum Schweigen bringt, ohne einem anderen Besserung zu vermitteln.
Catena Aurea · Mt 23
Die Jünger Christi sind besser als die gewöhnliche Menge; und du kannst in der Kirche solche finden, die mit glühenderer Liebe zum Wort Gottes kommen; diese sind Christi Jünger, die übrigen nur sein Volk. Und manchmal spricht er nur zu seinen Jüngern, manchmal zu den Volksmengen und seinen Jüngern zusammen, wie hier. Die Schriftgelehrten und Pharisäer sitzen auf dem Stuhl des Moses, indem sie sich zu seinem Gesetz bekennen und sich rühmen, es auslegen zu können. Diejenigen, die nicht vom Buchstaben des Gesetzes abweichen, sind die Schriftgelehrten; diejenigen, die hohe Ansprüche erheben und sich vom gemeinen Volk als besser absondern, werden Pharisäer genannt, was „Abgesonderte“ bedeutet. Diejenigen, die Moses nach seinem geistlichen Sinn verstehen und auslegen, diese sitzen zwar auf dem Stuhl des Moses, sind aber weder Schriftgelehrte noch Pharisäer, sondern besser als beide, Christi geliebte Jünger. Seit seiner Ankunft sitzen diese auf dem Stuhl der Kirche, der der Stuhl Christi ist.
Catena Aurea · Mt 23
Doch ist darauf zu achten, auf welche Weise jeder seinen Stuhl einnimmt; denn nicht der Stuhl macht den Priester, sondern der Priester den Stuhl; der Ort heiligt nicht den Menschen, sondern der Mensch den Ort. Ein gottloser Priester zieht aus seinem Priestertum Schuld und nicht Ehre.

Catena Aurea · Mt 23
(Hom. lxxii.) Damit aber niemand sage: Aus diesem Grund bin ich nachlässig im Handeln, weil mein Lehrer böse ist, beseitigt er jede solche Ausrede und sagt: Alles nun, was sie euch sagen, das beobachtet und tut; denn sie sprechen nicht ihr Eigenes, sondern Gottes, was er durch Moses im Gesetz gelehrt hat. Und sieh, mit wie großer Ehre er von Moses spricht, wodurch er wieder zeigt, welche Harmonie mit dem Alten Testament besteht.
Catena Aurea · Mt 23
Wenn aber die Schriftgelehrten und Pharisäer, die auf dem Stuhl des Moses sitzen, die Lehrer der Juden sind und die Gebote des Gesetzes nach dem Buchstaben lehren, wie steht es dann, daß der Herr uns befiehlt, alles zu tun, was sie sagen; die Apostel aber in der Apostelgeschichte den Gläubigen verbieten, nach dem Buchstaben des Gesetzes zu handeln (Apg 15,19)? Jene lehrten freilich nach dem Buchstaben, ohne das Gesetz geistlich zu verstehen. Was sie uns aus dem Gesetz sagen, mit Verständnis seines Sinnes, das tun und halten wir, nicht aber handeln wir nach ihren Werken, denn sie tun nicht, was das Gesetz gebietet, noch erkennen sie den Schleier, der auf dem Buchstaben des Gesetzes liegt. Oder unter „allem“ dürfen wir nicht alles im Gesetz verstehen, viele Dinge zum Beispiel, die die Opfer und Ähnliches betreffen, sondern solches, was unser Verhalten betrifft. Warum aber gebot er dies nicht aus dem Gesetz der Gnade, sondern aus der Lehre des Moses? Weil wahrlich nicht die Zeit war, die Gebote des Neuen Gesetzes vor der Zeit seines Leidens zu verkünden. Ich denke auch, daß er hierbei noch etwas Weiteres im Blick hatte. Er wollte in seiner folgenden Rede vieles gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer vorbringen; damit daher eitle Menschen nicht meinten, er begehre ihren Autoritätsplatz oder spreche so aus Feindschaft gegen sie, entfernt er zuerst diesen Verdacht von sich und beginnt dann, sie zu tadeln, damit das Volk nicht in ihre Fehler falle; und damit sie, weil sie jene hören sollten, nicht meinten, sie müßten deshalb ihre Werke nachahmen, fügt er hinzu: Aber handelt nicht nach ihren Werken. Was kann elender sein als ein solcher Lehrer, dessen Leben nachzuahmen Verderben, dessen Nachfolge zu verweigern aber Heil für seine Jünger ist?
Catena Aurea · Mt 23
Aber wie Gold aus der Schlacke herausgelesen wird und die Schlacke zurückbleibt, so können Hörer die Lehre annehmen und die Praxis lassen, denn gute Lehre kommt oft von einem bösen Menschen. Aber wie Priester es für besser halten, die Bösen um der Guten willen zu lehren, als die Guten um der Bösen willen zu vernachlässigen; so sollen auch die, die ihnen unterstellt sind, den bösen Priestern um der Guten willen Achtung erweisen, damit die Guten nicht wegen der Bösen verachtet werden; denn es ist besser, den Bösen zu geben, was ihnen nicht zusteht, als den Guten vorzuenthalten, was ihnen rechtmäßig gehört.

Catena Aurea · Mt 23
Sieh, womit er seine Zurechtweisung beginnt: Denn sie sagen es und tun es nicht. Jeder, der das Gesetz übertritt, verdient Tadel, besonders aber der, der das Amt der Unterweisung innehat. Und dies aus dreifachem Grund; erstens, weil er ein Übertreter ist; zweitens, weil er, während er andere zurechtweisen sollte, selbst hinkt; drittens, weil er, da er im Rang eines Lehrers steht, verderblicher wirkt. Weiter erhebt er eine weitere Anklage gegen sie, daß sie die ihnen Untergebenen bedrücken: Sie binden schwere Lasten; darin zeigt er ein doppeltes Übel bei ihnen; daß sie ohne jede Nachsicht die äußerste Strenge des Lebens von denen forderten, die ihnen untergeben waren, während sie sich selbst dabei große Freiheit erlaubten. Ein guter Vorgesetzter aber sollte das Gegenteil tun, sich selbst ein strenger Richter, anderen ein barmherziger sein. Beachte, mit welch eindringlichen Worten er seinen Tadel ausspricht; er sagt nicht: sie können nicht, sondern: sie wollen nicht; und nicht: heben sie auf, sondern: rühren sie mit einem ihrer Finger an.
Catena Aurea · Mt 23
Und für die Schriftgelehrten und Pharisäer, von denen er jetzt spricht, sind die schweren, unerträglichen Lasten die Gebote des Gesetzes; wie der heilige Petrus in der Apostelgeschichte sagt: Warum sucht ihr ein Joch auf den Nacken der Jünger zu legen, das weder wir noch unsere Väter tragen konnten? (Apg 15,10.) Denn indem sie die Lasten des Gesetzes durch fabelhafte Beweise empfahlen, banden sie gleichsam die Schultern des Herzens ihrer Hörer mit Banden, damit sie so, als wären sie durch Vernunftbeweise daran gebunden, sie nicht abschüttelten; sie selbst aber erfüllten sie nicht im geringsten, das heißt, sie erfüllten sie nicht nur nicht ganz, sondern machten nicht einmal den Versuch dazu.
Catena Aurea · Mt 23
(interlin.) Oder: Lasten binden, das heißt, von allen Seiten Traditionen sammeln, nicht um zu helfen, sondern um das Gewissen zu belasten.

Catena Aurea · Mt 23
Aber alle diese Dinge – die Schultern, der Finger, die Lasten und die Bänder, mit denen sie die Lasten binden – haben eine geistliche Bedeutung. Hierin spricht der Herr auch allgemein gegen alle Lehrer, die hohe Dinge auferlegen, aber nicht einmal geringe Dinge.
Catena Aurea · Mt 23
Solche sind auch jene, die denen, die zur Buße kommen, eine schwere Last auflegen, so daß die Menschen, während sie die gegenwärtige Strafe vermeiden wollen, die zukünftige übersehen. Denn wenn du einem Knaben eine Last auf die Schultern legst, die er nicht tragen kann, muß er sie entweder abwerfen oder daran zusammenbrechen; so muß der Mensch, dem du eine allzu drückende Last der Buße auflegst, sie entweder ganz ablehnen, oder wenn er sich ihr unterwirft, wird er finden, daß er sie nicht tragen kann, und so Anstoß nehmen und ärger sündigen. Auch wenn wir uns irren sollten, indem wir eine zu leichte Buße auferlegen, ist es nicht besser, für Barmherzigkeit als für Strenge Rechenschaft ablegen zu müssen? Wo der Hausherr freigebig ist, sollte der Verwalter nicht bedrückend sein. Wenn Gott gütig ist, sollte sein Priester dann hart sein? Suchst du damit den Ruf der Heiligkeit? Sei streng in der Ordnung deines eigenen Lebens, in dem anderer nachsichtig; laßt die Menschen von dir hören, daß du wenig auferlegst und viel vollbringst. Der Priester, der sich selbst Freiheit gewährt und von anderen das Äußerste fordert, gleicht einem korrupten Steuereintreiber im Staat, der, um sich selbst zu entlasten, andere schwer belastet.
5 Mit allem, was sie tun, wollen sie sich vor den Menschen zur Schau stellen. Sie machen ihre Gebetsriemen breit und ihre Mantelquasten lang, 6 lieben den Ehrenplatz bei den Gastmählern, die ersten Sitze in den Synagogen, 7 die Begrüßungen auf den Marktplätzen und lassen sich von den Leuten Rabbi (Meister) nennen. 8 Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. 9 Auch sollt ihr niemand unter euch auf der Erde Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. 10 Auch Lehrer sollt ihr euch nicht nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer: Christus. 11 Der Größte unter euch soll euer Diener sein. 12 Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
26 Kommentare
Catena Aurea · Mt 23
Der Herr hatte die Schriftgelehrten und Pharisäer der Härte und Nachlässigkeit beschuldigt; nun bringt er ihre eitle Ruhmsucht vor, die sie von Gott abfallen ließ.
Catena Aurea · Mt 23
Jede Substanz erzeugt in sich das, was sie zerstört, wie das Holz den Wurm und die Kleider die Motte; so strebt der Teufel danach, den Dienst der Priester zu verderben, die zur Erbauung der Heiligkeit geweiht sind, indem er danach trachtet, daß dieses Gute, während es geschieht, um von Menschen gesehen zu werden, in Böses verwandelt werde. Nimm diesen Fehler vom Klerus weg, und du wirst keine weitere Mühe bei ihrer Reform haben, denn daraus kommt es, daß ein Kleriker, der gesündigt hat, kaum Buße tun kann. Auch zeigt der Herr hier den Grund an, warum sie nicht an Christus glauben konnten, weil fast alles, was sie taten, geschah, um von Menschen gesehen zu werden; denn wer nach irdischem Ruhm von Menschen verlangt, kann nicht an Christus glauben, der himmlische Dinge predigt. Ich habe einen gelesen, der diese Stelle so auslegt: Auf dem Stuhl des Moses, das heißt in dem Rang und Grad, der von Moses eingesetzt wurde, sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer unwürdig, insofern sie anderen das Gesetz predigten, das die Ankunft Christi vorhersagte, aber selbst ihn, als er kam, nicht annahmen. Aus diesem Grund ermahnt er das Volk, das Gesetz zu hören, das sie predigten, das heißt, an Christus zu glauben, der durch das Gesetz gepredigt wurde, aber nicht den Schriftgelehrten und Pharisäern in ihrem Unglauben an ihn zu folgen. Und er zeigt den Grund, warum sie die Ankunft Christi aus dem Gesetz predigten, aber nicht an ihn glaubten; nämlich weil sie nicht predigten, daß Christus aus irgendeinem Verlangen nach seiner Ankunft kommen sollte, sondern damit sie von Menschen als Lehrer des Gesetzes gesehen würden.
Catena Aurea · Mt 23
Und auch ihre Werke tun sie, um von Menschen gesehen zu werden, indem sie äußerlich die Beschneidung anwenden, den tatsächlichen Sauerteig aus ihren Häusern entfernen und ähnliche Dinge tun. Aber Christi Jünger erfüllen das Gesetz in verborgenen Dingen, indem sie innerlich Juden sind, wie der Apostel sagt. (Röm. 2,29.)

