Origenes
Catena Aurea · Matthäusevangelium 23
16 Weh euch, blinde Führer, die ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, so ist das nichts; wer aber beim Gold des Tempels schwört, der ist gebunden. 17 Ihr Toren und Blinden! Was ist denn wertvoller, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt? 18 Oder: Wenn einer beim Altar schwört, so ist das nichts; wer aber bei der Gabe schwört, die darauf liegt, der ist gebunden. 19 Ihr Blinden! Was ist denn größer, die Gabe oder der Altar, der die Gabe heiligt? 20 Wer also beim Altar schwört, der schwört bei ihm und allem, was darauf liegt, 21 und wer beim Tempel schwört, der schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt. 22 Und wer beim Himmel schwört, der schwört beim Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.
Nun ist ein Eid eine Bekräftigung von etwas Gesagtem. Der Eid kann hier also das Zeugnis der Schrift bedeuten, das wir zur Bekräftigung jenes Wortes anführen, das wir sprechen. So ist die göttliche Schrift der Tempel Gottes, das Gold ist der Sinn, den sie enthält. Wie das Gold, das außerhalb des Tempels ist, nicht geheiligt ist, so sind alle Gedanken, die außerhalb der göttlichen Schrift stehen, wie bewundernswert sie auch erscheinen mögen, nicht geheiligt. Wir dürfen daher keine eigenen Spekulationen zur Bekräftigung der Lehre vorbringen, außer solchen, von denen wir zeigen können, dass sie durch ihre Enthaltung in der göttlichen Schrift geheiligt sind. Der Altar ist das menschliche Herz, das das Hauptstück im Menschen ist. Die Opfer und Gaben, die auf dem Altar verborgen sind, sind alles, was im Herzen getan wird, wie beten, singen, Almosen geben, fasten. Jede Opfergabe eines Menschen wird also durch sein Herz geheiligt, durch das die Opfergabe dargebracht wird. Es kann daher keine ehrenvollere Opfergabe geben als das Herz des Menschen, aus dem die Opfergabe hervorgeht. Wenn also das Gewissen einen nicht schlägt, hat er Zuversicht zu Gott, nicht wegen seiner Gaben, sondern sozusagen weil er den Altar seines Herzens recht geordnet hat. Drittens können wir sagen, dass über dem Tempel, das heißt über jeder Schrift, und über dem Altar, das heißt über jedem Herzen, ein gewisser Sinn steht, der Himmel genannt wird, der Thron Gottes selbst, in dem wir die Dinge, die offenbart sind, von Angesicht zu Angesicht sehen können, wenn das Vollkommene gekommen ist.