
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 23
1 Darauf sagte Jesus zu den Volksscharen und zu seinen Jüngern: 2 Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. 3 Darum tut und befolgt alles, was sie euch sagen; nach ihren Werken aber richtet euch nicht; denn sie reden zwar, handeln aber nicht danach. 4 Sie binden schwere Lasten zusammen und laden sie den Menschen auf die Schultern, selbst aber wollen sie keinen Finger krümmen, um sie zu bewegen.
Sieh, womit er seine Zurechtweisung beginnt: Denn sie sagen es und tun es nicht. Jeder, der das Gesetz übertritt, verdient Tadel, besonders aber der, der das Amt der Unterweisung innehat. Und dies aus dreifachem Grund; erstens, weil er ein Übertreter ist; zweitens, weil er, während er andere zurechtweisen sollte, selbst hinkt; drittens, weil er, da er im Rang eines Lehrers steht, verderblicher wirkt. Weiter erhebt er eine weitere Anklage gegen sie, daß sie die ihnen Untergebenen bedrücken: Sie binden schwere Lasten; darin zeigt er ein doppeltes Übel bei ihnen; daß sie ohne jede Nachsicht die äußerste Strenge des Lebens von denen forderten, die ihnen untergeben waren, während sie sich selbst dabei große Freiheit erlaubten. Ein guter Vorgesetzter aber sollte das Gegenteil tun, sich selbst ein strenger Richter, anderen ein barmherziger sein. Beachte, mit welch eindringlichen Worten er seinen Tadel ausspricht; er sagt nicht: sie können nicht, sondern: sie wollen nicht; und nicht: heben sie auf, sondern: rühren sie mit einem ihrer Finger an.