Catena Aurea · Mt 23
Beachte die nachdrückliche Kraft der Worte seiner Vorwürfe. Er sagt nicht nur, daß sie ihre Werke tun, um von Menschen gesehen zu werden, sondern fügte hinzu: alle ihre Werke. Und nicht nur in großen Dingen, sondern in manchen geringfügigen Dingen waren sie ruhmsüchtig: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und verlängern die Quasten an ihren Gewändern.

Catena Aurea · Mt 23
Denn der Herr, als er durch Moses die Gebote des Gesetzes gegeben hatte, fügte am Ende hinzu: Und du sollst sie zum Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen immer vor deinen Augen sein; (Dtn. 6,8.) was bedeutet: Laß meine Vorschriften in deiner Hand sein, damit sie in deinen Werken erfüllt werden; laß sie vor deinen Augen sein, damit du Tag und Nacht über sie nachsinnst. Dies mißdeuteten die Pharisäer, schrieben auf Pergament den Dekalog des Moses, das heißt die Zehn Gebote, und falteten sie zusammen, banden sie auf ihre Stirn und machten sie so zu einer Krone für ihr Haupt, damit sie immer vor ihren Augen seien. Moses hatte an einer anderen Stelle geboten, daß sie Quasten von blauer Farbe an den Säumen ihrer Gewänder machen sollten, um das Volk Israel zu unterscheiden (Num. 15,39.); damit, wie am Körper die Beschneidung, so am Gewand die Quaste die jüdische Nation kennzeichne. Aber diese abergläubischen Lehrer, die nach Volksgunst haschten und Gewinn aus törichten Frauen zogen, machten breite Säume und befestigten sie mit scharfen Nadeln, damit sie, wenn sie gingen oder saßen, gestochen würden und durch solche Mahner an die Pflichten des Dienstes Gottes erinnert würden. Diese Stickerei des Dekalogs nannten sie nun Phylakterien, das heißt Bewahrungsmittel, weil die, die sie trugen, sie zu ihrem eigenen Schutz und Sicherheit trugen. So wenig verstanden die Pharisäer, daß sie am Herzen und nicht am Körper zu tragen waren; denn in gleichem Maße kann man sagen, daß Kisten und Truhen Bücher haben, die gewiß nicht die Erkenntnis Gottes haben.
Catena Aurea · Mt 23
Aber nach ihrem Vorbild erfinden viele hebräische Namen von Engeln, schreiben sie auf und binden sie sich an, und sie erscheinen denen furchtbar, die ohne Verständnis sind. Andere wiederum tragen ein Stück des aufgeschriebenen Evangeliums um den Hals. Aber wird nicht das Evangelium jeden Tag in der Kirche gelesen und von allen gehört? Diejenigen also, die keinen Nutzen aus dem Evangelium ziehen, das in ihren Ohren erklingt, wie sollen sie die Rettung bewirken, wenn sie es um den Hals gehängt haben? Weiter, worin liegt die Kraft des Evangeliums? In der Gestalt seiner Buchstaben oder im Verständnis seiner Bedeutung? Wenn in den Schriftzeichen, tust du gut daran, sie um den Hals zu hängen; wenn in ihrer Bedeutung, sind sie nützlicher, wenn sie im Herzen aufbewahrt werden, als um den Hals gehängt. Aber andere erklären diese Stelle so: Daß sie ihre Lehren über besondere Observanzen breit machten, wie Phylakterien oder Bewahrungsmittel des Heils, indem sie sie dem Volk fortwährend predigten. Und die breiten Quasten ihrer Gewänder erklären sie als dieselbe ungebührliche Betonung solcher Gebote.

Catena Aurea · Mt 23
Da sie also ihre Gebetsriemen breit machen und breite Quasten herstellen, weil sie Ruhm von Menschen begehren, werden sie auch in anderen Dingen überführt; Denn sie lieben die obersten Plätze bei Gastmählern und die ersten Sitze in den Synagogen.

Catena Aurea · Mt 23
Es ist zu beachten, daß er denen, denen dies von Rechts wegen ihres Ranges zusteht, nicht verbietet, auf dem Forum gegrüßt zu werden oder auf dem obersten Platz zu sitzen oder zu liegen; sondern diejenigen, die diese Dinge ungebührlich begehren, ob sie sie erlangen oder nicht, diese befiehlt er den Gläubigen als böse zu meiden.
Catena Aurea · Mt 23
Denn er tadelt nicht die, die auf dem obersten Platz liegen, sondern die, die solche Plätze lieben, und tadelt den Willen, nicht die Tat. Denn vergeblich demütigt sich dem Platz nach, wer sich im Herzen erhöht. Denn manche eitle Menschen, die hören, daß es lobenswert sei, sich auf den niedrigsten Platz zu setzen, wählen dies zu tun; und so legen sie nicht nur die Eitelkeit ihres Herzens nicht ab, sondern fügen diese zusätzliche eitle Zurschaustellung ihrer Demut hinzu, als einer, der für gerecht und demütig gehalten werden möchte. Denn viele Stolze nehmen den niedrigsten Platz mit ihrem Körper ein, aber in der Hoffart ihres Herzens halten sie sich für unter den Höchsten sitzend; und es gibt viele Demütige, die, unter den Höchsten platziert, innerlich in ihrer eigenen Schätzung unter den Niedrigsten sind.

Catena Aurea · Mt 23
Beachte, wo die eitle Ruhmsucht sie beherrschte, nämlich in den Synagogen, wohin sie gingen, um andere zu führen. Es wäre erträglich gewesen, bei Gastmählern so zu empfinden, obwohl ein Lehrer an allen Orten gleichermaßen in Ehre gehalten werden sollte und nicht nur in den Kirchen. Aber wenn es tadelnswert ist, solche Dinge zu lieben, wie falsch ist es dann, sie zu erstreben?
Catena Aurea · Mt 23
Sie lieben die ersten Begrüßungen, das heißt erstens nicht nur der Zeit nach, vor anderen; sondern im Ton, daß wir mit lauter Stimme sagen sollten: Heil, Rabbi; und mit dem Körper, daß wir unser Haupt tief neigen; und dem Ort nach, daß die Begrüßung in der Öffentlichkeit geschehen sollte.

Catena Aurea · Mt 23
Und hierin sind sie nicht ohne Schuld, daß dieselben Männer in die Rechtsstreitigkeiten des Forums verwickelt sein sollten, die in der Synagoge auf dem Stuhl des Moses danach streben, von Menschen Rabbi genannt zu werden.
Catena Aurea · Mt 23
Das heißt, sie wünschen, genannt zu werden, nicht so zu sein; sie begehren den Namen und vernachlässigen die Pflichten.
Catena Aurea · Mt 23
Und in der Kirche Christi finden sich einige, die die obersten Plätze für sich beanspruchen, das heißt Diakone werden; dann streben sie nach den ersten Sitzen derer, die Presbyter genannt werden; und einige intrigieren, um unter Menschen Bischof genannt zu werden, das heißt Rabbi genannt zu werden. Aber Christi Jünger liebt zwar den obersten Platz, aber beim geistlichen Gastmahl, wo er von den erleseneren Bissen geistlicher Speise essen kann; denn mit den Aposteln, die auf zwölf Thronen sitzen, liebt er die ersten Sitze und eilt durch seine guten Werke, sich solcher Sitze würdig zu erweisen; und er liebt auch Begrüßungen, die auf dem himmlischen Marktplatz gemacht werden, das heißt in den himmlischen Versammlungen der Urkirche. Aber der Gerechte möchte weder von Menschen noch von irgendeinem anderen Rabbi genannt werden, weil es einen Meister aller Menschen gibt.

Catena Aurea · Mt 23
Oder anders; Von den vorhergehenden Dingen, mit denen er die Pharisäer beschuldigt hatte, übergeht er nun viele als unbedeutend und solche, in denen seine Jünger nicht unterwiesen werden mußten; aber das, was die Ursache aller Übel war, nämlich das Streben nach dem Lehrstuhl, das betont er, um seine Jünger zu unterweisen.
Catena Aurea · Mt 23
Laßt euch nicht Rabbi nennen, damit ihr nicht für euch in Anspruch nehmt, was Gott gehört. Und nennt andere nicht Rabbi, damit ihr nicht Menschen eine göttliche Ehre erweist. Denn Einer ist der Meister aller, der alle Menschen von Natur aus unterweist. Denn wenn der Mensch vom Menschen gelehrt würde, würden alle Menschen lernen, die Lehrer haben; da aber nicht der Mensch lehrt, sondern Gott, werden viele gelehrt, aber wenige lernen. Der Mensch kann durch Lehre nicht einem Menschen Einsicht vermitteln, sondern die Einsicht, die von Gott gegeben wird, ruft der Mensch hervor.

Catena Aurea · Mt 23
Und damit die Jünger sich immer daran erinnern, daß sie die Kinder eines Vaters sind und daß sie durch ihre neue Geburt die Grenzen ihres irdischen Ursprungs überschritten haben.

