Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 23
29 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr baut den Propheten Gräber und schmückt die Grabmäler der Gerechten 30 und sagt: Hätten wir in den Tagen unserer Väter gelebt, wir hätten uns nicht mitschuldig gemacht am Blut der Propheten. 31 So stellt ihr euch selbst das Zeugnis aus, dass ihr Söhne der Prophetenmörder seid.
Oder sie sagten bei sich selbst: Wenn wir den Armen Gutes tun, sehen es nicht viele, und dann nur für einen Augenblick; wäre es nicht besser, Gebäude zu errichten, die alle sehen können, nicht nur jetzt, sondern für alle kommende Zeit? O törichter Mensch, was nützt dieses nachträgliche Andenken, wenn du dort, wo du bist, gequält wirst und dort, wo du nicht bist, gelobt wirst? Während Er die Juden zurechtweist, unterweist Er die Christen; denn wären diese Dinge nur zu jenen gesprochen worden, wären sie gesprochen, aber nicht geschrieben worden; nun aber wurden sie um ihretwillen gesprochen und um unseretwillen geschrieben. Wenn einer neben anderen guten Werken heilige Gebäude errichtet, ist das eine Hinzufügung zu seinen guten Werken; wenn aber ohne andere gute Werke, ist es eine Leidenschaft für weltlichen Ruhm. Die Märtyrer freuen sich nicht, mit Geld geehrt zu werden, das die Armen zum Weinen gebracht hat. Die Juden waren zudem stets Verehrer der Heiligen früherer Zeiten und Verächter, ja Verfolger der Lebenden. Weil sie die Vorwürfe ihrer eigenen Propheten nicht ertragen konnten, verfolgten und töteten sie sie; aber später erkannte die nachfolgende Generation den Irrtum ihrer Väter und errichtete so in Trauer über den Tod unschuldiger Propheten Denkmäler für sie. Doch sie selbst verfolgten und töteten in gleicher Weise die Propheten ihrer eigenen Zeit, wenn diese sie wegen ihrer Sünden tadelten. Das ist gemeint mit: Und ihr sagt: Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, wir hätten uns nicht mit ihnen am Blut der Propheten beteiligt.