Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 23
23 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel, aber das Wichtigste im Gesetz schiebt ihr beiseite: die Gerechtigkeit, das Erbarmen und die Treue. Dies aber sollte man tun und jenes nicht lassen. 24 Ihr blinden Führer, die ihr die Mücken aussiebt, das Kamel aber verschluckt!
Oder: Weil diese habgierigen Priester, wenn jemand seinen Zehnten von der kleinsten Sache nicht brachte, dies zu einem Gegenstand schweren Tadels machten; wenn aber jemand seinen Nächsten schädigte oder gegen Gott sündigte, machten sie sich keine Mühe, ihn zu tadeln, sondern kümmerten sich nur um ihren eigenen Nutzen, vernachlässigten die Ehre Gottes und das Heil der Menschen. Denn Gerechtigkeit zu üben, Barmherzigkeit zu erweisen und Glauben zu haben, diese Dinge gebot Gott zu seiner eigenen Ehre; aber die Zahlung des Zehnten setzte er zur Unterstützung der Priester fest, damit die Priester dem Volk in geistlichen Dingen dienten und das Volk die Priester mit leiblichen Dingen versorgte. So ist es zu dieser Zeit, da alle auf ihre eigene Ehre bedacht sind, keiner auf Gottes Ehre; sie schützen eifersüchtig ihre eigenen Rechte, wollen aber keine Mühe im Dienst der Kirche aufwenden. Wenn das Volk seinen Zehnten nicht gebührend zahlt, murren sie; wenn sie aber das Volk in Sünde sehen, sagen sie kein Wort gegen sie. Da aber einige der Schriftgelehrten und Pharisäer, zu denen er jetzt spricht, aus dem Volk waren, ist es nicht unpassend, eine andere Auslegung zu geben; und ‚den Zehnten geben‘ kann ebenso von dem gesagt werden, der zahlt, wie von dem, der empfängt. Die Schriftgelehrten also und Pharisäer brachten den Zehnten von den allerbesten Dingen dar, um ihre Gerechtigkeit zur Schau zu stellen; aber in ihren Urteilen waren sie ungerecht, ohne Barmherzigkeit für ihre Brüder, ohne Glauben an die Wahrheit.