Catena Aurea · Mt 23
(cont. Helvid. 15.) Alle Menschen können Brüder genannt werden in Zuneigung, die von zweierlei Art ist, allgemein und besonders. Besonders, wodurch alle Christen Brüder sind; allgemein, wodurch alle Menschen, die von einem Vater geboren sind, durch ein gleiches Band der Verwandtschaft verbunden sind.
Catena Aurea · Mt 23
Und nennt niemanden auf Erden euren Vater; denn obwohl in dieser Welt ein Mensch einen Menschen zeugt, so ist doch einer der Vater, der alle Menschen erschaffen hat. Denn wir haben nicht den Anfang des Lebens von unseren Eltern, sondern wir haben unser Leben durch sie vermittelt.
Catena Aurea · Mt 23
Doch wer nennt keinen Menschen auf Erden Vater? Derjenige, der bei jeder Handlung, die er wie vor Gott tut, sagt: Unser Vater, der du bist im Himmel.
Catena Aurea · Mt 23
(non occ.) Weil es klar war, wer der Vater aller ist, durch das, was gesagt wurde: Der du bist im Himmel, wollte er sie lehren, wer der Meister aller ist, und deshalb wiederholt er dasselbe Gebot bezüglich eines Meisters: Und lasst euch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, Christus.

Catena Aurea · Mt 23
Nicht dass, wenn Christus hier unser Meister genannt wird, der Vater ausgeschlossen wäre, so wie auch, wenn Gott unser Vater genannt wird, Christus nicht ausgeschlossen ist, der der Vater der Menschen ist.

Catena Aurea · Mt 23
Es ist eine Schwierigkeit, dass der Apostel gegen dieses Gebot sich selbst den Lehrer der Heiden nennt; und dass in Klöstern in ihrer gewöhnlichen Unterhaltung einer den anderen Vater nennt. Das ist so zu klären: Es ist eines, von Natur aus Vater oder Meister zu sein, ein anderes, durch Duldung. Wenn wir also irgendeinen Menschen unseren Vater nennen, tun wir es, um seinem Alter Respekt zu erweisen, nicht indem wir ihn als den Urheber unseres Seins betrachten. Wir nennen Menschen auch ‚Meister‘ wegen der Ähnlichkeit mit einem wahren Meister; und um keine langwierige Wiederholung zu gebrauchen: So wie der eine Gott und der eine Sohn, die von Natur aus sind, uns nicht daran hindern, andere Götter und Söhne durch Adoption zu nennen, so hindern der eine Vater und der eine Meister uns nicht daran, von anderen Vätern und Meistern durch einen Missbrauch der Begriffe zu sprechen.

Catena Aurea · Mt 23
Nicht nur verbietet der Herr uns, die Vorherrschaft zu suchen, sondern er möchte seinen Hörer zum genauen Gegenteil führen: Wer unter euch der Größte ist, soll euer Diener sein.
Catena Aurea · Mt 23
Oder anders: Und wenn einer das göttliche Wort dient, im Wissen, dass es Christus ist, der es fruchtbar macht, bekennt sich ein solcher als Diener und nicht als Meister; daher folgt: Wer unter euch der Größte ist, soll euer Diener sein. Wie Christus selbst, der in Wahrheit unser Meister war, sich als Diener bekannte und sagte: Ich bin in eurer Mitte wie einer, der dient. (Lukas 22:27.) Und gut beschließt er dieses Verbot aller eitlen Ruhmsucht mit den Worten: Und wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
Catena Aurea · Mt 23
Das bedeutet, dass jeder, der von seinen eigenen Verdiensten hoch denkt, vor Gott erniedrigt wird; und jeder, der sich wegen seiner guten Taten demütigt, wird bei Gott erhöht werden.
13 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt das Himmelreich vor den Menschen. Denn ihr selbst kommt nicht hinein und die, die hinein wollen, lasst ihr nicht hinein.
3 KommentareCatena Aurea · Mt 23
Christus ist wahrhaft der Sohn jenes Gottes, der das Gesetz gegeben hat; nach dem Beispiel der Segnungen, die im Gesetz ausgesprochen wurden, sprach er selbst die Segnungen der Geretteten aus; und auch nach den Flüchen des Gesetzes stellt er nun ein Wehe gegen die Sünder auf: Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler. Diejenigen, die zugeben, dass es mit der Güte vereinbar ist, diese Verurteilungen gegen Sünder auszusprechen, sollten verstehen, dass die Absicht Gottes bei den Flüchen des Gesetzes dieselbe ist. Sowohl der Fluch dort als auch das Wehe hier fallen auf den Sünder nicht von dem, der verflucht, sondern von ihnen selbst, die die Sünden begehen, die verflucht werden, und verdientermaßen die Züchtigungen von Gottes Zucht auf sich bringen, die zur Bekehrung der Menschen zum Guten bestimmt sind. So spricht ein Vater, der einen Sohn tadelt, Worte des Fluches aus, wünscht aber nicht, dass er dieser Flüche würdig werde, sondern vielmehr, dass er sich von ihnen abwende. Er fügt die Ursache dieses Wehes hinzu: Ihr verschließt das Himmelreich vor den Menschen; denn ihr geht weder selbst hinein, noch lasst ihr die hineingehen, die hineingehen wollen. Diese beiden Gebote sind von Natur aus untrennbar; denn schon das allein, andere nicht hineingehen zu lassen, reicht aus, um den Verhinderer draußen zu halten.
Catena Aurea · Mt 23
Mit dem Himmelreich sind die Schriften gemeint, weil in ihnen das Himmelreich liegt; das Verständnis dieser ist die Tür. Oder das Himmelreich ist die Seligkeit des Himmels, und seine Tür ist Christus, durch den die Menschen eingehen. Die Türhüter sind die Priester, denen das Wort der Lehre oder der Auslegung der Schrift anvertraut ist, durch die die Tür der Wahrheit den Menschen geöffnet wird. Das Öffnen dieser Tür ist die rechte Auslegung. Und beachte, dass er nicht sagte: Wehe euch, weil ihr öffnet, sondern: weil ihr verschließt; die Schriften sind also nicht verschlossen, obwohl sie dunkel sind.
Catena Aurea · Mt 23
Die Pharisäer und Schriftgelehrten wollten also weder hineingehen, noch auf ihn hören, der sagte: Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden; (Johannes 10:9.) noch wollten sie die hineingehen lassen, die durch das, was zuvor durch das Gesetz und die Propheten über Christus gesagt worden war, hätten glauben können, sondern verschlossen die Tür mit jeder Art von Kunstgriff, um die Menschen vom Eintreten abzuhalten. Auch schmälerten sie seine Lehre, leugneten jede Prophezeiung über ihn und lästerten jedes Wunder als trügerisch oder vom Teufel gewirkt. Alle, die in ihrem bösen Wandel dem Volk ein Beispiel des Sündigens geben und Unrecht begehen und die Schwachen ärgern, scheinen das Himmelreich vor den Menschen zu verschließen. Und diese Sünde findet sich unter dem Volk und besonders unter den Lehrern, wenn sie die Menschen lehren, was die Gerechtigkeit des Evangeliums von ihnen verlangt, aber nicht tun, was sie lehren. Diejenigen aber, die sowohl lehren als auch gut leben, öffnen den Menschen das Himmelreich und gehen sowohl selbst hinein als auch laden andere ein, hineinzugehen. Viele auch lassen diejenigen nicht hineingehen, die bereit sind, in das Himmelreich einzutreten, wenn sie ohne Grund aus Eifersucht andere, die besser sind als sie, exkommunizieren; so verweigern sie ihnen den Eintritt, aber diese, von nüchternem Geist, überwinden durch ihre Geduld diese Tyrannei und gehen, obwohl verboten, dennoch hinein und erben das Reich. Auch diejenigen, die mit großer Voreiligkeit sich dem Beruf des Lehrens gewidmet haben, bevor sie gelernt haben, und jüdischen Fabeln folgen, schmälern diejenigen, die die höheren Dinge der Schrift erforschen; diese verschließen, soweit es an ihnen liegt, die Menschen vom Himmelreich.
14 [Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr zehrt die Häuser der Witwen auf und verrichtet zum Schein lange Gebete. Deshalb habt ihr ein umso strengeres Urteil zu erwarten.]
7 Kommentare
Catena Aurea · Mt 23
(Hom. lxxiii.) Als Nächstes tadelt der Herr sie wegen ihrer Völlerei, und was das Schlimmste war, dass sie nicht von den Reichen, sondern von den Witwen nahmen, womit sie ihre Bäuche füllten, und so die Armut derer belasteten, die sie hätten unterstützen sollen.
Catena Aurea · Mt 23
(interlin.) Sie verschlingen die Häuser der Witwen, das heißt, eure Aberglauben haben nur dieses Ziel, nämlich Gewinn aus dem Volk zu ziehen, das euch unterstellt ist.
Catena Aurea · Mt 23
Das weibliche Geschlecht ist unvorsichtig, da es nicht mit Vernunft alles bedenkt, was es sieht oder hört; und schwach, da es leicht entweder vom Bösen zum Guten oder vom Guten zum Bösen gewendet wird. Das männliche Geschlecht ist vorsichtiger und kräftiger. Und deshalb üben Heuchler, die Heiligkeit vorgeben, am meisten an Frauen, die ihre Heuchelei nicht durchschauen können und leicht geneigt sind, sie aus religiösen Gründen zu lieben. Besonders Witwen wählen sie aus, um sie zu versuchen; erstens, weil eine Frau, die einen Ehemann hat, der sie berät, nicht so leicht getäuscht wird; und zweitens hat sie nicht die Mittel zu geben, da sie in der Macht ihres Ehemannes steht. Der Herr also, während er die jüdischen Priester verwirrt, unterweist die Christen, dass sie nicht häufiger Witwen als andere aufsuchen sollten, denn obwohl ihre Absicht nicht schlecht sein mag, gibt sie Anlass zu Verdacht.

Catena Aurea · Mt 23
Die Art dieser Plünderung ist schwerwiegend, denn sie halten lange Gebete. Jeder, der Böses tut, verdient Strafe; aber wer aus der Religion Anlass zu seinem Vergehen nimmt, verdient eine strengere Strafe; Darum werdet ihr ein schwereres Urteil empfangen.
Catena Aurea · Mt 23
Erstens, weil ihr böse seid, und dann, weil ihr den Mantel der Heiligkeit anlegt. Eure Habgier kleidet ihr in die Farbe der Religion und gebraucht Gottes Waffen im Dienst des Teufels, damit die Ungerechtigkeit geliebt wird, während sie für Frömmigkeit gehalten wird.

