Suppl., q. 71 a. 8
Ob Fürbitten den Heiligen im Himmel nützen?
Quaestio 71 · Von den Fürbitten für die Verstorbenen
Einwand 1: Es scheint, dass Fürbitten den Heiligen im Himmel auf irgendeine Weise nützen; aufgrund der Worte des Schlussgebetes in der Messe [*Postcommunio, Fest des Hl. Andreas, Apostel]: "So wie sie" (d.h. die Sakramente) "deinen Heiligen zur Herrlichkeit dienen, so mögen sie uns zur Heilung nützen." Nun ist das Opfer des Altars das vornehmste unter allen Fürbitten. Also nützen Fürbitten den Heiligen im Himmel.
Einwand 2: Ferner bewirken die Sakramente das, was sie bezeichnen. Nun bezeichnet der dritte Teil der Hostie, jener nämlich, der in den Kelch gelassen wird, jene, die ein glückseliges Leben im Himmel führen. Also nützen die Fürbitten der Kirche denen, die im Himmel sind.
Einwand 3: Ferner freuen sich die Heiligen im Himmel nicht nur über ihre eigenen Güter, sondern auch über die Güter anderer: daher steht geschrieben (Lk 15,10): "Es herrscht [Vulg.: 'wird herrschen'] Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut." Also nimmt die Freude der Heiligen im Himmel aufgrund der guten Werke der Lebenden zu: und folglich nützen ihnen auch unsere Fürbitten.
Einwand 4: Ferner sagt der Damaszener (Serm.: De his qui in fide dormierunt), indem er die Worte des Chrysostomus zitiert: "Denn wenn die Heiden", sagt er, "die Toten zusammen mit dem verbrennen, was ihnen gehört hat, wie viel mehr solltest du, ein Gläubiger, einen Gläubigen zusammen mit dem aussenden, was ihm gehört hat, nicht damit auch sie wie er zu Asche werden, sondern damit du ihn dadurch mit größerer Herrlichkeit umgibst; und wenn er ein Sünder ist, der gestorben ist, damit du ihn von seinen Sünden löst, und wenn er gerecht ist, damit du seinen Lohn und seine Belohnung vermehrst!" Und so folgt dieselbe Schlussfolgerung.
Dagegen spricht: Wie im Text zitiert (Sent. iv, D, 15), sagt Augustinus (De Verb Ap., Serm. xvii): "Es ist beleidigend, für einen Märtyrer in der Kirche zu beten, da wir uns seinen Gebeten empfehlen sollten."
Ferner gehört es zu einem, der bedürftig ist, unterstützt zu werden. Aber die Heiligen im Himmel sind ohne jegliches Bedürfnis. Also werden sie nicht durch die Fürbitten der Kirche unterstützt.
Ich antworte darauf: Fürbitte impliziert ihrer Natur nach das Gewähren einer gewissen Hilfe, was nicht auf einen zutrifft, der keinen Mangel leidet: da niemand geeignet ist, unterstützt zu werden, außer dem, der bedürftig ist. Da daher die Heiligen im Himmel frei von allem Bedürfnis sind, trunken von der Fülle des Hauses Gottes (Ps 35,10), sind sie nicht geeignet, durch Fürbitten unterstützt zu werden.
Antwort auf Einwand 1: Solche Ausdrücke bedeuten nicht, dass die Heiligen eine Zunahme an Herrlichkeit in sich selbst dadurch empfangen, dass wir ihre Feste feiern, sondern dass wir dadurch profitieren, dass wir ihre Herrlichkeit mit größerer Feierlichkeit begehen. So wächst durch unser Erkennen oder Loben Gottes und dadurch, dass seine Herrlichkeit so in uns etwas zunimmt, etwas zu, nicht Gott, sondern uns.
Antwort auf Einwand 2: Obwohl die Sakramente bewirken, was sie bezeichnen, bringen sie diese Wirkung nicht in Bezug auf alles hervor, was sie bezeichnen: sonst würden sie, da sie Christus bezeichnen, etwas in Christus bewirken (was absurd ist). Aber sie bringen ihre Wirkung im Empfänger des Sakraments hervor kraft dessen, was durch das Sakrament bezeichnet wird. So folgt nicht, dass die Opfer, die für die verstorbenen Gläubigen dargebracht werden, den Heiligen nützen, sondern dass sie durch die Verdienste der Heiligen, derer wir gedenken oder die im Sakrament bezeichnet werden, anderen nützen, für die sie dargebracht werden.
Antwort auf Einwand 3: Obwohl die Heiligen im Himmel sich über alle unsere Güter freuen, folgt daraus nicht, dass, wenn unsere Freuden vermehrt werden, ihre Freude auch formal vermehrt wird, sondern nur materiell, weil jede Leidenschaft formal in Bezug auf den formalen Aspekt ihres Objekts vermehrt wird. Nun ist der formale Aspekt der Freude der Heiligen, egal worüber sie sich freuen, Gott selbst, in dem sie sich nicht mehr und weniger freuen können, denn sonst würde ihr wesentlicher Lohn, der in ihrer Freude an Gott besteht, variieren. Daher folgt aus der Tatsache, dass die Güter vermehrt werden, worüber sie sich mit Gott als dem formalen Aspekt ihrer Freude freuen, nicht, dass ihre Freude intensiviert wird, sondern dass sie sich über mehr Dinge freuen. Folglich folgt nicht, dass sie durch unsere Werke unterstützt werden.
Antwort auf Einwand 4: Der Sinn ist nicht, dass dem Heiligen eine Zunahme an Lohn oder Belohnung aus den von einer Person dargebrachten Fürbitten zuwächst, sondern dass dies dem Darbringenden zuwächst. Oder wir können antworten, dass die seligen Verstorbenen einen Lohn aus Fürbitten ziehen können, indem sie zu Lebzeiten dafür gesorgt haben, dass Fürbitte für sie selbst dargebracht wird, und dies war für sie verdienstlich.