
Hieronymus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 23
5 Mit allem, was sie tun, wollen sie sich vor den Menschen zur Schau stellen. Sie machen ihre Gebetsriemen breit und ihre Mantelquasten lang, 6 lieben den Ehrenplatz bei den Gastmählern, die ersten Sitze in den Synagogen, 7 die Begrüßungen auf den Marktplätzen und lassen sich von den Leuten Rabbi (Meister) nennen. 8 Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. 9 Auch sollt ihr niemand unter euch auf der Erde Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. 10 Auch Lehrer sollt ihr euch nicht nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer: Christus. 11 Der Größte unter euch soll euer Diener sein. 12 Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
Es ist eine Schwierigkeit, dass der Apostel gegen dieses Gebot sich selbst den Lehrer der Heiden nennt; und dass in Klöstern in ihrer gewöhnlichen Unterhaltung einer den anderen Vater nennt. Das ist so zu klären: Es ist eines, von Natur aus Vater oder Meister zu sein, ein anderes, durch Duldung. Wenn wir also irgendeinen Menschen unseren Vater nennen, tun wir es, um seinem Alter Respekt zu erweisen, nicht indem wir ihn als den Urheber unseres Seins betrachten. Wir nennen Menschen auch ‚Meister‘ wegen der Ähnlichkeit mit einem wahren Meister; und um keine langwierige Wiederholung zu gebrauchen: So wie der eine Gott und der eine Sohn, die von Natur aus sind, uns nicht daran hindern, andere Götter und Söhne durch Adoption zu nennen, so hindern der eine Vater und der eine Meister uns nicht daran, von anderen Vätern und Meistern durch einen Missbrauch der Begriffe zu sprechen.