Catena Aurea · Mt 23
Oder weil ihre Beachtung des Himmelreichs daher rührt, dass sie ihre Praxis aufrechterhalten, in die Häuser der Witwen zu gehen, werden sie daher das schwerere Urteil empfangen, da sie ihre eigene Sünde und die Unwissenheit anderer zu verantworten haben.
Catena Aurea · Mt 23
(interlin. Lukas 12:47.) Oder weil der Knecht, der den Willen seines Herrn kannte und ihn nicht tat, mit vielen Schlägen geschlagen werden soll.
15 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Denn ihr reist über Meer und Land, um einen einzigen zum Proselyten zu machen, und wenn er es geworden ist, dann macht ihr aus ihm einen Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr selbst.
13 Kommentare
Catena Aurea · Mt 23
Die nächste Anklage gegen sie ist, dass sie der Rettung vieler nicht gewachsen sind, da sie so viel Mühe brauchen, um einen zur Rettung zu bringen; und nicht nur sind sie nachlässig in der Bekehrung, sondern zerstören sogar die, die sie bekehren, indem sie sie durch das Beispiel eines bösen Lebens verderben.

Catena Aurea · Mt 23
Dass sie Meer und Land umfahren, bedeutet, dass sie in der ganzen Welt Feinde des Evangeliums Christi sein werden und die Menschen unter das Joch des Gesetzes gegen die Rechtfertigung des Glaubens bringen werden. Es gab Proselyten, die aus den Heiden in die Synagoge aufgenommen wurden, deren geringe Zahl hier durch das Wort ‚ein Proselyt‘ bezeichnet wird. Denn nach der Verkündigung Christi blieb kein Glaube in ihrer Lehre, sondern wer für den Glauben der Juden gewonnen wurde, wurde ein Kind der Hölle.
Catena Aurea · Mt 23
Denn alle, die seit der Ankunft des Erlösers judaisieren, werden gelehrt, der Gesinnung jener zu folgen, die damals riefen: Kreuzige, kreuzige ihn.

Catena Aurea · Mt 23
Und er wird das Kind einer zweifachen Strafe, weil er nicht die Vergebung seiner heidnischen Sünden erlangt hat und weil er sich der Gemeinschaft derer angeschlossen hat, die Christus verfolgten.

Catena Aurea · Mt 23
Oder anders: Die Schriftgelehrten und Pharisäer durchzogen die ganze Welt, um Proselyten aus den Heiden zu machen, das heißt, um den unbeschnittenen Fremden mit dem Volk Gottes zu vermischen.
Catena Aurea · Mt 23
Und das nicht aus Mitleid, aus dem Verlangen, den zu retten, den sie lehrten, sondern entweder aus Habsucht, damit die größere Zahl von Anbetern die Zahl der Opfergaben vermehre, oder aus eitler Ruhmsucht. Denn wie sollte der, der selbst in einen Sumpf von Sünden versinkt, danach verlangen, einen anderen daraus zu befreien? Wird ein Mensch barmherziger zu einem anderen sein als zu sich selbst? An den Taten eines Menschen kann man daher erkennen, ob er die Bekehrung eines anderen um Gottes willen sucht oder aus eitler Ruhmsucht.

Catena Aurea · Mt 23
(Mor. xxxi. 9.) Da jedoch die Heuchler, obwohl sie stets krumme Wege gehen, doch nicht aufhören, Richtiges zu reden, und so durch ihre guten Unterweisungen Söhne zeugen, aber sie nicht durch ein gutes Leben erziehen können, sondern je mehr sie sich weltlichen Werken hingeben, desto bereitwilliger lassen sie die, die sie gezeugt haben, dasselbe tun. Und weil ihre Herzen verhärtet sind, erkennen sie eben diese Söhne, die sie gezeugt haben, nicht durch irgendein Zeichen der geschuldeten Zuneigung an. Daher wird hier von den Heuchlern gesagt: Und wenn er es geworden ist, macht ihr ihn zu einem zweifach mehr Kind der Hölle als euch selbst.

Catena Aurea · Mt 23
(cont. Faust. xvi. 29. et cf. cont. Adimant. 16.) Dies sagte er nicht, weil die Proselyten beschnitten wurden, sondern weil sie das Leben derer nachahmten, deren Nachfolge er seinen Jüngern verboten hatte, indem er sprach: Tut nicht nach ihren Werken. Zwei Dinge sind in diesem Gebot zu beachten: erstens die Ehre, die der Lehre des Mose erwiesen wird, (Mt 23,3) dass selbst böse Menschen, wenn sie auf seinem Stuhl sitzen, gezwungen sind, Gutes zu lehren; und dass der Proselyt zum Kind der Hölle wird, nicht durch das Hören der Worte des Gesetzes, sondern durch die Nachfolge ihrer Taten. Und zweifach mehr als sie aus diesem Grund, dass er es versäumt, das zu erfüllen, was er aus eigener Wahl übernommen hat, da er nicht als Jude geboren, sondern aus freiem Willen Jude geworden ist.

Catena Aurea · Mt 23
Oder weil er, während er ein Heide war, in Unwissenheit irrte und nur ein Kind der Hölle war; da er aber die Laster seiner Lehrer sah und verstand, dass sie in ihren Taten zerstörten, was sie in Worten lehrten, kehrt er zu seinem Erbrochenen zurück und wird, wieder ein Heide, einer größeren Strafe würdig als einer, der seine Sache verlassen hat.
Catena Aurea · Mt 23
Oder weil er, während er ein Götzendiener war, die Gerechtigkeit sogar um der Menschen willen beobachtete; als er aber ein Jude wurde, durch das Beispiel böser Lehrer angeregt, schlechter wurde als seine Lehrer.

Catena Aurea · Mt 23
Denn ein Jünger ahmt einen tugendhaften Lehrer nach, übertrifft aber einen lasterhaften.

Catena Aurea · Mt 23
Er wird ein Kind der Hölle genannt, so wie einer ein Kind des Verderbens und ein Kind dieser Welt genannt wird; jeder Mensch wird der Sohn dessen genannt, dessen Werke er tut.
Catena Aurea · Mt 23
Von dieser Stelle lernen wir, dass es einen Unterschied der Qualen in der Hölle geben wird, da hier einer nur ein Kind der Hölle genannt wird, ein anderer zweifach. Und wir müssen hier bedenken, ob es möglich ist, dass ein Mensch allgemein ein Kind der Hölle ist, wie etwa ein Jude oder ein Heide, oder ob speziell infolge bestimmter Sünden; dass, wie ein Gerechter in Herrlichkeit durch die Fülle seiner Gerechtigkeiten vermehrt wird, so die Strafe eines Sünders durch die Zahl seiner Sünden vielfach vermehrt wird.
16 Weh euch, blinde Führer, die ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, so ist das nichts; wer aber beim Gold des Tempels schwört, der ist gebunden. 17 Ihr Toren und Blinden! Was ist denn wertvoller, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt? 18 Oder: Wenn einer beim Altar schwört, so ist das nichts; wer aber bei der Gabe schwört, die darauf liegt, der ist gebunden. 19 Ihr Blinden! Was ist denn größer, die Gabe oder der Altar, der die Gabe heiligt? 20 Wer also beim Altar schwört, der schwört bei ihm und allem, was darauf liegt, 21 und wer beim Tempel schwört, der schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt. 22 Und wer beim Himmel schwört, der schwört beim Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.
9 Kommentare
Catena Aurea · Mt 23
Wie sie durch das Anfertigen breiter Gebetsriemen und Quasten nach dem Ruf der Heiligkeit strebten und dies wieder zu einem Mittel des Gewinns machten, so beschuldigt er sie nun, Lehrer der Bosheit durch ihre betrügerische Vorgabe der Tradition zu sein. Denn wenn in einem Streit oder Zank oder in einer zweifelhaften Sache einer beim Tempel schwor und später der Lüge überführt wurde, wurde er nicht für schuldig gehalten. Das ist gemeint mit: Wer beim Tempel schwört, das ist nichts, das heißt, er schuldet nichts; aber wenn er beim Gold oder beim Geld geschworen hatte, das den Priestern im Tempel dargebracht wurde, wurde er sofort gezwungen, das zu zahlen, bei dem er geschworen hatte.
Catena Aurea · Mt 23
Der Tempel gehört zur Ehre Gottes und zum geistlichen Heil des Menschen, aber das Gold des Tempels, obwohl es zur Ehre Gottes gehört, doch mehr noch zum Vergnügen des Menschen und zum Nutzen der Priester. Die Juden erklärten daher das Gold, das sie erfreute, und die Gaben, die sie nährten, für heiliger als den Tempel, damit sie die Menschen mehr dazu brächten, Gaben darzubringen, als im Tempel Gebete auszugießen. Daher tadelt der Herr sie passend mit diesen Worten. Doch haben einige Christen gegenwärtig eine ebenso törichte Vorstellung. Siehe, sagen sie, wenn einer bei Gott schwört, scheint es nichts zu sein; aber wenn einer beim Evangelium schwört, scheint er etwas Großes getan zu haben. Ihnen werden wir in gleicher Weise sagen: Ihr Toren und Blinden! Die Schriften wurden wegen Gott geschrieben, Gott ist nicht wegen der Schriften. Größer ist daher Gott als das, was durch ihn geheiligt wird.

Catena Aurea · Mt 23
Wenn wiederum einer beim Altar schwor, hielt ihn keiner des Meineids für schuldig; aber wenn er bei der Gabe oder den Opfern oder den anderen Dingen schwor, die Gott auf dem Altar dargebracht werden, forderten sie dies mit größter Strenge. Und all dies taten sie nicht aus Furcht vor Gott, sondern aus Habsucht. So beschuldigt der Herr sie sowohl der Torheit als auch des Betrugs, da der Altar viel größer ist als die Opfer, die durch den Altar geheiligt werden.
Catena Aurea · Mt 23
(non occ.) Und damit ihre Verblendung nicht so weit gehe, dass sie behaupten, das Gold sei heiliger als der Tempel und die Gabe heiliger als der Altar, argumentiert er auf einer anderen Grundlage, dass im Eid, der beim Tempel und beim Altar geschworen wird, der Eid beim Gold oder bei der Gabe enthalten ist.
Catena Aurea · Mt 23
In gleicher Weise missbilligt er den Brauch der Juden, beim Himmel zu schwören. Denn sie vermieden nicht, wie sie annahmen, die Gefahr, einen Eid bei Gott zu leisten, weil: Wer beim Himmel schwört, schwört beim Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.
Catena Aurea · Mt 23
(ord.) Denn wer bei einem Geschöpf schwört, das unterworfen ist, schwört bei der Gottheit, die über die Schöpfung herrscht.
Catena Aurea · Mt 23
Nun ist ein Eid eine Bekräftigung von etwas Gesagtem. Der Eid kann hier also das Zeugnis der Schrift bedeuten, das wir zur Bekräftigung jenes Wortes anführen, das wir sprechen. So ist die göttliche Schrift der Tempel Gottes, das Gold ist der Sinn, den sie enthält. Wie das Gold, das außerhalb des Tempels ist, nicht geheiligt ist, so sind alle Gedanken, die außerhalb der göttlichen Schrift stehen, wie bewundernswert sie auch erscheinen mögen, nicht geheiligt. Wir dürfen daher keine eigenen Spekulationen zur Bekräftigung der Lehre vorbringen, außer solchen, von denen wir zeigen können, dass sie durch ihre Enthaltung in der göttlichen Schrift geheiligt sind. Der Altar ist das menschliche Herz, das das Hauptstück im Menschen ist. Die Opfer und Gaben, die auf dem Altar verborgen sind, sind alles, was im Herzen getan wird, wie beten, singen, Almosen geben, fasten. Jede Opfergabe eines Menschen wird also durch sein Herz geheiligt, durch das die Opfergabe dargebracht wird. Es kann daher keine ehrenvollere Opfergabe geben als das Herz des Menschen, aus dem die Opfergabe hervorgeht. Wenn also das Gewissen einen nicht schlägt, hat er Zuversicht zu Gott, nicht wegen seiner Gaben, sondern sozusagen weil er den Altar seines Herzens recht geordnet hat. Drittens können wir sagen, dass über dem Tempel, das heißt über jeder Schrift, und über dem Altar, das heißt über jedem Herzen, ein gewisser Sinn steht, der Himmel genannt wird, der Thron Gottes selbst, in dem wir die Dinge, die offenbart sind, von Angesicht zu Angesicht sehen können, wenn das Vollkommene gekommen ist.

Catena Aurea · Mt 23
Denn da Christus gekommen ist, ist das Vertrauen auf das Gesetz vergeblich; denn nicht Christus durch das Gesetz, sondern das Gesetz durch Christus ist geheiligt, in dem es ruht wie auf einem Sitz oder Thron; so sind sie Toren und Blinde, die, den Heiligenden übersehend, den geheiligten Dingen Ehre erweisen.

Catena Aurea · Mt 23
(Quæst. Ev. i. 34.) Den Tempel und den Altar können wir auch auf Christus selbst verstehen; das Gold und die Gaben auf das Lob und das Opfer des Gebets, das wir in ihm und durch ihn darbringen. Denn nicht er durch sie, sondern sie durch ihn sind geheiligt.
23 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel, aber das Wichtigste im Gesetz schiebt ihr beiseite: die Gerechtigkeit, das Erbarmen und die Treue. Dies aber sollte man tun und jenes nicht lassen. 24 Ihr blinden Führer, die ihr die Mücken aussiebt, das Kamel aber verschluckt!
9 Kommentare
Catena Aurea · Mt 23
Der Herr hatte oben gesagt, dass sie anderen schwere Lasten aufbürden, die sie selbst nicht anrühren; nun zeigt er wiederum, wie sie danach streben, in kleinen Dingen korrekt zu sein, aber die gewichtigen Angelegenheiten vernachlässigen.

Catena Aurea · Mt 23
Der Herr hatte geboten, dass zur Erhaltung der Priester und Leviten, deren Anteil der Herr war, im Tempel der Zehnte von allem dargebracht werden sollte. Dementsprechend kümmerten sich die Pharisäer (um mystische Auslegungen beiseite zu lassen) allein darum, dass diese geringfügigen Dinge bezahlt wurden, während sie andere Dinge, die gewichtig waren, gering schätzten. Er klagt sie also der Habgier an, weil sie sorgfältig den Zehnten von wertlosen Kräutern einforderten, während sie die Gerechtigkeit in ihren Geschäften, die Barmherzigkeit gegenüber den Armen und den Glauben an Gott vernachlässigten, welche gewichtige Dinge sind.
Catena Aurea · Mt 23
Oder: Weil diese habgierigen Priester, wenn jemand seinen Zehnten von der kleinsten Sache nicht brachte, dies zu einem Gegenstand schweren Tadels machten; wenn aber jemand seinen Nächsten schädigte oder gegen Gott sündigte, machten sie sich keine Mühe, ihn zu tadeln, sondern kümmerten sich nur um ihren eigenen Nutzen, vernachlässigten die Ehre Gottes und das Heil der Menschen. Denn Gerechtigkeit zu üben, Barmherzigkeit zu erweisen und Glauben zu haben, diese Dinge gebot Gott zu seiner eigenen Ehre; aber die Zahlung des Zehnten setzte er zur Unterstützung der Priester fest, damit die Priester dem Volk in geistlichen Dingen dienten und das Volk die Priester mit leiblichen Dingen versorgte. So ist es zu dieser Zeit, da alle auf ihre eigene Ehre bedacht sind, keiner auf Gottes Ehre; sie schützen eifersüchtig ihre eigenen Rechte, wollen aber keine Mühe im Dienst der Kirche aufwenden. Wenn das Volk seinen Zehnten nicht gebührend zahlt, murren sie; wenn sie aber das Volk in Sünde sehen, sagen sie kein Wort gegen sie. Da aber einige der Schriftgelehrten und Pharisäer, zu denen er jetzt spricht, aus dem Volk waren, ist es nicht unpassend, eine andere Auslegung zu geben; und ‚den Zehnten geben‘ kann ebenso von dem gesagt werden, der zahlt, wie von dem, der empfängt. Die Schriftgelehrten also und Pharisäer brachten den Zehnten von den allerbesten Dingen dar, um ihre Gerechtigkeit zur Schau zu stellen; aber in ihren Urteilen waren sie ungerecht, ohne Barmherzigkeit für ihre Brüder, ohne Glauben an die Wahrheit.
Catena Aurea · Mt 23
Da es aber möglich war, dass einige, die den Herrn so sprechen hörten, daraufhin die Zahlung des Zehnten von kleinen Dingen vernachlässigten, fügt er klug hinzu: Dieses solltet ihr getan haben (d. h. Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Glauben), und jenes nicht lassen, d. h. die Verzehnung von Minze, Anis und Kümmel.
Catena Aurea · Mt 23
Mit diesen Worten zeigt der Herr, dass alle Gebote des Gesetzes, die größten und die kleinsten, erfüllt werden müssen. Widerlegt werden auch die, welche Almosen von den Früchten der Erde geben und meinen, dass sie so nicht sündigen können, während ihnen ihre Almosen nichts nützen, wenn sie sich nicht sorgfältig vor Sünde hüten.

Catena Aurea · Mt 23
Und weil es viel weniger Schuld war, die Verzehnung von Kräutern zu unterlassen als eine Pflicht der Wohltätigkeit, verspottet der Herr sie: Ihr blinden Führer, die ihr eine Mücke aussiebt und ein Kamel verschluckt.

Catena Aurea · Mt 23
Unter dem Kamel verstehe ich die gewichtigen Gebote: Gericht, Barmherzigkeit und Glauben; unter der Mücke die Verzehnung von Minze, Anis und Kümmel und anderen wertlosen Kräutern. Die größeren Gebote Gottes verschlucken und übersehen wir, zeigen aber unsere Nachlässigkeit durch eine religiöse Ängstlichkeit in kleinen Dingen, die Gewinn bringen.
Catena Aurea · Mt 23
Oder: Eine Mücke aussieben, das heißt kleine Sünden von sich tun; ein Kamel verschlucken, das heißt große Sünden begehen, die er wegen der Größe und der verzerrten Gestalt jenes Tieres Kamele nennt. Moralisch: Die Schriftgelehrten sind die, welche meinen, in der Schrift sei nichts anderes enthalten als der bloße Buchstabe zeigt; die Pharisäer sind alle, die sich selbst für gerecht halten und sich von anderen absondern, indem sie sagen: ‚Komm mir nicht nahe, denn ich bin rein.‘ Minze, Anis und Kümmel sind die Würze, nicht der wesentliche Teil der Speise; wie es in unserem Leben und Wandel einige Dinge gibt, die zur Rechtfertigung notwendig sind, wie Gericht, Barmherzigkeit und Glauben; und andere, die wie die Würze unserer Handlungen sind, ihnen Geschmack und Süße verleihen, wie Enthaltung vom Lachen, Fasten, Kniebeugen und dergleichen. Wie sollten die nicht als blind gerichtet werden, die nicht sehen, dass es wenig nützt, in den geringsten Dingen ein sorgfältiger Verwalter zu sein, wenn die wichtigsten Dinge vernachlässigt werden? Diese seine gegenwärtige Rede stürzt jene um; er verbietet nicht, die kleinen Dinge zu beachten, sondern gebietet, die Hauptdinge sorgfältiger zu halten.

Catena Aurea · Mt 23
(Mor. i. 15.) Oder anders: Die Mücke sticht, während sie summt; das Kamel beugt seinen Rücken, um die Last aufzunehmen. Die Juden siebten damals die Mücke aus, als sie beteten, man möge ihnen den aufrührerischen Räuber freigeben; und sie verschluckten das Kamel, als sie mit Geschrei den Tod dessen suchten, der freiwillig die Last unserer Sterblichkeit auf sich genommen hatte.
25 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr reinigt das Äußere von Becher und Schüssel, innen aber sind sie voll von Raub und Unmäßigkeit. 26 Blinder Pharisäer, reinige zuerst, was im Becher ist, damit auch sein Äußeres rein wird.
6 Kommentare
Catena Aurea · Mt 23
Mit anderen Worten, aber zum selben Inhalt wie zuvor, tadelt er die Heuchelei und Verstellung der Pharisäer, dass sie draußen vor den Menschen ein Gesicht zeigten, daheim aber ein anderes trugen. Er meint hier nicht, dass ihre Ängstlichkeit bezüglich des Bechers und der Schüssel von irgendeiner Bedeutung war, sondern dass sie es taten, um ihre Heiligkeit den Menschen vorzuführen; was daraus klar wird, dass er hinzufügt: Innerlich aber seid ihr voll Raub und Unreinheit.
Catena Aurea · Mt 23
Oder er meint, dass die Juden, wann immer sie den Tempel betreten oder ein Opfer darbringen oder an irgendeinem Fest teilnehmen wollten, sich selbst, ihre Kleider und ihre Gefäße wuschen, aber keiner sich von seinen Sünden reinigte; Gott aber lobt weder die leibliche Reinheit noch verurteilt er das Gegenteil. Aber angenommen, die Unsauberkeit der Person oder der Gefäße wäre Gott zuwider, die doch durch den Gebrauch unrein werden muss, wie viel mehr verabscheut er nicht die Unsauberkeit des Gewissens, die wir, wenn wir wollen, immer rein halten können?

Catena Aurea · Mt 23
Er tadelt also die, welche einer Zurschaustellung nutzloser Ängstlichkeit nachjagten und die Erfüllung nützlicher Sittlichkeit vernachlässigten. Denn das Innere des Bechers wird gebraucht; wenn jenes unrein ist, was nützt es, das Äußere zu reinigen? Und deshalb ist Reinheit des inneren Gewissens nötig, damit das, was am Körper ist, äußerlich rein sei.
Catena Aurea · Mt 23
Dies sagt er nicht vom sinnlichen Becher und der Schüssel, sondern von dem des Verstandes, der vor Gott rein sein kann, auch wenn er nie Wasser berührt hat; wenn er aber gesündigt hat, dann ist er, obwohl das Wasser des ganzen Ozeans und aller Flüsse ihn gewaschen haben, vor Gott unrein und schuldig.

Catena Aurea · Mt 23
Beachte, dass er, als er vom Zehnten sprach, sagte: Dieses solltet ihr getan haben, und jenes nicht lassen; denn der Zehnte ist eine Art Almosen, und was ist daran falsch, Almosen zu geben? Doch sagte er es nicht, um einen gesetzlichen Aberglauben durchzusetzen. Hier aber, wo er von reinen und unreinen Dingen spricht, fügt er dies nicht hinzu, sondern unterscheidet und zeigt, dass die äußere Reinheit notwendig aus der inneren folgt; das Äußere des Bechers und der Schüssel bedeutet den Leib, das Innere die Seele.
Catena Aurea · Mt 23
Diese Rede lehrt uns, dass wir danach streben sollen, gerecht zu werden, nicht danach, so zu scheinen. Denn wer danach strebt, dafür gehalten zu werden, reinigt das Äußere und kümmert sich um das Sichtbare, vernachlässigt aber das Herz und das Gewissen. Wer aber danach strebt, das zu reinigen, was innen ist, das heißt die Gedanken, macht dadurch auch das Äußere rein. Alle Lehrer falscher Lehre sind Becher, die außen gereinigt sind wegen des Anscheins von Religion, den sie zur Schau tragen, innen aber voll Raub und Trug sind und die Menschen in Irrtum stürzen. Der Becher ist ein Gefäß für Flüssigkeiten, die Schüssel für Speise. Jede Rede also, von der wir geistig trinken, und jede Sprache, mit der wir gespeist werden, sind Gefäße für Speise und Trank. Die sich bemühen, wohlgeformte Rede vorzubringen statt solcher, die von heilsamem Sinn erfüllt ist, sind außen gereinigte Becher; innen aber voll der Befleckung der Eitelkeit. Auch der Buchstabe des Gesetzes und der Propheten ist ein Becher geistigen Trankes und eine Schüssel notwendiger Speise. Die Schriftgelehrten und Pharisäer suchen den äußeren Sinn klar zu machen; die Jünger Christi bemühen sich, den geistigen Sinn darzulegen.
27 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gleicht getünchten Gräbern, die von außen schön aussehen, innen aber voll sind von Totengebein und aller Unreinheit. 28 So erscheint auch ihr äußerlich den Menschen als Gerechte, innerlich aber seid ihr voll von Heuchelei und Gesetzlosigkeit.
6 KommentareCatena Aurea · Mt 23
Wie oben gesagt wird, dass sie voll Raub und Ausschweifung sind, so sind sie hier voll Heuchelei und Ungerechtigkeit und werden mit Totengebeinen und aller Unreinheit verglichen.
Catena Aurea · Mt 23
Mit Recht werden die Leiber der Gerechten Tempel genannt, weil im Leib des Gerechten die Seele herrscht wie Gott in seinem Tempel; oder weil Gott selbst in den Leibern der Gerechten wohnt. Die Leiber der Sünder aber werden Gräber der Toten genannt, weil die Seele des Sünders in seinem Leib tot ist; denn das kann nicht als lebendig gelten, was keine geistige oder lebendige Handlung vollbringt.

Catena Aurea · Mt 23
Gräber sind außen mit Kalk getüncht und mit Marmor geschmückt, der in Gold und verschiedenen Farben bemalt ist, innen aber voll von Totengebeinen. So zeigen verdrehte Lehrer, die eines lehren und anderes tun, Reinheit in ihrer Kleidung und Demut in ihrer Rede, sind aber innen voll aller Unreinheit, Habgier und Wollust.
Catena Aurea · Mt 23
Denn alle erheuchelte Gerechtigkeit ist tot, da sie nicht um Gottes willen geschieht; ja, sie ist überhaupt keine Gerechtigkeit, ebenso wenig wie ein toter Mensch ein Mensch ist oder ein Schauspieler, der eine Rolle darstellt, der Mensch ist, den er darstellt. Es ist also in ihnen so viel von Gebeinen und Unreinheit, wie die guten Dinge, die sie böswillig vortäuschen. Und sie scheinen äußerlich gerecht, nicht in den Augen derer, die die Schrift Götter nennt (Ps. 82,6), sondern nur in den Augen derer, die wie Menschen sterben.

Catena Aurea · Mt 23
(Mor. xxvi. 32.) Aber vor ihrem strengen Richter können sie nicht die Ausrede der Unwissenheit vorbringen, denn indem sie in den Augen der Menschen jede Form von Heiligkeit annehmen, bezeugen sie gegen sich selbst, dass sie nicht unwissend sind, wie man gut leben soll.
Catena Aurea · Mt 23
Aber sage, du Heuchler, wenn es gut ist, böse zu sein, warum begehrst du nicht, das zu scheinen, was du zu sein begehrst? Denn was schändlich ist zu scheinen, das ist noch schändlicher zu sein; und was zu scheinen schön ist, das ist schöner zu sein. Sei also entweder, was du scheinst, oder scheine, was du bist.
29 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr baut den Propheten Gräber und schmückt die Grabmäler der Gerechten 30 und sagt: Hätten wir in den Tagen unserer Väter gelebt, wir hätten uns nicht mitschuldig gemacht am Blut der Propheten. 31 So stellt ihr euch selbst das Zeugnis aus, dass ihr Söhne der Prophetenmörder seid.
9 Kommentare
Catena Aurea · Mt 23
Durch einen äußerst feinen Syllogismus erweist Er sie als Söhne von Mördern, während sie, um guten Ruf und Ansehen beim Volk zu erlangen, die Gräber der Propheten bauen, die ihre Väter getötet hatten.
Catena Aurea · Mt 23
Ohne gerechten Grund scheint Er gegen diejenigen Verwünschungen auszusprechen, die die Gräber der Propheten bauen; denn soweit war, was sie taten, lobenswert; wie verdienen sie dann dieses Wehe?

Catena Aurea · Mt 23
(Hom. lxxiv.) Er tadelt sie nicht dafür, dass sie die Gräber bauen, sondern deckt die Absicht auf, mit der sie sie bauten; diese war nicht, die Getöteten zu ehren, sondern sich selbst ein Siegesdenkmal des Mordes zu errichten, aus Furcht, dass mit der Zeit die Erinnerung an ihre frevelhafte Tat vergehen könnte.
Catena Aurea · Mt 23
Oder sie sagten bei sich selbst: Wenn wir den Armen Gutes tun, sehen es nicht viele, und dann nur für einen Augenblick; wäre es nicht besser, Gebäude zu errichten, die alle sehen können, nicht nur jetzt, sondern für alle kommende Zeit? O törichter Mensch, was nützt dieses nachträgliche Andenken, wenn du dort, wo du bist, gequält wirst und dort, wo du nicht bist, gelobt wirst? Während Er die Juden zurechtweist, unterweist Er die Christen; denn wären diese Dinge nur zu jenen gesprochen worden, wären sie gesprochen, aber nicht geschrieben worden; nun aber wurden sie um ihretwillen gesprochen und um unseretwillen geschrieben. Wenn einer neben anderen guten Werken heilige Gebäude errichtet, ist das eine Hinzufügung zu seinen guten Werken; wenn aber ohne andere gute Werke, ist es eine Leidenschaft für weltlichen Ruhm. Die Märtyrer freuen sich nicht, mit Geld geehrt zu werden, das die Armen zum Weinen gebracht hat. Die Juden waren zudem stets Verehrer der Heiligen früherer Zeiten und Verächter, ja Verfolger der Lebenden. Weil sie die Vorwürfe ihrer eigenen Propheten nicht ertragen konnten, verfolgten und töteten sie sie; aber später erkannte die nachfolgende Generation den Irrtum ihrer Väter und errichtete so in Trauer über den Tod unschuldiger Propheten Denkmäler für sie. Doch sie selbst verfolgten und töteten in gleicher Weise die Propheten ihrer eigenen Zeit, wenn diese sie wegen ihrer Sünden tadelten. Das ist gemeint mit: Und ihr sagt: Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, wir hätten uns nicht mit ihnen am Blut der Propheten beteiligt.

Catena Aurea · Mt 23
Obwohl sie dies nicht mit Worten sagen, verkünden sie es durch ihre Taten, in ehrgeizigen und prächtigen Bauwerken zu ihrem Andenken.
Catena Aurea · Mt 23
Was sie in ihren Herzen dachten, das sprachen sie durch ihre Taten aus. Christus legt hier die natürliche Gewohnheit aller bösen Menschen bloß; jeder erkennt leicht den Fehler des anderen, aber keiner den eigenen; denn im Fall des anderen hat jeder ein unvoreingenommenes Herz, im eigenen Fall aber ist es verdreht. Daher können wir alle im Fall anderer leicht gerechte Richter sein. Nur der ist wahrhaft gerecht und weise, der sich selbst richten kann. Es folgt: Darum seid ihr Zeugen gegen euch selbst, dass ihr die Söhne derer seid, die die Propheten getötet haben.

Catena Aurea · Mt 23
Was für eine Anschuldigung ist das, einen Sohn eines Mörders zu nennen, der nicht an der Gesinnung seines Vaters teilhat? Offensichtlich liegt darin keine Schuld; daher muss dies zum Beweis ihrer Ähnlichkeit in der Bosheit gesagt sein.
Catena Aurea · Mt 23
Der Charakter der Eltern ist ein Zeugnis für die Söhne; wenn der Vater gut und die Mutter böse ist oder umgekehrt, können die Kinder manchmal dem einen, manchmal der anderen folgen. Wenn aber beide gleich sind, geschieht es sehr selten, dass aus guten Eltern böse Söhne hervorgehen oder umgekehrt, obwohl es manchmal so ist. Dies ist, wie wenn ein Mensch manchmal außerhalb der Regel der Natur geboren wird, mit sechs Fingern oder ohne Augen.
Catena Aurea · Mt 23
Und in den prophetischen Schriften ist der historische Sinn der Leib, die geistliche Bedeutung die Seele; die Gräber sind der Buchstabe und die Bücher der Schrift selbst. Diejenigen also, die nur auf die historische Bedeutung achten, ehren die Leiber der Propheten und setzen sie in den Buchstaben wie in ein Grab; und werden Pharisäer genannt, d. h. ‚Abgeschnittene‘, als ob sie die Seele der Propheten von ihrem Leib abschneiden.
32 Macht nur das Maß euerer Väter voll! 33 Ihr Schlangen! Ihr Natternbrut! Wie wollt ihr dem Gericht der Hölle entrinnen? 34 Darum seht, ich sende zu euch Propheten, Weise und Schriftgelehrte. Etliche von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, andere werdet ihr in eueren Synagogen geißeln und von Stadt zu Stadt verfolgen, 35 damit über euch alles gerechte Blut kommt, das auf der Erde vergossen wurde, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, Barachias' Sohn, den ihr zwischen Tempel und Altar ermordet habt. 36 Amen, ich sage euch: Dies alles wird über dieses Geschlecht kommen.
23 Kommentare
Catena Aurea · Mt 23
Er hatte gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer gesagt, dass sie die Söhne derer seien, die die Propheten getötet hatten; nun zeigt Er daher, dass sie ihnen in der Bosheit ähnlich waren und dass das falsch war, was sie sagten: Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, wir hätten uns nicht mit ihnen am Blut der Propheten beteiligt. Daher sagt Er nun: Füllt ihr das Maß eurer Väter. Dies ist kein Befehl, sondern eine Prophezeiung dessen, was geschehen wird.
Catena Aurea · Mt 23
Er sagt voraus, dass, wie ihre Väter die Propheten töteten, so auch sie Christus, die Apostel und andere heilige Männer töten würden. Wie wenn du mit jemandem Streit hättest, könntest du zu deinem Gegner sagen: Tu mir, was du tun willst; aber du befiehlst ihm damit nicht, es zu tun, sondern zeigst ihm, dass du seine Machenschaften kennst. Und tatsächlich gingen sie über das Maß ihrer Väter hinaus; denn jene töteten nur Menschen, diese kreuzigten Gott. Aber weil Er aus freier Wahl den Tod auf sich nahm, legt Er ihnen nicht die Sünde seines Todes zur Last, sondern nur den Tod der Apostel und anderer heiliger Männer. Daher sagte Er auch: Füllt, und nicht: Füllt über; denn ein gerechter und barmherziger Richter übersieht seine eigenen Kränkungen und bestraft nur die, die anderen zugefügt wurden.
Catena Aurea · Mt 23
Sie füllen das Maß der Sünden ihrer Väter durch ihren Unglauben an Christus. Und die Ursache ihres Unglaubens war, dass sie nur auf den Buchstaben und den Leib schauten und nichts Geistliches in ihnen verstehen wollten.

Catena Aurea · Mt 23
Weil sie also das Maß der Absichten ihrer Väter füllen werden, darum sind sie Schlangen und eine Brut von Ottern.

Catena Aurea · Mt 23
Dasselbe hatte Johannes der Täufer gesagt. Denn wie von Ottern Ottern geboren werden, so seid ihr von euren Vätern, die Mörder waren, als Mörder geboren.
Catena Aurea · Mt 23
Er nennt sie Brut von Ottern, weil die Natur der Ottern so ist, dass die Jungen den Mutterleib aufsprengen und so hervorkommen; und in ähnlicher Weise verurteilten die Juden ihre Väter und tadeten ihre Taten. Er sagt: Wie werdet ihr der Verdammnis der Hölle entgehen? Durch den Bau der Gräber der Heiligen? Aber der erste Schritt der Frömmigkeit ist, die Heiligkeit zu lieben, der nächste, die Heiligen zu lieben; denn es ist nicht vernünftig, dass der die Gerechten ehrt, der die Gerechtigkeit verachtet. Die Heiligen können denen nicht Freunde sein, denen Gott ein Feind ist. Werdet ihr durch einen bloßen Namen gerettet werden, weil ihr zum Volk Gottes zu gehören scheint? Denn wie ein offener Feind besser ist als ein falscher Freund, so ist der Gott verhasster, der sich Diener Gottes nennt und die Gebote des Teufels tut. Ja, vor Gott ist, wer beschlossen hat, einen Wurm zu töten, ein Mörder, bevor die Tat getan ist, denn der Wille wird für das Gute belohnt oder für das Böse bestraft. Taten sind Beweise des Willens. Gott verlangt also nicht Taten um seinetwillen, damit Er wisse, wie Er richten soll, sondern um der anderen Menschen willen, damit sie erkennen, dass Gott gerecht ist. Und Gott gewährt den Bösen die Gelegenheit zur Sünde, nicht um sie sündigen zu lassen, sondern um den Sünder zu offenbaren; und auch den Guten gibt Er Gelegenheit, die Absicht ihres Willens zu zeigen. Auf diese Weise gab Er den Schriftgelehrten und Pharisäern Gelegenheit, ihre Absichten zu zeigen: Siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte.

Catena Aurea · Mt 23
Das heißt die Apostel, die, da sie Zukünftiges vorhersagen, Propheten sind; da sie die Erkenntnis Christi haben, Weise; da sie das Gesetz verstehen, Schriftgelehrte.

Catena Aurea · Mt 23
Oder, wie der Apostel an die Korinther schreibt (1 Kor 12), dass es verschiedene Gaben unter den Jüngern Christi gibt; einige Propheten, die Zukünftiges vorhersagen; einige Weise, die wissen, wann sie sprechen sollen; andere Schriftgelehrte, die im Gesetz unterrichtet sind; von denen Stephanus gesteinigt, Paulus getötet, Petrus gekreuzigt und die Jünger der Apostel in der Apostelgeschichte geschlagen wurden; und sie verfolgten sie von Stadt zu Stadt und trieben sie aus Judäa, damit sie zu den Heiden gingen.
Catena Aurea · Mt 23
Oder die Schriftgelehrten, die von Christus gesandt werden, sind Schriftgelehrte nach dem Evangelium, die der Geist lebendig macht und der Buchstabe nicht tötet, wie es der Buchstabe des Gesetzes tat, dem zu folgen in eitle Aberglauben führte. Die einfachen Worte des Evangeliums genügen zur Erlösung. Aber die Schriftgelehrten des Gesetzes geißeln noch die Schriftgelehrten des Neuen Testaments, indem sie in ihren Synagogen von ihnen ablenken; und auch die Häretiker, die geistliche Pharisäer sind, ermorden mit ihren Zungen die Christen und verfolgen sie von Stadt zu Stadt, manchmal im Leib, manchmal auch im Geist, und suchen sie aus ihrer eigenen Stadt des Gesetzes, der Propheten und des Evangeliums in ein anderes Evangelium zu treiben.

Catena Aurea · Mt 23
Dann, um ihnen zu zeigen, dass sie dies nicht ohne Strafe tun würden, hält Er ihnen einen unsagbaren Schrecken vor: Damit über euch komme all das gerechte Blut.

Catena Aurea · Mt 23
Das heißt, all die Rache, die für das Vergießen des Blutes der Gerechten fällig ist.

Catena Aurea · Mt 23
Bezüglich des hier erwähnten Abel besteht kein Zweifel, dass es der ist, den sein Bruder Kain ermordet hat. Er erweist sich als gerecht, nicht nur durch dieses Urteil des Herrn, sondern auch durch die Stelle in Genesis, die besagt, dass seine Opfer von Gott angenommen wurden. Doch müssen wir untersuchen, wer dieser Zacharias, Sohn des Barachias, ist, weil wir von vielen Zachariasen lesen; und damit wir uns nicht irren, wird hier hinzugefügt: den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar erschlagen habt. Manche sagen, es sei jener Zacharias, der der elfte unter den zwölf Propheten ist, und der Name seines Vaters stimmt damit überein, aber wann er zwischen dem Tempel und dem Altar erschlagen wurde, erwähnt die Schrift nicht; aber vor allem zu seiner Zeit gab es kaum noch die Ruinen des Tempels. Andere wollen, dass es Zacharias, der Vater des Johannes, sei.
Catena Aurea · Mt 23
Eine Überlieferung ist auf uns gekommen, dass es im Tempel einen Ort gab, an dem Jungfrauen Gott anbeten durften, während verheirateten Frauen verboten war, dort zu stehen. Und Maria ging nach der Geburt des Erlösers in den Tempel und stand an diesem Ort der Jungfrauen zum Gebet. Und als die, die wussten, dass sie einen Sohn geboren hatte, sie daran hinderten, sagte Zacharias, dass sie, da sie noch Jungfrau sei, des Ortes der Jungfrauen würdig sei. Daraufhin wurde er, als ob er offensichtlich dem Gesetz zuwiderhandelte, dort zwischen dem Tempel und dem Altar von den Männern jener Generation erschlagen; und so ist dieses Wort Christi wahr, das er zu denen sprach, die dort standen: den ihr erschlagen habt.

Catena Aurea · Mt 23
Aber da dies keine Schriftautorität hat, wird es ebenso leicht verworfen wie vorgebracht. Andere wollen, dass es jener Zacharias sei, der von Joas, dem König von Juda, zwischen dem Tempel und dem Altar getötet wurde, das heißt im Vorhof des Tempels. (2 Chron. 24:21.) Aber jener Zacharias war nicht der Sohn des Barachias, sondern des Priesters Jojada. Barachias aber wird in unserer Sprache als ‚Gesegneter des Herrn‘ interpretiert, so dass die Gerechtigkeit des Priesters Jojada durch dieses hebräische Wort ausgedrückt wird. Im Evangelium aber, das die Nazarener verwenden, finden wir ‚Sohn des Jojada‘ statt Sohn des Barachias geschrieben.
Catena Aurea · Mt 23
Es ist auch zu untersuchen, wie er sagt: bis zum Blut des Zacharias, da doch danach das Blut vieler weiterer Heiliger vergossen wurde. Dies wird so erklärt: Abel, ein Schafhirte, wurde auf dem Feld getötet, Zacharias, ein Priester, wurde im Vorhof des Tempels erschlagen. Der Herr nennt daher diese beiden, weil durch sie alle heiligen Märtyrer bezeichnet werden, sowohl aus dem Laien- als auch aus dem Priesterstand.

Catena Aurea · Mt 23
Ferner nennt er Abel, um zu zeigen, dass sie Christus und seine Jünger aus Neid töten würden. Er nennt Zacharias, weil in seinem Fall eine doppelte Ähnlichkeit bestand, sowohl hinsichtlich des heiligen Ortes als auch der heiligen Person.
Catena Aurea · Mt 23
Zacharias wird als ‚Gedächtnis Gottes‘ interpretiert. Wer also eilt, das Gedächtnis Gottes auszulöschen, scheint denen, denen er Anstoß gibt, das Blut des Zacharias, des Sohnes des Barachias, zu vergießen. Denn durch den Segen Gottes bewahren wir das Gedächtnis Gottes. Auch das Gedächtnis Gottes wird von den Gottlosen getötet, wenn der Tempel Gottes durch die Lüsternen befleckt und sein Altar durch die Nachlässigkeit der Gebete entweiht wird. Abel wird als ‚Trauer‘ interpretiert. Wer also jenes nicht annimmt: Selig sind, die trauern, vergießt das Blut Abels, das heißt, er verwirft die Wahrheit der heilsamen Trauer. Manche vergießen gleichsam das Blut der Schriften, indem sie ihre Wahrheit beiseiteschieben, denn alle Schrift ist, wenn sie nicht gemäß ihrer Wahrheit verstanden wird, tot.

Catena Aurea · Mt 23
Und um ihnen jede Entschuldigung zu nehmen, damit sie nicht sagen könnten: Weil du sie zu den Heiden gesandt hast, daran haben wir Anstoß genommen, sagt er voraus, dass seine Jünger zu ihnen gesandt werden sollen, und es ist von ihrer Strafe, dass er hinzufügt: Wahrlich, ich sage euch, all dies wird über diese Generation kommen.
Catena Aurea · Mt 23
(ord.) Er meint nicht nur die dort Anwesenden, sondern die ganze Generation vorher und nachher, denn alle waren eine Stadt und ein Leib des Teufels.

Catena Aurea · Mt 23
Die Regel der Schriften ist, nur zwei Generationen zu kennen, eine der Guten, die andere der Bösen. Von der Generation der Guten wird gesagt: Die Generation der Gerechten wird gesegnet sein. (Ps. 112:2.) Und von der bösen wird im vorliegenden Abschnitt gesagt: Generation von Ottern. Diese also, weil sie gegen die Apostel Ähnliches taten wie Kain und Joas, werden als von einer Generation beschrieben.

Catena Aurea · Mt 23
Andernfalls: Weil er die Strafe der Hölle, mit der er ihnen gedroht hatte, aufschob, spricht er gegen sie Drohungen gegenwärtigen Übels aus und sagt: All dies wird über diese Generation kommen.
Catena Aurea · Mt 23
Wie alle guten Dinge, die von allen Heiligen in jeder Generation seit Grundlegung der Welt verdient worden waren, jener letzten Generation zuteil wurden, die Christus empfing; so kam all das Übel, das alle Gottlosen in jeder Generation seit Grundlegung der Welt zu erleiden verdient hatten, über jene letzte Generation der Juden, die Christus verwarf. Oder so: Wie die Gerechten früherer Heiliger, ja aller Heiligen, nicht so große Gnade verdienen konnten, wie sie den Menschen in Christus gegeben wurde; so konnten die Sünden aller Gottlosen nicht so viel Übel verdienen, wie über die Juden kam, dass sie solches erlitten, wie diese von den Römern erlitten, und dass danach jede Generation von ihnen bis zum Ende der Welt von Gott verworfen und zum Spott aller Heiden gemacht werden sollte. Denn was ist schlimmer, als den Sohn, der in Barmherzigkeit und Niedrigkeit kommt, zu verwerfen und auf solche Weise zu töten! Oder so: Völker und Staaten werden, wenn sie sündigen, nicht sogleich von Gott bestraft, sondern er wartet viele Generationen ab; wenn er es aber für richtig hält, jenen Staat oder jenes Volk zu vernichten, dann scheint er an ihnen die Sünden aller früheren Generationen heimzusuchen, und eine Generation erleidet die Anhäufung all dessen, was frühere Generationen verdient haben. So scheint diese Generation der Juden für ihre Väter bestraft worden zu sein; in Wahrheit aber litten sie nicht für andere, sondern um ihrer selbst willen.

Catena Aurea · Mt 23
Denn wer, nachdem er viele sündigen sah, dennoch ungebessert bleibt, sondern vielmehr dasselbe oder Schlimmeres tut, ist schwererer Strafe ausgesetzt.
37 Jerusalem! Jerusalem! Du tötest die Propheten und steinigst die, die zu dir gesandt sind. Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel sammelt; ihr aber habt nicht gewollt. 38 Seht, euer Haus wird euch verödet überlassen. 39 Denn ich sage euch: Von jetzt an werdet ihr mich nicht mehr sehen, bis ihr ruft:Gepriesen sei er, / der da kommt im Namen des Herrn!
13 Kommentare
Catena Aurea · Mt 23
Der Herr wendet sich als Nächstes an die Stadt, um dadurch seine Hörer zu unterweisen. O Jerusalem, Jerusalem: diese Wiederholung des Namens ist ein Zeichen des Mitleids und der innigen Liebe.

Catena Aurea · Mt 23
Mit Jerusalem meint er nicht die Steine und Gebäude, sondern die dort Wohnenden, über die er mit den Gefühlen eines Vaters klagt.
Catena Aurea · Mt 23
Da er die Zerstörung der Stadt voraussah und den Schlag, den sie von den Römern erhalten würde, rief er sich das Blut der Heiligen ins Gedächtnis, das in ihr vergossen worden war und noch vergossen werden sollte. Du hast Jesaja getötet, der zu dir gesandt wurde, und meinen Knecht Jeremia gesteinigt; du hast Ezechiel das Gehirn ausgeschlagen, indem du ihn über Steine schleiftest; wie sollst du gerettet werden, die du nicht zulässt, dass ein Arzt sich dir nähert? Und er sagte nicht: Hast getötet und gesteinigt; sondern: Tötest und steinigst; das heißt: Dies ist eine gewöhnliche und natürliche Praxis bei dir, die Heiligen zu töten und zu steinigen. Sie tat den Aposteln dasselbe, was sie einst den Propheten getan hatte.

Catena Aurea · Mt 23
Nachdem er so zu ihr gesprochen und von ihren grausamen Morden geredet hatte, sagte er, um sich zu rechtfertigen: Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln? gleichsam als wollte er sagen: Dennoch haben mich diese deine Morde nicht von dir entfremdet, sondern ich wollte dich zu mir nehmen, nicht einmal oder zweimal, sondern viele Male. Die Stärke seiner Zuneigung zeigt er durch den Vergleich mit einer Henne.

Catena Aurea · Mt 23
(Quæst. Ev. i. 36.) Diese Art hat die größte Zuneigung zu ihrer Brut, so sehr, dass, wenn sie krank sind, auch die Mutter krank wird; und was du bei kaum einem anderen Tier findest, sie wird gegen den Milan kämpfen und ihre Jungen mit ihren Flügeln schützen. In ähnlicher Weise wurde unsere Mutter, die Weisheit Gottes, gleichsam krank, als sie das Fleisch annahm, gemäß dem Wort des Apostels: Die Schwachheit Gottes ist stärker als die Menschen, (1 Kor. 1:25.) schützt unsere Schwachheit und widersteht dem Teufel, damit er uns nicht zu seiner Beute mache.
Catena Aurea · Mt 23
Er nennt sie Kinder Jerusalems, so wie wir jede Generation von Bürgern die Söhne der vorhergehenden Generation nennen. Und er sagt: Wie oft, obwohl es wohlbekannt ist, dass er die Juden nur einmal leibhaftig lehrte, weil Christus immer gegenwärtig war in Moses und in den Propheten und in den Engeln, die in jeder Generation dem Heil der Menschen dienten. Wer nicht von ihm gesammelt worden ist, wird gerichtet werden, als hätte er sich weigern wollen, gesammelt zu werden.

Catena Aurea · Mt 23
(non occ.) Mögen also die Häretiker aufhören, Christus einen Anfang von der Jungfrau zuzuschreiben; mögen sie aufhören, einen Gott des Gesetzes und einen anderen der Propheten zu predigen.

Catena Aurea · Mt 23
(Ench. 97.) Wo ist jene Allmacht, durch die Er alles tat, was Ihm gefiel, im Himmel und auf Erden, wenn Er die Kinder Jerusalems hätte sammeln wollen und es nicht tat? War es nicht so, dass sie nicht wollte, dass ihre Kinder von Ihm gesammelt würden, und dennoch sammelte Er gleichwohl diejenigen ihrer Kinder, die Er wollte?

Catena Aurea · Mt 23
Dann droht Er die Strafe an, die sie stets fürchteten, nämlich den Untergang der Stadt und des Tempels, indem Er spricht: Siehe, euer Haus wird euch wüst gelassen.
Catena Aurea · Mt 23
Wie der Leib, wenn der Geist entweicht, zuerst kalt wird und dann verfällt und sich zersetzt; so wird auch euer Tempel, wenn der Geist Gottes sich zurückgezogen hat, zuerst mit Zwietracht und Anarchie erfüllt und danach dem Verderben anheimfallen.
Catena Aurea · Mt 23
In gleicher Weise spricht Christus zu allen, die nicht unter Seine Flügel gesammelt werden wollten, diese Drohung: Siehe, euer Haus wird euch wüst gelassen; d. h. eure Seele und euer Leib. Wenn aber einer von euch nicht unter die Flügel Christi gesammelt werden will, so wird er von dem Zeitpunkt an, da er sich geweigert hat, so gesammelt zu werden (durch einen geistigen eher als leiblichen Akt), die Schönheit des Wortes nicht mehr sehen, bis er seine böse Absicht bereut und spricht: Gesegnet sei Er, der da kommt im Namen des Herrn. Und das Wort des Herrn kommt dann mit einem Segen über das Herz eines Menschen, wenn einer sich zu Gott bekehrt.

Catena Aurea · Mt 23
Ich sage euch: Ihr werdet Mich nicht sehen, usw. Das heißt: Wenn ihr nicht Buße tut und nicht bekennt, dass Ich der bin, von dem die Propheten gesprochen haben, der Sohn des allmächtigen Vaters, werdet ihr Mein Angesicht nicht sehen. So ist den Juden eine Zeit für ihre Buße gewährt. Lasst sie Ihn selig preisen, der da kommt im Namen des Herrn, und sie werden dann das Angesicht Christi schauen.

Catena Aurea · Mt 23
Andernfalls; hierin spielt Er verborgen auf Seine zweite Ankunft an, wenn sie Ihn gewiss anbeten werden. Von nun an bedeutet: von der Zeit Seiner Kreuzigung an.